tiefseeelefanten

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echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : MONTAUK

Lieber Mr. Kekkola, haben Sie vielen Dank für die feine Foto­grafie, die Sie mir gestern Abend über­mit­telten. Wie ich mich herz­lich freue, dass Sie sich an mich erin­nerten, an die Geschichte uralter Elefan­ten­wan­der­wege, die den Grund des Kari­ba­sees durch­kreuzen. Und doch glaube ich, ist der See, an den ich vor langer Zeit einmal dachte, viel zu tief und viel zu breit, als dass Elefanten ihn passieren könnten, ohne Schaden zu nehmen. Nun, wir werden sehen. Ich bin beru­higt, weil Sie mir schreiben, dass ich Ihren Namen als Pseud­onym weiterhin verwenden darf, auch für unheim­liche Geschichten, wie die Geschichte meiner spezi­ellen Käfer­wesen von Menschen­haut. Schön muss es bei ihnen sein in Montauk. Ich besuchte Ihre Gegend mit der Google – Earth­ma­schine, habe ihr Haus beob­achtet und am Strand den Schatten einer mensch­li­chen Gestalt. Denkbar, dass Sie das gewesen sind, so klein, so winzig. Habe ich Ihnen berichtet, dass ich ein Wunsch­buch für Träume führe seit einigen Tagen? Ich könnte, nein, ich sollte für die kommende Nacht notieren: Schlafen gegen zwei! Erzähl dir Elefan­ten­herden, die den Atlantik durch­queren. Schwe­bend unter Rüsseln von phan­tas­ti­scher Länge, leicht, wie Menschen auf dem Mond, spazieren sie schnor­chelnd über schnee­weißen Tief­see­sand. Herz­lich grüßt Sie Ihr Louis. Ahoi!


gesendet am
12.07.2009
22.58 MEZ
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appalachian trial

14

echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : NACHTBÄREN

Lieber Mr. Kekkola, haben Sie sich also auf den Weg gemacht! Wie sehr ich mich für Sie freue! Den Appa­la­chi­an­trail einmal anstatt von Süden kommend, von Norden her zu bewan­dern: feine Idee. Ich bin begeis­tert! Aber Sie sind spät, sehr spät sind Sie, viele Tage werden Sie unter Regen­wolken wandern. Ich hoffe, man hat Sie gut vorbe­reitet, hoffe, dass Sie über ein wasser­festes Telefon und eine gleich­wohl wasser­feste Schreib­ma­schine verfügen. Ihre erste Nach­richt ist heute Morgen jeden­falls bei mir einge­troffen. Eine E-Mail, der nicht anzu­sehen ist, dass sie in der Wildnis geschrieben wurde. Wir leben doch in selt­samen Zeiten. Ich habe mir sofort eine kleine Karte ihrer Route besorgt. Was machen die Bären? Und die Bienen? Und die Ameisen? Natür­lich werde ich unver­züg­lich an Sie schreiben, sobald ich einen ersten tieferen Eindruck vom Rüssel­prinzip der Tief­see­ele­fanten gewonnen habe. Ich denke Tag und Nacht über das Atmen in großer Tiefe nach. Ganz vorsichtig teile ich Ihnen mit, dass ich viel­leicht bereits eine Ahnung habe. Bis bald, mein lieber Kekkola. Passen Sie gut auf sich auf! – Ihr Louis

gesendet am
27.07.2009
18.58 MESZ
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trail

