ai : SYRIEN

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MENSCH IN GEFAHR : “Der Akti­vist Ali Mahmoud Othman wurde im März 2012 in der Provinz Aleppo fest­ge­nommen und befindet sich seitdem an einem unbe­kannten Ort in Haft. Er gehörte einem Netz­werk von Akti­visten an, das in der Stadt Homs ein provi­so­ri­sches Medi­en­zen­trum unter­hielt. Es gab Film­ma­te­rial an Nach­rich­ten­agen­turen weiter und half auslän­di­schen Jour­na­listen, während des mili­tä­ri­schen Angriffs auf das Viertel Baba Amr im Februar 2012 nach Homs hinein­zu­kommen bezie­hungs­weise die Stadt zu verlassen. / Von einem anderen syri­schen Akti­visten hat Amnesty Inter­na­tional erfahren, dass Regie­rungs­kräfte Ali Mahmoud Othman eine Kurz­mit­tei­lung geschickt hatten, um ihn an einen bestimmten Ort zu locken, wo er dann fest­ge­nommen wurde. Im April 2012 strahlte das syri­sche Staats­fern­sehen ein Inter­view mit Ali Mahmoud Othman aus, in dem man ihm Fragen zu seiner Betei­li­gung an der Protest­be­we­gung in Homs und zu seinen Medi­en­ak­ti­vi­täten stellte. Er wurde zudem gefragt, weshalb die Proteste seiner Ansicht nach trotz der von Präsi­dent Bashar al-Assad einge­lei­teten Reformen unver­min­dert weiter­gingen. Akti­visten in Syrien sind der Ansicht, dass das Inter­view nicht glaub­haft ist und Ali Mahmoud Othman dazu gezwungen wurde. / Seit diesem Fern­seh­in­ter­view fehlt von Ali Mahmoud Othman jede Spur. Im November 2012 sagte ein außer­halb Syriens lebender Fami­li­en­an­ge­hö­riger Amnesty Inter­na­tional, die Familie habe aus inof­fi­zi­eller Quelle erfahren, dass Ali Mahmoud Othman in das berüch­tigte Mili­tär­ge­fängnis Sayd­naya nahe Damaskus gebracht worden sei.” – Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen, möglichst unver­züg­lich und nicht über den 25. Juni 2013 hinaus, unter »> ai : urgent action

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regen

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ulysses : 6.06 – Gestern Abend tele­fo­nierte ich mit einer Freundin. Sie hatte kurz zuvor geschrieben, Hoch­wasser habe den Keller ihres Hauses erreicht. Sie erzählte, das Wasser komme nun durch zwei kleine Löcher in Boden und Wand herein, 5 Liter in einer halben Stunde. Ich hörte ihre Stimme, erschöpft, müde, sie wolle sich einen Wecker stellen und jede halbe Stunde Wasser schöpfen. Eine harte Sache, die noch einen Tag und eine ganze Nacht so weiter­gehen könne. Während wir spra­chen, war das Geräusch trop­fenden Wassers im Hinter­grund zu vernehmen, als würde meine Gesprächs­part­nerin in einer Höhle sitzen, in einer entfernten Zeit, auf dem Mond oder auf dem Mars. Als ich klein und sehr uner­fahren gewesen war, hatte ich die Vorstel­lung, nach starkem Regen könnte das Wasser in Tele­fon­lei­tungen dringen. Ich wunderte mich deshalb, dass das Tele­fo­nieren nach Gewit­ter­regen noch funk­tio­nierte. Wenn ich dann etwas später durch den Garten spazierte, meinte ich zu beob­achten, wie unsere Tele­fon­lei­tungen aus dem Boden flüch­teten. Sie hatten sich zu Teilen aufge­löst und schlän­gelten, hell­rote, glän­zende Würmer, durch das feuchte Gras. Ich konnte sie berühren, und wenn ich sie ihn meine Hände nahm, kitzelte es sehr ange­nehm auf den Hand­flä­chen. Einmal setzte ich eine flüch­tende Tele­fon­lei­tung in ein Marme­la­de­glas. Es waren ein gutes Dutzend Würmer gewesen, die sich um Ausgang bemühten. Ich beäugte sie lange Zeit, die Wände des Glases beschlugen rasch, so dass ich das Glas immer wieder öffnen musste. Wenn ich mein Ohr an den Behälter drückte, konnte ich sie hören, einen eigen­tüm­li­chen Laut der Not, für dessen Beschrei­bung ich bisher kein Wort entdeckte. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zimmer. Ich stellte es unter mein Bett. Am nächsten Morgen hatte ich seine Exis­tenz vergessen. – stop

