cairo

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alpha : 4.32 — Ich erin­nere mich an ein Gespräch, das ich vor zwei Jahren mit einem Bekan­nten führte, der lange Zeit in Ägypten lebte, genauer in Kairo am Nil. Er wurde in der alten, riesi­gen Stadt geboren vor einem hal­ben Jahrhun­dert. Ich hat­te von unserem Gespräch bere­its erzählt. Immer, wenn ich ihn sei­ther getrof­fen hat­te, stellte ich ihm Fra­gen: Warst Du zu Hause im Som­mer? Wie geht es Dein­er Fam­i­lie? Was kostet ein Hotelz­im­mer in Kairo in sicher­er Lage? Ich bemerk­te, dass Belem sich über meine Fra­gen freute, aber er antwortete nur sel­ten präzise, er sagte immer wieder, dass es eine Frage des Respek­ts sei, dass man irgend­wie ler­nen müsse, gemein­sam zu arbeit­en und zu leben. Viele Men­schen seien arm, das sei das größte Prob­lem, sie kön­nten nicht lesen und schreiben. Ein­mal fragte ich, ob er bere­it wäre, einen kleinen Text aus der ara­bis­chen Sprache für mich zu über­set­zen, einen Twit­ter­brief, den ich nicht lesen kon­nte. Aber das wollte Belem nicht, er schien sich in diesem Moment vor mir oder den Zeilen, die ich auf ein Stück Papi­er gedruckt hat­te,  zu fürcht­en. — Mon­tag. Seit Stun­den komm ich nicht weit­er in der Lek­türe dig­i­taler Nachricht­en aus Kairo. Ich ver­suche, zu ver­ste­hen. Es sind sehr selt­same Texte, die mir Über­set­zungs­maschi­nen liefern, Bruch­stücke, Ahnun­gen, Wort­sand: Gott Ylankwa auf der Erde und im Him­mel ein Fluch und Fluch ya Welad El Bhaim o ober­ste Karte Hunde vor Aial­lk Einak Ahan fühlen Sod­bren­nen Herz Eltern und alle da Les Ahan Schafe Iowa euch haben tat­säch­lich Amor­phophal­lus Riv­ieri CDDA Schafe ich Worte von Belei­di­gung und defekt, aber nach Li da Sie lip Tstahlwa schmutzig­sten Belei­di­gung in Alashan Antua eigentlich Schafe und Hunde und Sklaven und Amrk­wa welche Hat­bkowa brauchen euch eine Betharb­wa Alhan Cuesh Reli­gion und nicht in die Heimat Euch Betharb­wa Alhan 7tt jed­er Hund und Ely ist Mur­si nicht beigelegt. Mur­si da wenn Ragel harte Masche 7tt Khrong wurde das Blut Divi­sion zu hal­ten oder sog­ar min­destens sein­er Fam­i­lie und seinen Clan aber Lebens­dauer Staat­en Khain­in Brüdern und bei­de Alaikum Ya Ya Welad Hunde Hunde / Und Gott Staatssicher­heit haben sie Gnade, die uns von DVD Elly Zico Btal­wa ver­ließ die Sicher­heit des Staates und die Her­stel­lung da Ret­tung, welche Bek­tosh ken­nen sie lachen über Leute und Leute ich Tani Les ein Raza Ullah Ein­wohn­er in Sidi Gaber in der elften Runde ihre Brüder Embareh Æøáúæç Úáì Ãç Íþæã Èå Architek­tur und schla­gen den Porti­er und sie in ihrer Woh­nung waren und eine Stimme hörte zu mir sprechen und ich traf den Schuss und Aial­ha Hor­ror und weinte und floh die beset­zten Ober­fläche Btaa Architek­tur, und Vio­line von Atr­mi wurde die Vio­line ein Ver­brech­er und Embareh führen den Sicher­heitssta­tus / Erste Bew­er­tun­gen über den Stausee ist klar, dass Kinder nicht müssen manuelle Illus­tra­tor Gabe Architek­tur der Ein­gang Por­tal Teil­nehmer arbeit­en und mehr Men­schen sind entwed­er Kinder, ihre Eltern-Wächter, die nur Sie der Stausee-Entwick­lung her­aus­nehmen, aber sie Men­schen, die sie benöti­gen sind, um Schutz gegen unsere Her­rn sagen Ahan Mikhli­nash Brüder has­ste Sie jeden Bedarf wir sagen ganz klar die Szene zu einem mein­er Brüder ist Bdkon NAS Keteer sehr Päd­a­gogen Dkonhm Ägyptens und Fam­i­lien star­rte ist rührend, meine Brüder und Les in eine feste Schiene Und sie nehmen ihre Mode Welaikh und Gen­tle­man und Men­schen Wakhd­in­ha das Alter des Propheten Chris­t­ian Lehman Daqqoun Kinder-und Jugend­sport hal­ten Masche ein­er Bank, es nicht Brüder, ist voraus­ge­set­zt die Tahrir Daqqoun Kteer waren die Rebellen, nicht Brüder natür­lich sage ich allen mein Ziel, dass alle Medi­en benötigten zu Fuß und wir sahen, Schließung des Auges Ehna Lina in ich wegge­lassen Z Maben­shov CBC tagsüber Dream­Works benötigt, find­en Sie unter Nile News und Ara­bisch und Al-Jazeera siehe Ent­war­nung Notwendigkeit gezeigt Nicht alle Kanäle Val­fol Wahrheit und Bedauern-Ver­längerung. — stop
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atem