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lichtforscher

14

echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : TRAUMLICHT

Lieber Mr. Kekkola, ahoi! Was machen Sie denn so? Seit Tagen keine Nach­richt aus der Wildnis. Sind Sie noch am Leben oder wurden Sie bereits heim­lich von Bären gefressen? Vermut­lich haben Ihnen lüsterne Fliegen derart zuge­setzt, dass Sie kaum noch aus den Augen sehen können. Hörte, kühlende Moose, sollen helfen, dass Sie wieder in die Welt hinaus schauen und mir schreiben werden. Nach einer kleinen Reise südwärts wird nun wieder über Tief­see­ele­fanten nach­ge­dacht. Das ist schon seltsam, wenn ich Stunden an ein und dieselbe Sache denke, dann wird sie so vertraut, dass ich sie mit mir ins Bett nehmen kann, ich meine, ich träume, ich träume, mein lieber Kekkola, mit Elefanten über atlan­ti­schen Tief­see­boden zu spazieren. Erin­nere mich gerade an einen Forscher des Lichts. Wenn Du einem Problem, einer Idee, einer Spur wirk­lich nahe kommen willst, sagte mein Vater, dann musst Du so intensiv daran arbeiten, dass Du nachts im Schlaf nicht davon ablassen kannst. Das hab ich nun also gemacht. Ich betrach­tete fünf­tau­send Meter lange Rüssel und Pater­nos­ter­auf­züge, die es bei Ihnen in Amerika nicht gibt, aber bei uns in Europa, endlos dahin­fah­rende Koffer ohne Deckel, in die man einsteigen kann, einsteigen wie jene Luft, die Tief­see­ele­fanten in kleinen Paketen atmen, Meeres­winde in Beuteln von Haut. Die fahren dann perlend abwärts, ein Beutel nach dem anderen Beutel, zur Lunge hin, die riesig ist und rosa und kühl, wie das Moos, von dem ich Ihnen erzählte. Mein lieber Kekkola, was halten Sie davon? Schreiben Sie mir, sobald Sie wieder schreiben können, ja, schreiben Sie mir! Ich komm Sie sonst holen! Ihr Louis.

gesendet am
20.08.2009
5.32 MESZ
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existenz

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olimambo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : EXISTENZ

Wie weit Sie wohl gekommen sind, mein lieber Kekkola? Sie sollten New Hamp­shire längst erreicht haben. Nach wie vor ersehne ich eine Nach­richt, obwohl ich mir unge­zählte Male vorge­nommen habe, nie wieder in einem Zustand von Erwar­tung zu leben. Und doch ist das jetzt so gekommen, dass ich mich sorge, weil Sie kein Zeichen, nicht das geringste Lebens­zei­chen über­mit­teln. Ein Satz, mein Freund, eine leere Email würde genügen, ich wäre zufrieden, weil ich doch wüsste, dass Sie in der Lage sind, zu lesen, was ich für Sie notiere. Stellen Sie sich vor, in der vergan­genen Nacht habe ich mir über­legt, ob Sie nicht viel­leicht reine Erfin­dung sind und Ihre Briefe an mich nur ausge­dacht. Mein lieber Kekkola, wo auch immer Sie sich aufhalten mögen, nehmen Sie wahr, dass ich an Sie denke. Unlängst, das sollten Sie wissen, stellte ich noch die Frage, wie Tief­see­ele­fanten hören, was sie mitein­ander spre­chen, da doch die Sprech­ge­räu­sche ihrer Rüssel sehr weit von ihren Ohren entfernt jenseits der Wasser­ober­fläche zur Welt kommen und rasch in alle Himmels­rich­tungen verschwinden. Ihr Louis, hoffend.

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10.10.2009
22.38 MESZ
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weitrufend

