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nordpol : 1.15 – Gestern Abend ist etwas Lustiges passiert. Schnecke Esme­ralda entdeckte eine Möglich­keit, mein Fern­seh­gerät zu besteigen. Sie saß wohl schon eine Weile dort obenauf, als ich sie, kurz nachdem ich das Fern­seh­gerät einge­schaltet hatte, bemerkte. Vom aufblen­denden Licht unter ihrem Haftfuß über­rascht, begann sie, kreuz und quer über den Bild­schirm zu flüchten, ihre Augen indessen streckte sie soweit wie möglich von sich, schließ­lich ließ sie sich einfach fallen, wand sich auf dem Boden als wäre sie verrückt geworden, lag dann eine Weile still, so dass ich mich vorsichtig näherte, weil ich fürch­tete, sie könnte ernst­haft Schaden genommen haben. Ich fuhr, um ihre Lebens­geister zu locken, mit einem feinen Pinsel über ihre feuchte, ledrige Haut, und bemerkte bald wie ein Schim­mern über ihren Körper wanderte. Kurz darauf streckte sich ihr Körper unter ihrem schweren Gehäuse in der Art der Sche­cken, wenn sie sich erheben, und wanderte über den Boden fort in die Diele und von dort aus in die Küche hoch auf den Tisch, wo sie nun seit Stunden auf einer Banane sitzt. Ich glaube, sie schläft, ihre Turmaugen haben sich in den Körper zurück­ge­zogen, aber sie erwacht unver­züg­lich, wenn ich und solange ich tele­fo­niere, zum Beispiel mit M., die von ihrem Freund erzählt, der bald nach Mexiko reisen wird. Sie wohnt seit Jahren mit ihm in einer Wohnung, ohne ein Wort mit ihm zu spre­chen. Sie sagt, jede seiner Reisen seien für sie mit dem Wunsch verbunden, er möge bald zurück­kehren, sie sei fröh­lich, sobald er wieder in die Wohnung trete, spre­chen werde sie jedoch nie wieder mit ihm an diesem Ort, und das sei gut so, weil sie sich in dieser Weise zu Hause nie streiten, sie lebten sehr harmo­nisch, er mache immer Früh­stück für sie, er lege Foto­gra­fien, zum Beispiel von Mexiko, auf ihren gemein­samen Tisch, sie suche dann die Guten heraus, Bilder, die gelungen sind, es gebe nie Diskus­sionen deswegen, weil sie eben nicht mehr mitein­ander spre­chen, höchs­tens mit den Augen und mit den Händen oder mittels Gegen­ständen, die irgendwo liegen oder nicht liegen. – stop

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