manhattan transfer

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foxtrott

~ : oe som
to : louis
subject : DOS PASSOS
date : july 31 11 5.15 p.m.

Anstren­gende Tage liegen hinter uns, Regen, stür­mi­sche Winde, schwerer Seegang, Peli­kane kreisen hoch über dem Schiff. Vor zwei Tagen zuletzt schickten wir Dos Passos’ Roman Manhattan Transfer zu Noe hin abwärts. Ein schweres Buch, das in vier­hun­dert Fuß Tiefe von einer warmen südli­chen Strö­mung abge­trieben wurde, bald darauf in einer Pendel­be­we­gung derart heftig nord­wärts gezogen wurde, dass wir fürch­teten, Noe könnte von dem Gewicht des Romans getroffen oder das Buch von der Senkleine in uner­gründ­liche Tiefen fort­ge­rissen werden. Drei Stunden später hielt Noe John Dos Passos in Händen. Unser Taucher bemerkte sogleich, dass es sich bei diesem weiteren Unter­was­ser­buch um ein beson­deres Werk handeln musste, eine umfang­reiche Satz­ver­samm­lung, von innen her, Seite für Seite, Zeichen für Zeichen apri­ko­sen­farben sanft beleuchtet. In der selben Minute, da Noe das Buch öffnete, begann er laut zu lesen. Er las drei Stunden, dann schlief er kurz ein, um noch im Halb­schlaf befind­lich seine Lektüre fort­zu­setzen: Die Sonne ist nach Jersey gerückt, die Sonne steht hinter Hoboken. Hüllen schnappen über Schreib­ma­schinen, Roll­la­den­schreib­ti­sche schließen sich. Aufzüge fahren leer in die Höhe, kommen voll­ge­pfropft herunter. Es ist Ebbe in der City, Flut in Flat­bush, Wood­lawn, Dyckman Street, Sheep­shead Bay, News Lots Avenue, Canarsie. Rosa Zeitungen, grüne Zeitungen, graue Zeitungen. Sämt­liche Börsen­kurse. Sport­re­sul­tate. Lettern wirbeln über laden­müde, büro­müde schlaffe Gesichter, wunde Finger­spitzen, schmer­zende Fußriste, musku­löse Männer, Gedränge im U-Bahn-Express. – Kurz vor Sonnen­un­ter­gang. Das Meer sucht nach uns mit Zungen von Gischt. Ein riesiger Schwarm Makrelen nähert sich von Norden her, unge­heure Bewe­gung, wie eine riesige Hand fährt sie auf dem Radar­schirm langsam die Küste entlang. Noe wünscht eine Foto­grafie John Dos Passos’ zu sehen. So etwas hat’s noch nie gegeben. – Ahoi! Dein OE

gesendet am
31.07.2011
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syrischer traum

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tango : 6.15 – Ich hatte einen beun­ru­hi­genden Traum. In diesem Traum wurde mit Panzern auf protes­tie­rende Menschen geschossen. Projek­tile, groß wie Koffer, flogen durch die Luft. Wenn sie einen Menschen trafen, rotierten Körper­teile gegen den Himmel. Über­haupt bewegte sich die Welt in diesem Traum sehr langsam, die Blätter der Bäume, Kinder, die unter Platanen Himmel und Hölle spielten, auch jene flie­genden Eisen­koffer und das Feuer, das aus den Geschütz­rohren der Panzer trat, alles zur Zeit­lupe verzö­gert. Einmal saß ich auf einer Bank. Ich hielt den Kopf eines Jungen in Händen. Durch ein furcht­erre­gendes Loch in der linken Wange des Kindes spähte ich in das tobende Gesicht eines Offi­ziers. Das alles war mir, noch im Traum befind­lich, sehr merk­würdig vorge­kommen, weil die singende Stimme eines Kindes in nächster Nähe zu vernehmen gewesen war. – stop