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MELDUNG. Drei mit Hand­feuer bewaff­nete Beamte [ Soko K.a.i.r.o ] haben an der Rambla del Mar [ Barce­lona ] drei Ägypter sicher­ge­stellt, fili­grane Meißel weiterhin [ 0.5 Zoll Kanten­länge ], sowie zwei Hand­täsch­chen [ türkise ]. Folgende kryp­ti­sche Signatur war dem Sockel­ge­stein des natio­nalen Aqua­riums [ Moll d’Espanya del Port Vell ] beigebracht : 886LILLI71MANRAY6Y. Auch diese Ägypter [ Ägypter No 17 und 18 des laufenden Jahres ], je 178 cm hoch, mitt­leres Alter, verwei­gern jede Aussage. – stop

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koffer

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tango : 23.59 – Mit dieser Minute endet Louis’ 18868. Lebenstag. Ich habe an diesem Tag eine selt­same Erfah­rung gemacht. Vor einer Stunde unge­fähr bemerkte ich, dass ich mein Notiz­buch, in welches ich hand­schrift­lich Wörter notiere, mit scheinbar anderen Augen als noch am frühen Morgen betrach­tete. Ich dachte, bei diesem kleinen Heft hier handelt es sich um meinen einzig verblie­benen Raum, in dem ich Gedanken aufzeichnen kann, die nur für mich bestimmt sind. Ja, so könnte es gekommen sein. Alle Wörter, die ich mittels meiner elek­tri­schen Schreib­ma­schine, die mit dem Internet verbunden ist, notiere, sind oder sind mögli­cher­weise öffent­liche Wörter, weil sie einem kommu­ni­ka­tiven System verbunden sind, welches jeder­zeit ausge­lesen und gespei­chert werden kann auf unbe­stimmte Zeit. Es exis­tieren demzu­folge aufge­zeich­nete Wörter einer­seits, die tatsäch­lich solange privat sind, wie ich den Koffer, in dem ich sie aufbe­wahre, nicht verliere, ande­rer­seits aufge­zeich­nete Wörter, die sich außer­halb dieses Koffers befinden. – stop

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ANFANG === bEKOl6nBFkbLw4UCQdhQBw === ENDE

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echo : 0.25 – ANFANG === a 4 n Z Q c Z c V 5 2 E p 5 0 P B S a l A B Y l g e 0 E Z M a N Q M D U F f a 5 g a F X 0 r j W u G h y B C V u v f L 7 U r D z s 9 y V 7 Q x I Q R E m I L c I 9 c n c D p t x g / y G r p M e k z a x 3 s O f c H / E e Q s 2 X 0 8 6 6 U h i M J 3 G 5 0 r m A f j Q j h k 3 f f 7 5 m r W + i R O f F H R d b m 1 n q i v 8 B Y 5 P m b q J 6 W J 8 Z t j o F h u J V Z T r W V 8 h + I 3 Y k g / P j L 0 S 5 p B j 8 J t / B 1 8 p + O O h k l 5 f n i z q e H J s s e g P W 9 m F n c L n / 6 Y C 8 n L p v / G H x m n K / D I 5 v d F u 8 u 8 M l 5 A m / V Y p g Q === ENDE / code­wort : birdy­birdy – stop

