particlesmaschine

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5.48 – Die Beob­ach­tung, dass ich in der Parti­cles­ma­schine vergeb­lich mit der Mouse einzu­fangen versuchte, was ich kurz zuvor noch durch einen Code in Bewe­gung gesetzt hatte. Sofort ein Gefühl von Heiter­keit. Ich könnte viel­leicht sagen, dass diese Beob­ach­tung des Schei­terns an Objekten, die ich selbst geschaffen habe, grund­sätz­lich zu tun haben könnte mit der suchenden Bewe­gung schrei­bender Menschen. Da schwebt zum Beispiel Kentaur Billy vor Neufund­land 70 Meter tief unter dem Meeres­spiegel. Eine Erfin­dung. Eine Erfin­dung, die zunächst eine Entde­ckung gewesen ist, die Wahr­neh­mung einer uralten, einer neuro­lo­gisch fest verschal­teten Form, die unver­züg­lich, blitz­artig, weiter­ge­faltet wurde, ein Modell wenig später mit Robben­fell an der ein oder anderen Körper­stelle, einem schönen Menschen­kopf, der Heck­flosse eines Walfi­sches und anato­misch klan­des­tinen Verdau­ungs­or­ganen eines Pferdes. Sobald dieses Wesen vor mir schwebte und sprach, war es nie wieder einzu­holen, weil es in der Sekunde seiner Entde­ckung, in jener ersten Sekunde seiner Exis­tenz, sich sofort in eine jener Substanzen verwan­delte, die nur unvoll­kommen in einen erzäh­lenden Text zu trans­por­tieren sind, weil dieser tauchende Kentaur wie alle anderen Wesen höchst feinen Gesang aus 1 Tril­li­arde Ziffern erwartet. – 12.58 in Tibet. Lhasa.

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lowrysteine

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3.15 – Bei feiner Coltrane­musik Notiz­par­ti­cles für Lowrystory über­tragen. Sagen wir : Atlantik : Dampfer : Koffer : Blackout : Ellis Island : Trom­pete : Mexiko : Höllen­stein : Gin : Satellit : Vulkan : Bellevue : Walfisch­vogel : Melville : Battery Park : : lunar caustic. – Um nicht einzu­schlafen, verbringe ich diese Nacht auf einem sehr harten, hölzernen Garten­stuhl. 70 Meter tief unter der Wasser­ober­fläche, 2000 m hoch über dem Meeres­boden. | stop | Licht­blitze einer Meduse. | stop | Schla­fende Walfi­sche. | stop | Senk­recht schwe­bende Türme. | stop | Ein Granat­barsch, der sich um mein linkes Ohr bemüht. | stop | Salz im Mund. | stop | Suche nach neuen Pseud­onymen. – Elf Uhr fünf­und­zwanzig in Lhasa, Tibet. – stop

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lichtschlitten

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0.12 – Am späten Abend, um 22 Uhr und 28 Minuten präzise, verzeichnet der Google – Index 2.850.000 Ergeb­nisse für die Suche nach Albert Camus in 0,15 Sekunden und für das Wort Sonne 31.500.000 Einträge in 0.03 Sekunden. Ist es Menschen möglich einen Zeit­raum von 0.15 Sekunden vorzu­stellen? Könnte ich, wenn ich übte, ein Gefühl entwi­ckeln für die Zeit­dif­fe­renz zwischen 0.15 Sekunden und 0.03 Sekunden? Wie lange Zeit müsste ich mit lauter Stimme spre­chend zählen, bis ich die Zahl 850.000 erreicht haben würde? Könnte ich soweit zählen, ohne einmal schlafen zu müssen? – Kurz nach Mitter­nacht. Ich scanne die Foto­grafie einer indi­schen Frau, die viel­leicht nie erfahren wird, dass die Aufnahme ihrer Person unter der Bezeich­nung darjiling.gif der Elek­tro­sphäre zuge­fügt worden ist. – Das feine Geräusch der Motoren, die den Licht­schlitten ziehen. Sieben Uhr acht­und­zwanzig in Lhasa, Tibet. – stop

