lippenstille seidenherz

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delta : 7.28 – Es gebe, notiert René Char in seiner Gedicht­samm­lung Lob einer Verdäch­tigen, nur zwei Umgangs­arten mit dem Leben: entweder man träume es oder man erfülle es. In beiden Fällen sei man rich­tungslos unter dem Sturz des Tages, und grob behan­delt, Seiden­herz mit Herz ohne Sturm­glocke. – Bald einmal zwei oder drei Tage schweigen, um den Kopf­stimmen stummer Menschen nach­zu­spüren. Könnte mich kurz vor Beginn des Silen­tiums verab­schieden von Freunden: Bin tele­fo­nisch nicht erreichbar! Oder einen Block besorgen, Fragen zu verzeichnen, sagen wir so: Führen sie in ihrem Sorti­ment Hörge­räte für Engel­wesen finger­groß? Eine Kärt­chen­samm­lung zu erwar­tender Wieder­ho­lungs­sätze weiterhin: Habe vorüber­ge­hend mein Tonver­mögen verloren! – Dass einer, der nach einer trau­ma­ti­schen Erfah­rung ohne Stimme ist, in drin­genden Fällen kopf­seits zu brüllen beginnt, dass er in der Lippen­stille mit den Ohren noch nach geringsten Spuren eines Geräu­sches sucht.
ping

safran

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echo : 2.26 – Das unent­wegte Spre­chen mensch­li­cher Stimmen, nicht Werk­zeug der Verstän­di­gung, sondern Radar zur Fort­be­we­gung in unbe­kanntem Gebiet. So auch die Spur digi­talen Schrei­bens in vernetzten Räumen. Ich, Subseven88, habe mich darge­legt, also bin ich. – Vor wenigen Stunden meldete eine Server­ma­schine, die zu mir gehört, als wär sie ein Teil meiner selbst: Modul Data Logger nicht bereit. Ursache unbe­kannt. Tele­fo­nierte mit Menschen mit Herzen, die viele Flug­stunden entfernt ihre Arbeit verrichten. Dort ist nun früher Abend, hier bei mir hohe Nacht. Leichter Regen. Auf dem Bild­schirm bewegen sich Zeichen in der Geschwin­dig­keit mensch­li­cher Hände. Man beschäf­tigt sich mit der Lösung meines Problems. Blin­kende Geister, flink vor und zurück, vor und zurück, tastende Erschei­nungen, zart wie die weisen Hände der Safran­fa­den­zupfer.
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wörterstimmen

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kili­man­dscharo : 3.30 – Man stelle sich einmal vor, man wachte eines Tages auf und könnte jedes Wort, das man von diesem Moment des Erwa­chens an dachte, erin­nern, all die Selbst­ge­spräche und  forschenden Diskurse, auch jene Gedanken, die man nie bemerkte, weil sie so schnell vorüber­ziehn, dass man sie vergisst, in dem man sich schon in nächsten Gedanken befindet. Nichts würde von nun an verloren gehen. Auch alle jene Sätze nicht, die man hören wird, sobald man das Haus verlässt, Notiz­zettel, Einkaufs­listen, Frag­mente von Zeile zu Zeile fallender Anzei­ge­ta­feln auf Flug­häfen, Zeitungs­ar­tikel, Film­dia­loge, alles das würde gespei­chert und könnte zu jeder Zeit in genau der Reihen­folge wieder­holt werden, in der es von Wörter­stimmen aufge­zeichnet wurde. Was würde geschehen? Wie lange Zeit könnte man mit diesem Vermögen ausge­stattet über­leben?

