ai : SYRIEN

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MENSCH IN GEFAHR : “Der Aktivist Ali Mah­moud Oth­man wurde im März 2012 in der Prov­inz Alep­po festgenom­men und befind­et sich seit­dem an einem unbekan­nten Ort in Haft. Er gehörte einem Net­zw­erk von Aktivis­ten an, das in der Stadt Homs ein pro­vi­sorisches Medien­zen­trum unter­hielt. Es gab Film­ma­te­r­i­al an Nachricht­e­na­gen­turen weit­er und half aus­ländis­chen Jour­nal­is­ten, während des mil­itärischen Angriffs auf das Vier­tel Baba Amr im Feb­ru­ar 2012 nach Homs hineinzukom­men beziehungsweise die Stadt zu ver­lassen. / Von einem anderen syrischen Aktivis­ten hat Amnesty Inter­na­tion­al erfahren, dass Regierungskräfte Ali Mah­moud Oth­man eine Kurzmit­teilung geschickt hat­ten, um ihn an einen bes­timmten Ort zu lock­en, wo er dann festgenom­men wurde. Im April 2012 strahlte das syrische Staats­fernse­hen ein Inter­view mit Ali Mah­moud Oth­man aus, in dem man ihm Fra­gen zu sein­er Beteili­gung an der Protest­be­we­gung in Homs und zu seinen Medi­en­ak­tiv­itäten stellte. Er wurde zudem gefragt, weshalb die Proteste sein­er Ansicht nach trotz der von Präsi­dent Bashar al-Assad ein­geleit­eten Refor­men unver­min­dert weit­ergin­gen. Aktivis­ten in Syrien sind der Ansicht, dass das Inter­view nicht glaub­haft ist und Ali Mah­moud Oth­man dazu gezwun­gen wurde. / Seit diesem Fernse­hin­ter­view fehlt von Ali Mah­moud Oth­man jede Spur. Im Novem­ber 2012 sagte ein außer­halb Syriens leben­der Fam­i­lien­ange­höriger Amnesty Inter­na­tion­al, die Fam­i­lie habe aus inof­fizieller Quelle erfahren, dass Ali Mah­moud Oth­man in das berüchtigte Mil­itärge­fäng­nis Sayd­naya nahe Damaskus gebracht wor­den sei.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schriftliche Aktio­nen, möglichst unverzüglich und nicht über den 25. Juni 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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regen

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ulysses : 6.06 — Gestern Abend tele­fonierte ich mit ein­er Fre­undin. Sie hat­te kurz zuvor geschrieben, Hochwass­er habe den Keller ihres Haus­es erre­icht. Sie erzählte, das Wass­er komme nun durch zwei kleine Löch­er in Boden und Wand here­in, 5 Liter in ein­er hal­ben Stunde. Ich hörte ihre Stimme, erschöpft, müde, sie wolle sich einen Weck­er stellen und jede halbe Stunde Wass­er schöpfen. Eine harte Sache, die noch einen Tag und eine ganze Nacht so weit­erge­hen könne. Während wir sprachen, war das Geräusch tropfend­en Wassers im Hin­ter­grund zu vernehmen, als würde meine Gesprächspart­ner­in in ein­er Höh­le sitzen, in ein­er ent­fer­n­ten Zeit, auf dem Mond oder auf dem Mars. Als ich klein und sehr uner­fahren gewe­sen war, hat­te ich die Vorstel­lung, nach starkem Regen kön­nte das Wass­er in Tele­fon­leitun­gen drin­gen. Ich wun­derte mich deshalb, dass das Tele­fonieren nach Gewit­ter­re­gen noch funk­tion­ierte. Wenn ich dann etwas später durch den Garten spazierte, meinte ich zu beobacht­en, wie unsere Tele­fon­leitun­gen aus dem Boden flüchteten. Sie hat­ten sich zu Teilen aufgelöst und schlän­gel­ten, hell­rote, glänzende Würmer, durch das feuchte Gras. Ich kon­nte sie berühren, und wenn ich sie ihn meine Hände nahm, kitzelte es sehr angenehm auf den Hand­flächen. Ein­mal set­zte ich eine flüch­t­ende Tele­fon­leitung in ein Marme­lade­glas. Es waren ein gutes Dutzend Würmer gewe­sen, die sich um Aus­gang bemüht­en. Ich beäugte sie lange Zeit, die Wände des Glases beschlu­gen rasch, so dass ich das Glas immer wieder öff­nen musste. Wenn ich mein Ohr an den Behäl­ter drück­te, kon­nte ich sie hören, einen eigen­tüm­lichen Laut der Not, für dessen Beschrei­bung ich bish­er kein Wort ent­deck­te. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zim­mer. Ich stellte es unter mein Bett. Am näch­sten Mor­gen hat­te ich seine Exis­tenz vergessen. — stop