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liliput

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romeo : 10.12 – Von äußerst heim­li­cher Art und Weise, Gedanken zu notieren, berichtet Patricia Highsmith in ihrer Erzäh­lung Der Mann, der seine Bücher im Kopf schrieb. Wenn ich nicht irre, so ruht der Mann, von dem in der Geschichte die Rede ist, stun­den­lang in einem Liege­stuhl, indessen er lautlos an seinen Romanen arbeitet. Ein glei­cher­maßen Wörter eroberndes wie Wörter sicherndes Verhalten. Es ist schwierig für mich, in ähnli­cher Weise vorzu­gehen, nahezu unmög­lich, ich habe es versucht, ich komme je nur wenige Sätze weit. Nicht, weil ich vergessen würde, was ich bereits erzählte, nein, ich vergesse das Erzählen selbst, ich beginne zu konstru­ieren, die Sätze geben sich nicht die Hand wie üblich, jeder neue Satz scheint leblos zu sein, erstarrt, vertraut, erle­digt. Wenn ich nun doch so heim­lich wie möglich zu schreiben versuche, schreibe ich in ein Notiz­buch, schreibe, sagen wir, einhun­dert Seiten weit, bis das Notiz­buch mit Zeichen gefüllt ist. Was aber ist nun zu tun mit diesem Buch, das niemand lesen darf, nur ich allein, weil es ein privates Buch sein soll, weil das mein Wunsch, mein Wille ist, dass nur ich dieses Buch lesen werde, solange ich nicht entscheide, dass das Buch ein öffent­li­ches Buch werden könnte. Ich müsste das Buch verste­cken, was nicht wirk­lich möglich ist, oder ich müsste das Buch codieren, also ein zweites Buch verfassen, in dem das erste Buch enthalten ist, aller­dings verfremdet durch eine Methode, durch einen Schlüssel (liliput), zu Aufbe­wah­rung in meinem Kopf. Sobald nun das erste Buch in ein zweites Buch versetzt wurde, würde es möglich sein, das erste Buch verschwinden zu lassen, mittels eines Feuers beispiels­weise. Man stelle sich einmal vor, ich würde meinen Schlüssel zur Methode der Entzif­fe­rung des zweiten Buches vergessen. Beide Bücher verloren, wäre ich gezwungen, das ist verrückt, mein verschlüs­seltes Buch einer Behörde zu offe­rieren, die über ausrei­chende Rechen­leis­tung verfügt, um meinen Text zur Lebzeit noch dechif­frieren zu können. – stop