ping

PRÄPARIERSAAL : kreide

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delta : 22.56 – Gewit­ter­himmel. Abend. Moskito­fi­sche segeln von Zimmer zu Zimmer. Seit zwei Stunden Julian, seine tiefe Tonband­stimme. Seltsam ist, dass ich mich an Julians Gesicht nicht erin­nern kann. Zeit und Ort der Tonband­auf­nahme, ein kleines Café in Schwa­bing zu München, sind hingegen sofort erreichbar. Samstag. Winter. Sobald sich die Tür des Cafés öffnete, wehte Schnee­wind herein. > Wir haben zunächst das Präparat auf dem Tisch herum­ge­dreht. Aber das sagt sich so leicht. Man kann das Präparat nicht alleine herum­drehen. Das Präparat ist zu schwer, um von einer Person auf einem schmalen Tisch herum­ge­dreht werden zu können. Wir haben das Präparat gemeinsam bewegt. Ein inten­siver Moment. Wir schwitzen. Wir halten den Atem an. Das Präparat ist feucht. Eine Hand hält den feuchten Kopf des Präpa­rates, eine weitere Hand einen feuchten Arm, Hände halten feuchte, kühle Schenkel, einen feuchten, kühlen Rücken, einen feuchten, kühlen Nacken. Wir haben noch nicht an Tiefe gewonnen, wir haben noch keinen Schnitt gesetzt. Wir sind noch am Anfang. Wir sind noch am ersten Tag. Wir haben noch nicht darüber geschlafen. Ich sehe, wie ich ein Stück Kreide in die Hand nehme. Ich nehme dieses Stück Kreide in die rechte Hand. Mit der linken Hand taste ich über den Rücken meines Präpa­rates. Ich ertaste Untiefen, Knochen, feste Struk­turen, die meinen Fingern Orien­tie­rung bieten. Sobald ich mit der linken Hand eine Untiefe, einen Knochen­punkt ertastet habe, ziehe ich mit der rechten Hand einen Kreis. Wenn ich mit der Kreide den Körper berühre, gibt der Körper nach. Mein Finger ist ein Werk­zeug des Tastens, die Kreide ein Werk­zeug des Beschrei­bens. Ich zeichne dem Präparat die Form eines Herzens auf die Brust. Ich zeichne einen Magen auf den Bauch. Ich zeichne in die Tiefe eine Niere links, eine Niere rechts. Ich habe die Vermu­tung eines Herzens, ich habe die Vermu­tung eines Magens, ich habe die Vermu­tung einer Niere da und einer Niere dort. Das Präparat ist ohne Geräusch. Es ist merk­würdig, alles scheint schon sehr lange her zu sein, und doch habe ich den Eindruck, dass kaum Zeit vergangen ist. Das Präparat auf dem Tisch, dieser Mensch, ist fast verschwunden. – stop

elst-pizarro

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delta : 0.03 – Vor wenigen Tagen die Exis­tenz des erdnahen Kometen Elst-Pizarro bemerkt, eines reisenden Körpers, der bereits im Jahre 1997 entdeckt worden ist. Viel­leicht könnte es sinn­voll sein, von diesem Vorgang als einer einseitig wirk­samen Kolli­sion zu spre­chen, weil ich mich mit der Sekunde der ersten Wahr­neh­mung verformte, durch meine Begeis­te­rung einer­seits, ande­rer­seits durch eine Versamm­lung von Fragen, die nun an mir zerren, als verfügten sie über eine physi­ka­lisch mess­bare Gravi­ta­tion. – stop
ping

PRÄPARIERSAAL : zeppelin

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echo : 2.16 – Wall­street gestern Abend auf Fern­seh­bild­schirm. Hinter einem Reporter, der vom abwärts stre­benden Verhalten der Kurse erzählte, warteten japa­ni­sche Menschen. Sie winkten fröh­lich in die Kamera, grüßten, fächelten sich Luft zu mit fleisch­far­benen Zeitungs­pa­pieren. Es schien warm zu sein in New York, schwül. Wäre ich jetzt dort, dachte ich, würde ich südwärts laufen zur nahe­ge­le­genen Hafen­sta­tion, würde mich auf das obere Deck eines der alten Fähr­schiffe begeben, würde bald im kühlenden Fahrt­wind sitzen, ein Coke in der linken, eine Teig­ta­sche mit Hummer­fleisch in der rechten Hand, das Tonband­gerät in der Tasche und Mels Stimme im Kopf­hö­re­rohr, wie sie erzählt von anato­mi­scher Zeit. – 2 Uhr und zwanzig Minuten. Regen. Blitze. Donner. Gerade eben hörte ich mich selbst, meine eigene Stimme. Ich formu­lierte vorsichtig eine Frage, wollte wissen, ob Mel sich im anato­mi­schen Saal gefürchtet habe? Nein, antwor­tete Mel ohne zu zögern, sie habe sich nicht eine Sekunde lang vor den Toten gefürchtet. > Ich hatte in diesen 6 Wochen keine Zeit, Angst zu haben. Ich habe mich auf meine Aufgabe konzen­triert. Ich habe mich vor Testaten ein wenig gefürchtet, und ganz am Anfang viel­leicht davor einmal rasch umzu­fallen. Nur deshalb hatte ich wirk­lich Angst, umzu­fallen, das heißt nicht arbeiten zu können, aber davon erzählte ich bereits. Wenn ich mir das jetzt genau über­lege, dann kann ich mich nicht erin­nern, dass im Präpa­rier­saal über­haupt irgend jemand umge­fallen ist. Viel­leicht musste man mal aus dem Saal gehen und sich setzen, weil man die Nacht zuvor nur kurz geschlafen hatte und deshalb müde war und weil die Augen brannten vom Form­aldehyd in der Luft. Aber umge­fallen, ich meine, ohnmächtig geworden, davon habe ich persön­lich nichts mitbe­kommen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass ich das alles nur geträumt habe. Auch in der Zeit, als ich noch präpa­rierte, hatte ich hin und wieder den Eindruck, dass dieser Saal nicht wirk­lich war. Ich konnte meine Eindrücke nicht mit der Straße, über die ich nach Hause spazierte oder mit den Gesprä­chen der Menschen, die ich in der U-Bahn gehört habe, in Verbin­dung bringen. Ich hatte den Eindruck, dass der Saal, dass die ganze Situa­tion irgendwie frei schwebte, also ganz für sich war, isoliert. Und so reiste ich also hin und her, von da nach dort und wieder zurück, aber das war nicht schwer gewesen, so hin und her zu springen. Ich habe von dem ein oder anderen meiner Freunde gehört, dass sie Alpträume gehabt hätten. Ich selbst habe aber nie geträumt. Ich kann mich jeden­falls nicht daran erin­nern, geträumt zu haben. Ich glaube, ich war in irgend­einer Weise geschützt. Ich kann nicht genau sagen, was mich geschützt hat, viel­leicht war es die Dichte der Aufgaben, die mir gestellt waren. Ich hatte keine Zeit, lange über diese merk­wür­dige Situa­tion nach­zu­denken. Ich meine, ich habe nicht lange darüber nach­ge­dacht, dass ich, Mel, hier den Körper einer alten Frau so lange zerlege und betrachte, dass er fast verschwunden sein wird, wenn ich fertig sein werde. Ja, – es war sehr viel zu tun. Das hat es leichter gemacht.
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leben

