beckett

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charlie : 6.32 UTC – In dem kleinen Café, das den Namen Sahara trägt, wird Menschen, die am Flug­hafen arbeiten, Rabatt gewährt. Iclal ist müde, sie kommt gerade von der Arbeit. Außerdem schneit es in einer Weise, als wäre Winter. Sie zieht ihren Mantel aus und die Hand­schuhe, legt sie auf den Tisch vor sich hin und sagt: Ich will über die Abstim­mung in der Türkei nicht spre­chen. Spre­chen wir über meine nächste Reise, ich weiss nicht wohin ich reisen soll, ich bin seit ich denken kann, immer in die Türkei gereist, diesmal werde ich nicht in die Türkei reisen. – Ist es zu gefähr­lich, frage ich. – Nein, antwortet lcal, es ist nicht gefähr­lich für mich, ich will nicht. Wohin könnte ich nur reisen im Sommer? – Ich sage: Venedig ist schön, aber eher im späten Herbst, viel­leicht magst Du in die Berge gehen, Du könn­test auf einer Hütte im Karwen­del­ge­birge wohnen und wandern, das ist ganz wunderbar dort. In diesem Moment entdecke ich einen Schriftzug von weisser Farbe, der Iclals rosa­far­benes T-Shirt bedeckt: Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better. Das sind wunder­bare Worte, sage ich, Samuel Beckett hat sie geschrieben. – Ja, wirk­lich, antwortet Ical, wer ist das? Sie sieht an sich herab. Ich habe nicht darauf geachtet, was da steht, das ist Englisch, ich kann kein Englisch, was steht da, das Beckett geschrieben hat? – Ich über­lege, wie ich Becketts Sätze korrekt über­setzen könnte. ich über­lege lange. Das ist offen­sicht­lich schwierig, sagt Iclal. Nein, sage ich, das ist Poesie, da muss man sehr behutsam mit den Wörtern umgehen, man muss sehr genau sein. Kurz darauf werde ich mit meiner Über­set­zung fertig. Iclal hört zu. Iclal beginnt zu lachen. Bald bekommt sie kaum noch Luft wie so lacht, und ich dachte noch, wie gerne ich ihr Lachen in diesem Moment auf Tonband aufge­nommen hätte – stop

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