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lima : 2.11 — Je sel­tener ich spreche, desto genauer denke, höre, sehe ich. — stop
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südostnordwest

2

tan­go

~ : oe som
to : louis
sub­ject : SÜDOSTNORDWEST
date : july 02 13 8.12 p.m.

Tauch­er Noe seit 851 Tagen unter der Wasser­ober­fläche. Tiefe 812 Fuß. Posi­tion: 42°55’NORD 51° 42’ WEST. stop. Es ist kurz nach Mit­ter­nacht, die See wieder ruhig. Gestern, unge­fähr zur sel­ben Tageszeit, wur­den wir wie aus dem Nichts von ein­er mächti­gen Welle getrof­fen. Beina­he wären wir geken­tert. Entset­zt über das Vorge­fal­l­ene, lagen wir einige Minuten still. Dann macht­en wir uns auf die Suche, woll­ten wis­sen, ob wir noch vol­lzäh­lig waren. Momente voller Demut. Ich erin­nere mich an Lid­wiens zartes, blass­es Gesicht, wie sie vor dem Funkgerät sitzt und Noe anruft, er möge sich melden. Es war wie ein Gebet, sie fürchtete, ihn ver­loren zu haben, das Tau, an dem er in der Tiefe schwebt, kön­nte geris­sen sein, aber wir spürten ein leichte, schaukel­nde Bewe­gung unter dem Schiff. Es hat­te den Anschein, als würde Noe unter uns durchs Dunkel pen­deln. Nach ein­er hal­ben Stunde geduldigen Hof­fens meldete er sich, wollte wis­sen, was geschehen war. Natür­lich antworteten wir auswe­ichend, um ihn nicht zu beun­ruhi­gen. Erst ver­gan­gene Woche war es gewe­sen, da wir Noe erk­lärten, dass zu seinen Füßen weit­ere 10660 Fuß Tiefe warteten. Noe war für zwei Tage sprach­los gewe­sen, dann begann er Mur­phys Geschichte zu lesen Stunde um Stunde, set­zte immer wieder von vorne an, das Buch scheint ihn zu beruhi­gen. In diesem Moment, da ich Dir schreibe, geht es wieder los: Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hat­te, auf nichts Neues. Mur­phy saß, als ob es ihm frei stünde, im Schat­ten, in ein­er Gasse West Brombtons. Hier hat­te er wohl schon sechs Monate lang gesessen, getrunk­en, geschlafen, sich an- und aus­ge­zo­gen, in einem mit­tel­großen Käfig mit Front nach Nord­west­en und unun­ter­broch­en­er Sicht auf mit­tel­große Käfige mit Front nach Südosten. – Es ist uns, lieber Louis, ein gutes Zeichen, dass Noe wieder liest. Wir haben ihm ver­sprochen, noch in diesem Monat eine Brille aufzutreiben, ein Gestell zu fab­rizieren, das an seinem Helm befes­tigt wer­den kann. Manch­mal denke ich, Noe glaubt uns nicht mehr, keinem unser­er Ver­sprechen, kein­er Idee. — Ahoi! Dein OE SOM

gesendet am
03.07.2013
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polaroidkueste3