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kili­man­dscharo : 6.45 – Ich lebe sehr gern. Und manchmal kommt einem vor, dass das ganze Leben, das man hinter sich hat, eigent­lich kein Jammertal war. Obwohl es natür­lich schlimme Punkte gegeben hat. Aber im Großen gesehen ist die Welt für mich eigent­lich immer schön gewesen. Und ich hab immer gern gelebt und ich leb jetzt auch noch sehr gern. Es hat sich die Form im Laufe der Jahr­zehnte total verän­dert. Aber das Rasen und Rotieren im Kopf, das ist gleich geblieben. / Auf der einen Seite bin ich also lebens­süchtig kann man fast sagen, und auf der anderen Seite bin ich ein großer Melan­cho­liker, von meiner Mutter. Aber das geht gut zusammen. / Mit dem Schreiben kämpfe ich eigent­lich gegen den Tod. Ich hasse ja den Tod. Und ich möchte alles machen nur damit ich da nicht bald hinein­falle in diese Grube, in diese schreck­liche. – Frie­de­rike Mayrö­cker in einem Film­por­trait von Latja Gasser
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ameisengesellschaft ln – 768

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MELDUNG. Amei­sen­ge­sell­schaft LN – 769 [ lasius niger ] : Posi­tion 48°21’N 07°01’O : Folgende Objekte wurden von 20.00 – 21.00 Uhr MESZ über das südöst­liche Wendel­portal ins Waren­haus einge­führt : zwei trockene Flie­gen­torsi mitt­lerer Größe [ je ohne Kopf ], sech­zehn Baum­stämme [ à 7 Gramm ], fünf­zehn Raupen in Grün, acht­zehn Raupen in Orange, ein Insek­ten­flügel [ vermut­lich der eines Zitro­nen­fal­ters ], zwei Streich­holz­köpfe [ à 2 Gramm ], acht Fliegen der Gattung Calli­pho­ridae in vollem Saft, sonnen­ge­trock­nete Rosen­blätter [ ca. 50 Gramm ], fünf Schne­cken­häuser [ je ohne Schnecke ], sieben gelähmte Schne­cken [ je ohne Haus ], 157 Ameisen anlie­gender Staaten [ betäubt oder tran­chiert ], sechs Rüssel­käfer [ blau­tür­kise ], die Aaskugel eines Pillen­dre­hers, wenig später der Pillen­dreher selbst, eine Wild­biene, ein Auto­reifen [ Mase­rati Mistral ] 8 Gramm. – stop

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eine nase

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nordpol : 22.20 – Auf einem anato­mi­schen Beob­ach­tungs­kärt­chen, das mit der Nummer 572 versehen ist, folgende Notiz: Selbst­ver­ständ­lich besitze ich eine Nase. Ich habe mich über diesen Satz, den ich hand­schrift­lich mit Blei­stift notierte, gewun­dert, weil ich mich nicht erin­nern konnte, in welchem Moment mir dieser Satz wichtig gewesen zu sein schien. Viel­leicht, denke ich in dieser Minute, wollte ich mich daran erin­nern, bei Gele­gen­heit einmal über die Bedeu­tung des Wortes Besitz im Zusam­men­hang des eigenen Körpers nach­zu­denken. – stop
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PRÄPARIERSAAL – so haben wir angefangen