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ai : BAHRAIN

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MENSCH IN GEFAHR : “Wie nun bekannt wurde, ist gegen die bahrai­ni­sche Akti­vistin Zainab Al-Khawaja am 22. Mai erneut eine drei­mo­na­tige Haft­strafe verhängt worden. Sie ist eine gewalt­lose poli­ti­sche Gefan­gene. /Am 22. Mai verur­teilte ein Straf­ge­richt in der Haupt­stadt Manama die Akti­vistin Zainab Al-Khawaja zu drei Monaten Gefängnis und einer Kaution von 100 Bahrain-Dinaren (knapp 200 Euro). Gegen die Akti­vistin Ma’suma Sayyid Sharaf wurden am selben Tag sechs Monate Haft und eine Kaution von 200 Bahrain-Dinaren (knapp 400 Euro) verhängt. Beide waren wegen “nicht geneh­migter Versamm­lung” und “Ansta­che­lung zum Hass gegen die Regie­rung” ange­klagt worden; zudem wurde ihnen vorge­worfen, bei ihrer Fest­nahme im Dezember 2011 Poli­zei­be­am­tInnen belei­digt zu haben. Zainab Al-Khawajas befindet sich im Frau­en­gefängnis in ‘Issa Town. Besuche ihrer Familie und ihres Rechts­bei­standes werden ihr weiterhin verwei­gert, da sie es ablehnt, die Gefäng­nis­klei­dung zu tragen. Ma’suma Sayyid Sharaf befindet sich derzeit auf freiem Fuß. / Zainab Al-Khawaja leistet mitt­ler­weile mehrere kurze Haft­strafen ab, zu denen sie in mindes­tens vier Fällen verur­teilt worden ist. Ihre Entlas­sung steht nun erst Mitte Dezember 2013 an. Die jüngste Haft­strafe sowie die weiteren gegen sie verhängten Gefäng­nis­strafen sind endgültig, da sie sich weigert, Rechts­mittel vor höher­instanz­li­chen Gerichten einzu­legen – sie ist über­zeugt, dass das bahrai­ni­sche Rechts­system von der Regie­rung kontrol­liert wird. Sie hat sich bisher außerdem gewei­gert, Kauti­ons­zah­lungen zu leisten und zu Anhö­rungen vor Gericht oder der Staats­an­walt­schaft zu erscheinen. Ihr Rechts­bei­stand hat das Kassa­ti­ons­ge­richt von diesen Umständen unter­richtet in der Hoff­nung, eine Urteils­prü­fung errei­chen zu können. Das Gericht hat jedoch nicht reagiert. Am 28. Februar verur­teilte das Beru­fungs­ge­richt in Manama Zainab Al-Khawaja wegen “Belei­di­gung eines Poli­zei­be­amten” in einem Mili­tär­kran­ken­haus zu einer drei­mo­na­tigen Haft­strafe. Damit hob es das Urteil des Straf­ge­richts auf, das sie am 2. Mai 2012 frei­ge­spro­chen hatte. / Grund hierfür war, dass die Staats­an­walt­schaft den Frei­spruch ange­fochten hatte. Am 27. Februar 2013 hatte das Beru­fungs­ge­richt ihre Verur­tei­lung zu einer zwei­mo­na­tigen Frei­heits­strafe wegen “Zerstö­rung von Staats­ei­gentum” aufrecht­erhalten, zu der sie verur­teilt worden war, weil sie im Mai 2012 in Haft ein Bild des Königs zerrissen hatte. An diesem Tag bestä­tigte das Beru­fungs­ge­richt außerdem ihre Verur­tei­lung zu einer einmo­na­tigen Frei­heits­strafe wegen “Betreten eines Sperr­ge­biets” (der al-Farooq-Kreu­zung – ehemals Perlen­platz) durch ein Straf­ge­richt am 10. Dezember 2012. Zainab Al-Khawaja hatte davon bereits acht Tage in Haft verbracht, bevor sie in Erwar­tung des anhän­gigen Rechts­mit­tel­ver­fah­rens frei­ge­lassen wurde. Ihr stehen noch weitere Gerichts­ver­fahren bevor.” – Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen, möglichst unver­züg­lich und nicht über den 1. August 2013 hinaus, unter »> ai : urgent action

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belem

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MELDUNG. Belem, 327 Jao Balbi, 1. Etage, stei­nernes Zimmer : Kirsche No 628 [ Marmor, Carrara : 0.77 Gramm ] voll­endet. – stop

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mikrogramme

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delta : 5.25 – Seit Tagen denke ich an Robert Walser, an seine Schrift, an seine heraus­ra­gende Bega­bung, kleinste Zeichen zu notieren auf jede denk­bare Art von Papier. Der private Raum eines zier­li­chen Notiz­bu­ches, das als Insti­tu­tion wieder bedeu­tend zu werden scheint, könnte für Menschen wie ihn erfunden worden sein. Nehmen wir einmal an, Robert Walser und ich würden je ein Notiz­buch von 4 cm Höhe und 4 cm Breite erhalten, 100 Blätt­chen Papier, das heißt, 200 Flächen zur freien Beschrif­tung, ein Notiz­buch, das im Notfall verschluckt werden könnte, dieses eine Notiz­buch also, nur dieses eine, um darin zehn Jahre zu arbeiten, ich wäre bereits nach ein oder zwei Tagen zu Ende gekommen, so volu­minös meine Schrift im Vergleich zu Robert Walsers Schrift. Ich müsste von vorne beginnen, radieren, dann wieder schreiben. Mit der verge­henden Zeit würden die Seiten meines Buches dünner und dünner werden, trans­pa­rent viel­leicht, feinste Löcher entstehen, erste Zeichen, dass mein Notiz­buch bald verschwunden sein wird. – Samstag. Früher Morgen. Leichter Regen. – stop

