tunnel

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16.24 – Eine Geschichte von einer erfun­denen Foto­grafie aus erzählen. Ich könnte eine Umge­bung der Foto­grafie kompo­nieren, eine erzählte Foto­grafie in einer erzählten Foto­grafie. Nehmen wir an, in jeder dieser erzählten Foto­gra­fien wäre eine weitere Foto­grafie zu finden, dann würde ich von Foto­grafie zu Foto­grafie, ich würde durch Tunnels der Zeit erzählen. – Ich vermag durch die reine Über­le­gung des Schnees nicht wirk­lich den Eindruck von Kühle erzeugen. – stop

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mandelbrot

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3.38 – Seit einigen Tagen bereits werde ich nachts gegen 1 Uhr müde. Nicht einfach müde in einer Weise, dass ich noch sagen könnte – Jetzt bist Du also müde, soll­test einen schönen starken Kaffee trinken oder etwas schwarzen Tee mit Honig. Nein, das ist eine Müdig­keit, die aus dem Hinter­halt kommt, als Über­fall oder so etwas. Vorhin erst habe ich meinen Kopf auf die Schreib­tisch­platte gelegt, um meine Spring­spinne, die gerade aus ihrer Höhle gekommen war, aus der Perspek­tive einer weiteren Spinne betrachten zu können. Das war ein Fehler gewesen. Es ist jetzt bereits 3 Uhr 30 und ich habe noch nicht eine der drei sehr kurzen Kurz­ge­schichten gelesen, die ich mir zur Übung Nacht für Nacht verordnet habe. Werde nun vorsichtig in die Küche gehen. Dann etwas Carver lesen und viel­leicht, wenn ich nicht wieder einge­schlafen sein werde, über das schöne Wort Mandel­brot­menge nach­denken, über die Tempe­ra­turen des atlan­ti­schen Ozeans vor Neufund­land, über schnee­weisse Wale und andere wunder­bare Dinge. – stop

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cinema

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12.52 – Nehmen wir einmal an, jenseits der uns bekannten Lebens­zeit­räume würde eine Zeit exis­tieren, ein Zeitort, an dem wir unbe­grenzt anwe­send sein könnten, eine Gegend weiterhin, von der aus wir in ein vergan­genes Leben zurück­schauen und reisen könnten, indem wir Filme gelebter Tage betrach­teten, nehmen wir also an, dieses Kino würde exis­tierten, dann sollte ich von dieser Stunde an, nicht eine Minute sollte ich verschwenden, Filme von starkem Licht verzeichnen, Gedanken wie Erleb­nisse behan­deln, sodass sie später gleich­wohl als Filme zu besich­tigen wären. Ich setze mich also in eine U-Bahn oder in einen Park oder vor meinen Schreib­tisch und mache je einen Film für später nur mit dem Kopf. – stop

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time

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17.50 – Wie viele Stunden Zeit würde ich benö­tigen, um die chine­si­sche Sprache zu erlernen? – stop

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nadine gordimer

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10.15 – Lektüre der Erzäh­lung Some­thing out There von Nadine Gordimer aufge­nommen. Sofort der Wunsch, in der Elek­tro­sphäre nach einer Foto­grafie des Kari­ba­sees zu suchen, weil Mrs. Gordimer vom künst­li­chen Gewässer in der Savan­nen­land­schaft erzählt, von Elefanten gleich­wohl, die sich in seine Fluten stürzten, um uralten Wander­routen zu folgen. – Was haben die ertrin­kenden Tiere dort unter dem Wasser­spiegel gesehen? – Wovon haben sie gehört in ihrer letzten Lebens­se­kunde? – Ich lese von der Tiefe des Sees, von Fischen, die in ihm leben sollen, von der Luft­feuch­tig­keit und vom Gewicht der Elefan­ten­körper, von der Biodi­chte ihrer Körper und von Kulturen in Seenähe siedelnder Menschen. Und während ich so vor mich hin lese, von Seite zu Seite, von link zu link, vergeht eine Stunde Zeit. Plötz­lich erin­nere ich mich an Nadine Gordimer und ihr Buch und setzte meine Lektüre fort. – Wie ist es möglich, eine Minute lang­samer vergehen zu lassen? – stop

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gorilladame

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18.52 – Während einer U-Bahn­fahrt eine zarte Hand in einem schwarzen Leder­hand­schuh, die sich mit ihrer Rück­seite in meine Hand schmiegt. Für einen Augen­blick der Eindruck, neben einer fein­glied­rigen Gorill­a­dame zu sitzen. – stop
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inszenierungsmaschine

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2.26 – Sobald ich im Bauch einer elek­tri­schen Insze­nie­rungs­ma­schine 100 frei schwe­bende Text­par­ti­cles von je 100 Wörtern über einen Zufalls­ge­ne­rator mitein­ander verbinde, wird mit jedem weiteren Aufruf eines Text­par­ti­cles jedes andere der 100 Text­par­ti­cles möglich. Ich habe also eine Text­ver­samm­lung, die sich wie eine Flüs­sig­keit verhält. Wie könnte ich nun eine Verei­sung dieser Flüs­sig­keit erzeugen? Ich könnte zum Beispiel je 10 Text­par­ti­cles zu einer Gruppe setzen und über einen Gene­rator verschalten, sodass in einem ersten Schritt 10 Text­par­ti­cles aus 100 Text­par­ti­cles möglich wären. Oder ich bilde zwei Gruppen zu je 50 Text­par­ti­cles und komme in dieser Weise auf zwei mögliche Text­par­ti­cles einer ersten Wahl. Zwei Linien. Eine Weiche. Oder sehr gutes Eis. – Viel­leicht sollte ich, wenn ich vom Schreiben eines linearen Textes spreche, zunächst an das Spinnen eines Eisfa­dens denken. Das Lesen, ein Vorgang der Entei­sung. – Heute Nacht habe ich von 0 Uhr 12 bis 1 Uhr 52 Julio Llama­zares wunder­volle Stumm­film­szenen aufge­taut.

– stop
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uwe johnson

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3.05 – Ich weiß nicht genau weshalb, heute Nacht finde ich mich mit Zoll­stock vor Uwe John­sons Jahres­tagen wieder. Ich beob­achte meine Hände wie sie das Maß einer Zeile messen, wie sie mit einem wandernden Finger die Linien einer Seite zählen, wie sie das Buch mit Luft durch­fä­chern, wie sie Ziffern notieren auf ein Blatt Papier. Dann liegen linke, als auch rechte Hand ruhig auf dem Tisch, während das Gehirn, das ihnen zuge­ordnet ist, lautlos rech­nend vor sich hin arbeitet. Ich notiere: Die gesam­melten Zeichen der Jahres­tage in ihrer Frank­furter Sonder­aus­gabe würden eine lesbare Kette von 6.4 Kilo­me­tern Länge bilden, wenn sie in genau jener Reihen­folge dem Buch entkommen würden, wie von Uwe Johnson einmal ausge­dacht. – stop

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