naturbeobachtung

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india : 8.12 – Sagen wir so, sagen wir : Savanne. Sagen wir : Abend. Sagen wir : vorschrift­liche Zeit. Dort – zwei Männer. Der eine der beiden Männer liegt auf dem Rücken. Dieser Mann, von Staub bedeckt, – ein toter Mann. Sein Bauch ist geöffnet. Viel­leicht ist der Mann gestürzt, viel­leicht wurde der Mann von einem Raub­tier ange­fallen. Der zweite vorge­stellte Mann kniet vor dem Toten und betrachtet die Wunde. Nun zieht dieser Mann seine Waffe und hebt einen Lappen Haut zur Seite. Er setzt das Werk­zeug in der Wunde an und schneidet solange in die Musku­latur des Bauches, bis die Bauch­höhle des Toten offen liegt. Eine Geste der Unter­su­chung, eine Geste des Eindrin­gens, der Inva­sion, eine vorsich­tige Bewe­gung ohne ein bestimmtes Ziel. Da ist der Wunsch, Tiefe zu gewinnen, Unsicht­bares, Verdecktes, Unbe­kanntes sichtbar zu machen. Viel­leicht wird sich dieser Mann nun von dem Toten entfernen, viel­leicht deshalb, weil eine weitere Raub­katze sich nähert. Viel­leicht wird der Mann, aus der Erin­ne­rung heraus, den Umriss eines Mannes, der tot ist, in eine Fels­wand ritzen. Viel­leicht wird er in diesen Umriss eines Mannes, der steht oder liegt, die Form eines Organs eintragen, – genaue Lage, exakte Größe. Die Abbil­dung nun eines Organs, für dessen Exis­tenz zum Zeit­punkt der Entste­hung weder ein Zeichen noch ein Begriff erfunden wurde.

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lima : 7.22 – Seltsam ist an Buch­staben, dass man ihnen die Zeit nicht ansehen kann, die in ihnen steckt. Diese acht­zehn Wörter und alle weiteren Wörter an dieser Stelle, habe ich bereits an einem sehr viel früheren Montag­abend notiert. Es ist jetzt 7 Uhr und 15 Minuten und ich bin fern meines Schreib­ti­sches und weiß doch, dass mein Satz sichtbar werden wird für andere Menschen in genau dieser Minute, frei­ge­lassen sozu­sagen, ohne in diesem Moment auch nur einen Finger bewegt zu haben. Denkbar, dass ich gerade unter einem Regen­schirm spaziere. Viel­leicht schlafe ich noch oder viel­leicht bin ich längst über den Atlantik geflogen und habe noch keine Verbin­dung in öffent­liche Funk­räume gefunden. – stop

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segelfalterschatten

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romeo : 8.15 – In einem Proto­koll der Goog­le­such­ma­schine finde ich den Hinweis, dass ich am 3. Mai 2007 nach einer Foto­grafie des Dich­ters Julio Cortazar gesucht haben soll, dann, erfolglos, nach einem Segel­fal­ter­schatten der Gattung Iphi­clides poda­li­rius 5, nach Spuren Patrick Modianos, nach Chimären und Match­bo­xau­to­mo­bilen. Keine Erin­ne­rung an den Ausgangs­punkt meiner Suche. – stop

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radiusköpfchen

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echo : 10.18 – Nehmen wir einmal an, ich wäre nachts über eine dämmernde Katze gestol­pert, wäre eine Treppe hinun­ter­ge­stürzt, unsanft gelandet, ich hätte mir viel­leicht den Arm gebro­chen und zwar den rechten in seiner Beuge, das Ellen­bo­gen­ge­lenk, Radi­us­köpf­chen zertrüm­mert, Bänder gerissen, Muskeln, im geschwol­lenen Gewebe suchende Struk­turen. Bald Über­land­fahrt ins Hospital, Minu­ten­schlaf unter Grel­lich­tern einer chir­ur­gi­schen Ambu­lanz, vier Stunden Zeit in Abwe­sen­heit, das Unter­su­chen, Beugen, Drehen, Zerren, Sägen, Bohren, Feilen, Disku­tieren, Nähen, ich hörte, ich spürte nichts. Wie ich, es ist Mittag geworden, mit meinem Namen von Ferne her gerufen werde, Geis­ter­stimmen, Geis­ter­hände. Das strenge Korsett von dunkel­blauer Farbe, in dem der kranke Arm zugleich geborgen liegt in einer grüs­senden Haltung. Sand­au­gen­mü­dig­keit der Morphine. Die Bewe­gung der Finger, die mich glück­lich macht, einer nach dem anderen Finger spürbar, aber meine Nase, mein Mund uner­reichbar plötz­lich wie die Ober­fläche des Mondes. – stop

