hemingway

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7.05 – Unter einem Ahorn­baum eine Hütte. Räume, so niedrig, dass ich mich, als ich eintreten will, bücken muss. Ein Tisch, auf dem ein Glas Milch steht, das dampft. Eine Katze schläft auf dem Tisch neben einer Gruppe scharf ange­spitzter Blei­stifte von gelbem Holz. Ernest Hemingway, kaum höher als 150 cm, betritt den Raum. Er setzt sich an den Tisch und beginnt mit einem der Blei­stifte in die Luft zu schreiben: Das merk­wür­dige Leuchten, das die Sonne, jetzt da sie höher steht, im Wasser hervor­ruft, und auch die Formen der Wolken über dem Fest­land bedeuten gutes Wetter. Aber der Vogel ist jetzt nahezu außer Sicht und nichts zeigt sich auf der Ober­fläche des Wassers außer einigen Stellen von gelbem, sonnen­ge­bleichten Sara­gos­sa­tang und die violette, fest­ge­formte, schil­lernde, gallert­ar­tige Blase einer Portu­gie­si­schen Galeere, die dicht neben den Boot treibt. Sie legt sich auf die Seite und rich­tete sich dann auf. Sie treibt munter wie eine Luft­blase dahin mit ihren langen, tödli­chen, violetten Nessel­fäden, die beinahe einen Meter hinter ihr im Wasser nach­schleppen. - Leichter Regen.

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tunnel

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16.24 – Eine Geschichte von einer erfun­denen Foto­grafie aus erzählen. Ich könnte eine Umge­bung der Foto­grafie kompo­nieren, eine erzählte Foto­grafie in einer erzählten Foto­grafie. Nehmen wir an, in jeder dieser erzählten Foto­gra­fien wäre eine weitere Foto­grafie zu finden, dann würde ich von Foto­grafie zu Foto­grafie, ich würde durch Tunnels der Zeit erzählen. – Ich vermag durch die reine Über­le­gung des Schnees nicht wirk­lich den Eindruck von Kühle erzeugen. – stop

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mandelbrot

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3.38 – Seit einigen Tagen bereits werde ich nachts gegen 1 Uhr müde. Nicht einfach müde in einer Weise, dass ich noch sagen könnte – Jetzt bist Du also müde, soll­test einen schönen starken Kaffee trinken oder etwas schwarzen Tee mit Honig. Nein, das ist eine Müdig­keit, die aus dem Hinter­halt kommt, als Über­fall oder so etwas. Vorhin erst habe ich meinen Kopf auf die Schreib­tisch­platte gelegt, um meine Spring­spinne, die gerade aus ihrer Höhle gekommen war, aus der Perspek­tive einer weiteren Spinne betrachten zu können. Das war ein Fehler gewesen. Es ist jetzt bereits 3 Uhr 30 und ich habe noch nicht eine der drei sehr kurzen Kurz­ge­schichten gelesen, die ich mir zur Übung Nacht für Nacht verordnet habe. Werde nun vorsichtig in die Küche gehen. Dann etwas Carver lesen und viel­leicht, wenn ich nicht wieder einge­schlafen sein werde, über das schöne Wort Mandel­brot­menge nach­denken, über die Tempe­ra­turen des atlan­ti­schen Ozeans vor Neufund­land, über schnee­weisse Wale und andere wunder­bare Dinge. – stop

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cinema

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12.52 – Nehmen wir einmal an, jenseits der uns bekannten Lebens­zeit­räume würde eine Zeit exis­tieren, ein Zeitort, an dem wir unbe­grenzt anwe­send sein könnten, eine Gegend weiterhin, von der aus wir in ein vergan­genes Leben zurück­schauen und reisen könnten, indem wir Filme gelebter Tage betrach­teten, nehmen wir also an, dieses Kino würde exis­tierten, dann sollte ich von dieser Stunde an, nicht eine Minute sollte ich verschwenden, Filme von starkem Licht verzeichnen, Gedanken wie Erleb­nisse behan­deln, sodass sie später gleich­wohl als Filme zu besich­tigen wären. Ich setze mich also in eine U-Bahn oder in einen Park oder vor meinen Schreib­tisch und mache je einen Film für später nur mit dem Kopf. – stop

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time

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17.50 – Wie viele Stunden Zeit würde ich benö­tigen, um die chine­si­sche Sprache zu erlernen? – stop

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nadine gordimer

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10.15 – Lektüre der Erzäh­lung Some­thing out There von Nadine Gordimer aufge­nommen. Sofort der Wunsch, in der Elek­tro­sphäre nach einer Foto­grafie des Kari­ba­sees zu suchen, weil Mrs. Gordimer vom künst­li­chen Gewässer in der Savan­nen­land­schaft erzählt, von Elefanten gleich­wohl, die sich in seine Fluten stürzten, um uralten Wander­routen zu folgen. – Was haben die ertrin­kenden Tiere dort unter dem Wasser­spiegel gesehen? – Wovon haben sie gehört in ihrer letzten Lebens­se­kunde? – Ich lese von der Tiefe des Sees, von Fischen, die in ihm leben sollen, von der Luft­feuch­tig­keit und vom Gewicht der Elefan­ten­körper, von der Biodi­chte ihrer Körper und von Kulturen in Seenähe siedelnder Menschen. Und während ich so vor mich hin lese, von Seite zu Seite, von link zu link, vergeht eine Stunde Zeit. Plötz­lich erin­nere ich mich an Nadine Gordimer und ihr Buch und setzte meine Lektüre fort. – Wie ist es möglich, eine Minute lang­samer vergehen zu lassen? – stop

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gorilladame

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18.52 – Während einer U-Bahn­fahrt eine zarte Hand in einem schwarzen Leder­hand­schuh, die sich mit ihrer Rück­seite in meine Hand schmiegt. Für einen Augen­blick der Eindruck, neben einer fein­glied­rigen Gorill­a­dame zu sitzen. – stop
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