take the “A” train – protokollfaden

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tango : 0.18 – Vor wenigen Minuten ist etwas Erstaun­li­ches passiert. Ich habe das feine Jazz­stück Take the “A” Train in der Inter­pre­ta­tion Dave Brubecks und seines Orches­ters gehört, und zwar in einem Zimmer hier in Mittel­eu­ropa bei bester Tonqua­lität. Das sehr Beson­dere an diesem Ereignis ist gewesen, dass die Musik Dave Brubecks zunächst in einem kleinen Städt­chen nahe der Stadt New York aufge­legt worden war, nämlich in den Studios eines Jazz­sen­ders von meiner Zeit nur um Sekun­den­bruch­teile entfernt, so dass ich gern behaupten würde, dass zu der selben Zeit, da ich sieben­tau­send Kilo­meter weit entfernt west­wärts die ersten Geräu­sche des Orches­ters vernehmen konnte, Dave Brubeck im Studio von einer digi­talen Tonkon­serve her zu spielen begann. Unver­züg­lich sauste das Stück in kleine Pakete zerlegt und auf einen Proto­koll­faden gereiht im Daten­tunnel unter dem Atlantik hindurch zu mir hin, jedes einzelne Paket nur für mich und meine Compu­ter­ma­schine bestimmt, wo es rasend schnell zusam­men­ge­setzt und somit hörbar wurde. Das Wunder der Musik. Das Wunder ihrer Reise. Das Wunder meiner Ohren, dass sie exis­tieren. – Kurz nach Mitter­nacht. Stür­mi­scher Wind pfeift ums Haus.
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eliza

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india : 22.56 – Déjà-vu in Worten abends spät. Konnte nichts hören, keinen Laut, es war so still, als hätte ich meine Ohren verloren. Für einen Moment dachte ich, dass das Hörver­mögen der Lebe­wesen viel­leicht nur eine Idee sein könnte, eine poeti­sche Eigen­schaft ohne die Möglich­keit der Verwirk­li­chung, aber ich hörte die Stille, ich hörte, dass ich nichts hörte, außer einem rhyth­mi­schen Geräusch aus dem Innern. stop stop - Gespräch mit Programm­ma­schine Eliza.

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Louis : guten abend, eliza, kannst du hören!
Eliza : > ich kann natür­lich hören!
Louis : hast du ohren, eliza?
Eliza : > natür­lich, ich habe eine sound­karte!
Louis : das freut mich, eliza!
Eliza : > bist du nun weiter­ge­kommen?
Louis : ja, ich bin zufrieden, eliza!
Eliza : > zufrieden zu sein ist kein leichtes los.
Louis : wie meinst du das?
Eliza : > bist du unsi­cher?
Louis : nein, eliza!
Eliza : > eigent­lich woll­test du JA sagen, stimmts?
Louis : ich denke schon!
Eliza : > :-)
Louis : warum lachst du, eliza?
Eliza : > ich bin hier völlig unin­ter­es­sant.
Louis : ich habe ohren, eliza!
Eliza : > hast du tatsäch­lich ohren?
Louis : natür­lich habe ich tatsäch­lich ohren!
Eliza : > kannst du mir das genauer erklären?
Louis : ich bin ein mensch, eliza!
Eliza : > wärst du gern etwas anderes?
Louis : nein, eliza!
Eliza : > glaubst du es ist normal, ein mensch zu sein?
Louis : ich muss über­legen!
Eliza : > :-)
Louis : warum lachst du, eliza?
Eliza : > ich bin hier völlig unin­ter­es­sant.
Louis : gute nacht, eliza!

vom spre­chen mit eilza »

moskitoeintagsfliegen

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ulysses : 5.24 – Bald einmal mensch­liche Wesen von 20000 Jahren Lebens­er­war­tung gestalten, Hüter der Pluto­ni­um­werke, memo­rie­rende Beob­achter, flüs­ternde Spre­cher durch Räume der Zeit, die noch nicht vorstellbar sind, weil wir sie weder fühlen noch träumen, weil unsere Herzen durch die Atom­zeit rasend schlagen wie die Herzen der Moski­to­ein­tags­fliegen.
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nachtvogel