apfelbaumgalaxie

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charlie : 8.55 – Berg­schat­ten­licht am frühen Morgen. Im Garten, im Geäst schrul­liger Apfel­bäume, schim­mernde Spinn­web­netze wie Gala­xien. Wieder an Julio Cortazar gedacht, an Sätze, die der Schrift­steller über das Vorkommen der Trep­pen­sub­stanzen notierte. Diesen zum Beispiel: Jeder­mann wird schon einmal beob­achtet haben, dass sich der Boden häufig faltet, derge­stalt, dass ein Teil im rechten Winkel zur Boden­ebene ansteigt und der darauf folgende Teil sich parallel zu dieser Ebene befindet, um einer neuen Senk­rechte Platz zu machen. Oder jenen: Treppen steigt man von vorn, da sie sich von hinten oder von der Seite her als außer­or­dent­lich unbe­quem erweisen. – stop

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anweisung im umgang mit dienstweihnachtsbäumen

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~ : louis
to : daisy und violet hilton
subject : WEIHNACHTSBÄUME

Sollte ich folgende amtliche Anwei­sungen im Umgang mit Dienst­weih­nachts­bäumen bereits einmal über­mit­telt haben, verzeiht mir bitte. Ich bin in diesen Tagen ein wenig vergess­lich, viel­leicht deshalb, weil ich lange schlafe weil Oktober geworden ist, eine Art vorwin­ter­liche Traum­zeit, die weit in die Tage herüber­leuchtet. Hier nun einige Sätze, die der Wirk­lich­keit entnommen sind, zur reinen Freude. Es handelt sich, das ist denkbar, um eine neuar­tige Gattung feinster Lite­ratur. Ahoi. Euer Louis ~ > Arbeits­or­ga­nia­ti­ons­richt­li­nien über die Hand­ha­bung und Verwen­dung von Nadel­bäumen klei­neren und mitt­leren Wuchses, die in Dienst­räumen Verwen­dung als Dienst­weih­nachts­bäume finden. ~ Begriff: Ein Dienst­weih­nachts­baum (DWB) ist ein Weih­nachts­baum natür­li­chen Ursprungs oder einem natür­li­chen Weih­nachts­baum nach­ge­bil­deter Weih­nachts­baum, der zur Weih­nachts­zeit in Dienst­räumen aufge­stellt wird. ~ Aufstellen der Weih­nachts­bäume: Ein Dienst­weih­nachts­baum (DWB) darf nur von sach­kun­digen Personen nach Anwei­sung des unmit­tel­baren Vorge­setzten aufge­stellt werden. Dieser hat darauf zu achten, dass 1. der DWB (Dienst­weih­nachts­baum) mit seinem unteren der Spitze entgegen gesetzten Ende in einen zur Aufnahme von Baumenden geeig­neten Halter einge­bracht und befes­tigt wird, 2. der DWB in der Halte­vor­rich­tung derart verkeilt wird, dass er senk­recht steht (in schwie­rigen Fällen ist ein Offi­zier hinzu­zu­ziehen, der die Senk­recht­stel­lung über­wacht. bzw. durch Zurufe wie “mehr links”, “mehr rechts” usw. korri­giert), 3. im Umfall­be­reich des DWB keine zerbrech­li­chen oder durch umfal­lende DWB in ihrer Funk­tion zu beein­träch­ti­gende Anlagen vorhanden sind. ~ Behan­deln der Beleuch­tung: Der DWB ist mit weih­nacht­li­chem Behang nach Maßgabe des Dienst­stel­len­lei­ters zu versehen. Weih­nachts­baum­be­leuch­tung, deren Flam­men­wir­kung auf dem Verbrennen eines Brenn­stoffes mit Flam­men­wir­kung beruht (soge­nannte Kerzen), dürfen nur Verwen­dung finden, wenn 1. die Bediens­teten über die Gefahren von Feuers­brünsten hinrei­chend unter­richtet sind, 2. während der Brenn­zeit der Beleuch­tungs­körper ein in der Feuer­be­kämp­fung unter­wie­sener Soldat mit Feuer­lö­scher und Feuer­pat­sche bereit­steht. ~ Aufführen von Krip­pen­spielen und Absingen von Weih­nachts­lie­dern: In Dienst­stellen mit ausrei­chendem Personal können Krip­pen­spiele unter Leitung eines erfah­renen Vorge­setzten zur Auffüh­rung gelangen. In der Beset­zung sind folgende in der Perso­nal­pla­nung vorzu­se­hende Personen notwendig: 1. Maria: möglichst weib­liche Bediens­tete, 2. Josef: länger dienender Soldat mit Bart, 3. Kind: klein­wüch­siger Soldat, 4. Esel: geeig­neter Soldat, 5. Ochse: wie vor. Die Darstel­lung der Heiligen Drei Könige sollte möglichst durch Gene­ral­stabs­of­fi­ziere, mindes­tens jedoch durch Stabs­of­fi­ziere erfolgen. Zum Absingen von Weih­nachts­lie­dern stellen sich die Soldaten unter Anlei­tung eines Vorge­setzten ganz zwanglos nach Dienst­graden geordnet um den DWB auf. Even­tuell bei der Dienst­stelle vorhan­dene Weih­nachts­ge­schenke können bei dieser Gele­gen­heit durch einen Vorge­setzten in Gestalt eines Weih­nachts­mannes an die Unter­ge­benen verteilt werden. – stop

