ohne radioradar

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nordpol : 1.55 – Eine stille Arbeits­nacht. Auf dem Tisch in der hölzernen Küche unterm Dach stapeln sich Tonspulen, die ich nach Zeit­punkt der Aufnahme oder den Namen der Personen, die ich befragte sortierte: Katinka 1 – 3. Vor wenigen Minuten war ich kurz einge­schlafen, ohne vom Stuhl zu fallen. Balance scheint möglich zu sein, oder ich habe nicht sehr tief geschlafen. Als ich erwachte, saß Esme­ralda vor mir auf dem Tisch. Sie betrach­tete mich. Ihre Fühler­augen bewegten sich äußerst langsam auf und ab. Dann setzte sie sich in Bewe­gung, wendete sich einer Banane zu, die auf dem Teller lag, dort schien sie bald einge­schlafen zu sein. Ich kann sie derzeit berühren, ihren schim­mernden Leib, sie flüchtet nicht, sie ist kühl und sie riecht nach Eisen und Regen und etwas nach Salz. Gestern hatte ich mich wieder einmal gefragt, ob Esme­ralda viel­leicht in der Lage sein, zu hören. Ich machte mich sofort auf den Weg zum Computer, um nach­zu­for­schen, ob Schne­cken über ein Gehör verfügen. Dann klin­gelte das Telefon, eine Stunde später erin­nerte ich mich, dass ich nach den Ohren der Schne­cken fragen wollte. Heute aber ist so eine Nacht, da ich nichts wissen will, auch nicht ob Esme­ralda hören kann wenn ich pfeife oder spreche. In meiner Nähe, sie schlafen vermut­lich gerade, exis­tieren Personen, die nichts ahnen vom Morden in der Ukraine, von Viren, die in Afrika Menschen befallen, von Flücht­lingen, die durch das Sing­schar – Gebirge irren. Sie lesen keine Zeitung, sie besitzen weder Radio noch Fern­seh­gerät, aber sie lesen Bücher, die sich immer sehr weit hinter der Jetzt­zeit bewegen. – stop

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