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olimambo : 3.12 – Wieder nach Spuren des Foto­grafen Teddy S. in digi­talen Räumen gesucht, sieben Monate sind vergangen seit er in Peking starb. Es ist merk­würdig. Ich kann mittels der Such­ma­schinen, die mir zur Verfü­gung stehen, keine Nach­richt finden, die davon erzählt, dass er nicht mehr am Leben ist. Weder eine Todes­an­zeige, noch eine Frage nach seinem Verbleib ist zu entde­cken, aber nach wie vor Hinweise auf seine Arbeit, Foto­gra­fien, Notizen, Meta­daten zu Licht­fang­ma­schinen. Die letzte schrift­liche Nach­richt Teddys wurde an einem Flug­hafen aufge­geben. Es ist der 10. Oktober 2012: Packing my bags for another trip to China. Tonight I’ll fly to Shanghai and a little later to Beijing for a longer stay. Extre­mely happy to be back so fast after my last stay in August. – Wenn nun ein Mensch nach ihm suchte, weil er sich nach langer Zeit an Teddy erin­nerte, wenn er ihn nicht persön­lich antreffen könnte, an Tele­fonen nicht und hinter Email-Adressen, weil seine vordem treuen Server­ma­schinen Teddy nicht länger kennen, würde das Ende seines Lebens viel­leicht denkbar werden. Nichts mehr kommt hinzu, weder Foto­gra­fien, noch Wörter. – 27. Juni : A message that you sent could not be deli­vered to one or more of its reci­pi­ents. This is a perma­nent error. The follo­wing address(es) failed: t.s@gmx.de SMTP error from remote mail server after RCPT TO:: host mx01.gmx.net [213.165.67.97]: 550 Requested action not taken: mailbox unavail­able. This is a copy of the message, inclu­ding all the headers. Return-path: Received: from fwd55.aul.x (fwd55.aul.x ) by mailout x with smtp id 1UsMG3-00075X-W9; Fri, 28 Jun 2013 02:09:48 +0200 Received: from local­host (Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F – d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r a Y B Y k g O l M E e t S t u E g P p @ [ 1 7 2 . 2 0 . 1 0 1 . 1 2 4 ] ) by with esmtp id 1UsMG3-3aLgsC0; Fri, 28 Jun 2013 02:09:47 +0200 MIME-Version: 1.0 Received: from 79.218.83.163:30332 by cmpweb56.aul.t-online.de with HTTP/1.1 (NGCS V4-0–19-4 on API V3-11–28-0) Date: 23 Jun 2013 02:09:47 +0200 – Reply-To: To: t.s@gmx.de X-Prio­rity: 3 X-UMS: email X-Mailer: DTAG NGCS V4-0–19-4 Subject: frage – Content-Type: multipart/alternative; boundary=“=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0” Message-ID: <1UsMG3-3aLgsC0@fwd55.aul.x> X-ID: Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F – d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r aY B Y k g O l M E e t S t u E g P p@x.net X-TOI-MSGID: a e 6 4 0 9 f b – 1 8 7 0 – 4 5 a 9 – b 0 8 b – 9 2 2 8 6 6 a 4 d b a 9 –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Content-Type: text/plain; charset=“UTF-8” Content-Transfer-Enco­ding: 7bit – WO BIST DU? –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Content-Type: text/html; charset=“UTF-8” Content-Transfer-Enco­ding: quoted-prin­table – stop

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kaprunbiber

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charlie

~ : malcolm
to : louis
subject : KAPRUNBIBER
date : jun 24 12 10.12 p.m.