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MELDUNG. Drei mit Hand­feuer bewaffnete Beamte [ Soko K.a.i.r.o ] haben an der Ram­bla del Mar [ Barcelona ] drei Ägypter sichergestellt, fil­igrane Meißel weit­er­hin [ 0.5 Zoll Kan­ten­länge ], sowie zwei Handtäschchen [ türkise ]. Fol­gende kryp­tis­che Sig­natur war dem Sock­elgestein des nationalen Aquar­i­ums [ Moll d’Espanya del Port Vell ] beige­bracht : 886LILLI71MANRAY6Y. Auch diese Ägypter [ Ägypter No 17 und 18 des laufend­en Jahres ], je 178 cm hoch, mit­tleres Alter, ver­weigern jede Aus­sage. – stop

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koffer

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tan­go : 23.59 — Mit dieser Minute endet Louis’ 18868. Leben­stag. Ich habe an diesem Tag eine selt­same Erfahrung gemacht. Vor ein­er Stunde unge­fähr bemerk­te ich, dass ich mein Notizbuch, in welch­es ich hand­schriftlich Wörter notiere, mit schein­bar anderen Augen als noch am frühen Mor­gen betra­chtete. Ich dachte, bei diesem kleinen Heft hier han­delt es sich um meinen einzig verbliebe­nen Raum, in dem ich Gedanken aufze­ich­nen kann, die nur für mich bes­timmt sind. Ja, so kön­nte es gekom­men sein. Alle Wörter, die ich mit­tels mein­er elek­trischen Schreib­mas­chine, die mit dem Inter­net ver­bun­den ist, notiere, sind oder sind möglicher­weise öffentliche Wörter, weil sie einem kom­mu­nika­tiv­en Sys­tem ver­bun­den sind, welch­es jed­erzeit aus­ge­le­sen und gespe­ichert wer­den kann auf unbes­timmte Zeit. Es existieren demzu­folge aufgeze­ich­nete Wörter ein­er­seits, die tat­säch­lich solange pri­vat sind, wie ich den Kof­fer, in dem ich sie auf­be­wahre, nicht ver­liere, ander­er­seits aufgeze­ich­nete Wörter, die sich außer­halb dieses Kof­fers befind­en. — stop

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ANFANG === bEKOl6nBFkbLw4UCQdhQBw === ENDE

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echo : 0.25 — ANFANG === a 4 n Z Q c Z c V 5 2 E p 5 0 P B S a l A B Y l g e 0 E Z M a N Q M D U F f a 5 g a F X 0 r j W u G h y B C V u v f L 7 U r D z s 9 y V 7 Q x I Q R E m I L c I 9 c n c D p t x g / y G r p M e k z a x 3 s O f c H / E e Q s 2 X 0 8 6 6 U h i M J 3 G 5 0 r m A f j Q j h k 3 f f 7 5 m r W + i R O f F H R d b m 1 n q i v 8 B Y 5 P m b q J 6 W J 8 Z t j o F h u J V Z T r W V 8 h + I 3 Y k g / P j L 0 S 5 p B j 8 J t / B 1 8 p + O O h k l 5 f n i z q e H J s s e g P W 9 m F n c L n / 6 Y C 8 n L p v / G H x m n K / D I 5 v d F u 8 u 8 M l 5 A m / V Y p g Q === ENDE / code­wort : birdy­birdy — stop