0,087 mm

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india : 0.16 — Drei Jahre sind seit Ent­deck­ung der Papiertierchen ver­gan­gen, ihr küh­ler Mund, ihr Jahre­satem, der das Vol­u­men ein­er Blaubeere füllt. stop. Drei Blaubeeren Zeit. stop. Denkbar ist, dass ich in der Beobach­tung der Film­ströme, die meinen Com­put­er aus Kairo erre­ichen, eine Vorstel­lung entwick­elt habe, inwiefern sich das Geräusch eines Feuer­w­erk­skör­pers von Pis­tolen- oder Gewehrschüssen unter­schei­den kön­nte. — stop

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kuala lumpur

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MELDUNG. Zu Kuala Lumpur im Opern­haus, nahe Jalan Tun Razak, wer­den am Son­ntagabend, 14. Juli 2013, zwei Wal­lace-Flugfrösche, let­zte der Gat­tung Rha­copho­rus nigropalma­tus tilius, öffentlich zur Spren­gung gebracht. Zün­dung des männlichen Tieres um 22 Uhr Ort­szeit, Zün­dung des weib­lichen Tieres um 22 Uhr 30. Die Vorstel­lung ist ausverkauft. – stop

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nachtstimme

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india : 2.58 — Das Stim­mgeräusch in meinem Kopf. Ob sich der Klang mein­er denk­enden Stimme mit der ver­stre­ichen­den Leben­szeit verän­derte? Habe ich als Kind mit­tels der Stimme eines Kindes gedacht? — Ich werde für diese Fra­gen vielle­icht nie eine Antwort find­en. Es ist zu spät. Aber ich kön­nte einem Kind erk­lären, was ich her­auszufind­en wün­sche. Das Kind würde mich vielle­icht mit einem vor­sichti­gen Lächeln betra­cht­en, würde seine Augen schließen und ein paar Sätze sprechen im Kopf. Ist es einem men­schlichen Wesen über­haupt möglich, die eigene denk­ende Stimme, die Stimme des Gehirnes, aufzube­wahren, sich an sie zu erin­nern, sie zu ver­gle­ichen? — Eine warme Nacht. Fal­ter kom­men zum Ster­ben here­in. Und Marienkäfer, wieder ein gutes Dutzend. Diese Käfer sind merk­würdi­ge Wesen. Ich kenne sie, solange ich denken kann. Sie wan­dern an der Zim­merdecke. Das Licht mein­er Lam­pi­ons scheint ihnen zu gefall­en, als ob sie von diesem Licht zehren kön­nten. Sobald es dunkel gewor­den ist, wenn sie schlafen oder däm­mern, fall­en sie zu Boden, als ob es im Dunkel nicht möglich wäre, rechtzeit­ig die Flügel zu öff­nen. — Gigi Ibrahim, Aktivistin, twit­tert aus Kairo: Every­time some­one say „30 June rev­o­lu­tion“ or „army and peo­ple one hand“ I die a lit­tle inside. — stop