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delta : 22.20 – Sobald ich mein Tonband­gerät betrachte, wenn ich beob­achte, wie sich zier­liche Rädchen hinter einer Scheibe bewegen, Lust, die kleine Maschine ausein­an­der­zu­nehmen, alles zu betrachten und dann wieder zusam­men­zu­setzen, auch wenn viel­leicht Jahre vergehen, bis die Zusam­men­hänge der Maschine wieder fehlerlos herge­stellt sein werden. An diesem Abend, da im Hinter­grund eine weitere, eine digi­tale Tonband­ma­schine Joshua Redman wieder­holt, ist alles noch in Ordnung, unbe­rührt, sagen wir. Tom erzählt: > Man geht also vorsichtig los, man kommt durch eine Klapptür in den Saal und sieht sofort, dass da sehr viele Menschen sind. Ich hatte zunächst ein paar Probleme damit, die Knöpfe meines Kittels in die Finger zu bekommen, weil ich einen Atlas unter den Arm geklemmt hatte und ein Paar Latex­hand­schuhe in der einen Hand und in der anderen meinen Werk­zeug­kasten, eine hölzerne Schachtel mit Pinzetten und Skal­pellen. Ich habe mir gedacht, du musst jetzt nicht beson­ders souverän sein, mein Junge, sondern zunächst einmal deinen Tisch finden und deine Leute und dann wirst Du ganz einfach anfangen. Also bin ich gleich nach links gelaufen, weil ich wusste, dass ich in einer Abtei­lung arbeiten werde, die links liegt, wenn man das von der Tür aus betrachtet. Aber dann hatten wir natür­lich keine Ahnung, wie wir anfangen sollten. Wir standen um einen Tisch herum und haben zunächst einmal abge­wartet. Wir waren acht Leute. Weil wir uns noch nicht alle kannten, haben wir uns erst einmal vorge­stellt. Viel­leicht bekomm ich sie grad schnell zusammen. Da war, zum Beispiel, Mika, eine Norwe­gerin, und Michael, der mir am Tisch gleich gegen­über arbei­tete, und Susan, die sich ein Tuch um ihren Kopf gebunden hatte, damit das Haar ihr nicht ins Gesicht fallen konnte. Und da waren Zue natür­lich, eine Afri­ka­nerin von der Elfen­bein­küste, die uns nicht immer verstehen konnte, weil sie die engli­sche und fran­zö­si­sche Sprache besser spre­chen konnte als die deut­sche Sprache, und Ismene, eine Grie­chin, die uns sofort erzählt hatte, dass sie Chir­urgin werden wolle. Ich erin­nere mich, Ihre Augen waren stark gerötet, viel­leicht weil ein scharfer Geruch in der Luft hing, irgend­etwas, das die Augen reizte. Ich konnte diesen Geruch bereits auf der Strasse wahr­nehmen, und später, am Abend, zu Hause, hatte ich ihn an den Händen. Kurzum, wir haben dann also gewartet. Ich kann nicht genau sagen, wie lange wir so gewartet haben. Das war eine selt­same Situa­tion. Wir haben uns immer wieder ange­lä­chelt. Ich glaube, wir waren alle sehr verlegen und standen zu diesem Zeit­punkt unter einer großen Span­nung. Der Tisch hatte die Nummer 4/12. Eine rote Plane war über diesen Tisch ausge­breitet und wir konnten eine Kontur erkennen, eine Erhe­bung. Wir wussten, dass da ein Körper lag und dass dieser Körper eher klein sein musste, zier­lich, sagen wir. Ich hatte die Vorstel­lung, dass dort unter der Decke eine Frau liegen könnte. Und ich erin­nere mich, dass ich in diesem Moment über­legte, ob das Geschlecht des Körpers, den ich in den kommenden Wochen ausein­ander nehmen würde, eine Bedeu­tung für mich haben würde oder nicht. Und dann ging alles sehr schnell. Unser Coas­sis­tent kam zu uns an den Tisch und erkun­digte sich, ob alles ok sei. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und schaute jeden einzelnen von uns an und lachte sehr freund­lich. Wir haben dann damit begonnen, das rote Tuch vom Tisch zu nehmen. So haben wir ange­fangen.
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PRÄPARIERSAAL : skalpell