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liliput

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romeo : 10.12 — Von äußerst heim­lich­er Art und Weise, Gedanken zu notieren, berichtet Patri­cia High­smith in ihrer Erzäh­lung Der Mann, der seine Büch­er im Kopf schrieb. Wenn ich nicht irre, so ruht der Mann, von dem in der Geschichte die Rede ist, stun­den­lang in einem Lieges­tuhl, indessen er laut­los an seinen Roma­nen arbeit­et. Ein gle­icher­maßen Wörter erobern­des wie Wörter sich­ern­des Ver­hal­ten. Es ist schwierig für mich, in ähn­lich­er Weise vorzuge­hen, nahezu unmöglich, ich habe es ver­sucht, ich komme je nur wenige Sätze weit. Nicht, weil ich vergessen würde, was ich bere­its erzählte, nein, ich vergesse das Erzählen selb­st, ich beginne zu kon­stru­ieren, die Sätze geben sich nicht die Hand wie üblich, jed­er neue Satz scheint leb­los zu sein, erstar­rt, ver­traut, erledigt. Wenn ich nun doch so heim­lich wie möglich zu schreiben ver­suche, schreibe ich in ein Notizbuch, schreibe, sagen wir, ein­hun­dert Seit­en weit, bis das Notizbuch mit Zeichen gefüllt ist. Was aber ist nun zu tun mit diesem Buch, das nie­mand lesen darf, nur ich allein, weil es ein pri­vates Buch sein soll, weil das mein Wun­sch, mein Wille ist, dass nur ich dieses Buch lesen werde, solange ich nicht entschei­de, dass das Buch ein öffentlich­es Buch wer­den kön­nte. Ich müsste das Buch ver­steck­en, was nicht wirk­lich möglich ist, oder ich müsste das Buch codieren, also ein zweites Buch ver­fassen, in dem das erste Buch enthal­ten ist, allerd­ings ver­fremdet durch eine Meth­ode, durch einen Schlüs­sel (liliput), zu Auf­be­wahrung in meinem Kopf. Sobald nun das erste Buch in ein zweites Buch ver­set­zt wurde, würde es möglich sein, das erste Buch ver­schwinden zu lassen, mit­tels eines Feuers beispiel­sweise. Man stelle sich ein­mal vor, ich würde meinen Schlüs­sel zur Meth­ode der Entz­if­fer­ung des zweit­en Buch­es vergessen. Bei­de Büch­er ver­loren, wäre ich gezwun­gen, das ist ver­rückt, mein ver­schlüs­seltes Buch ein­er Behörde zu offerieren, die über aus­re­ichende Rechen­leis­tung ver­fügt, um meinen Text zur Lebzeit noch dechiffrieren zu kön­nen. — stop