gesendet am
17.10.2011
12.05 MESZ
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louis to daisy and violet »

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coleoptera rasura

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tango : 10.12 – Eine zier­liche Frau von hohem Alter. Sie schob einen Roll­wagen vor sich her, auf dem zwei Koffer ruhten. Elegante Klei­dung, sand­farben, leichte Sommer­schuhe, links in der Hand eine Tasche von gelbem Leder, der ein Kabel entkam, das ein paar Kopf­hörer und ein Mikro­phon mit einem Telefon verband. Das Telefon war nicht sichtbar gewesen, aber die Frau sprach in das Mikro­phon, das sich in der Nähe ihres Mundes befand, als würde sie tele­fo­nieren. Hin und wieder blieb sie stehen, ihre weißen Hände flat­tern dann in der Luft herum, als wollte sie zur Unter­stüt­zung ihrer Zunge mit Fingern arti­ku­lieren. Ich versuchte, sie anzu­spre­chen, zu grüßen, ihr nahe­zu­kommen, um hören zu können, in welcher Sprache sie korre­spon­dierte. Ich sage Euch, sie flüs­terte unbe­kannte Wörter. Einmal öffnete sie einen ihrer Koffer. Sie gab mir ein Zeichen, ich kniete nieder. In dem Koffer hockten Käfer in Fächern, zwei Käfer je in einem Fach. Ihre Körper waren von der Farbe und Zeich­nung der Bruyè­re­hölzer gewesen, und sie brummten, viel­leicht deshalb, weil an der Stelle, da sich übli­cher­weise Käfer­zangen befinden, knöcherne Trom­meln in rasender Geschwin­dig­keit rotierten. Gegen viertel nach zwei Uhr erwacht. Wolken­loser Himmel, Sterne, eiskalte Luft nahe der Berge über dem Dach. – stop

helena

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MELDUNG. An diesem kühlen Donnerstag, es war 7 Uhr und 5 Minuten in der Früh, wurde Käfer­dame Helena [ 12 Gramm ] von Käfer Julian [ 17 Gramm ]  erst­mals mittels rhyth­mi­scher Lumi­nes­zenzen von blauer Farbe begrüßt. Sie selbst morst in grün­li­cher Beleuch­tung. ~ MPI für Biotech­no­logie, Unge­rerstr 12, 6. Stock : Labor IIc-8 : Level 4. – stop
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zeichenbeere

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ulysses : 11.02 – Mit meinem Notiz­buch ist das seit bald drei Wochen so eine Sache. Ich kann das Papier­werk betrachten, ich kann es in die Hand nehmen, in die linke wie in die rechte Hand, ich kann es also in die Hände nehmen, öffnen, darin blät­tern und lesen, was ich seit dem Sommer vermerkte. Sobald ich aller­dings versuche, einen Schreib­stift mit der rechten Hand zu ergreifen, ein Faden von Schmerz, der sich von meiner Handin­nen­fläche gegen die Schulter spannt. Ich notierte, noch im Hospital, das Wort Versuch, eine Form so groß wie eine Pflaume. Heute Morgen erneut das gleiche Wort, meine Zeichen­pflaume ist deut­lich kleiner geworden. Es besteht begrün­dete Hoff­nung, dass ich in einer Woche bereits viel­leicht Wörter in der Größe von Beeren erzeugen werde. Seit Aufgang der Sonne vermag ich meine Nasen­spitze wieder mit meinem rechten Daumen zu berühren. Ist das eine Nach­richt? – stop