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romeo : 3.05 – Ich habe das Fauchen eines Schwans gehört. Zunächst war ich mir nicht sicher gewesen, ob ich mich nicht viel­leicht geirrt haben könnte, ein Nach­ge­räusch, dachte ich, ein Schatten in den Ohren, wie in den Augen Nach­bilder entstehen, weil ich am Abend wirk­li­chen, fauchenden Schwänen im Palmen­garten begegnet war. Also spulte ich das Band zurück und hörte noch einmal genauer hin, und da war das luftige Geräusch tatsäch­lich wieder zu hören gewesen in einer Atem­pause Emilys, deren Stimme ich im Nymphen­burger Schloss­park aufge­zeichnet hatte. Sie wollte Spazie­ren­gehen. Sie hatte gesagt, sie könne sich besser konzen­trieren in Bewe­gung, vor allem besser schweigen, nach­denken im Gehen. Winter­zeit, Schnee lag hoch bis zu den Knien und die Schwäne fauchten hungrig. Emily nun, so wie sie gespro­chen hatte, ohne Pausen an dieser Stelle, weil ich ihr Schweigen in den Zeichen entfernte: > Bevor ich erzähle, wie ich die Öffnung des Körpers erlebt habe, möchte ich erwähnen, dass dieser erste Tag und auch der zweite Tag für mich nur schwer zu ertragen gewesen sind. Ich war beein­druckt von der großen Zahl der Tische, die in den Apsiden standen. Ganz ehrlich, ich war einge­schüch­tert. Ich fühlte mich unsi­cher und unbe­deu­tend und ich glaube, viele andere haben sich selbst auch so wahr­ge­nommen. Man will das natür­lich nicht zeigen. Man wünscht sich, souverän zu sein. Aber ich musste mich über­winden, den Körper über­haupt nur zu berühren. Da war ein Wider­stand in mir, dem ich bis heute noch nach­spüren kann Ich habe mehrere Versuche unter­nommen und hatte plötz­lich große Angst, dass ich das über­haupt niemals könnte. Aber meine Freunde am Tisch waren sehr verständ­nis­voll. Sie haben mich nicht gedrängt und auch unser Tischas­sis­tent nicht. Er sagte, dass das ganz normal sei und dass ich mich beru­higen solle und ganz ruhig atmen. Ich hatte eine irgendwie verzerrte Wahr­neh­mung, alles war so laut um mich herum und ich bekam schlecht Luft. Ich bin dann erst einmal aus dem Saal geflüchtet. Eine Freundin hat mich begleitet und wir sind auf dem Flur hin- und herge­laufen. Und dann wollte sie zurück und ich folgte. Ich erin­nere mich an den grünen Kittel unseres Assis­tenten. Er beugte sich gerade über den Körper des Toten und zog das Skal­pell vom Kinn in Rich­tung des Nabels. Ich wunderte mich, dass man gar nichts hören konnte. Verstehen Sie, ich kann mir heute noch nicht erklären, warum ich ein Geräusch erwartet habe. Man konnte auch keine Spuren eines Schnittes erkennen. Dann ist etwas Merk­wür­diges mit mir geschehen. Ich habe meine Posi­tion am Tisch wieder einge­nommen, das heißt, ich habe mich wieder zu meiner Gruppe gestellt. Ich habe meine Hand­schuhe ange­zogen, mein Skal­pell ausge­packt und meine Pinzette und dann habe ich ange­fangen zu arbeiten. Ich will das so sagen, ich habe den Körper auf dem Tisch zunächst mit dem Skal­pell berührt und dann mit meinen Händen. Ich war sehr glück­lich gewesen, dass ich mich über­winden konnte. Immer wieder ist aber das Gefühl einer gewissen Unwirk­lich­keit zurück­ge­kehrt, der Eindruck an diesem Ort depla­ziert zu sein, fremd oder so etwas. Sobald ich dann etwas getan habe, wenn ich gear­beitet habe, wenn ich also präpa­riert habe, ging das gut mit mir. Ich glaube, ich war eine von jenen, die stets tief über das Präparat gebeugt waren, ich bin sehr schnell in den Saal zum Tisch gelaufen, und wenn ich fertig war, habe ich den Saal so rasch wie möglich wieder verlassen.

manhattan

picping

MELDUNG. Manhattan, Lexington Avenue 822, 28. Etage, stei­nernes Zimmer : Kirsche No 857 [ Marmor, Carrara : 8.06 Gramm ] voll­endet. – stop
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tiefenschatten

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charlie

~ : oe som
to : louis
subject : SCHATTEN
date : aug 18 11 5.12 p.m.

Seit zwei Tagen bereits keine Nach­richt aus der Tiefe. Wir hören Noe’s Atem, wir verzeichnen das Gewicht seines Taucher­an­zuges an der Winde des Schiffes. Noe ist noch bei uns, aber kein Wort zu hören von Noe. Weder antwortet er auf Fragen, noch folgt er unserem Wunsch, er möge doch weiter lesen in Tony Morrison’s Roman Jazz. Wir hatten das Buch am vergan­genen Montag zu ihm in die Tiefe geschickt. Noe las noch an dem selben Abend drei Stunden, dann war er einge­schlafen. Seither schweigt Noe, weshalb Miller sich vor Stun­den­zeit zur Inspek­tion auf den Weg nach unten begab. 2 Fuß in der Minute, schneller geht das nicht, schneller würde Miller das Leben kosten, wir müssen uns gedulden. Fünf Stunden noch, dann wird Miller Noe errei­chen, eine span­nende Situa­tion, viel­leicht wird auch Miller dann schweigen, das ist denkbar, eine beun­ru­hi­gende Vorstel­lung wie unsere beiden Tief­see­männer schwei­gend in der Düsternis schweben, wie sie sich viel­leicht unter­halten werden in der Zeichen­sprache der Taucher. – Habe ich Dir, lieber Louis, berichtet, dass es schneite vor wenigen Tagen? Noch nie habe ich Schnee auf offener See beob­achtet. Seemöwen jagen dicht über die Wasser­ober­fläche hin. Es sieht so aus, als würden sie Flocken fangen, mäch­tige Tiere, gelbe Schnäbel, hell­braune Flügel. Sie wirken in etwa verkleidet, Möwen­vögel, die sich in Kostümen junger Habichte bewegen, ihre schrillen Rufe, ein weiteres Dutzend sitzt auf unserem Funk­turm, Eiszapfen haben sich gebildet, Wolken kommen näher, berühren das Wasser. Miller ist in diesem Moment auf fünf­hun­dert Fuß Tiefe ange­kommen. Unter ihm, meldet Miller, sei in der Dunkel­heit Noe zu erkennen, das Licht seiner Lampen. Ein gewal­tiger Körper­schatten soll vor ihm zu sehen sein. Ich melde mich bald wieder. Dein OE