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ai : BAHRAIN

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MENSCH IN GEFAHR : “Wie nun bekan­nt wurde, ist gegen die bahrainis­che Aktivistin Zainab Al-Khawa­ja am 22. Mai erneut eine drei­monatige Haft­strafe ver­hängt wor­den. Sie ist eine gewalt­lose poli­tis­che Gefan­gene. /Am 22. Mai verurteilte ein Strafgericht in der Haupt­stadt Man­a­ma die Aktivistin Zainab Al-Khawa­ja zu drei Monat­en Gefäng­nis und ein­er Kau­tion von 100 Bahrain-Dinaren (knapp 200 Euro). Gegen die Aktivistin Ma’suma Sayyid Sharaf wur­den am sel­ben Tag sechs Monate Haft und eine Kau­tion von 200 Bahrain-Dinaren (knapp 400 Euro) ver­hängt. Bei­de waren wegen “nicht genehmigter Ver­samm­lung” und “Anstachelung zum Hass gegen die Regierung” angeklagt wor­den; zudem wurde ihnen vorge­wor­fen, bei ihrer Fes­t­nahme im Dezem­ber 2011 PolizeibeamtIn­nen belei­digt zu haben. Zainab Al-Khawa­jas befind­et sich im Frauenge­fäng­nis in ‘Issa Town. Besuche ihrer Fam­i­lie und ihres Rechts­bei­s­tandes wer­den ihr weit­er­hin ver­weigert, da sie es ablehnt, die Gefäng­nisklei­dung zu tra­gen. Ma’suma Sayyid Sharaf befind­et sich derzeit auf freiem Fuß. / Zainab Al-Khawa­ja leis­tet mit­tler­weile mehrere kurze Haft­strafen ab, zu denen sie in min­destens vier Fällen verurteilt wor­den ist. Ihre Ent­las­sung ste­ht nun erst Mitte Dezem­ber 2013 an. Die jüng­ste Haft­strafe sowie die weit­eren gegen sie ver­hängten Gefäng­nis­strafen sind endgültig, da sie sich weigert, Rechtsmit­tel vor höherin­stan­zlichen Gericht­en einzule­gen — sie ist überzeugt, dass das bahrainis­che Rechtssys­tem von der Regierung kon­trol­liert wird. Sie hat sich bish­er außer­dem geweigert, Kau­tion­szahlun­gen zu leis­ten und zu Anhörun­gen vor Gericht oder der Staat­san­waltschaft zu erscheinen. Ihr Rechts­bei­s­tand hat das Kas­sa­tion­s­gericht von diesen Umstän­den unter­richtet in der Hoff­nung, eine Urteil­sprü­fung erre­ichen zu kön­nen. Das Gericht hat jedoch nicht reagiert. Am 28. Feb­ru­ar verurteilte das Beru­fungs­gericht in Man­a­ma Zainab Al-Khawa­ja wegen “Belei­di­gung eines Polizeibeamten” in einem Mil­itärkranken­haus zu ein­er drei­monati­gen Haft­strafe. Damit hob es das Urteil des Strafgerichts auf, das sie am 2. Mai 2012 freige­sprochen hat­te. / Grund hier­für war, dass die Staat­san­waltschaft den Freis­pruch ange­focht­en hat­te. Am 27. Feb­ru­ar 2013 hat­te das Beru­fungs­gericht ihre Verurteilung zu ein­er zwei­monati­gen Frei­heitsstrafe wegen “Zer­störung von Staat­seigen­tum” aufrechter­hal­ten, zu der sie verurteilt wor­den war, weil sie im Mai 2012 in Haft ein Bild des Königs zer­ris­sen hat­te. An diesem Tag bestätigte das Beru­fungs­gericht außer­dem ihre Verurteilung zu ein­er ein­monati­gen Frei­heitsstrafe wegen “Betreten eines Sper­rge­bi­ets” (der al-Farooq-Kreuzung — ehe­mals Per­len­platz) durch ein Strafgericht am 10. Dezem­ber 2012. Zainab Al-Khawa­ja hat­te davon bere­its acht Tage in Haft ver­bracht, bevor sie in Erwartung des anhängi­gen Rechtsmit­telver­fahrens freige­lassen wurde. Ihr ste­hen noch weit­ere Gerichtsver­fahren bevor.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schriftliche Aktio­nen, möglichst unverzüglich und nicht über den 1. August 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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belem

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MELDUNG. Belem, 327 Jao Bal­bi, 1. Etage, stein­ernes Zim­mer : Kirsche No 628 [ Mar­mor, Car­rara : 0.77 Gramm ] vol­len­det. — stop

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mikrogramme

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delta : 5.25 — Seit Tagen denke ich an Robert Walser, an seine Schrift, an seine her­aus­ra­gende Begabung, kle­in­ste Zeichen zu notieren auf jede denkbare Art von Papi­er. Der pri­vate Raum eines zier­lichen Notizbuch­es, das als Insti­tu­tion wieder bedeu­tend zu wer­den scheint, kön­nte für Men­schen wie ihn erfun­den wor­den sein. Nehmen wir ein­mal an, Robert Walser und ich wür­den je ein Notizbuch von 4 cm Höhe und 4 cm Bre­ite erhal­ten, 100 Blättchen Papi­er, das heißt, 200 Flächen zur freien Beschrif­tung, ein Notizbuch, das im Not­fall ver­schluckt wer­den kön­nte, dieses eine Notizbuch also, nur dieses eine, um darin zehn Jahre zu arbeit­en, ich wäre bere­its nach ein oder zwei Tagen zu Ende gekom­men, so volu­minös meine Schrift im Ver­gle­ich zu Robert Walsers Schrift. Ich müsste von vorne begin­nen, radieren, dann wieder schreiben. Mit der verge­hen­den Zeit wür­den die Seit­en meines Buch­es dün­ner und dün­ner wer­den, trans­par­ent vielle­icht, fein­ste Löch­er entste­hen, erste Zeichen, dass mein Notizbuch bald ver­schwun­den sein wird. – Sam­stag. Früher Mor­gen. Leichter Regen. — stop

