am späten abend

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delta : 6.28 – Es war am späten Abend und ich hatte meine Augen noch geöffnet, Cole Porter spielte ein paar feine Sachen, zwei golden­braune Frosch­bal­lone segelten durchs Zimmer, und da war noch mein kleiner Koffer, und ich sagte zu ihm, als könnt er mich verstehn, um dich kümmer ich mich später! Und dann schlief ich ein und wachte wieder auf, noch immer spielte Cole Porter seine feinen Sachen, und ich dachte, du bist einge­schlafen und du bist wieder aufge­wacht, das ist das Leben, einzu­schlafen und wieder aufzu­wa­chen. Und da lag ein Engel, eine Mango so groß, auf meinem Bauch, und der Engel schlief, wie ich geschlafen hatte, und ich dachte, ist das nicht wunderbar, sein Herz, sein kleines Herz, wie es schlägt und schlägt und schlägt. Und dann schlief ich wieder ein und schlief und schlief so seltsam, ohne das Schlafen zu bemerken, dass ich viel­leicht noch immer schlafe, in dem ich gerade schreibe, in dem ich gerade zärt­lich denke, an das Leben, an das Schlafen, an das Wachen, an all die wilden Dinge, und daran, dass ich nun weiß, wir Menschen sind für letzte Geschichten niemals gemacht, auch in den Minuten schwerster Abschiede ist da immer noch dieser seltsam schwe­bende Punkt in der Luft, ein leises Licht, ein Blick, bis bald.
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denkfalter

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india : 0.02 – Begeis­tert, nachdem ich in einem Wörter­buch der engli­schen Sprache zur Über­set­zung der Zitro­nen­falter Varia­tionen gesam­melt habe. Brimstone butterfly, herr­li­cher Klang! Ich erin­nerte mich, dass mir das Wort brimstone schon einmal begeg­nete, ich meine das Wort vor langer Zeit in Jan Gabrials Buch My Life with Malcolm Lowry entdeckt zu haben, ein vulka­ni­sches Wort, und weil ich mir nicht ganz sicher gewesen war, noch einmal der Blick ins Kompen­dium. Eine Meeres­ge­schichte der Schwe­fel­falter wird nun denkbar, wie sie von salzigen Winden über Zinno­ber­sand gewir­belt werden. Und da ist noch eine weitere, eine viel­leicht selt­same Beob­ach­tung an diesem Abend. Das ist nämlich so, ich kann nichts sagen über den eigent­li­chen Duft der Schmet­ter­lings­wesen.

suspense

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ginkgo : 0.55 – Im forschenden Gespräch mit Taini*. Vor einiger Zeit hatte sie auf meine Frage hin, ob sie sich jetzt, da sie schon viele Jahren in Europa lebt, als Euro­päerin wahr­nehmen würde, geant­wortet, sie sei doch eher noch immer eine India­nerin und das würde sich wohl niemals ändern, schon deshalb nicht ändern, weil ihre Gesichts­züge, weil das tiefe Schwarz ihres Haares und ihre äußerst zier­liche Gestalt sie an ihren Ursprung täglich erin­nerten. Ich sehe mich, sagt sie, ja, ich sehe mich! Wie sie jetzt lachend erzählt, dass sie einst schlei­chend ihre Sprache verloren habe, die verbo­tene Sprache ihrer Kind­heit, und dass sie nun die Sprache jener Männer denken und spre­chen würde, vor welchen sie sich als Mädchen in die Bäume flüchten musste. Langsam formu­liert sie, Wort für Wort, betrachtet auch dann, wenn ich sie nicht ansehe, mein Gesicht, indem ich notiere, was sie erzählt. Selten wirft sie einen Blick auf das Notiz­buch, das neben der Tonband­ma­schine auf dem Tisch zwischen uns liegt, macht manchmal eine Kopf­be­we­gung, die bewirkt, dass ich mein Werk­zeug herum­drehe, damit sie sehen kann, was ich aufge­schrieben habe. Deine Schrift ist nicht zu lesen, bemerkt sie und schüt­telt amüsiert den Kopf, viel­leicht weil ich noch immer nicht gelernt habe, so zu schreiben, dass sie meine Gedanken entzif­fern könnte. Also lese ich ihr vor, zum Beispiel die Frage, wie Ameisen schme­cken oder das Stich­wort Schule. Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Schultag erin­nern? Ihr Schweigen. Eine anmu­tige, in sich suchende Erschei­nung. Du musst eine span­nende Geschichte daraus machen, sagt sie einmal. Ihr Blick, als ich sie frage, was sie denn unter einer span­nenden Geschichte verstehen würde.

