waldbus

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delta : 18.01 UTC – Einmal spazierte ich an einem fros­tigen Tag im Schnee unterm Papier­licht­himmel, als ich auf einer Lich­tung im Wald stehend im Unter­holz einen Bus von gelber Farbe entdeckte. Der Bus war da und dort von Moos bedeckt, auch von Blät­tern der Buchen, die in seiner Nähe wuchsen. Auf der Haube des Motors lag ein halber Meter Schnee, in der Mitte dieser Mütze von Schnee ein kreis­rundes Loch, dessen Rand vereist zu sein schien. In dem Moment als ich mich gerade herum­drehen wollte, um weiter­zu­gehen, beob­ach­tete ich eine Blau­meise, die sich dem Bus näherte, sie verschwand im Schnee. Kurz darauf landeten ein Rotkehl­chen sowie ein Dompfaff auf der Motor­haube des Busses und tauchten auf dem selben Wege wie die Blau­meise unter. Ich ging zurück und spähte in das Innere des Busses, ein erstaun­li­cher Anblick. Es war an einem späten Nach­mittag gewesen. – stop
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montauk

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MELDUNG. Montauk, Point Light­house, 5. Etage, stei­nernes Zimmer : Kirsche No 378 [ Marmor, Makrana : 2.55 Gramm ] voll­endet. – stop

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von den wörtern

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marimba : 14.14 UTC – Mit den Menschen verschwinden ihre Schriften. Manchmal verschwinden Schriften vor den Menschen. Es ist dann, wenn man sich nicht länger vorstellen kann, die Hände der Menschen würden sich je noch einmal derart bewegen, dass Buch­staben auf einem Blatt Papier sichtbar werden. Aber die Wörter, die nicht mehr geschrieben werden, könnten noch einmal formu­liert worden sein, leuch­tende Wörter wie das Wort Apfel­strudel. – stop

neufundland 08.10.12 uhr : zimt

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olimambo : 8.10 UTCNoe meldet sich am späten Morgen. Vermut­liche Tiefe: 852 Fuß. Posi­tion: 77 Seemeilen südöst­lich der Küste Neufund­lands seit nunmehr 2526 Tagen im Tief­see­tauch­anzug unter Wasser. ANFANG 08.10.12 | | | > meine lautlos arbei­tenden hände. s m a l l r e d f i s h f r o m d o w n s i d e. s t o p ob ich wohl weiterhin ein mensch­li­ches wesen bin? s t o p hier in dieser tiefe eine haltung der demut. s t o p fragen. s t o p auch fragen ohne antworten. s t o p ich frage. s t o p ich warte. s t o p und warte. s t o p habe den verdacht ein kind geworden sein. s t o p ich trage keine schuhe. r u s t y c a b l e s f r o m a b o v e. s t o p ich kann mich an mein gesicht nicht erin­nern. s t o p warum? s t o p wie lange zeit bin ich bereits hier? s t o p schluss jetzt. s t o p fangen wir noch einmal von vorne an. s m a l l b l u e f i s h t o p l e f t. s t o p ich heiße noe. s t o p ich befinde mich 851 fuß tief unter dem meeres­spiegel kurz vor neufund­land. s t o p ich zähle fische. s t o p das radio in meinem helm macht selt­same geräu­sche. s t o p es geht mir gut. s t o p ich notiere : die luft die ich atme duftet nach zimt. s t o p | | | ENDE 08.12.15

nach­richten von noe »

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india : 0.55 UTC – Ameisen, S c h n e e a m e i s e n, nähern sich. – Ein gut sicht­bares Geräusch. – stop