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larynx

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22.05 – Da war ein Tisch vor wenigen Stunden. Auf diesem Tisch lag ein geöff­neter mensch­li­cher Körper. In nächster Nähe lehnte eine hoch­ge­wach­sene junge Frau mit dem Rücken an einer Wand, Augen geschlossen, als wäre sie einge­schlafen. Ihre Hände betas­teten einen Kehl­kopf, das heißt, genauer betrachtet hüpften ihre Finger über den kleinen hell­braunen Körper hin, als wären sie Lebe­wesen für sich. Wenig später war die Frau wach geworden. Sie legte die fili­grane Struktur auf den Tisch zurück, zog ihre Hand­schuhe aus und sagte: Aber natür­lich darfst Du das wissen. Ich habe nach­ge­dacht und geträumt zur glei­chen Zeit. Rasch machte sie mit einer Hand eine Schale, hob den Kehl­kopf mit der anderen Hand vom Tisch und legte ihn dorthin ab: Ein Larynx! Gran­dios, nicht wahr! Was ich mit meinen Fingern ange­schaut habe, geht nie wieder fort! – Tauben­grauer Himmel. Leichter Regen. Sturm von Südwest.

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louis armstrong

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5.15 – Gestern, in den frühen Abend­stunden, eine zauber­hafte Text­pas­sage erin­nert, die ich vor langer Zeit einmal gelesen habe. Sie erzählte etwas von der Liebe zu Honig­broten und von der Ruhe eines Morgens vor einem leeren Schreib­tisch und von Louis Armstrongs knur­render und schnar­render Stimme, und weil ich gerade in einem Super­markt unter­wegs gewesen war, habe ich mir ein Glas Honig gekauft. Ich wollte der Kassie­rerin erzählen, weshalb ich mir Honig kaufe und dass dieses Glas das erste Glas Honig sei, das ich seit Jahren mit mir nach Hause nehmen würde, und dass man, wenn es regnet, zu Hause herum­sitzen könne und George Gershwins Summer­time hören in 20 Varia­tionen. Dann wahr­ge­nommen, wie müde, wie erschöpft die Frau gewesen ist. Anstatt zu spre­chen, etwas Scho­ko­lade ange­boten. Ihr selt­samer Blick ins rote Licht des Scan­ners. – Wenn man jahre­lang Bomben unter Menschen wirft, genügt die Behaup­tung einer Bombe, um eine Menschen­menge in eine tödlich wirkende Panik zu versetzen.

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trompetenkäfer

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~ : louis
to : Mr. eliot
subject : TROMPETENKÄFER

Lieber Eliot, bei uns ist jetzt schon Dienstag. Gestern, also am Montag noch, war ich spazieren im schönsten Garten der Stadt. Stür­mi­sche Luft, alles ging verkehrt herum, es regnete aus dem Boden, die Sonne war auch irgendwo da unten und ich konnte nicht notieren, weil mir mein Notiz­buch davon geflogen war. Ich habe Dir deshalb nicht viel zu berichten, weil ich ohne mein Notiz­buch nicht anfange zu denken. An den letzten Gedanken, den ich in mein Notiz­buch notierte, ehe es an den Wind verloren ging, kann ich mich gerade noch erin­nern. Das also sollst Du wissen, ich habe entdeckt, dass ich, sobald ich einen Trom­pe­ten­käfer zu entwerfen wünsche, über die Lunge dieses Wesens, genauer über seine Luft­pumpe und ihre Posi­tion in den Zusam­men­hängen eines Käfer­kör­pers nach­zu­denken habe, ande­rer­seits, aus vorwie­gend physi­ka­li­schen Gründen, über die Füße des Käfers, die derart zu konzi­pieren sind, dass der Käfer, sobald er einen Trom­pe­tenton zu erzeugen wünscht, in der Lage sein wird, sich zunächst fest auf dem Boden, einem Blüten­blatt oder einem mensch­li­chen Finger zu veran­kern, um dem Rück­stoß, den wir sehr sicher erwarten dürfen, Wider­stand entge­gen­setzen zu können. Zu weiteren Gedanken, lieber Eliot, war ich gestern nicht in der Lage. Bald wird der Sturm auch zu Euch herüber gekommen sein. Diese E-mail ist schneller als der Wind. Dein Louis

