zarte lügen

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alpha

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : ZARTE LÜGEN

Mein lieber Jona­than, gestern, stellen Sie sich vor, habe ich von Ihrem Mut erzählt, von Ihrer Begeis­te­rung, unsere Welt, die Welt der Luft­men­schen zu erkunden, eine Welt, die Sie so viele Jahre in einer Wasser­woh­nung lebend, nicht berühren konnten. Man fragte mich, wo genau Sie sich gerade aufhalten mögen und da musste ich zugeben, dass ich das nicht wüsste. Auch wollte man hören, wie Ihre frischen, jungen Lungen sich verhalten, wo genau an Ihrem Körper sie ange­bracht worden sind und wie sie funk­tio­nieren. Natür­lich habe ich keine Auskunft erteilt, will Sie zunächst ersu­chen, mir zu sagen, ob ich berichten darf, weil ihr Atem­ver­mögen doch eine beson­dere und deshalb auch private Ange­le­gen­heit sein könnte. Viel­leicht sind Sie so freund­lich, bei Gele­gen­heit sich mir in dieser Sache zu erklären. Ihren Eltern im Übrigen geht es gut. Natür­lich machen sie sich ernste Gedanken, weil Sie, mein lieber Kekkola, nichts von sich hören lassen. Ihre Mutter blass wie Kreide, und Ihr Vater, ihr Vater um viele Jahre älter geworden. Bald werde ich meinem Wunsch nach­geben und Briefe erfinden, zarte Lügen, beru­hi­gende Nach­richten aus den Wäldern, man will stolz sein, man will wissen, was sie so tun auf Ihrem Weg dem Süden zu und ob sie noch unter den Lebenden weilen. Bleibt mir zu sagen, dass ihre Eltern wieder Nahrung zu sich nehmen. Ich vermute, sie glauben mir in diesen Tagen endlich, dass ihre Wohnung nach Jahr­zehnten undicht geworden sein könnte. Wir machen Fort­schritte. – Ihr Louis, ersten Schnee erwar­tend.

gesendet am
02.12.2009
22.32 MEZ
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louis to jona­than
noe kekkola »


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