* Name geän­dert
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animals

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remmington : 0.01 – Eintau­sen­dacht­hun­dert Zeichen­rü­cken Schwarz auf Weiss ist gleich eine Seite erzäh­lendes Papier. stop

herzgeschichte

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olimambo : 0.02 – Das weiße Papier ist niemals leer. Diesen Satz habe ich gestern Nach­mittag gegen 15 Uhr genau so notiert, wie er hier verzeichnet ist. Ich saß am kleinen See im Palmen­garten und dachte an Herzen und solche Dinge, und als ich den Satz eine Stunde später noch einmal gelesen habe, konnte ich nicht sagen, warum ich den Satz eigent­lich aufge­schrieben hatte. Das war ein merk­wür­diger Moment gewesen, diese Sekunde, da ich bemerke, dass ich einen Satz, den ich selbst ausge­dacht, nicht erkennen konnte. Trotzdem gefiel mir der Satz. Ich hatte den Eindruck, dass es sich um einen wahren Satz handeln könnte, und dass ich nur abwarten müsse, bis sich sein feines Wesen zeigen wird. Und so lausche ich nun also. Irgend­etwas brummt in meiner nächsten Nähe. Dämme­rung. Und ich stelle mir vor, wie gut es doch wäre, wenn Menschen für eine gewisse Zeit ihre Herzen teilen könnten. Man meldet sich zum Beispiel in einem Hospital. Guten Abend, sagt man, guten Abend, wir haben heute Nacht etwas Zeit, mein Herz und ich. Und dann fährt man unver­züg­lich los, man fährt durch die Stadt und ihre Lichter und Düfte und legt sich sehr bald zu einem Menschen, dessen Herz schwach geworden ist, verbunden liegt man Stunden still.

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nachtende

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sierra : 15.08 – Oder der Vordäm­me­rungs­schein der Schnee­kirsch­bäume, indem sie ihre Papiere entfalten.
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bleistiftschreibmaschine

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sierra : 0.08 – Laure Wyss. Sie bemerkt um 22.38 MESZ, man würde ihre Gesell­schaft vermut­lich deshalb meiden, weil sie gerne ganze Bücher erzähle. Ihr feines, von der Zeit gewirktes Gesicht. Ja, fährt sie lachend fort, das Älter­werden, das ist ein Prozess, viel­leicht der Schwie­rigste, weil es der letzte ist. Aber er hat auch sein Gutes. Es wird immer klarer, was wichtig ist im Leben. Es ist eine Art Verein­fa­chung. Es ist auch eine Zeit des Abschieds. Aber merk­wür­di­ger­weise berei­chernd, nicht nur traurig. – Laure Wyss besaß drei Schreib­ma­schinen. Mit der weichsten dieser Maschinen, ihrer Blei­stift­schreib­ma­schine, notierte sie Gedichte.
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schirme

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echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : SCHIRME