14

sierra

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : RADAR

Mein lieber Jona­than. Noch immer kein Zeichen. Aber ich weiß, ich spüre, dass Sie am Leben sind. Deshalb schreibe ich weiter, über­mittle meine Nach­richten an Sie in der Hoff­nung, dass irgend­wann einmal eine Antwort eintreffen wird. – Vor zwei Tagen von einer kleinen Reise zurück­ge­kommen, bin ich noch etwas müde, aber froh und voller Zuver­sicht. Ich habe in einem Saal vor Menschen aus einem Text vorge­lesen, den Sie bereits kennen. Ich konnte meine Zuhörer nicht sehen, weil mein Gesicht beleuchtet war. Und weil ich sie so wenig hören wie ich sie sehen konnte, dachte ich für einen Moment, dass sie viel­leicht aufge­hört haben zu atmen oder ganz verschwunden sind, ohne dass ich ihre Flucht bemerkte. Ich beob­ach­tete meine Stimme während ich las. Sie war zunächst eine fremde, öffent­liche Stimme gewesen, entfernt, aber dann, Wort für Wort, kam sie zu mir zurück. Ja, wie ich lang­samer wurde, weil mein Herz sich lang­samer, ruhiger bewegte. Wie jene Wörter, in einer weiteren Zeile als der gerade beschallten Zeile, bereits hörbar waren in meinem Kopf. Ihre besänf­ti­gende Gegen­wart, mein lieber Jona­than! Und nun bin ich also zurück und denke nach und schreibe Ihnen in der Hoff­nung, dass Sie lesen werden, was ich für sie notiere. Ich habe von Ihnen erzählt, wissen Sie! Ich habe erzählt, dass ich mich um Sie sorge. Und ich war stolz, von dem ersten Menschen berichten zu können, der sich mit künst­li­chen Lungen versehen, in die nord­ame­ri­ka­ni­sche Wildnis wagte. Ja, mein lieber Kekkola, ich weiß, dass Sie noch am Leben sind. – Ihr Louis

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28.10.2009
23.58 MESZ
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coney island

14

nordpol

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : CONEY ISLAND

Mein lieber Kekkola, das müssen Sie wissen, ich bin glück­lich, fühle mich leicht, alle Sorgen der vergan­genen Wochen sind von mir gefallen, ein Mensch, der mir nahe ist, wird weiter­leben. Wie schweren Zeiten, leich­tere Zeiten folgen! Nun wieder ange­nehmes Arbeiten. Bin zu atlan­ti­schen Phäno­menen zurück­ge­kehrt, das Hörver­mögen der Tief­see­le­fanten, natür­lich, eine unend­liche Geschichte. Habe darüber nach­ge­dacht, ob es nicht viel­leicht möglich sein könnte, dass Tief­see­ele­fanten über kleine, kaum noch sicht­bare Ohren verfügen, die an ihren Rüssel­spitzen gewachsen sind über Jahr­mil­lionen ihres heim­li­chen Lebens hinweg, um hören zu können, was man spricht in der Trom­pe­ten­sprache jenseits des Wasser. So könnte ich weiter­kommen in dieser Ange­le­gen­heit. Es ist nun beinahe sicher, dass ihre Herden bereits in der Mitte des vergan­genen Jahr­hun­derts vor Coney Island im Staate New York wahr­ge­nommen worden sind. Ein Herr schrieb mir von Hand, seine geliebte Rose habe ihm, während eines Ausfluges an den Strand, von Erschei­nungen erzählt, die alle unsere Vermu­tungen bestä­tigen. Ich füge, lieber Kekkola, meinem Brief eine Foto­grafie hinzu, die an genau jenem Tag der Beob­ach­tung aufge­nommen worden sein soll. Sieht sie nicht hinrei­ßend unsterb­lich aus, Mrs. Rose, wie sie so sitzt und sich über das Tief­see­leuchten ihres Kopfes zu freuen scheint? – Ihr Louis, ihr Vogel.

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14.11.2009
22.58 MESZ
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rose