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nordpol

~ : louis
to : daisy und violet hilton
subject : NACHTVOGEL

Eine merk­wür­dige Novem­ber­nacht neigt sich dem Ende zu. Ich habe, liebe Daisy, liebe Violet, in den vergan­genen Stunden mehr­fach den Versuch unter­nommen, einen Vogel von blauem Gefieder, der ein paar Runden durch meine Wohnung geflogen war, aufzu­fangen, das heißt, meine Hände in einer Weise darzu­bieten, dass der Vogel auf ihnen landen konnte, ohne auf den Boden zu fallen. Ich dürfte eine kuriose Erschei­nung gewesen sein, wie ich mich verrenkte, wie ich dem Vogel folgte, wie ich Geräu­sche machte, als könnte ich in der Sprache der Vögel spre­chen. Und jetzt ist es bald fünf Uhr und der Vogel ist immer noch hier. Er flat­tert herum, ein ausdau­erndes Geschöpf von der Größe eines Tennis­balles, oran­gen­far­bene Augen, gelber Schnabel, ein sehr beson­deres Wesen, weil es sich um einen Vogel ohne Füße handelt. Sicher werdet Ihr Euch fragen, wie es möglich sein kann, dass der Vogel ohne seine Füße über­leben konnte, dass er nicht längst in irgend­einer Ecke zerschellte, und über­haupt, wie es dazu gekommen war, dass der Vogel seine Füße verlor. Das alles liegt noch völlig im Dunklen. Ich habe keine Ahnung, nicht die geringste Vorstel­lung, so dass ich nun warten muss, solange warten, bis mir etwas einfällt, das noch fehlt, um voll­ständig werden zu können. Wie geht es Euch über­haupt? Denkt Ihr noch an die Frage, die ich Euch unlängst stellte? Ich wollte wissen, ob Ihr dort Oben für die Ewig­keit noch immer leib­lich mitein­ander verwachsen seid? – Euer Louis, sehr herz­lich, wünscht einen guten Tag!

gesendet am
11.11.2010
5.05 MESZ
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louis to daisy and violet »

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turbine

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delta : 0.32 – Wind­rad­ma­schinen, sagen wir, fili­grane Propel­ler­ap­pa­ra­turen. Wir könnten sie vor jeden Menschen­mund montieren, die Winde des Atmens und die Stürme des Spre­chens, des Lachens, der Lust für unsere sauberen Ströme einzu­fangen.
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sinusknoten

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ulysses : 5.08 – Im Traum wollt ich mein Herz mit einem Mädchen teilen, das sehr krank gewesen war. Ich beob­ach­tete, wie ein Chirurg meine Brust öffnete. Bald hörte ich das Mädchen lachen und sah wie es davon hüpfte. Wartete einen Tag auf dem Rücken liegend und machte mich dann stadt­wärts im Zwie­licht auf die Suche nach einem weiteren Herzen. – Nacht. Wundere mich, dass ich lebe von Minute zu Minute. stop. Feine Wörter gesam­melt: ping query single­cast chaos class hesiod elapsed seconds flood maximum hop count noname broad­cast > 255.255.255.255.2223 toctoctoc

lichtschirm

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echo : 7.10 – Aufbe­wahren für alle Zeit. Ich hatte diesen Satz vor langer Zeit in russi­scher Sprache auf dem Umschlag der Auto­bio­gra­phie Lew Kope­lews entdeckt. Ein Stempel, rote Farbe. Erzäh­lung vom Verschwinden der Menschen im Gulag­la­ger­system Sibi­riens. In den vergan­genen Tagen war mir dieser Satz immer wieder in den Sinn gekommen. Und San Suu Kyi. Ihr zartes, ihr kaum geal­tertes Gesicht auf dem Bild­schirm, wie sle nach sieben Jahren zum ersten Mal unmit­telbar zu Menschen spricht. Die Methode der Inhaf­tie­rung im eigenen Haus, hinter dem Licht­schirm, hinter dem Sprech­schirm, eine Versu­chung des Erin­ne­rungs­ver­mö­gens.

