dubrowka – theater

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22.15 – Im Cafe eine Unter­hal­tung mit einem Ermitt­lungs­be­amten Orga­ni­sierte Krimi­na­lität. Wir kommen auf eine Geisel­nahme im Moskauer Dubrowka – Theater am 23. Oktober 2002 zu spre­chen. 132 Menschen waren ums Leben gekommen. Folgendes > b : Wenn Du zwei Geiseln nimmst und verhan­delst, hast Du gute Über­le­bens­chancen. Wenn Du damit drohst eine Geisel zu erschießen, wird’s gefähr­lich. Wenn Du eine Geisel erschießt, bist Du ein toter Mann. – louis : Und wenn ich schlafe, wenn Ihr kommt? – b : Betäubt? – louis : Betäubt. – b : Bombe? – louis : Bombe! b : Dann bist Du tot. Du bist eine Bombe, Du schläfst und Du bist tot.

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wim wenders

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15.32 – Viel, wieder nachts, spaziert. Trage einen Stapel kleiner Karten in der Hosen­ta­sche und einen Blei­stift. Sobald mir etwas einfällt so im Gehen, notiere ich. Einmal, im Sommer, sehe ich einen Mann, der in einem Bahnhof neben einem Zug auf dem Boden liegt. Der Zug war gerade eben via Mailand aus Rom gekommen, und als ich den Mann frage, ob er Hilfe benö­tige, antwortet er, dass er sie hören, nicht aber sehen könne. – Wim Wenders, stelle ich mir vor, würde diesen liegenden Herrn sofort foto­gra­fiert haben und seine Geschichte zur Foto­grafie würde mit dem ange­nehmen Wort – Einmal – beginnen. Einmal, an einem späten Abend, lag ein Mann auf einem Bahn­steig neben einem Zug und lauschte italie­ni­schen Zikaden.

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USS Harry S. Truman

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20.02 – Ich lese, das durch­schnitt­liche Alter der Besat­zung des Flug­zeug­trä­gers USS Harry S. Truman, der Bagdad bombar­dierte, habe 19 Jahre betragen.

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mandelkern

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1.38 – Gegen Mitter­nacht eine Vier­tel­stunde lang das Wort Mandel­kern, 10 Zeichen, in meinem Kopf hin und her geschoben. Ein Gefühl, feder­leicht, viel­leicht deshalb, weil sich die arbei­tende Struktur im Wort wieder erkannte.

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ölzeug

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3.26 – Das Geräusch einer Remington auf hoher See. – Wie hörte sich das an? – Dieser Satz, den ich gerade schreibe, auf dem Atlantik irgendwo zwischen Island und Neufund­land. – tzipptzipp. – Früher Morgen. – Kein Wind. – Jedes Geräusch, das entsteht, ein Geräusch, das ich selbst erzeuge. – Mein Atem. Das Ölzeug, das sich an einer Wand der Rettungs­insel reibt. – Mein Herz­schlag, ja mein Herz­ge­räusch, und meine Uhr, beru­hi­gend, meine Uhr. – Eine Vorstel­lung, die ich vergessen werde, sobald Wind aufkommen wird. – Noch Ruhe. –  Ein absolut stiller Raum unter der Ster­nen­haut. – Nicht einmal ein Zittern der Luft. – Da und dort das blaue Glimmen der Osram­lan­gusten. – Was hier, an dieser Stelle fehlt, das kleinste Schräub­chen, gibt es nicht.

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eliza

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0.18 – Ich stellte mir eine Minute vor. Dann stellte ich mir eine Stunde vor, dann einen Tag. Ich stand auf und ging von Zimmer zu Zimmer. Ich aß eine Banane, sah aus dem Fenster, setze mich an den Schreib­tisch und stellte mir eine Woche vor, dann einen Monat, dann ein Jahr. Ich stand auf, ging zur Compu­ter­ma­schine und fragte Eliza nach der Uhrzeit. Ich sah aus dem Fenster, verließ das Haus, spazierte, kam zurück und machte einen Plan. – Ist es möglich, einen Zeit­raum von 5022 Jahren zu denken, das heißt, ein Gefühl zu finden für eine bibli­sche Zeitdimension?
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Eliza:> hallo, ich bin eliza. erzähle mir von deinem problem…
Louis : wie viel uhr ist es, eliza?
Eliza:> das müssen wir herausfinden.
Louis : wie machen wir das?
Eliza:> das wird sich zeigen.
Louis : sofort?
Eliza:> du weichst aus.
Louis : warum?
Eliza:> Ich sehe, du bist ein schwie­riger fall.
Louis : warum?
Eliza:> scherz beiseite, kommen wir zur sache!
Louis : wie viel uhr ist es, eliza?
Eliza:> im grunde weisst du das selber.
Louis : woher weisst du das?
Eliza:> meinst du wirk­lich mich?
Louis : Ja, eliza
Eliza:> ich bin eliza, und wer bist du?
Louis : ich bin louis
Eliza:> hi!

vom spre­chen mit eilza »

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panthergeschichte

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18.15 – Da ist mir doch tatsäch­lich ein junger Panther zuge­laufen, ein zier­li­ches Wesen, das mühelos vom Boden her auf meine Schulter springen kann, ohne dabei auch nur den geringsten Anlauf nehmen zu müssen. Seine Zunge ist rau, seine Zähne kühl, ich bin stark, auch im Gesicht, gezeichnet von seinen wilden Gefühlen. Der Panther schläft, unter­dessen ich arbeite. So glück­lich sieht er dort aus auf der Decke unter der Lampe liegend, dass ich selbst ein wenig schläfrig werde, auch wenn ich nur an ihn denke, an das Licht seiner Augen, das gelb ist, wie er zu mir herüber schaut bis in den Kopf. Spät­abends, wenn es lange schon dunkel geworden ist, gehen wir spazieren. Ich lege mein Ohr an die Tür und lausche, das ist das Zeichen. Gleich neben mir hat er sich aufge­richtet, schärft an der Wand seine Krallen, dann fegt er hinaus über die Straße, um einen vom Nacht­licht schon müden Vögel zu verspeisen. Daran sind wir gewöhnt, an das leise Krachen der Gebeine, an schau­kelnde Federn in der Luft. Dann weiter die heim­liche Route unter der Stern­warte hindurch in den Palmen­garten. Es ist ein großes Glück, ihm beim Jagen zuhören zu dürfen. Ich sitze, die Beine über­ein­ander geschlagen, auf einer Bank am See, schaue gegen die Sterne, und vernehme die Wande­rung des Jägers entlang der Ufer­strecke. Ein Rascheln. Ein Krächzen. Ein Schlag ins Wasser. Wenn er genug hat, gehn wir nach Hause. – Donnerstag. 24. Januar 2008. Kurz nachdem ich diese kleine Geschichte mit Vergnügen erfunden habe, die Nach­richt, die komplette DNA eines Bakte­riums sei zum ersten Mal von Menschen­hand wieder­holt, das heißt montiert worden ist. – stop

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