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zarte lügen

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alpha

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : ZARTE LÜGEN

Mein lieber Jona­than, gestern, stellen Sie sich vor, habe ich von Ihrem Mut erzählt, von Ihrer Begeis­te­rung, unsere Welt, die Welt der Luft­men­schen zu erkunden, eine Welt, die Sie so viele Jahre in einer Wasser­woh­nung lebend, nicht berühren konnten. Man fragte mich, wo genau Sie sich gerade aufhalten mögen und da musste ich zugeben, dass ich das nicht wüsste. Auch wollte man hören, wie Ihre frischen, jungen Lungen sich verhalten, wo genau an Ihrem Körper sie ange­bracht worden sind und wie sie funk­tio­nieren. Natür­lich habe ich keine Auskunft erteilt, will Sie zunächst ersu­chen, mir zu sagen, ob ich berichten darf, weil ihr Atem­ver­mögen doch eine beson­dere und deshalb auch private Ange­le­gen­heit sein könnte. Viel­leicht sind Sie so freund­lich, bei Gele­gen­heit sich mir in dieser Sache zu erklären. Ihren Eltern im Übrigen geht es gut. Natür­lich machen sie sich ernste Gedanken, weil Sie, mein lieber Kekkola, nichts von sich hören lassen. Ihre Mutter blass wie Kreide, und Ihr Vater, ihr Vater um viele Jahre älter geworden. Bald werde ich meinem Wunsch nach­geben und Briefe erfinden, zarte Lügen, beru­hi­gende Nach­richten aus den Wäldern, man will stolz sein, man will wissen, was sie so tun auf Ihrem Weg dem Süden zu und ob sie noch unter den Lebenden weilen. Bleibt mir zu sagen, dass ihre Eltern wieder Nahrung zu sich nehmen. Ich vermute, sie glauben mir in diesen Tagen endlich, dass ihre Wohnung nach Jahr­zehnten undicht geworden sein könnte. Wir machen Fort­schritte. – Ihr Louis, ersten Schnee erwar­tend.

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02.12.2009
22.32 MEZ
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coltrane coltrane

14

nordpol

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : COLTRANE COLTRANE

Ich habe von Ihnen geträumt, mein lieber Kekkola, gestern habe ich von Ihnen geträumt. Kein Wunder, wenn man so viele Tage an einen Menschen denkt und wartet und wartet, dann füllen sich die Nächte mit den Schatten der Wachtraum­ge­danken. Sie sammelten blaue Beeren im Schnee. Und da war ein Fisch mit Flügeln, er lag still zu Ihren Füßen und dampfte. Nach­mit­tags, jenseits meines Traumes, habe ich mit einer Versor­gungs­sta­tion im Bear Mt. State Park tele­fo­niert. Man sagte mir, dass Schnee noch nicht gefallen sei. Von Ihnen hatte man auch nichts gehört. Man wird nun meine Bitte um einen Anruf an Sie weiter­geben, sobald Sie dort einge­troffen. Nur für den Fall, Jona­than, dass Sie nicht in der Lage sein sollten, zu lesen, was ich notiere. Darf ich Ihnen sagen, dass ich ein sehr feines Weih­nachts­ge­schenk für Sie erstei­gern konnte. Eine seltene Live­auf­nahme John Coltrane’s aus den 60er Jahren. Halten Sie die Ohren steif, mein Lieber. Ich freu mich, Sie in Zeiten der Kirsch­baum­blüte wieder­zu­sehen. – Ihr Louis.

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10.12.2009
22.58 MEZ
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parachute jump

14

zulu

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : PARACHUTE JUMP

Jona­than, bester Freund, wie es Ihnen wohl gehen mag? Haben Sie Weih­nachten unter Tannen in einem Zelt verbracht? Haben Sie viel­leicht vergeb­lich versucht, mich zu errei­chen? War verreist für ein paar Tage, hatte eine gute Zeit. Reisen, das ist wie träumen, verstehen Sie! Als ich eines Morgens, noch schlaf­trunken, in meine Wohnung zurück­kehrte, blühten vor den Fens­tern Kakteen. Sie dufteten, wie nur Kakteen duften, süß und kräftig, und ich wunderte mich wie das gekommen sein mag, alle zur selben Zeit, alle im Winter. Eine Nach­richt war da noch auf Band gespro­chen. Mrs. Monterey erzählt, Sie habe in ihrem Hotel im Bear State Park, einem Wanderer ein Zimmer vermietet, einem Mann, groß und schweigsam. Dieser Mann soll Ihnen, lieber Kekkola, derart ähnlich gewesen sein, dass Sie’s höchst­per­sön­lich gewesen sein müssen. Das will ich nun glauben, wünschen, hoffen Kraft meiner Kinder­seele. Kein Wort habe der Mann gespro­chen, statt­dessen selt­same Zeichen in die Luft geschrieben. Ich kenne diese Zeichen! Die Sprache der Taucher! Und wenn ich das in dieser Weise schreibe, werter Jona­than, werden Sie schon einsehen, dass es sinnlos ist, so zu tun, als seien Sie nicht mehr am Leben. Bald wirds meter­hoch schneien und wir werden alle unter­gehen. Erwarte Sie am Strand von Coney Island, Höhe Parachute Jump / 2. Mai 3 pm. – Ihr Louis, Ihr Schnee­mann.