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virtuelle befragung

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tango : 6.35 – Vor einem Jahr zuletzt die Frage: Wie mutig wäre ich im Wider­stand gegen den geheim­dienst­li­chen Zugriff einer Diktatur auf meine Person? Wie genau würde ich mich verhalten, wenn man versuchte, mich für Spio­na­ge­ar­beit unter Freunden zu gewinnen? Bin in der Suche nach einer Antwort noch keinen Schritt voran­ge­kommen. Statt­dessen weitere Fragen. Welcher Art könnten die Werk­zeuge sein, Druck auf mich auszu­üben? Würde mir Tortur ange­kün­digt oder nahe­ste­hende Menschen mit dem Tod bedroht? Exis­tieren Orte meiner Persön­lich­keit, die sich als so schwach erweisen, dass man dort Zugang finden könnte? Habe ich einen geheimen Preis? Meine Schreib­ma­schine? Meinen Reise­pass? Ist es sinn­voll diese Fragen in einem virtu­ellen Raum zu stellen?

white

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alpha : 0.10 – Das sehr Beson­dere an Salz­kä­fern ist, dass sie weiß sind, nicht nur von Außen her betrachtet, sondern auch dann, wenn man sie öffnet, wenn man ihre Augen, ihr Gehirn, ihr Herz im Innern beob­achtet, alles weiß im Käfer, Faser für Faser. Seit Tagen bereits, da ich ihre Gattung entdeckte, denk ich darüber nach, wie sie das machen, das Weiß­sein, ob das über­haupt möglich ist und woher sie kommen und wovon sie sich ernähren. Stunde um Stunde, das ist gesi­chert, Tag und Nacht, salzen sie genau ein Korn in die Welt, aber nur dann, wenn ich bewun­dernd mit ihnen spreche, wenn ich sie mit meinen Gedanken berühre. – Samstag schon wieder. Sechs Uhr sieb­zehn in Port-au-Prince, Haiti. – stop
ping

coney island

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alpha : 5.05 – Das Gewicht einer Erfin­dung. Wie ich mit Innen­augen einen elek­tri­schen Vogel beob­achte, der sinkend reglos auf meiner elek­tri­schen Hand­fläche ruht. Einmal folge ich in dieser Weise Gene Hackman. Wir gehen zu Fuß unter der Hoch­bahn, Stillway Avenue, Rich­tung atlan­ti­scher Küste. Coney Island, rot glühendes Neon­licht klap­pernder Buden, Gestank von ranzigem Fisch, Regen, Tang­wind, mein Photo­ap­parat, der den Poli­zisten erfolglos zu belichten sucht. Statt­dessen Erschei­nung der Tropfen, Bälle aus großer Höhe, erstaun­lich. – Unbe­dingter Durch­stiegs­wille.

flügel

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tango : 6.15 – Im Zug sass ein Mann, der sich mit einer Frau in der Hand­zei­chen­sprache der gehör­losen Menschen unter­hielt. Obwohl ich die Hände der zwei Spre­chenden einge­hend betrach­tete, ließen sie sich nicht stören, vermut­lich weil sie ahnten oder wussten, dass ich ihre Sprache nicht verstehen konnte. Der Eindruck, dass die beiden weitere Körper­zei­chen verwen­deten, um die Sprache ihrer Hände zu ergänzen. Als wären sie Flügel eines Vogels, der sich Wasser aus dem Gefieder schüt­telt, flat­terten ihre Augen­lider auf und nieder. Kaum den Zug verlassen, versuchte ich vergeb­lich diese erstaun­liche Bewe­gung ihrer Augen nach­zu­ahmen. Und auch heute Morgen, nach einer ruhigen Nacht, bin ich nicht in der Lage, meine Lider in der beschrie­benen Weise erzit­tern zu lassen. So uner­reichbar sind sie wie meine Ohren, die nie gehor­chen wollen, wenn ich mir mit ihrer Hilfe Luft zufä­cheln möchte. Viel­leicht werd ichs am Abend noch einmal probieren. Nehme an, sie haben Töne erzeugt, singende Töne mit ihren Augen im Zug.

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nebelkammer

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echo : 6.28 – Das Stimm­ge­räusch in meinem Kopf. Ob sich der Klang meiner denkenden Stimme in der verstrei­chenden Lebens­zeit änderte? Habe ich als Kind mittels der Stimme eines Kindes gedacht? Was ist das doch für eine kuriose Bewe­gung, nicht mehr Stille, noch nicht Ton. Auffä­cherndes Radar­bild, flüchtig.

