ein ohr

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delta : 22.01 – Ich erin­nere mich gern an Max. Er war gerade 6 Jahre alt gewor­den, als ich ihm zuletzt per­sön­lich begeg­nete. Wir saßen damals an einem Küchen­tisch, es war Abend, Max schon müde. Er schüt­telte etwas gelang­weilt eine Papri­ka­schote und wun­derte sich, weil in der gel­ben Frucht Bewe­gung zu sein schien. Ich nahm ihm die Paprika aus der Hand, und tat­säch­lich war in ihrem Inne­ren etwas lose gewor­den oder exis­tierte dort, das sich übli­cher­weise nicht in einer Paprika befin­den sollte. Also legte ich die Paprika zur Unter­su­chung auf einen Tel­ler und öff­nete sie vor­sich­tig. Es war ein klei­nes Loch, das ich in die Paprika schnitt. Seite an Seite sit­zend war­te­ten wir gespannt vor der Frucht dar­auf, ob viel­leicht Irgend­et­was oder Irgend­je­mand aus der Öff­nung stei­gen würde. Indes­sen erzählte ich von der Erfin­dung der Tief­see­e­le­fan­ten, von ihren kilo­me­ter­lan­gen Rüs­seln, die sie zur Mee­res­ober­flä­che recken, sofern sie den Atlan­tik durch­que­ren. Bald wurde Max unge­dul­dig, er nahm die Paprika in seine Hände, um durch das spar­same Loch zu spä­hen, ohne frei­lich etwas sehen zu kön­nen, es war dun­kel da drin, wes­halb ich das Loch ver­grö­ßerte, und außer­dem noch zwei klei­nere Löcher für das Licht seit­wärts in den Kör­per trieb. Wie­derum spähte Max in die Paprika, jetzt konnte er etwas erken­nen. Er stellte nüch­tern fest, dass sich in der Paprika ein Ohr befin­den würde, ein Papri­kaohr, ganz ein­deu­tig. Zwei Jahre sind seit­her ver­gan­gen. Als ich kürz­lich mit Max tele­fo­nierte, erklärte er, dass er in der Schule Tief­see­men­schen mit Blei­stift zeich­nete. Immer wie­der habe er die Kör­per der Tief­see­men­schen, die über den Mee­res­bo­den spa­zier­ten, aus­ra­diert, um sie noch klei­ner zu machen, damit ihre Hälse auch lang genug wer­den konn­ten auf dem viel zu klei­nen Blatt Papier, das ihm zur Ver­fü­gung gestellt wor­den war. – stop

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