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6.01.2010
22.50 MEZ
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zigarillo

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romeo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : ZIGARILLO

Mein lieber Jona­than, Depe­sche west­wärts. Habe an diesem endenden Tag viele Stunden lang Herzen betrachtet und über Zeppe­l­in­flucht­hand­ta­schen nach­ge­dacht. Bald noch ein wunder­barer Film, Blue in the face, ein Film, der mir so vertraut geworden ist, dass ich ihn in meinem Kopf abspielen könnte wie einen Traum. Ich müsste dann Folgendes träumen in der zweiten Minute der Zeit, einen Tabak­wa­ren­laden träumen, das Jahr 1995 nahe Pros­pect Park in Brooklyn, Lou Reed, wie er hinter der Theke des Ladens steht. Er raucht ein Ziga­rillo, nimmt einen tiefen Zug, beginnt zu spre­chen, ruhig, entspannt. Er sagt: Ich denke einer der Gründe weswegen ich in New York lebe ist, weil, ich kenn mich aus ihn New York. In Paris kenn ich mich nicht aus. Ich kenne mich nicht aus in Denver. Ich kenn mich nicht aus auf Maui, und ich kenn mich nicht aus in Toronto. Und so weiter und so fort. Ich tu’s also fast aus Bequem­lich­keit. Na ja, ich kenne kaum jemanden, der in New York wohnt und nicht gleich­zeitig sagt: Ich geh weg! Also ich denke auch schon lang übers Weggehen nach, unge­fähr seit 35 Jahren. – Ja. – Ich bin jetzt fast so weit. – Schlafen sie wohl, mein lieber Kekkola, wo auch immer Sie sind! Ihr Louis

gesendet am
21.01.2010
23.32 MEZ
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animals

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hibiskus

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : ANIMALS

Gestern, stellen Sie sich vor, habe ich die erste Foto­grafie eines Papier­tier­chens entge­gen­ge­nommen. Sie zeigt das kleine Wesen, wie es sich durch die Luft eines abge­dun­kelten Labors bewegt. Bin voller Freude, habe den halben Tag herum­ge­tanzt, sollte langsam zur Ruhe kommen. Eine Kopie der Aufnahme ist für Sie beige­fügt. Sieht das nicht kraft­voll aus, eine Persön­lich­keit, ein Wunder! Ich komme meinen Träumen nun endlich näher, meinen Wünschen, meinen Geschichten in der Wirk­lich­keit. Nehmen wir einmal an, lieber reisender Freund, ein Bogen lebenden Papiers in der Größe 15 x 30 Zenti­meter würde aus 750 Tausend Tieren bestehen, ja, und nehmen wir einmal an, dieses Papier würde schon jetzt in unserer Welt exis­tieren, dann würden vor uns auf einem Schreib­tisch 750 Tausend kleine Herzen schlagen. Da muss doch irgendein Geräusch wahr­zu­nehmen sein, so viele Herzen in nächster Nähe auf engstem Raum. Auch einen Hauch von Luft wird man wohl spüren, eine Strö­mung, weil sie alle durch­ein­ander atmen. – Ahoi! Ihr Louis

gesendet am
06.02.2010
23.55 MEZ
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fiebermöwen