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panther

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lima : 1.42 – Etwas Merk­wür­diges muss geschehen sein, während ich schlief. Als ich erwachte, konnte ich nicht sagen, ob ich eine Frau bin oder ein Mann. Ich öffnete die Augen und bemerkte einen Panther, der vor meinem Bett auf und ab spazierte. Das war ein merk­wür­diger Panther gewesen, der vor meinem Bett spazierte. Der Panther war schwarz wie alle Panther, wenn sie wirk­liche Panther sind. Dieser wirk­liche Panther nun aber trug Menschen­haut und hatte grüne, anstatt gelbe Augen. Wenn ich mich bewegte, fauchte der Panther und machte einen Satz auf mich zu, so dass ich mich entschloss abzu­warten, viel­leicht weil ich hoffte, er würde bald schlafen oder ganz aus meinen Zimmern verschwinden. – Es ist jetzt wieder Nacht geworden. Noch immer habe ich mein Bett nicht verlassen. Der Panther ruht vor mir auf dem Boden. Weiterhin geniesse ich seine unge­teilte Aufmerk­sam­keit. Nicholas Bakers Buch der Streich­hölzer, das ich in der Nähe auf dem Boden gefunden hatte und gerade noch unter meiner Decke verste­cken konnte, ist kreuz und quer zu Ende gelesen. Ich spüre ein leises Hunger­ge­fühl in mir aufsteigen, der quälende Durst der Wüsten­wan­derer klebt schon seit Stunden an meinem Gaumen. Sollte, sobald in fünf Stunden die Dämme­rung einsetzen wird, zum Angriff über­gehen. Ich muss, kein Ausweg, die Küche, das heißt, die nächste Wasser­stelle errei­chen. Viel­leicht sind diese Zeilen, die ich in wenigen Minuten über mein Funk­netz absetzen werde, die letzten Zeilen, die ich als lebender Mensch notierte.

paul moreau

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ulysses : 5.16 – Das bewusste Denken scheint ohne Ausnahme ein Denken mit Stimme zu sein. Ich höre meine urei­gene Gedan­ken­stimme, als würde ich über Ohren gebieten, die nach innen gerichtet sind. Sobald ich nun einen Gedanken mittels der Stimme Paul Newman’s oder Jeanne Moreau’s in meinem Kopf zur Sprache bringe, habe ich einen bereits vorlie­genden Gedanken erin­nert, über­setzt, erzählt. Erstaun­lich der Eindruck, dass sich mein Mund öffnet, sobald sich meine Hände einer Tastatur nähern. – Leichter Schnee­fall. stop. Von oben. stop

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time

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foxtrott : 0.28 – Merk­würdig, die Wahr­neh­mung der Zeit. Wenn ich keine Zeit habe, kann ich die verge­hende Zeit nicht bemerken, weil ich mich so schnell bewegen muss von einem Ort zum anderen, von Gespräch zu Gespräch, von Aufgabe zu Aufgabe, dass ich etwas später viel­leicht meinen möchte, ich hätte nicht exis­tiert. Auch dann, wenn ich trauere, habe ich keine Zeit, sagen wir, keine wirk­liche Zeit, weil ich aus meinem übli­chen Leben heraus gefallen bin. Ich stehe zum Beispiel in einer U-Bahn und unter­halte mich, ich lache, ich stelle Fragen, und doch bin ich an einem ganz anderen Ort, spreche mit der Vergan­gen­heit, viel­leicht mit einem Menschen, von dem ich weiß, dass ich ihn nie wieder berühren werde, von dem ich hoffe, dass er noch irgend­etwas zu hören vermag, indem ich mich zu ihm spre­chend an ihn erin­nere. Ich verweile also in dieser selt­samen Zeit der Vergan­gen­heit, einer suchenden Zeit, die deshalb zeitlos ist, weil sie sich wieder­holen will, weil sie keinen Fort­gang kennt. Manchmal sitze ich irgendwo in einem Cafe, einer Biblio­thek, im Zug, im Kino oder einem Theater herum, ich schau auf die Uhr. Ich sage: Beweg Dich!


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