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oli­mam­bo : 3.12 — Wieder nach Spuren des Fotografen Ted­dy S. in dig­i­tal­en Räu­men gesucht, sieben Monate sind ver­gan­gen seit er in Peking starb. Es ist merk­würdig. Ich kann mit­tels der Such­maschi­nen, die mir zur Ver­fü­gung ste­hen, keine Nachricht find­en, die davon erzählt, dass er nicht mehr am Leben ist. Wed­er eine Tode­sanzeige, noch eine Frage nach seinem Verbleib ist zu ent­deck­en, aber nach wie vor Hin­weise auf seine Arbeit, Fotografien, Noti­zen, Meta­dat­en zu Licht­fang­maschi­nen. Die let­zte schriftliche Nachricht Ted­dys wurde an einem Flughafen aufgegeben. Es ist der 10. Okto­ber 2012: Pack­ing my bags for anoth­er trip to Chi­na. Tonight I’ll fly to Shang­hai and a lit­tle lat­er to Bei­jing for a longer stay. Extreme­ly hap­py to be back so fast after my last stay in August. — Wenn nun ein Men­sch nach ihm suchte, weil er sich nach langer Zeit an Ted­dy erin­nerte, wenn er ihn nicht per­sön­lich antr­e­f­fen kön­nte, an Tele­fo­nen nicht und hin­ter Email-Adressen, weil seine vor­dem treuen Server­maschi­nen Ted­dy nicht länger ken­nen, würde das Ende seines Lebens vielle­icht denkbar wer­den. Nichts mehr kommt hinzu, wed­er Fotografien, noch Wörter. — 27. Juni : A mes­sage that you sent could not be deliv­ered to one or more of its recip­i­ents. This is a per­ma­nent error. The fol­low­ing address(es) failed: t.s@gmx.de SMTP error from remote mail serv­er after RCPT TO:: host mx01.gmx.net [213.165.67.97]: 550 Request­ed action not tak­en: mail­box unavail­able. This is a copy of the mes­sage, includ­ing all the head­ers. Return-path: Received: from fwd55.aul.x (fwd55.aul.x ) by mailout x with smtp id 1Us­MG3-00075X-W9; Fri, 28 Jun 2013 02:09:48 +0200 Received: from local­host (Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F — d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r a Y B Y k g O l M E e t S t u E g P p @ [ 1 7 2 . 2 0 . 1 0 1 . 1 2 4 ] ) by with esmtp id 1Us­MG3-3aL­gsC0; Fri, 28 Jun 2013 02:09:47 +0200 MIME-Ver­sion: 1.0 Received: from 79.218.83.163:30332 by cmpweb56.aul.t-online.de with HTTP/1.1 (NGCS V4-0–19-4 on API V3-11–28-0) Date: 23 Jun 2013 02:09:47 +0200 — Reply-To: To: t.s@gmx.de X-Pri­or­i­ty: 3 X-UMS: email X-Mail­er: DTAG NGCS V4-0–19-4 Sub­ject: frage — Con­tent-Type: multipart/alternative; boundary=“=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0” Mes­sage-ID: <1UsMG3-3aLgsC0@fwd55.aul.x> X-ID: Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F — d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r aY B Y k g O l M E e t S t u E g P p@x.net X-TOI-MSGID: a e 6 4 0 9 f b — 1 8 7 0 — 4 5 a 9 — b 0 8 b — 9 2 2 8 6 6 a 4 d b a 9 –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Con­tent-Type: text/plain; charset=“UTF-8” Con­tent-Trans­fer-Encod­ing: 7bit — WO BIST DU? –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Con­tent-Type: text/html; charset=“UTF-8” Con­tent-Trans­fer-Encod­ing: quot­ed-print­able — stop

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kaprunbiber

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char­lie

~ : mal­colm
to : louis
sub­ject : KAPRUNBIBER
date : jun 24 12 10.12 p.m.