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ai : USA

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MENSCH IN GEFAHR : “War­ren Hill soll am 15. Juli im US-Bun­desstaat Geor­gia hin­gerichtet wer­den. Die sieben Exper­tIn­nen, die ihn unter­sucht haben, sagen inzwis­chen alle, dass er “geistig behin­dert” ist. In diesem Fall würde eine Hin­rich­tung gegen die US-amerikanis­che Ver­fas­sung ver­stoßen. Seine Rechts­beistände haben sich an den Ober­sten Gericht­shof der USA gewandt, damit er ein­greift. / Im Jahr 2002 befand ein Richter des Bun­desstaates Geor­gia, dass War­ren Hill tat­säch­lich “deut­lich unter­durch­schnit­tliche intellek­tuelle Fähig¬keiten” aufweise, aber dass nicht zweifels­frei “Defizite im adap­tiv­en Ver­hal­ten” nachzuweisen seien. War­ren Hill war 1991 wegen des 1990 began­genen Mordes an seinem Mithäftling Joseph Hand­spike zum Tode verurteilt wor­den. Im Jahr 1988 hat das Par­la­ment des Bun­desstaates Geor­gia ein Gesetz ver­ab­schiedet, das die Ver­hän­gung der Todesstrafe gegen jede Per­son unter­sagt, bei der “ohne berechtigten Zweifel” eine “geisti­gen Behin­derung” fest­gestellt wurde. Das Gesetz definiert diese Behin­derung als “deut­lich unter­durch­schnit­tliche intellek­tuelle Fähigkeit­en”, die zu “Defiziten im adap­tiv­en Ver­hal­ten” führen, die sich “in der Entwick­lungsphase man­i­festierten”. / Der Ober­ste Gericht­shof der USA (US Supreme Court) befand in der Grund­satzentschei­dung “Atkins gegen Vir­ginia”, dass die Hin­rich­tung von geistig behin­derten Men­schen gegen die US-Ver­fas­sung ver­stoße. Die Rechts¬beistände von War­ren Hill bat­en auf Grund­lage dieser Entschei­dung um erneute Prü­fung ihrer vorheri­gen Rechtsmit¬tel. Dies­mal entsch­ied das zuständi­ge Gericht, dass “das Über­wiegen der Beweise” aus­re­iche um festzustellen, dass War­ren Hill an ein­er geisti­gen Behin­derung lei­det. Das stren­gere Kri­teri­um “ohne berechtigte Zweifel” müsse nicht erfüllt sein. Auf der Grund­lage dieser Beurteilung kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Beein­träch­ti­gung von War­ren Hill ein­er geisti­gen Behin­derung gle­ichkäme. Die Behör­den von Geor­gia legten dage­gen jedoch Rechtsmit­tel beim Ober­sten Gericht des Bun­desstaates ein, das 2003 mit vier zu drei Stim­men entsch­ied, in diesem Kon­text sei das Kri­teri­um “ohne berechtigten Zweifel” anzule­gen. Der Fall wurde dann an die Bun­des­gerichte ver­wiesen, und 2011 entsch­ied ein Bun­des­beru­fungs­gericht (Court of Appeals for the 11th Cir­cuit) mit sieben zu vier Stim­men, dass selb­st wenn der Bun­desstaat in sein­er Geset­zge­bung nicht für einen angemesse­nen Aus­gle­ich gesorgt hat, das US-Bun­des­gericht auf­grund von US-Recht nicht befugt sei einzu¬schreiten, auch wenn es die Entschei­dung des bun­desstaatlichen Gerichts “für nicht kor­rekt oder unüber­legt” erachte. / Im Feb­ru­ar 2013 stoppte das Bun­des­beru­fungs­gericht des 11. Bezirks die Hin­rich­tung von War­ren Hill. Zu diesem Zeit­punkt waren alle an dem Fall beteiligten Exper­tIn­nen zu dem Schluss gekom­men, dass War­ren Hill an ein­er “geisti­gen Behin­derung” lei­det. Am 22. April jedoch wies das dreiköp­fige Richter­gremi­um das neue Rechtsmit­tel von War­ren Hill mit der Begrün­dung zurück, das Gericht sei den stren­gen Beschränkun­gen unter­wor­fen, die das “Gesetz zur Bekämp­fung des Ter­ror­is­mus und zur effek­tiv­en Durch­set­zung der Todesstrafe” (Anti-Ter­ror­ism and Effec­tive Death Penal­ty Act — AEDPA) aus dem Jahr 1996 bei aufeinan­der­fol­gen­den Rechtsmit­teln anwende. Eine Rich­terin des Gremi­ums wider­sprach dieser Auf­fas­sung jedoch und erk­lärte, “ein vom Kongress ver­ab­schiedetes Gesetz kann nicht angewen­det wer­den, um das in der Ver­fas­sung fest­geschriebene Recht von War­ren Hill, nicht hin­gerichtet zu wer­den, außer Kraft zu set­zen”. Die Rich­terin schrieb: “… der Bun­desstaat Geor­gia wird einen geistig behin­derten Mann hin­richt­en. Denn alle sieben Exper­tIn­nen, die War­ren Hill jemals unter­sucht haben, sowohl die vom Bun­desstaat bestell­ten als auch die von War­ren Hill beauf­tra­gen Exper­tIn­nen, sind inzwis­chen zu der übere­in­stim­menden Auf­fas­sung gelangt, dass er geistig behin­dert ist.” / Die Rechts­beistände von War­ren Hill bit­ten den Ober­sten Gericht­shof der USA, die Hin­rich­tung zu stop­pen. Der Gericht­shof hat­te die Ver­fas­sungsmäßigkeit des Geset­zes AEDPA 1996 bestätigt und erk­lärt, das Gesetz habe nicht die Befug­nis des Gericht­shofs aufge­hoben, sich direkt mit Orig­i­nalanträ­gen (orig­i­nal habeas peti­tions) zu befassen, d.h. unter außergewöhn­lichen Umstän­den kann sich der Gericht­shof mit einem ihm direkt vor­ge­tra­ge­nen Fall befassen, ohne dass der Fall nach einem Beru­fungsver­fahren vor einem anderen Gericht an den Gericht­shof weit­er­ver­wiesen wurde. Mehrere Jurapro­fess­sorIn­nen in den USA haben sich in einem Schreiben an den Gericht­shof gewandt und sich dafür aus­ge­sprochen, dass der Gericht­shof sich zu diesem ungewöhn­lichen Schritt entschließen sollte.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schriftliche Aktio­nen, möglichst unverzüglich und nicht über den 15. Juli 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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kekkola