gesendet am
18.08.2011
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time

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hibiskus : 22.25 – Wenn ich mich sehr langsam bewege, so langsam, sagen wir, wie möglich bewege, ohne umzu­fallen oder einzu­schlafen, meine ich, einer Person nach­spüren zu können, deren Leben auf 2800 Jahre Zeit ausge­dehnt worden ist. Drei Pulse pro Minute an einem Tag von 840 Stunden Dauer. Ich hörte die Wetter­frage ( Regen? ) eines Freundes, der sich in jener anderen, in jener für Menschen übli­chen Lebens­ge­schwin­dig­keit befindet. Ich antwor­tete 5 weitere Minuten später in einem kaum noch wahr­nehm­baren Geräusch. Wie nur unbe­schadet eine Straße über­queren? – stop

kandinskyraupe

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ulysses : 2.08 – Nach heftigem Gewit­ter­regen habe ich einen Kandinsky entdeckt im Park, eine nasse Raupe von so wunder­barer Zeich­nung, dass ich sie in eine Streich­holz­schachtel setzte und mit nach Hause genommen habe. Sie lungert jetzt auf meinem Schreib­tisch herum. Der Eindruck, dass sie nicht sehr begeis­tert ist, sobald ich mich mit einem Finger oder meinen Augen nähere, viel­leicht wegen meines Anblicks oder weil es eigent­lich dunkel sein müsste um diese Zeit, da doch Nacht geworden ist. Drohende Haltung, das heißt, gesenkter Kopf, Fühler derart zu mir hin ausge­richtet, als wären sie Hörner eines Stieres. Ihrem Rücken entkommen vier Quasten von gelber Farbe senk­recht einer ledernen Haut, die dunkel ist und zart liniert, wie die Hand­flä­chen eines Berg­go­rillas. Zarteste Federn, sie blühen feuer­farben an den Flanken des Tieres, aber grüne, sehr kurze Beine, acht links, acht rechts. Manchmal fällt die Kandin­sky­raupe um. Sie liegt dann recht flach auf der Seite zur Schne­cken­zeich­nung geworden. Ob ich sie mit etwas Banane an mich gewöhnen könnte? Oder mit Cole Porter viel­leicht? Zwei Stunden Cole Porter, das sollte genügen. – stop
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tripolis : rixos

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echo : 22.28 – Beob­ach­tete die Entfal­tung eines Twitter-Text­turmes, auf den ich gestoßen war, weil ich Meldungen des CNN – Repor­ters Matthew Chance folgte, der aus einem zentral gele­genen Hotel zu Tripolis berich­tete: On bright side, am with excel­lent group of jour­na­lists at #Rixos. We are feeling our way around corri­dors with candles. No power. – Eine merk­wür­dige Versamm­lung. Augen­zeu­gen­be­richt, Speku­la­tion, Desin­for­ma­tion, Furcht, Erfin­dung, Appell fließen inein­ander. Ich hatte den Wunsch, diese eigen­ar­tige Linie fest­zu­halten, um sie in einigen Tagen noch einmal unver­än­dert besich­tigen zu können: > twitter tag : rixos 22.08.11 pdf
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von elefanten und ohren