371 West 11. Straße. Wir haben unsere Posi­tion kaum verän­dert. Frankie scheint sich auf dem Dach des Back­stein­haus­es, von dem wir bere­its erzählten, für unbes­timmte Zeit ein­gerichtet zu haben. Dass wir eine Woh­nung anmi­eten kon­nten im Haus gle­ich gegenüber, ist von großem Vorteil, wir fall­en nicht weit­er auf, in dem wir nach Frankie Auss­chau hal­ten. Eine kleine Woh­nung mit ram­poniertem Die­len­bo­den, der unter unseren Schrit­ten ächzt und kracht. Bei gutem Wet­ter sitzen wir auf einem der Balkone des Haus­es. Frankie besucht uns dort von Zeit zu Zeit, er wagt sich schon auf den Tisch, wenn wir Nüsse für ihn abgelegt haben. Wüsste er, wer wir sind, würde er sich ver­mut­lich fern­hal­ten. Er scheint seine erste Begeg­nung mit uns tat­säch­lich vergessen zu haben. So nah kommt er her­an, dass wie die Umrisse des Spe­icher­medi­ums, welch­es wir unter seinem Fell vernäht­en, mit bloßem Auge erken­nen. Und so haben wir angenehme Beobach­tungstage. Juni. Die Nächte sind ruhig, stündlich vernehmen wir Sig­nalze­ichen der Schiffe vom nahen Fluss. Dann kommt die Sonne und ihre Hitze, Frankie ruht wie eine Katze flach auf dem Blech­dach des Haus­es gegenüber. Manch­mal rast er das alte Gemäuer senkrecht auf und nieder, als würde er nach Fliegen jagen. Es scheint ihm außeror­dentlich gut zu gehen, klap­pernde Müll­ton­nen, die geöffneten Fen­ster der Woh­nun­gen, Wasser­tanks auf den Däch­ern, in welchen Frankie badet, es ist ein wirk­lich guter Ort für ein junges, kräftiges Eich­hörnchen. Die Nachricht­en jedoch, die wir über unsere Kanäle emp­fan­gen, sind beun­ruhi­gend. Ich zweifele manch­mal daran, ob wir noch in der Lage wären, Frankie zu töten, sollte der Befehl zu sein­er Besei­t­i­gung kom­men. – Ihr Mal­colm / code­wort : kaprun­biber

emp­fan­gen am
24.06.2013
1950 zeichen

mal­colm to louis »