371 West 11. Straße. Wir haben unsere Posi­tion kaum verän­dert. Frankie scheint sich auf dem Dach des Back­stein­hauses, von dem wir bereits erzählten, für unbe­stimmte Zeit einge­richtet zu haben. Dass wir eine Wohnung anmieten konnten im Haus gleich gegen­über, ist von großem Vorteil, wir fallen nicht weiter auf, in dem wir nach Frankie Ausschau halten. Eine kleine Wohnung mit rampo­niertem Dielen­boden, der unter unseren Schritten ächzt und kracht. Bei gutem Wetter sitzen wir auf einem der Balkone des Hauses. Frankie besucht uns dort von Zeit zu Zeit, er wagt sich schon auf den Tisch, wenn wir Nüsse für ihn abge­legt haben. Wüsste er, wer wir sind, würde er sich vermut­lich fern­halten. Er scheint seine erste Begeg­nung mit uns tatsäch­lich vergessen zu haben. So nah kommt er heran, dass wie die Umrisse des Spei­cher­me­diums, welches wir unter seinem Fell vernähten, mit bloßem Auge erkennen. Und so haben wir ange­nehme Beob­ach­tungs­tage. Juni. Die Nächte sind ruhig, stünd­lich vernehmen wir Signal­zei­chen der Schiffe vom nahen Fluss. Dann kommt die Sonne und ihre Hitze, Frankie ruht wie eine Katze flach auf dem Blech­dach des Hauses gegen­über. Manchmal rast er das alte Gemäuer senk­recht auf und nieder, als würde er nach Fliegen jagen. Es scheint ihm außer­or­dent­lich gut zu gehen, klap­pernde Müll­tonnen, die geöff­neten Fenster der Wohnungen, Wasser­tanks auf den Dächern, in welchen Frankie badet, es ist ein wirk­lich guter Ort für ein junges, kräf­tiges Eich­hörn­chen. Die Nach­richten jedoch, die wir über unsere Kanäle empfangen, sind beun­ru­hi­gend. Ich zwei­fele manchmal daran, ob wir noch in der Lage wären, Frankie zu töten, sollte der Befehl zu seiner Besei­ti­gung kommen. – Ihr Malcolm / code­wort : kaprun­biber

empfangen am
24.06.2013
1950 zeichen

malcolm to louis »