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tango : 20.18 – Ich besuchte im Traum ein Elefan­ten­haus. Kein gewöhn­li­ches Elefan­ten­haus, viel­mehr einen Ort, den eigen­ar­tige Elefanten bewohnten. Das waren nämlich Elefanten ohne jede Falte, sie waren so vornehm gestaltet, als wären sie von Glas geblasen, helle Augen, die sich flink bewegten, peit­schende kleine, falten­lose Schwänze, lautlos schwin­gende falten­lose Rüssel, riesige haar­lose Körper, grau, braun, rosa. Ich saß auf einer Bank in ihrer Nähe. Vögel stürmten unter dem Kuppel­dach hin und her. Sobald sie versuchten sich auf dem Rücken eines der Elefan­ten­tiere nieder­zu­lassen, rutschten sie ab und landeten auf dem Boden. Ein weiterer Vogel saß auf meiner Schulter. Der Vogel war mit einem meiner Ohren beschäf­tigt, hackte klei­nere Portionen aus der Muschel, knurrte zufrieden vor sich hin. Sobald das Ohr, um das sich der kleine Vogel bemühte, verschwunden war, holte ich aus meiner Hosen­ta­sche ein neues Ohr, befes­tigte das Ohr an meinem Kopf, und schon fraß der kleine Vogel weiter vor sich hin. Einmal kostete ich heim­lich von einem der Ohren, die sich in meiner Hosen­ta­sche befanden. Schmerzen hatte ich keine.

south sandwich island

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MELDUNG. Tief­see­ele­fanten, 172 frie­rende Rüssel­rosen, nahe South Sand­wich Islands gesichtet. Man wandert in nord­west­li­cher Rich­tung. – stop
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katzenbojen

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echo : 22.58 – Stadt der Wasser­men­schen. Abend. Sommer. Vor dem zentralen Bahnhof stehen tausende Bürger plau­dernd, rauchend, scher­zend bis zu den Hälsen in den Fluten. Wasser, beständig, auch in Kaffee­häu­sern, Wohnungen, Büro­ge­bäuden. Die Körper der Menschen sind leichter geworden, sind Körper, die sich stre­cken. Und schwim­mende Tauben. Und Katzen­bojen, lauernd. – Ob es viel­leicht einmal sinn­voll sein könnte, Menschen derart zu impfen, dass sich ihre Haut unver­züg­lich in die Haut der Regen­bo­gen­fo­rellen verwan­delte? – stop
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PRÄPARIERSAAL : nachtarbeit

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tango : 23.15 – Im Regen mit Tonband­gerät unterm Schirm am See. Samstag. August­kas­ta­nien fallen aus den Bäumen. Auf den Häup­tern der Rotwan­gen­schild­kröten, die sich zu meinen Füßen arglos versam­meln, als lauschten sie wie ich Magnet­kopf­stimmen, feuchte Häub­chen von Ahorn­samen. Kaum ein Mensch unter­wegs. Ich dachte für einen Moment, weiß nicht wie das gekommen ist, dass ich an diesem Ort ohne Zeugen sofort den Versuch unter­nehmen könnte, eine der Schild­kröten an ihrem Hals zu packen, sie aus dem Wasser zu heben, um sie zu Hause in der Küche mit einem Meißel aufzu­ma­chen. Auf Porzellan gebettet kurz darauf ein Repti­li­en­häuf­chen, rosa­farben, feinste Streifen Schild­krö­ten­bau­ches, dessen eigent­liche Gestalt ich mir hinter Panzer­häuten liegend zur Zeit nicht vorstellen kann. – 22 Uhr 58. Janine erzählt: > Ich kann mich noch gut daran erin­nern, dass ich nachts aufwachte und den haar­losen Kopf meines Freundes vor mir gesehen habe. Ich erschrak fürch­ter­lich. Ich saß ein paar Minuten senk­recht im Bett, dann bin ich aufge­standen. Wir haben eine sehr schöne Küche. Ich habe von Zeit zu Zeit in der Küche kampiert. Ich habe dort gelernt und manchmal bin ich mit dem Kopf auf dem Anato­mie­atlas einge­schlafen. Merk­würdig, über wie viel Kraft ich doch verfüge. Ich war beim Tanzen, zweimal wandern in den Bergen, ich habe gepaukt und ich habe mit dem Skal­pell gear­beitet. Ich habe vormit­tags und mittags und Abend für Abend in der Biblio­thek gelesen. Und wenn ich nachts in der Küche einge­schlafen bin, dann waren da plötz­lich sehr scharfe Bilder in meinem Kopf. Aufblit­zende Foto­gra­fien, die über­fall­artig Angst erzeugten. Der geöff­nete Mund eines Toten. Sandige Zungen. Ein hoch aufra­gender, dunkel­roter Penis. Das zerteilte und gehäu­tete Gesicht einer alten Frau. Das war nicht geträumt, ich habe diese Bilder bei vollem Bewusst­sein vor mir gesehen. Jetzt kommen sie mich seltener besu­chen.

tiefschlafende menschen

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delta : 20.16 – Manchmal, in Zeiten höchster Not, spre­chen Menschen, die wach sind, stell­ver­tre­tend für jene Menschen, die schlafen, zu Gott. Vor einigen Jahren einmal habe ich Sätze flehender Gespräche im Bitt­buch einer neuro­lo­gi­schen Klinik entdeckt. Ich kniete damals, ich war selbst verzwei­felt, und las in der Hoff­nung, im Lesen viel­leicht schon eine leise Verbin­dung aufnehmen zu können, indem ich Gedanken der Menschen nach­fühlte, die an der selben Stelle gekniet hatten wie ich. Mari­anne schrieb am 22. Februar 2004: Lieber Gott, bitte hilf mir, dass ich wieder aufwa­chen kann. Deine Britta. Und Peter nur wenige Tage später: Gestern hat Marcella meine Hand gedrückt. Ich danke Dir, lieber Gott. Lass sie zu uns zurück­kommen, lass sie wieder wach­werden. Heute ist unsere Anna Marie 1 Jahr alt geworden. Seit Anna Marie lebt, schläft die Mama. Es ist genug.