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cast

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marimba : 10.58 – Die Panze­rung des rechten Armes mittels Cast­ver­bandes. Der Eindruck zunächst, gebän­digt worden zu sein, gefangen im 90° Winkel. Kurz darauf, nach zwei oder drei post­ope­ra­tiven Tagen, das Gefühl gleich­wohl geschützt zu sein, das verwun­dete Gebiet unter Haut, die laven­del­farben schil­lert, geborgen in einer Wiege von Glas­fa­ser­ge­webe. Indem ich mich über Flure und Treppen bewege, stoße ich immer wieder an Wände, weil ich meinen künst­lich erwei­terten Umfang noch nicht in mein Gehirn dauer­haft einge­tragen habe. Je ein Geräusch, scheinbar von innen her, als würde ich an Muschel-gehäuse klopfen. – stop

fadenanker

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echo : 10.22 – Das Wort F a d e n a n k e r. Ehe sich das Wort in meinem Ellen­bo­gen­ge­lenk selbst verkör­perte, nie gehört. Denkbar ist, dass ich zu einer fein­füh­ligen Knochen­wet­ter­sta­tion geworden bin. – stop

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sekundenzeit

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india : 10.01 – Ich hab eine lustige Geschichte mit mir selbst erlebt. Ich stand in einem Garten am späten Abend und versuchte, indem ich mich konzen­trierte, die Umrisse meines Körpers wahr­zu­nehmen, nicht die Umrisse einer bestimmten, einer ausge­wählten Region meines Körpers, sondern die Umrisse meines Körpers insge­samt. Plötz­lich meinte ich, mich in einem Film zu befinden, einem Film, der sich sehr langsam bewegte, mit einem Bild pro Jahr­hun­dert sagen wir, so dass ich mich nicht erin­nern konnte, über­haupt schon einmal in Bewe­gung gewesen zu sein. Auch der wolken­lose Himmel über mir hatte sich noch nie zuvor bewegt, und die gefro­renen Blätter der Bäume und ihre Nacht­schatten. Wie ich in dieser Weise verharrte und mich in die Vorstel­lung der Bewe­gungs­lo­sig­keit vertiefte, für einen Moment der Eindruck, Minu­ten­zeit wahr­nehmen zu können. – stop

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Carson McCullers

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nordpol : 20.58 – Carson McCul­lers faszi­nie­rende Ballade vom trau­rigen Cafe. Weil ich noch immer nur sehr schwer­fällig mit der Hand in mein Notiz­buch schreiben kann, notiere ich während des Lesens, indem ich in Gedanken wieder­hole, was zu tun ist in den kommenden Stunden. Nach­for­schen in der Elek­tro­sphäre. Wo genau, in welcher Straße, in welchem Haus wohnte Carson McCul­lers in Brooklyn? Ist denkbar, dass die junge Dich­terin tatsäch­lich drei Wochen benö­tigte, um das Subway-System der Stadt New York verlassen zu können? Oder suchte sie in eben diesem Raum der Zeit nach ihrer Wohnung, die sie nicht wieder finden konnte, weil sie mittellos und ohne genauere Orts­kenntnis in einem U-Bahn­wagon zurück­ge­lassen worden war. Wie viele Dollar kostete eine Flasche Whiskey im Jahr 1934? Wie viel ein Taxi? – Wenn ich in Gedanken notiere, wieder­hole ich drei­fach, was ich mir zu merken wünsche. Verlo­renes, das könnte sein, bemerke ich nicht. Oder nur einen Schatten ohne Wörter. – stop

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abschnitt montauk

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ABSCHNITT Montauk meldet folgende gegen Küste gewor­fene Arte­fakte : Wrack­teile [ Seefahrt – 2078, Luft­fahrt – 703, Auto­mo­bile – 6044 ], Gruß­bot­schaften in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert – 5, 19. Jahr­hun­dert – 102, 20. Jahr­hun­dert – 865 , 21. Jahr­hun­dert – 23 ], physical memo­ries [ bespielt – 17, gelöscht : 28 ], Tele­fon­bü­cher [ Chicago – 5, New Orleans – 2 ] Licht­fang­ma­schinen [ Minox AF X 5 : 3 ], Öle [ 0.8 Tonnen ], Prothesen [ Herz­rhyth­mus­be­schleu­niger – 16, Knie­ge­lenke – 8, Hüft­ku­geln – 32, Brillen – 1071 ], Schuhe [ Größen 28 – 39 : 1001, Größen 38 – 45 : 178 ], Kühl­schränke [ 321 ], Tief­see­tauch­an­züge [ ohne Taucher – 8, mit Taucher – 22 ], Engels­zungen [ 158 ] – stop