Rasend, lieber Jona­than, vergeht die Zeit! Ein Jahr ist’s nun her, seit ich das erste Mal von Ihnen hörte. Viele Stunden, ganze Tage, Wochen habe ich an Sie gedacht, und doch keine durch­be­lich­tete Vorstel­lung gewonnen. Ihre Augen, hell oder dunkel? Wie werden Sie mir begegnen, mit welcher Stimme spre­chen? An diesem schönen Morgen darf ich berichten, dass ich mich gut erholen konnte. Fühle mich wohl in meiner Haut. Sieben Uhr. Sie werden sicher noch schlafen da drüben in Amerika, und sofort, wenn Sie in Kürze erwa­chen, einen ersten tiefen Zug kühler Wald­luft zu sich nehmen. Ihre Verwun­de­rung, wie immer, dass Sie nicht länger unter Wasser leben, dass Sie frei sich zu bewegen in der Lage sind. Wie oft schon habe ich den Versuch unter­nommen, mich einzu­fühlen in ihre Lage, unvoll­kommen, sagen wir, aber nicht vergeb­lich, wie ich hoffe, weil Sie bemerkt haben werden, dass ich mich um Sie kümmere, dass ich Fragen stelle, dass ich Sie nicht gedan­kenlos der Welt über­ant­wortet habe. Noch zwei­und­zwanzig Tage, mein lieber Kekkola, hören Sie zu! Ich habe Wetter­karten studiert, fürchte, wir werden unter Regen­schirmen sitzen. Ihren Eltern im Übrigen geht es gut! Ahoi! Ihr Louis

gesendet am
10.04.2010
6.01 MESZ
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louis to jona­than
noe kekkola »


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animals

2

kili­man­dscharo : 0.58 – Die wirk­lich kleinen Dinge dieser Welt sind dem mensch­li­chen Auge nicht sichtbar. Sie befinden sich in Räumen des Ahnens, des Wünschens, des Erfin­dens. Niemand könnte je sagen, ob man von dort aus betrachtet wird. Wenn ich nun ein Papier­tier­chen ganz für sich belichte, dann erkenne ich zunächst, seine Gestalt ist rund.

trommeln

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pupille : 22.58 – In dem Moment, da Sie diese Zeilen lesen, sehen Sie mich verwun­dert, stau­nend, ja, sagen wir’s ruhig, glück­lich. Das ist so darum, ich habe gerade bemerkt, wie kleinste Dinge, Lebe­wesen, die eigent­lich nicht sichtbar sind, sichtbar werden, sobald ich sie mit Gedanken berühre. Auch Geräu­sche, die so leise und zart, demzu­folge klein sind, dass ein mensch­li­ches Ohr sie niemals vernehmen könnte, werden hörbar durch ein einzelnes Wort, das sie behauptet. Systo­li­sche Frequenzen, helles Trom­meln, 250 Pulse, kein Wort exis­tiert für jene Musik heim­li­cher Herzen, als die Summe der Pfade, die sich um Annä­he­rung bemühen. Und ihre Augen, ihre Augen jawohl, sie haben Augen, wo werden ihre Augen sein?
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lufträume

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foxtrott : 0.08 – Arnold Schön­berg, so Hanns Eisler im Exil, sei einer gewesen, der Klänge hörte, die nie zuvor ein Mensch wahr­ge­nommen habe. – stop
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feuerblume

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marimba : 6.28 – Kurz nach Mitter­nacht. Hunderte gestran­deter Menschen liegen, Flug­ha­fen­ter­minal 2, auf Feld­betten, schlafen unter grauen Decken, still, als seien sie ohne Träume, bewe­gungslos, verpuppt. Saß auf einer Bank in nächster Nähe, wartete, notierte: Die Augen der Papier­tier­chen befinden sich im Zentrum ihrer Körper­scheibe, eines erhaben aufwärts, das andere erhaben abwärts gerichtet. Licht und Schatten, Bewe­gung und Still­stand, so ist ihre Welt beschaffen. stop – Nie werden diese Augen sehen, was ich in vergan­genen Stunden mit mensch­li­chen Augen auf dem Bild­schirm meines Compu­ters beob­ach­tete. Foto­gra­fien einer Feuer­blume aus dem Eis, ihr tief­schwarzer Atem, das Blut der Erde, ursprüng­lichste Kraft. – Bleibt noch, mit den Winden zu spre­chen.