gesendet am
11.03.2008
22.56 MEZ
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eisballon

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0.18 – Erste Vorstel­lung eines Polar­kä­fers notiert. Dieser Käfer ist so hell, dass nur sehr feines Schat­ten­licht auf seinem Panzer Struk­turen eines Körpers sichtbar werden lässt. Ich könnte viel­leicht sagen, das heißt, ich könnte behaupten, dass der Käfer heller ist als der Schnee und kälter als das Eis. Er verträgt keine Dunkel­heit, auch Dämme­rung ist Dunkel­heit, und ernährt sich vom Fleisch sehr kleiner Krebse, die in Eisbal­lonen vom Wind durch die Luft getragen werden. Stunde um Stunde, je eine Bewe­gung, schlägt sein Herz.

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blaue schuhe

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0.56 – Ich hatte mir vorge­nommen, eine kleine Notiz über eine Ameise zu schreiben, die ich gestern Nach­mittag in einem U-Bahn­waggon ange­troffen hatte. Aber dann habe ich meine Hände gesehen, wie sie dicht über der Tastatur der Schreib­ma­schine auf Anwei­sung warteten. Ich dachte, dass meine Hände jene anato­mi­schen Struk­turen meines Körpers sind, die ich am Besten kenne, weil ich sie sehr oft betrachtet habe. – Alle Hände, die ich erin­nern kann, sind die Hände eines Menschen, der nicht mehr Kind ist. Aber ich erin­nere mich an Bewe­gungen, die Kissen in einem Kinder­wagen sortieren. Ich erin­nere mich an meinen Wunsch, in meinem Kinder­wagen Ordnung zu halten. An hölzernes Spiel­zeug erin­nere ich mich, das vor meiner Nase baumelte. Da sind jetzt sehr kleine, blaue Schuhe in meinem Kopf. Sie bewegen sich, wenn ich wünsche, dass sie sich bewegen.

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milchstraße

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0.15 – Die Wahr­neh­mung, dass ich Stern­bilder, die ich als Kind noch ausdeuten konnte, in meinem Kopf und auch am Himmel nicht wieder finden kann.

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zeitort

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[ 0.08 ] – Ich schreibe diesen Text an einem Zeitort, der eigent­lich nicht exis­tiert. Habe mich um 0.05 Uhr an die Schreib­ma­schine gesetzt, aber noch ehe ich meine Hände auf die Tastatur gelegt hatte, war schon 1 Uhr geworden und ich hatte noch keinen einzigen druck­baren Satz notiert. Habe ich mir also eine zusätz­liche Stunde Zeit gemacht. Wieder war 0 Null Uhr geworden und ich dachte notie­rend über das Wasser­spre­chen nach. – Ist es möglich unter einer Meeres­ober­fläche Wörter aufzu­sagen? Ist es über­haupt Menschen möglich, unter Wasser so deut­lich zu spre­chen, dass zu verstehen ist, was ausge­spro­chen, das heißt, ausge­atmet wurde? Wie hört sich eine mensch­liche Stimme an, die unter Wasser spricht? Wie viele Sätze kann ich mit einer gesunden, mit einer prall mit Luft gefüllten Lunge so deut­lich spre­chen, dass von einer Unter­hal­tung die Rede sein könnte, wenn ich eine Antwort von einem weiteren Taucher erwarten würde?

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