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gregorina

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delta : 8.02 UTC – Ich hörte im Radio heute Morgen, in Finn­land soll einfach nur anwe­send zu sein bereits als Kommu­ni­ka­tion wahr­ge­nommen werden. – Vor den Fens­tern im Süden fällt Schnee. Im Haus der alten Menschen läuft ein Mädchen herum, das Grego­rina heißt. Sie ist tatsäch­lich anwe­send im Kopf einer alten Dame, sie läuft über die Flure von Zimmer zu Zimmer. Plötz­lich ist Sommer geworden, in den Zimmern blühen Apfel­bäume, und das kleine Mädchen, das 70 Jahre alt geworden sein muss, hüpft herum und singt, weshalb die alte Dame, die Grego­rina wahr­nehmen kann, und auch die Apfel­bäume, voller Glück ist, weil Grego­rina zu Besuch gekommen. Sie sagt: Schau, ist das nicht wunderbar, sie ist noch immer so wie damals, Grego­rina. Gut, dass wir die Apfel­bäume herein­ge­holt haben. Es ist kalt draußen, glaube ich. Komm, ich will aufstehen. – stop
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15 Uhr 2

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india : 15.02 UTC – Wieder Sekunden, dann Minuten der Acht­sam­keit ( kurioses Wort ) : Was höre ich? Was rieche ich? Was sehe ich? Was fühle ich? Was kann ich denken? – stop

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indien

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alpha : 8.52 UTC – Einmal plante ich, nach Indien zu reisen. Ich forschte nach Klei­dung, die wochen­lang nicht gewech­selt werden muss, Hemden, Hosen, Schuhe, die alles das von sich weisen, was sie von innen oder außen her verschmutzen könnte. Dann noch ein ebenso rein­li­cher Ruck­sack auf dem Rücken, eine Schreib­ma­schine, allerlei Kärt­chen, eine Zahn­bürste. Ich würde gern mit einem Zug nach Indien fahren. – stop

ai : ÄGYPTEN

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MENSCHEN IN GEFAHR : “Seit dem 3. Juli befinden sich Ola al-Qara­dawy und ihr Ehemann Hossam Khalaf aufgrund des halt­loses Vorwurfs zur Muslim­bru­der­schaft zu gehören in Haft. Bislang hat die Staats­an­walt­schaft weder Beweise vorge­legt, die ihre Inhaf­tie­rung recht­fer­tigen würden noch wurde den beiden die Möglich­keit einge­räumt, die Recht­mä­ßig­keit ihrer Inhaf­tie­rung anzu­fechten. Die Gefäng­nis­be­hörden verwei­gern ihnen Besuche von Rechts­bei­ständen und Ange­hö­rigen. / Ola al-Qara­dawy wird seit ihrer Fest­nahme im Frau­en­gefängnis Al-Qanater im Gouver­ne­ment Qalyubia fest­ge­halten. Sie ist in in einer sehr  kleinen Einzel­zelle unter­ge­bracht, die nur etwa 160 cm auf 180 cm misst und weder ein Bett noch eine Toilette hat. Außerdem sind Belüf­tung und Beleuch­tung unge­nü­gend. Ihr wird jeden Morgen ein einziger tägli­cher Toilet­ten­gang von nur fünf Minuten gestattet. Somit sieht sie sich gezwungen, ihre Nahrungs­auf­nahme einzu­schränken, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen. Rechts­bei­stände, die Ola al-Qara­dawy am 5. November im Büro der Ober­staats­an­walt­schaft für Innere Sicher­heit sahen, berich­teten Amnesty Inter­na­tional, dass sie während der ersten vier Tage im November mit einem Hunger­streik gegen ihre Inhaf­tie­rung und die schlechten Haft­be­din­gungen protes­tiert hatte. / Hossam Khalaf ist inzwi­schen aus der Einzel­haft in eine Gemein­schafts­zelle verlegt worden. Er wird im Hoch­si­cher­heits­ge­fängnis Tora am Rande der Haupt­stadt Kairo fest­ge­halten. Obwohl er bereits seit seiner Inhaf­tie­rung an Augen­schmerzen leidet, lehnt die Gefäng­nis­lei­tung seinen Antrag weiterhin ab, sich entweder im Gefäng­nis­spital oder auf eigene Kosten in einem Kran­ken­haus außer­halb des Gefäng­nisses unter­su­chen zu lassen. - Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen bis spätes­tens zum 11.1.2018 unter > ai : urgent action
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