fliegende berge

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india : 2.24 – Im Schlaf eine inter­es­sante Erfah­rung der Zeit. Das war gestern, nachdem ich mir vorge­nommen hatte, eine Zugfahrt nach Montauk zu träumen. Statt­dessen, feine Sache, träumte ich, Stanislav Lem habe mir einen Brief geschrieben. Und weil ich die kleine Geschichte nun ganz genau erzählen möchte, muss ich an dieser Stelle notieren, dass Herr Lem im Nacht­ge­schehen keinen unmit­tel­baren Kontakt aufzu­nehmen vermochte, dass viel­mehr ein geheim­nis­volles Büro den ersten und einzigen Buch­staben einer Nach­richt mit dem Hinweis über­mit­telte, ich müsse mich fortan gedulden, da die Zeit der jenseits Lebenden sehr viel lang­samer vergehen würde, als die Zeit der dies­seits lebenden Menschen. Mit einem weiteren Zeichen, einem zweiten Zeichen des Briefes, sei im Juni, und zwar doch im Juni des laufenden Jahres, zu rechnen. Ich wachte dann auf und war fröh­lich und machte mich unver­züg­lich an die Beob­ach­tung eines Nach­rich­ten­schat­tens, den flie­gende vulka­ni­sche Mikro­ge­birge derzeit über Europa erzeugen. – Abwarten. stop. Teetrinken. stop
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animals

2

tango : 22.12 – Ich notiere so leise und behutsam wie möglich. Das erste, noch sehr kleine Blatt eines beschreib­baren Wesens ist in meiner Nähe gelandet. Spazierte, beob­ach­tete den Himmel und als ich zurück­kehrte, war dann alles bereits fertig gewesen. Noch leichte Unruhe auf meinem Schreib­tisch sobald ich mich vorsichtig nähere. Ein wunder­volles Gefühl, die Blicke aber­tau­sender Augen, deren Licht ich nicht sehen, doch spüren kann. Und so sitze hier nun seit Stunden und über­lege, welchen ersten Satz ich mit meinem Licht­stift in das lebende Blatt vor mir eintragen könnte.

morsen

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echo : 0.25 – Gestern, am späten Abend, eine erste Zeile in meinen Bogen lebenden Papiers einge­tragen, einen Satz, den Walter Benjamin vor langer Zeit einmal unter dem Begriff Kaktus­blüte verzeich­nete. Dieser Satz geht so: Der wahre Liebende freut sich, wenn der geliebte Mensch strei­tend im Unrecht ist. – Zärt­lich, ohne zu atmen, arbei­tete ich Zeichen für Zeichen voran. Und als ich fertig geworden war mit einem schlie­ßenden Punkt, lehnte ich mich zurück und wartete. Ich wartete lange. Ich wartete solange, bis ich einge­schlafen war. Dann wachte ich auf und staunte. Sicher ist nun, dass sich Papier­tier­chen mittels einer Sprache verstän­digen, die morsenden Zeichen ähnlich ist. Sie verfügen demzu­folge über Ohren und ihre Stimmen sind hell, sehr hell, sind Fleder­mäusen, Walen und Delphinen nur vernehmbar.
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nahaufnahme

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india : 0.02 – Erschei­nungen auf Bild­schirmen, die sich wie Traum­bilder, wie bewegte Gemälde verhalten. Wollte sie berühren, jenen islän­di­schen Mann im Moment, da er aus dem Atem des Vulkans auf eine Wiese tritt, dieses voll­kommen graue Wesen, staubig, stei­nern, und auch das Schaf an seiner Seite, unsi­cheren Schrittes, ein stei­nernes Schaf. Aber dann, in dem sie näher­kommen, die Augen des Mannes und die Augen des Schafes, wie sie zwin­kern, zwei Leucht­körper in Dunkel­heit, über­lebt, eine Chiffre des Wider­standes. – Man müsste jetzt ein gut trai­nierter Atlan­tik­schwimmer sein.
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standby