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sieben punkte

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hima­laya : 5.06 – Draußen, vor wenigen Stunden noch, rauschte Wasser vom Himmel. Aber jetzt ist es still. Es ist eine tatsäch­lich nahezu geräusch­lose Nacht. Die letzte Stra­ßen­bahn ist längst abge­fahren, kein Wind, deshalb auch die Bäume still und die Vögel, alle Menschen im Haus unter mir scheinen zu schlafen. Für einen Moment dachte ich, dass ich viel­leicht wieder einmal mein Gehör verloren haben könnte, ich sagte zur Sicher­heit ein Wort, das ich gestern entdeckte: Kaprun­biber. Das Wort war gut zu hören gewesen, meine Stimme klang wie immer. Aber auf dem Fens­ter­brett hockt jetzt ein Mari­en­käfer, einer mit gelbem Panzer, sieben Punkte, ich habe nicht bemerkt, wie er ins Zimmer geflogen war. Es ist nicht der erste Käfer dieses Jahres, aber einer, den ich mit ganz anderen Augen betrachte. Ich hatte für eine Sekunde die Idee, dieser Käfer könnte viel­leicht ein künst­li­cher Käfer sein, einer, der mich mit dem Vorsatz besuchte, Foto­gra­fien meiner Wohnung aufzu­nehmen, oder Gespräche, die ich mit mir selbst führe, während ich arbeite. Warum nicht auch ich, dachte ich, ein Ziel. Ich nahm den Käfer, der seine Gehwerk­zeuge unver­züg­lich eng an seinen Körper legte, in meine Hände und trans­por­tierte ihn in die Küche, wo ich ihn in das grelle Licht einer Tisch­lampe legte. Wie ich ihn betrach­tete, bemerkte ich zunächst, dass ich nicht erkennen konnte, ob der Käfer in der künst­li­chen Hellig­keit seine Augen geschlossen hatte. Weder Herz­schlag noch Atmung war zu erkennen, auch nicht unter einer Lupe, nicht die geringste Bewe­gung, aber ich fühlte mich von dem Käfer selbst beob­achtet. Also drehte ich den Käfer auf den Rücken und suchte nach einem Zugang, nach einem Schräub­chen da oder dort, einer Kerbe, in welche ich ein Messer­werk­zeug einführen könnte, um den Panzer vom Käfer zu heben. Man stelle sich einmal vor, ein sehr kleiner Motor wäre dort zu finden, Mikro­phone, Sender, Linsen, es wäre eine unge­heure Entde­ckung. Im Moment zögere ich noch, den ersten Schnitt zu setzten, es regnet wieder, jawohl, ich werde am Besten zunächst noch ein wenig den Regen beob­achten, es ist kurz nach drei. – stop

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minute

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echo : 1.58 – Was genau unter­nimmt Radovan Karadzic in dieser Minute der Nacht in seiner Zelle zu Den Haag? – stop
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murphy

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india : 5.01 – Um 2 Uhr nachts sitzen plötz­lich hunderte Fliegen an den Fens­tern. Bebende Flügel, helle, fast weiße Körper. Unter ihren Füßen das Licht eines künst­li­chen Tages, hinter ihren Rücken Gewit­ter­blitze. Indessen brummen drei Mari­en­käfer durchs Zimmer. Beob­ach­tete Becketts absurde Schach­partie, die in seinem Roman Murphy zu finden ist. Unge­übte Augen könnten irren: e4 Ng8h6 2. Ng1h3 Rh8g8 3. Rh1g1 Nb8c6 4. Nb1c3 Nc6e5 5. Nc3d5 Rg8h8 6. Rg1h1 Ne5c6 7. Nd5c3 Nh6g8 8. Nc3b1 Nc6b8 9. Nh3g1 e6 10. g3 Ng8e7 11. Ng1e2 Ne7g6 12. g4 Bf8e7 13. Ne2g3 d6 14. Bf1e2 Qd8d7 15. d3 Ke8d8 16. Qd1d2 Qd7e8 17. Ke1d1 Nb8d7 18. Nb1c3 Ra8b8 19. Ra1b1 Nd7b6 20. Nc3a4 Bc8d7 21. b3 Rh8g8 22. Rh1g1 Kd8c8 23. Bc1b2 Qe8f8 24. Kd1c1 Bd7e8 25. Bb2c Ng6h8 26. b4 Be7d8 27. Qd2h6 Nb6a8 28. Qh6f6 Nh8g6 29. Bc3e5 Bd8e7 30. Na4c5 Kc8d8 31. Ng3h1 Be8d7 32. Kc1b2 Rg8h8 33. Kb2b3 Bd7c8 34. Kb3a4 Qf8e8 35. Ka4a5 Na8b6 36. Be5f4 Nb6d7 37. Qf6c3 Rb8a8 38. Nc5a6 Be7f8 39. Ka5b5 Ng6e7 40. Kb5a5 Nd7b8 41. Qc3cNe7g8 42. Ka5b5 Kd8e7 43. Kb5a5 Qe8d8 – stop

polaroidcentral

3 uhr 1

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marimba : 3.01 – Kann man sagen: Wo kein Zweifel, da auch kein Wissen?Ludwig Witt­gen­stein : Über Gewiss­heit  
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