esmeralda

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tango : 22.08 – Vor zwei Tagen, später Nach­mittag, über­reichte mir ein schwer atmender Bote ein Päck­chen, auf dessen Anschrif­ten­seite mit wuch­tigen Druck­buch­staben eine Anwei­sung notiert worden war: Do not shake! Der junge Mann, viel­leicht um mich zu warnen, deutete auf die Schachtel in seiner Hand und sagte: Ich rieche, dass in diesem Päck­chen etwas lebt! Und schon war er wieder auf der Treppe verschwunden. Tatsäch­lich handelte es sich bei dem Päck­chen um einen Lebend­trans­port, der in der italie­ni­schen Hafen­stadt Tala­mone aufge­geben worden war. Eine Schnecke hockte in einer perfo­rierten Schachtel geduckt unter welken Blät­tern. Als ich das kleine Tier vorsichtig auf einen Teller setzte, machte es zunächst einen sehr müden, erschöpften Eindruck. Sein Haus schien bald vom Körper zu rutschen, auch wurde keinerlei Flucht­ver­such unter­nommen, statt­dessen saß die Schnecke nahezu ohne Bewe­gung und schaute mich an. Selbst, als ich mich mit einem Finger näherte, zog sie sich nicht in ihr Kalk­ge­winde zurück. Eine halbe Stunde lang betrach­teten wir uns geduldig. Dann war später Abend geworden, ich hatte mehr­fach tele­fo­niert, der Schnecke ein Apfel­stück­chen ange­boten, das Pack­pa­pier, in welches die Sendung einge­schlagen gewesen war, auf der Suche nach einer Botschaft oder einem Absender, einge­hend unter­sucht, und war dann kurz spazieren gegangen. Indessen hatte sich die Schnecke in Rich­tung der Südwand meiner Küche in Bewe­gung gesetzt, war von dort aus, eine schim­mernde Spur hinter­las­send, weiter zur Diele hin gewan­dert, erreichte dort den Boden, um eine halbe Stunde später mein Arbeits­zimmer zu betreten. Derart leise war die Schnecke weiter­ge­zogen, dass ich sie beinahe vergessen hätte. Dann war Samstag, der Samstag verging, zwei weitere Stück­chen Apfel, und es wurde Sonntag und wieder Abend und es begann zu regnen. In diesem Moment sitzt die Schnecke einen halben Meter hoch über dem Fußboden an der Wand meines Wohn­zim­mers. Sie scheint zu schlafen. Wiederum ist sie nicht in ihrem Häus­chen verschwunden, was höchst merk­würdig ist. – stop

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