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bonsaimenschen

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MELDUNG. Bonsai­men­schen, 12 Personen jüngeren Alters a 36 cm, nahe Maradah zur Hitze­probe einge­troffen. Wüsten­wan­de­rung [ 125 Meilen ] : Mitt­woch, 28. September 2011, ab 12 Uhr mittel­eu­ro­päi­scher Sommer­zeit. Call : 00218 / 45936221 – stop

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staten island ferry : prozession

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nordpol : 5.55 – Eine Geschichte ist zu erzählen an diesem Morgen kühler Luft kurz vor September. Diese Geschichte ereig­nete sich bereits vorges­tern, nachts, bei mir zu Hause, weil ich mich nicht entscheiden konnte, was ich unter vielen Dingen, die zu tun gewesen waren, zunächst erle­digen sollte, also machte ich alles zur glei­chen Zeit. Ich hatte eine Enten­brust zu Morcheln und Pflaumen gelegt. Außerdem hatte ich mir vorge­nommen, ein weiteres anato­mi­sches Tonband abzu­hören, eine jugend­liche Stimme berich­tete vom Dach des Kühl­schrankes aus leise vor sich, während ich kochend Fern­seh­bilder eines Hurri­kans beob­ach­tete, der sich auf die Stadt New York zube­wegte. > Wenn ich von meinen Wochen im Präpa­rier­saal spreche, dann spreche ich gerne von meiner Traum­zeit. stop > Zu diesem Zeit­punkt, das ist fest­zu­halten, war ich nicht ganz bei der Sache gewesen, nicht wirk­lich in der Nähe der Gedanken, die ein junger Mann für mich ausge­spro­chen hatte, ande­rer­seits auch nicht ausrei­chend konzen­triert auf das Geschehen jenseits des atlan­ti­schen Ozeans. Einmal stellte ich den Ton des Fern­seh­ge­rätes lauter, wendete die Brust des Vogels in der Pfanne und hörte genau in diesem Moment, der Schiffs­ver­kehr um Manhattan herum sei einge­stellt, das war kurz nach Mitter­nacht euro­päi­scher Zeit gewesen. Ich meinte außerdem gehört zu haben, man sei gerade damit beschäf­tigt, die Fähren der Staten Island Verbin­dung den Hudson River hinauf, in eine sichere Umge­bung zu trans­fe­rieren. Ein feines Bild, das sich vor meinen Augen sofort entwi­ckelte. Acht oran­ge­far­bene Schiffe in einer Reihe hinter­ein­ander auf dem großen Fluss, Schiffe, die sich gewöhn­li­cher­weise pendelnd anein­ander vorbei bewegen. Ich stürmte aus der Küche, in der Hoff­nung auf dem Fern­seh­schirm ein Bild zu sehen, das dem gerade eben noch in meinem Kopf entwor­fenen Bild ähnlich gewesen sein könnte. Anstatt einer Fähr­ge­schichte, war nun jedoch vom Regen die Rede, von den Winden des Hurri­kans, die über den feuchten Strand nahe der Stadt Ocean Pines fegten. Ein Reporter, der tropfte, verharrte tapfer, Füße im Wasser, vor einer Fern­seh­ka­mera, die in größerer Entfer­nung, demzu­folge sicher, montiert gewesen war. Er hielt ein Mikro­phon in der Hand, das merk­würdig fauchende Geräu­sche erzeugte. Möwen, spitze gelbe Schnäbel in den Sturm gerichtet, verharrten in seiner Nähe, sie machten einen zufrie­denen Eindruck, authen­ti­sche Tiere, während ich, weiterhin die Prozes­sion der Fähr­schiffe im Kopf, zurück in die Küche spazierte. Ein selt­sames Gefühl von Nicht­wirk­lich­keit in der Nähe meiner Feuer­stelle, ein großes Durch­ein­ander, das ich zu sortieren versuchte, in dem ich bis in den frühen Morgen des Sonn­tags hinein, auf allen zur Verfü­gung stehenden Kanälen vergeb­lich Beweise dafür zu finden suchte, dass Fähr­schiffe der Staten Island Verbin­dung sich tatsäch­lich an diesem späten Sams­tag­abend, als ich mich nicht entscheiden konnte, auf dem Hudson River strom­auf­wärts bewegten. – stop. – Ende der Geschichte. – stop

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