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india

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : FIEBERMÖWEN

Vergan­gene Woche, lieber Jona­than, ist etwas Merk­wür­diges geschehen. Ich hatte Fieber und geträumt, dass Sie mir einen Brief geschrieben haben. Endlich, endlich, dachte ich, um Himmels Willen, eine Fata Morgana, und wachte auf und erin­nerte mich an Ihre Worte in einer Weise, dass ich Traum von Wirk­lich­keit nicht unter­scheiden konnte. Das mag an meinem heißen Kopf gelegen haben, und so antwor­tete ich auf einen Brief, der niemals exis­tierte. Sie werden sich, mein lieber Kekkola, viel­leicht gewun­dert haben und noch immer amüsieren. Nun, es geht auf Mitter­nacht zu, ist folgende Sache zu erwähnen. Im April werde ich eine Samm­lung von Papier­wesen erhalten, einen Bogen 20 x 28 cm. Darf sie umsorgen und probieren, wie sie sich so machen, wenn einer wie ich sie mit wilden Texten beschreibt. Unseren Tief­see­ele­fanten gehts vortreff­lich. Nahe Bermuda, so wird berichtet, sollen sie einen Schwarm verirrter Möwen aus der Luft gefangen haben. Ahoi! Bis bald am Strand. Ihr Louis

gesendet am
1.03.2010
22.58 MEZ
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windstille

14

echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : WINDSTILLE

Es war Mitt­woch, lieber Jona­than, trau­riger Tag, mein letzter Fisch ist von mir gegangen. Als ich ihn besu­chen wollte, ruhte er seit­wärts auf sandigem Boden, eine scheinbar schla­fende Gestalt. Das Gewicht seines Körpers kurz darauf in meiner Hand, nicht erwar­tete Kühle und die Rauheit seines Kopfes, den ich nie zuvor berührt hatte, ein selt­samer, ein bewe­gender Moment. Sie werden, lieber Kekkola, meine leise Trauer nach Jahren gemein­samen Lebens verstehen, Sie ganz gewiss! – Sagen Sie, wie geht es Ihren Lungen, haben Ihre Atem­flügel den Winter gut über­standen, ist alles so wie gewünscht, oder sind Sie viel­leicht Stunden oder Tage ins Wasser zurück­ge­kehrt, um Luft zu holen in vertrauter Art und Weise? Ein kuriose Vorstel­lung, wie mir scheint, Mr. Kekkola tauchend unter der Eishaut eines nord­ame­ri­ka­ni­schen Sees. Ich darf Ihnen sagen, dass ich mich ein wenig vor Ihnen fürchte! Trotzdem hoffe ich, Sie haben sich bereits auf südöst­li­chen Kurs begeben. Ein wolken­loser Himmel sollte Sie erwarten, Wind­stille bei 17° Celsius, dort wo ich Sie lebend vermute. – Ihr Louis, ahoi!

gesendet am
18.03.2010
4.38 MESZ
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schirme

14

echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : SCHIRME

Rasend, lieber Jona­than, vergeht die Zeit! Ein Jahr ist’s nun her, seit ich das erste Mal von Ihnen hörte. Viele Stunden, ganze Tage, Wochen habe ich an Sie gedacht, und doch keine durch­be­lich­tete Vorstel­lung gewonnen. Ihre Augen, hell oder dunkel? Wie werden Sie mir begegnen, mit welcher Stimme spre­chen? An diesem schönen Morgen darf ich berichten, dass ich mich gut erholen konnte. Fühle mich wohl in meiner Haut. Sieben Uhr. Sie werden sicher noch schlafen da drüben in Amerika, und sofort, wenn Sie in Kürze erwa­chen, einen ersten tiefen Zug kühler Wald­luft zu sich nehmen. Ihre Verwun­de­rung, wie immer, dass Sie nicht länger unter Wasser leben, dass Sie frei sich zu bewegen in der Lage sind. Wie oft schon habe ich den Versuch unter­nommen, mich einzu­fühlen in ihre Lage, unvoll­kommen, sagen wir, aber nicht vergeb­lich, wie ich hoffe, weil Sie bemerkt haben werden, dass ich mich um Sie kümmere, dass ich Fragen stelle, dass ich Sie nicht gedan­kenlos der Welt über­ant­wortet habe. Noch zwei­und­zwanzig Tage, mein lieber Kekkola, hören Sie zu! Ich habe Wetter­karten studiert, fürchte, wir werden unter Regen­schirmen sitzen. Ihren Eltern im Übrigen geht es gut! Ahoi! Ihr Louis

gesendet am
10.04.2010
6.01 MESZ
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standby

