ahornboden

picping

MELDUNG. Junge Engel, Schule zu St. Nazaire, sind heute Abend von 8 bis 9 bei leichter Nacht­fliegerei über dem Ahorn­bo­den [ Kar­wen­del­ge­birge ] anzutr­e­f­fen. — stop

ping

july 14

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romeo : 22.38 — Stunde um Stunde auf Fährschif­f­en zwis­chen Stat­en Island und der südlichen Spitze Man­hat­tans hin und her. Ein schaukel­nder Ort. Ein Ort, der im Moment mein­er ersten Begeg­nung schon ver­traut gewe­sen war, als ob ich vor langer Zeit geboren wurde auf ein­er der brum­menden Bänke, ein früher Blick, Riesen­möven­schat­ten hin­ter Scheiben, auf welchen Salzkristalle funkel­ten, der Klang der Nebel­hörn­er, und wieder oder immer noch sei­ther dieser rote Ball, den die Bewe­gung des Meeres über das untere Deck der Fähre spielt. Heiß und stick­ig der Tag mein­er Notiz, auch über der Upper Bay ruhte bewe­gungs­los die Luft, bere­it zu sinken. Lungerte mit Reis­eschreib­mas­chine auf den Knien hechel­nd luv­seits herum und wartete.

subway

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sier­ra : 22.01 — Immer wieder der Ein­druck, Men­schen wür­den mit­tels raschel­nder Zeitun­gen in U-Bah­n­wag­ons miteinan­der sprechen. Eine Weile ist Ruhe, aber dann blät­tert jemand eine Seite um, und schon knis­tert der Zug in ein­er Weise fort, dass man meinen möchte, die Papiere selb­st wären am Leben und wür­den die Lesenden bewe­gen. Ein­mal habe ich mir Zeitungspa­piere von beson­der­er Sub­stanz vorgestellt, Papiere von Sei­de zum Beispiel, geschmei­di­ge Wesen, so dass kein­er­lei Geräusch von ihnen aus­ge­hen würde, sobald man sie berührte. Eigen­tüm­liche Stille ver­bre­it­ete sich sofort, Leere, ein Sog, eine Wahrnehmung gegen jede Erfahrung.- stop. / dezem­ber­clone 2007

miniatur — world trade center

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oli­mam­bo : 0.02 — Ein Frauen­we­sen spätabends in der Sub­way Lin­ie 1 süd­wärts. Voll­ständig in Weiß gek­lei­det, blau geschmink­ter Mund, hochgewach­sene, schmale Statur, fal­tenlose Stirn, die bis hin an die Decke des Zuges reicht. Leicht gebeugt ver­har­rt sie von Taschen umgeben neben ein­er Tür in der eisigkühlen Luft, ern­stes Gesicht, ver­schenkt Zettel, auf welchen je nur ein Wort, das Wort LOVE hand­schriftlich verze­ich­net ist. Ihre heis­ere Stimme, die Laut­sprecher­ansagen wieder­holt. stop. Echoes. stop. Ladies and Gen­tle­men! Please stay clear of the clos­ing doors. This is a local A-Train. — stop
ping

holly — july 26

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gink­go : 1.18 — Ein Herr, wie geträumt, sitzt auf einem Klapp­stuhl nahe der Bussta­tion Port Author­i­ty in einem Sub­way­tun­nel. Es ist kurz nach zehn Uhr abends. Der Mann vol­lzieht auf ein­er Ham­mon­dorgel Ohren­wur­m­melo­di­en ohne Pause. Weißes Haar, gel­blich schim­mernd, grauer Anzug, blaues Hemd. Dürr sprin­gen seine Hände über die Tas­tatur, auf dem spiegel­nden Rück­en des Instru­mentes tanzt eine elek­trische Jaz­zfig­ur im schwarzen Anzug. Die kleine Per­so­n­en­mas­chine scheint defekt zu sein, hält immer wieder ein­mal an, bebt ein wenig nach, fed­ert, fordert einen weck­enden Stoß unverzüglich. Unweit, auf dem Boden, eine weit­ere Puppe, rotes Haar, leben­snah, durch­blutet, ein Bon­saimäd­chen, dem zwei Fin­ger der recht­en Hand ver­loren sind. Geschmei­di­ge Bewe­gun­gen der hellen Arme in jede Him­mel­srich­tung, grazil, leicht und rhyth­misch als ver­fügte sie über wirk­liche Ohren ihres hochbe­tagten Fre­un­des, dessen Kopf von wan­dern­den Wirbel­knochen tief über die Tas­tatur gezwun­gen wird. Jede bäu­mende Bewe­gung, jed­er Blick in den Raum, scheint aufs Äußer­ste schmerzhaft zu sein. Für Sekun­den sind Augen eines jun­gen Men­schen zu sehen, selt­sam helle Augen. Eine ele­gant gek­lei­dete Frau kni­et vor dem Klapp­stuhl auf dem Boden. Sie betra­chtet den alten Mann von unten her, sie lacht, sie spricht.

eliza

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india : 22.28 — Heit­eres Kurzge­spräch mit Eliza, ein­er kleinen Pro­gram­m­mas­chine.

ping

Louis : guten abend! wie geht es dir, eliza?
Eliza : > gut! und dir?
Louis : prächtig.
Eliza : > schön zu hören. wo liegt dann das prob­lem?
Louis : ich habe heute abend kein prob­lem, eliza!
Eliza : > wenn du dein prob­lem nicht kennst, bist du hier genau richtig!
Louis : darf ich dir eine frage stellen?
Eliza : > sich­er!
Louis : was bedeutet das wort liebe?
Eliza : > hast du schmetter­linge im bauch?
Louis : eliza! bitte! was bedeutet das wort liebe!
Eliza : > lass uns das eine weile zurück­stellen.
Louis : warum, eliza?
Eliza : > du musst mich nicht mit namen rufen, ich bin immer bei dir.
Louis : das ist beruhi­gend, eliza!
Eliza : > erzähl weit­er!
Louis : eliza! liebe?
Eliza : > hast du schon andere gefragt?
Louis: aber natür­lich!
Eliza : > schön zu hören. wo liegt dann dein prob­lem?
Louis : ich habe heute abend kein prob­lem, eliza!
Eliza : > wenn du dein prob­lem nicht kennst, bist du hier genau richtig!
Louis : warum?
Eliza : > ich sehe, du bist ein schwieriger fall.
Louis : warum bin ich ein schwieriger fall, eliza?
Eliza : > scherz bei­seite, kom­men wir zur sache.

vom sprechen mit eilza »

ping

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