vorwinterzeit : beobachtung in der warenwelt

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india: 12.05 – Ein wesent­li­ches Merkmal, das in der Waren­welt eine verkau­fende Person von einer einkau­fenden Person unter­scheidet, scheint die Art und Weise zu sein, mit Stoffen, zum Beispiel, mit Winter­pull­overn umzu­gehen. Die einen, jene, die hinzu­ge­treten sind, weil sie sich, in Ahnung des Winters, einen Pull­over wünschten, entfalten und verrü­cken, was andere, jene, die schon da gewesen sind, weil sie hier arbeiten, geordnet, das heißt, gefaltet haben und getürmt. Weil zwischen diesen sich offen­sicht­lich entge­gen­wir­kenden Perso­nen­gruppen ein Gefälle besteht [ die einen sind zahl­reich, die anderen nicht ], handelt es sich sowohl bei der Faltung, als auch bei der Sortie­rung der Ware nach Größe, um einen sehr ernst zu nehmenden und zeit­auf­wen­digen Vorgang. Aus diesem Grund insbe­son­dere scheint der Zustand der faltend sortie­renden Personen ein statio­närer Zustand zu sein, während jene anderen entfal­tenden Personen, Unord­nung sozu­sagen im Vorüber­kommen produ­zieren. Dieser gerade eben erwähnte Produk­tions-vorgang ist nun genau genommen ein Akt der Zerstö­rung oder aber beschleu­nigter Entropie. Zerstört wird, was voraus­ge­setzt, was erwartet ist, Über­sicht­lich­keit, sagen wir, Bere­chen­bar­keit und Konzen­tra­tion. Alle roten Pull­over, Kasch­mir­wolle, liegen südlich synthe­ti­scher Modelle von blauer Farbe auf dem Ausla­ge­tisch. Weil die einen im Vorüber­gehen zerstören, was die anderen mit Liebe oder pflicht­gemäß errichtet haben, sind letz­tere weder glück­lich noch zufrieden, übli­cher­weise viel­mehr von einer voraus­ah­nenden Morgenwut oder von einem gut verständ­li­chen Abend­zorn besetzt. – stop

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kapselbäume

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lima : 0.03 – Fenster von opakem Licht. Bäume draußen im Park vor dem Präpa­rier­saal selbst nicht zu sehen, nur ihre Schatten, die sich im Wind bewegten. Der Eindruck, jene Schat­ten­bäume handelten aus eigener Kraft, Muskeln unter der Rinde, Sehnen, Gelenke, Kapseln, Bänder. Schemen zweier Eich­hörn­chen hüpften von Ast zu Ast. Ich beob­ach­tete eine Idee, während ich über Kopf­hörer die Qualität einer Tonband­auf­nahme kontrol­lierte. Eine Stimme. Die Stimme eines jungen Mannes. Er sagte: Ich hielt im Traum einen Kehl­kopf in der Hand, der leise pfiff. Ich kann mich an ein paar sehr schräge Töne erin­nern, an eine vibrie­rende Bewe­gung auf meiner Hand­fläche, als ob dort ein Falter sehr rasch mit seinen Flügeln auf und ab schlagen würde. : pause 2 sec : Manchmal habe ich am hell­lichten Tag Vorstel­lungen, Tagträu­merei, meine Hände, zum Beispiel, auf dem Lenkrad meines Autos, ohne Haut.  –  Samstag. Wolken­loser Himmel. Count Basie. – stop

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papierlicht

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marimba : 14.08 – Die Beob­ach­tung, dass ein Gedanke, sobald ich ihn wahr­nehmen kann, immer bereits voll­ständig anwe­send ist. Nie vermag ich einen Gedanken zu betrachten, wie er langsam, nach und nach, Wort für Wort, Zeichen für Zeichen, erscheint. Es denkt sich, blitzt, sagen wir, nahe Licht­ge­schwin­dig­keit vorwärts, die Wahr­neh­mung eines Gedan­kens, sein Echo, voll­zieht sich dagegen zögernd, behutsam, hörend, also mittels geheimer Ohren im Kopf. – Ob es möglich ist, die Zeit lang­samer vergehen zu lassen, indem ich mich zu ihr verhalte, wie ein Domp­teur zu einem Löwen? Zeichen für Zeichen eine Geschichte notieren, bis diese Geschichte zu Ende geschrieben sein wird im Jahr 2517 oder im Jahr 2518 viel­leicht. Nebel­sonne. Papier­licht. – stop

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