djuna barnes

pic

18.13 – Weshalb träume ich nur selten, und wenn, dann heitere Geschichten vom Zerglie­dern mensch­li­cher Körper? Gestern beispiels­weise kam der schöne Kopf einer Freundin auf acht winzigen Füßen über den Boden meines Arbeits­zim­mers spaziert. Sie rezi­tierte in rasender Geschwin­dig­keit einen Text Djuna Barnes mit lach­gas­heller Stimme. – Nichts ist noch selbst­ver­ständ­lich. – stop

ping

zyklope

pic

20.33 – Einmal, vor zwei oder drei Jahren, erzählte mir ein junger Medi­zin­mann einen merk­wür­digen Traum. Folgendes, sagte der Mann. Stell dir einen Warte­saal vor, einen Bahnhof. Reisende sitzen dort auf hölzernen Bänken. Sie rauchen und plau­dern mitein­ander. Unweit einer Schal­ter­ga­lerie kauern unbe­klei­dete Zyklopen von schnee­weißer Haut zu einem Kreis auf dem Boden, tauschen Herzen und Gehirne und Beine und Arme von Menschen. Sie rauchen gleich­wohl und scherzen in einer Sprache, die nicht zu verstehen ist. Ich erin­nere mich, meinen eigenen Kopf gesehen zu haben. So lange reichen sie ihn herum, bis jeder der Zyklopen ihn ein Mal in Händen gehalten und von allen Seiten her betrachtet hat. – An dieser Stelle machte der junge Mann eine Pause. – Wolken­loser Nacht­himmel mit Mond. Der Eindruck, es würde regnen. – stop

ping

ping

pic

10.15 – Die zärt­lichste Methode, das ist denkbar, einen Menschen zu berühren: Annä­he­rung durch Vorstel­lungs­kraft. – stop

ping

luren

2

12.55 – Das Wort l u r e n : ein zunächst opti­sches Wort, dann ein Zeichen­satz, der in meinem Gehirn einen akus­ti­schen Eindruck erzeugt. Genau dort, zwölf Uhr dreißig, im Papier­licht Duft plötz­lich von gebrannten Mandeln, warum? – stop
ping

dynamo

2

22.08 – Sind nicht Knie­ge­lenke viel­leicht als Dyna­mo­ap­pa­rate zu betrachten? – stop

ping

dolmetscher

pic

0.01 – Wie schnell können wir denken? Wie schnell können wir spre­chen? Wie schnell können wir beten? Verfügen wir über Dolmet­scher für unsere Götter, für unsere Propheten? – stop

ping

sekundengeschöpfe

0

20.14 – Im Haus sind alle Fern­seh­ge­räte ausge­schaltet. Eine beinahe geräusch­lose Welt. Da ist eine indi­sche Frau in meinem Kopf, wie sie vor dem Meer stehend nach ihren Kindern ruft. Eine lange Zeit ist das her, das Meer, und diese Frau. Ich scanne uralte Foto­gra­fien der Stadt Paris : Steine : Metalle : Wolken : Mäntel : schwarz und weiß und grau. Das summende Geräusch der Maschine, sobald Foto­gra­fien aus der Welt des Cellu­loids in die Welt der digi­talen Spei­che­rung wandern. Ein Mann, der in der geöff­neten Tür eines Metro­wag­gons unter Artge­nossen steht. Eine junge Frau. Der indi­sche Ozean. Sie kniet jetzt. Sekun­den­ge­schöpfe. – stop

metro

engelwerkstatt

0

18.52 – Engel­werk­statt [ Blau­pause No 7752 ] : Die Engel der Nilpferde, nur so zum Beispiel, manchmal kann man sie sehen in den Winden, die das Gras der Steppen durch­wehen. – stop

ping