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nordpol

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : STANDBY

Mein lieber Jona­than, Mitt­woch ist geworden, früher Morgen, höchste Zeit, eine Nach­richt zu über­mit­teln, die Sie viel­leicht traurig stimmen wird. Sie haben gehört, eine Insel nahe Grön­land spricht seit Tagen mittels Feuer und Asche zur Welt. Vermut­lich werden Sie sich fragen, warum ich Ihnen davon erzähle. Nun, der Himmel über Europa ist zu einem unsi­cheren Ort geworden, Staub­steine fliegen durch die Luft in großer Höhe, es ist denkbar, dass sich meine Reise zu Ihnen nach Amerika verzö­gern wird. Ich habe deshalb eine Bitte an Sie, lieber Mr. Kekkola, den drin­genden Wunsch habe ich, dass Sie selbst, sollte ich im Mai, am 2. des Monats, nicht auf Coney Island erscheinen, für mich dort sitzen und den Hori­zont foto­gra­fieren werden, unsere Elefanten, Sie verstehen, Spuren unserer Elefanten! Ich wäre Ihnen so sehr herz­lich dankbar, mein lieber Freund. Machen Sie sich um Gottes­willen unver­züg­lich auf den Weg! Bis bald, ich hoffe, bis bald! STANDBY. – Ihr Louis. Ahoi! ps. Besitzen Sie eine Kamera?

gesendet am
21.04.2010
6.22 MESZ
1002 zeichen

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singende rosen

14

hima­laya

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : SINGENDE ROSEN

Mein lieber, lieber Jona­than Kekkola, wie ich mich freue über Ihre späte Nach­richt! Stolz bin ich und voll Bewun­de­rung, indem ich sehe, wie weit Sie gekommen sind. Ich habe gestern Ihre Eltern besucht, und wir studierten gemeinsam eine Karte Ihrer großen Wande­rung dem ameri­ka­ni­schen Süden zu. Das Wasser war kühl, ihre Mutter schien zu frös­teln, und Ihr Vater schwebte auf dem Kopf, so dass mir etwas schwin­delig wurde, weil ich Oben und Unten für Momente nicht unter­scheiden konnte. Ich hatte auf Sie gewartet, mein Lieber, saß mit einer Melone im Sand und schaute aufs Meer hinaus. Einmal glaubte ich, Sie gesehen zu haben. Ein Mann winkte mir zu, er stand bis zum Hals im Wasser, plötz­lich war er verschwunden. Nun, am Ende dieses merk­wür­digen Tages, will ich Ihre Frage beant­worten. Ja, sie sind gekommen, unsere Geschöpfe, Elefanten, sie sind gekommen so wie wir sie voraus­ge­sehen haben. Ein glück­li­cher Moment voller Demut. Ich konnte sie hören, ihr leises Gespräch, Trom­pe­ten­musik, den Gesang der Rosen, der von der wandernden Luft in Wellen an Land getragen wurde. Als in der Dämme­rung der Wind auffrischte, fuhr ich zurück in die Stadt, eine stun­den­lange Reise unter Straßen bis rauf nach Wood­lawn und wieder zurück. – Alles Gute, alles Liebe! Ihr Louis. Ahoi!

gesendet am
12.05.2010
22.24 MESZ
1716 zeichen

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MELDUNGEN : LOUIS TO MR. JONATHAN NOE KEKKOLAENDE

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