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sieben punkte

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himalaya : 5.06 — Draußen, vor weni­gen Stun­den noch, rauschte Wass­er vom Him­mel. Aber jet­zt ist es still. Es ist eine tat­säch­lich nahezu geräuschlose Nacht. Die let­zte Straßen­bahn ist längst abge­fahren, kein Wind, deshalb auch die Bäume still und die Vögel, alle Men­schen im Haus unter mir scheinen zu schlafen. Für einen Moment dachte ich, dass ich vielle­icht wieder ein­mal mein Gehör ver­loren haben kön­nte, ich sagte zur Sicher­heit ein Wort, das ich gestern ent­deck­te: Kaprun­biber. Das Wort war gut zu hören gewe­sen, meine Stimme klang wie immer. Aber auf dem Fen­ster­brett hockt jet­zt ein Marienkäfer, ein­er mit gelbem Panz­er, sieben Punk­te, ich habe nicht bemerkt, wie er ins Zim­mer geflo­gen war. Es ist nicht der erste Käfer dieses Jahres, aber ein­er, den ich mit ganz anderen Augen betra­chte. Ich hat­te für eine Sekunde die Idee, dieser Käfer kön­nte vielle­icht ein kün­stlich­er Käfer sein, ein­er, der mich mit dem Vor­satz besuchte, Fotografien mein­er Woh­nung aufzunehmen, oder Gespräche, die ich mit mir selb­st führe, während ich arbeite. Warum nicht auch ich, dachte ich, ein Ziel. Ich nahm den Käfer, der seine Gehw­erkzeuge unverzüglich eng an seinen Kör­p­er legte, in meine Hände und trans­portierte ihn in die Küche, wo ich ihn in das grelle Licht ein­er Tis­chlampe legte. Wie ich ihn betra­chtete, bemerk­te ich zunächst, dass ich nicht erken­nen kon­nte, ob der Käfer in der kün­stlichen Hel­ligkeit seine Augen geschlossen hat­te. Wed­er Herz­schlag noch Atmung war zu erken­nen, auch nicht unter ein­er Lupe, nicht die ger­ing­ste Bewe­gung, aber ich fühlte mich von dem Käfer selb­st beobachtet. Also drehte ich den Käfer auf den Rück­en und suchte nach einem Zugang, nach einem Schräubchen da oder dort, ein­er Kerbe, in welche ich ein Messer­w­erkzeug ein­führen kön­nte, um den Panz­er vom Käfer zu heben. Man stelle sich ein­mal vor, ein sehr klein­er Motor wäre dort zu find­en, Mikro­phone, Sender, Lin­sen, es wäre eine unge­heure Ent­deck­ung. Im Moment zögere ich noch, den ersten Schnitt zu set­zten, es reg­net wieder, jawohl, ich werde am Besten zunächst noch ein wenig den Regen beobacht­en, es ist kurz nach drei. – stop

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minute

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echo : 1.58 — Was genau untern­immt Radovan Karadz­ic in dieser Minute der Nacht in sein­er Zelle zu Den Haag? — stop
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murphy

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india : 5.01 — Um 2 Uhr nachts sitzen plöt­zlich hun­derte Fliegen an den Fen­stern. Bebende Flügel, helle, fast weiße Kör­p­er. Unter ihren Füßen das Licht eines kün­stlichen Tages, hin­ter ihren Rück­en Gewit­terblitze. Indessen brum­men drei Marienkäfer durchs Zim­mer. Beobachtete Beck­etts absurde Schach­par­tie, die in seinem Roman Mur­phy zu find­en ist. Ungeübte Augen kön­nten irren: e4 Ng8h6 2. Ng1h3 Rh8g8 3. Rh1g1 Nb8c6 4. Nb1c3 Nc6e5 5. Nc3d5 Rg8h8 6. Rg1h1 Ne5c6 7. Nd5c3 Nh6g8 8. Nc3b1 Nc6b8 9. Nh3g1 e6 10. g3 Ng8e7 11. Ng1e2 Ne7g6 12. g4 Bf8e7 13. Ne2g3 d6 14. Bf1e2 Qd8d7 15. d3 Ke8d8 16. Qd1d2 Qd7e8 17. Ke1d1 Nb8d7 18. Nb1c3 Ra8b8 19. Ra1b1 Nd7b6 20. Nc3a4 Bc8d7 21. b3 Rh8g8 22. Rh1g1 Kd8c8 23. Bc1b2 Qe8f8 24. Kd1c1 Bd7e8 25. Bb2c Ng6h8 26. b4 Be7d8 27. Qd2h6 Nb6a8 28. Qh6f6 Nh8g6 29. Bc3e5 Bd8e7 30. Na4c5 Kc8d8 31. Ng3h1 Be8d7 32. Kc1b2 Rg8h8 33. Kb2b3 Bd7c8 34. Kb3a4 Qf8e8 35. Ka4a5 Na8b6 36. Be5f4 Nb6d7 37. Qf6c3 Rb8a8 38. Nc5a6 Be7f8 39. Ka5b5 Ng6e7 40. Kb5a5 Nd7b8 41. Qc3cNe7g8 42. Ka5b5 Kd8e7 43. Kb5a5 Qe8d8 — stop

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3 uhr 1

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marim­ba : 3.01 — Kann man sagen: Wo kein Zweifel, da auch kein Wis­sen?Lud­wig Wittgen­stein : Über Gewis­sheit  
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