yanuk : xin

pic

sierra

~ : yanuk le
to : louis
subject : XIN
date : mar 18 09 10.52 a.m.

Seit gestern Abend ist es wieder möglich, zu notieren, weil ich meine Schreib­ma­schine zurück­er­halten habe. Mein lieber Louis, so vergehen nun die Tage wieder schneller, als die Tage zuvor noch ohne Schreib­ma­schine, da ich auf meiner Platt­form Höhe 510 wartete, dass Xin, – so nenne ich das Mädchen, das mich meines Schreib­ge­rätes beraubte -, sie mir zurück­geben würde, auch Blei­stifte, Hefte und meinen Foto­ap­parat, die sie eines Nachts, während ich schlief, mit sich genommen hatte. Es ist seltsam, wenn man so sitzt und denkt und doch über keine Werk­zeuge verfügt, aufzu­schreiben, was man dachte, wird man müde. Natür­lich habe ich in erprobter Weise, Zeichen in den Baum­stamm hinter mir geritzt, aber während ich an ihnen arbei­tete, wusste ich doch in jeder Sekunde, dass ich sie zurück­lassen, dass ich sie viel­leicht nie wieder­sehen würde. Ja, man wird müde, wenn man denkt, ohne notieren zu können, als würde man in lauwarmem Wasser liegen, im Halb­schlaf alle diese feinen, vergeb­li­chen Stimmen im Kopf. – Ich nehme an, Du hast Dich um mich gesorgt, weil ich keine Nach­richt sendete. Vor wenigen Stunden noch hörte ich das Geräusch eines Flug­zeuges, das sehr langsam den Himmel irgendwo dort oben durch­kreuzte. Natür­lich bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht doch nur ein Wunsch­ge­räusch hörte. Das flie­gen­leichte Mädchen Xin jeden­falls schien nichts gehört zu haben. Sie verharrt wieder in meiner Nähe, hängt an einem Arm über dem Abgrund, schläft und spricht träu­mend in ihrer merk­wür­digen Sprache leise vor sich hin. Ich wünschte, ich könnte sie verstehen. Morgen werden wir aufbre­chen, werden weiter aufwärts steigen. Nach wie vor ist nicht zu erkennen, woher das Licht kommen mag, das uns so ange­nehm flat­ternd bestrahlt. Cucur­rucu – Yanuk

einge­fangen
20.58 UTC
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