kaprunbiber

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charlie

~ : malcolm
to : louis
subject : KAPRUNBIBER
date : jun 24 12 10.12 p.m.

371 West 11. Straße. Wir haben unsere Posi­tion kaum verän­dert. Frankie scheint sich auf dem Dach des Back­stein­hauses, von dem wir bereits erzählten, für unbe­stimmte Zeit einge­richtet zu haben. Dass wir eine Wohnung anmieten konnten im Haus gleich gegen­über, ist von großem Vorteil, wir fallen nicht weiter auf, in dem wir nach Frankie Ausschau halten. Eine kleine Wohnung mit rampo­niertem Dielen­boden, der unter unseren Schritten ächzt und kracht. Bei gutem Wetter sitzen wir auf einem der Balkone des Hauses. Frankie besucht uns dort von Zeit zu Zeit, er wagt sich schon auf den Tisch, wenn wir Nüsse für ihn abge­legt haben. Wüsste er, wer wir sind, würde er sich vermut­lich fern­halten. Er scheint seine erste Begeg­nung mit uns tatsäch­lich vergessen zu haben. So nah kommt er heran, dass wie die Umrisse des Spei­cher­me­diums, welches wir unter seinem Fell vernähten, mit bloßem Auge erkennen. Und so haben wir ange­nehme Beob­ach­tungs­tage. Juni. Die Nächte sind ruhig, stünd­lich vernehmen wir Signal­zei­chen der Schiffe vom nahen Fluss. Dann kommt die Sonne und ihre Hitze, Frankie ruht wie eine Katze flach auf dem Blech­dach des Hauses gegen­über. Manchmal rast er das alte Gemäuer senk­recht auf und nieder, als würde er nach Fliegen jagen. Es scheint ihm außer­or­dent­lich gut zu gehen, klap­pernde Müll­tonnen, die geöff­neten Fenster der Wohnungen, Wasser­tanks auf den Dächern, in welchen Frankie badet, es ist ein wirk­lich guter Ort für ein junges, kräf­tiges Eich­hörn­chen. Die Nach­richten jedoch, die wir über unsere Kanäle empfangen, sind beun­ru­hi­gend. Ich zwei­fele manchmal daran, ob wir noch in der Lage wären, Frankie zu töten, sollte der Befehl zu seiner Besei­ti­gung kommen. – Ihr Malcolm / code­wort : kaprun­biber

empfangen am
24.06.2013
1950 zeichen

malcolm to louis »

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