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nordpol

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : STANDBY

Mein lieber Jona­than, Mitt­woch ist geworden, früher Morgen, höchste Zeit, eine Nach­richt zu über­mit­teln, die Sie viel­leicht traurig stimmen wird. Sie haben gehört, eine Insel nahe Grön­land spricht seit Tagen mittels Feuer und Asche zur Welt. Vermut­lich werden Sie sich fragen, warum ich Ihnen davon erzähle. Nun, der Himmel über Europa ist zu einem unsi­cheren Ort geworden, Staub­steine fliegen durch die Luft in großer Höhe, es ist denkbar, dass sich meine Reise zu Ihnen nach Amerika verzö­gern wird. Ich habe deshalb eine Bitte an Sie, lieber Mr. Kekkola, den drin­genden Wunsch habe ich, dass Sie selbst, sollte ich im Mai, am 2. des Monats, nicht auf Coney Island erscheinen, für mich dort sitzen und den Hori­zont foto­gra­fieren werden, unsere Elefanten, Sie verstehen, Spuren unserer Elefanten! Ich wäre Ihnen so sehr herz­lich dankbar, mein lieber Freund. Machen Sie sich um Gottes­willen unver­züg­lich auf den Weg! Bis bald, ich hoffe, bis bald! STANDBY. – Ihr Louis. Ahoi! ps. Besitzen Sie eine Kamera?

gesendet am
21.04.2010
6.22 MESZ
1002 zeichen

louis to jona­than
noe kekkola »

0,087 mm

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echo : 0.16 – Der kühle Mund eines Papier­tier­chens, sein Jahres­atem, der das Volumen einer Blau­beere füllt. – stop
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jonglieren

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romeo : 0.25 – Stand in einer Schlange wartender Menschen, machte Rechen­übungen im Kopf. Nach fünf oder zehn Minuten konzen­trierter Arbeit war ich dann soweit gekommen, einzu­sehen, dass jene Zahlen­größen, die ich jonglierte, mein Denk­ver­mögen deut­lich über­for­derten. Rech­nete bald in meinem Notiz­buch notie­rend mit Blei­stift­zahlen weiter voran: Erstens / Ein Papier­tier­chen, sobald es seine Arme streckt, misst 0,087 mm von Ost nach West. Zwei­tens / 2413 Papier­tier­chen säumen den Rand eines beschreib­baren lebenden Papiers an seiner schmalen Seite, 3218 Papier­tier­chen des selben Papiers an seiner längeren Seite. Drit­tens / 7765034 Papier­tier­chen sind Teile einer Struktur, der ich einen Namen zu geben habe. – Wunder­bare, frühe Nacht. Ein großer Frieden in ange­nehmer Span­nung. Alle sind sie jetzt da, sitzen an meinen Zimmer­wänden und rühren sich nicht. – Guten Morgen!
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winde

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sierra : 0.02 – Vergan­gene Nacht ein feiner Traum. Pendelte unter riesiger Stadt in einem U-Bahnzug. Kostbar geschmückte saßen zwischen zerlumpten Menschen. Ameisen prozes­sierten, kreis­runde Papiere in ihren Zangen, ein zerteiltes Buch durchs Abteil. Kinder spielten mit Ping­pong­bällen, feder­lose Täub­chen fackelten über offenen Kohle­feuern. Und da waren Libellen von vornehmer Größe, bitter duftende, blau­häu­tige Tiere, sie schwebten mit der reisenden Luft. Nie wurde Dunkel im Zug, Jahre fuhren wir so dahin, ohne je einmal anzu­halten. Eine Laut­spre­cher­stimme, schep­pernd, pfei­fend. Immer wieder derselbe Satz: It was a wrong number that started it. – stop. – Mein Hand­no­tiz­com­puter, so leise, so leise, dass ich mich zu ihm neige, um seinen Wind wahr­nehmen zu können.
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tango : 0.05 – 1500 Meilen Wolken­tüll über atlan­ti­schem Ozean. Fünf weitere Stunden bald hell­blau der Himmel, das Wasser, man könnte die Welt dort oben auf den Kopf stellen und würds mit den Augen nicht bemerken. Höhe 11887 Meter. Wellen, leich­teste Wellen, – 55° Celsius, Eis wispert in der Pauken­höhle. Repti­lien von Dunst recken geschärfte Rücken aus der Tiefe. Dann wieder sanfte Gebilde, Wolken­la­mellen vom Meer an den Himmel geatmet. Von dort aus fällt man zu Boden, öffnet Iris der Behörde, fährt im luft­fe­dernden Taxi­s­chiff über alte Brücke, Nacht, sand­müde Augen spazieren unterm Regen­schirm. Der erste Blick ins irre Licht. – stop

ny62

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