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ulysses : 22.00 — Schnell erzählen, was ich ent­deck­te, als ich Kekko­la besuchte, dem ich seit eini­gen Jahren ver­bun­den bin, weil er gern sehr selt­same Dinge tut. Eigentlich ist er nicht son­der­lich ver­rückt, vielmehr sind die Men­schen ver­rückt, von deren Leben Kekko­la erzählt. Ich habe keine Ahnung, ob sie tat­säch­lich jemals existierten, jeden­falls nimmt es Kekko­la sehr genau damit, sie zu ver­ste­hen, sich in sie einzufühlen. Ein­mal soll er drei Tage lang mit einem Luft­gewehr reg­los auf seinem Balkon gekauert haben. Er zielte gegen einen weit­eren Balkon, oder auf ein Fen­ster, das sich hin­ter diesem Balkon befand. Er wartete. Es war im Win­ter gewe­sen und es war kalt im 38. Stock, ein Schneesturm passierte, ohne Kekko­la vom Balkon vertreiben zu kön­nen. Als ich gestern mit ihm tele­fonierte, hörte ich im Hin­ter­grund Wasserg­eräusche. Ich fragte, ob er zu Hause sei und ob ich vor­beikom­men solle. Ich hat­te den Ein­druck, dass er vielle­icht Fieber haben kön­nte, weil er nicht sehr deut­lich for­mulierte, schläfrig und irgend­wie irr. Also eilte ich zu ihm. Er bemerk­te noch, dass er mir nicht öff­nen würde, weil er sich in einem Ver­such befände, der Schlüs­sel zur Woh­nung sei in der Lob­by abzu­holen. Kekko­la saß im Bad auf einem Stuhl vor sein­er Wanne. Um ihn herum auf dem Boden lagen Wasser­flaschen, auch Whiskey, Brot­stan­gen, Büch­er und eine Decke, die ihm von den Schenkeln gerutscht sein musste. Seine Füße standen in der Bade­wanne in Salzwass­er, das von ein­er grün­brauen Farbe war. Es roch moorig in der Zelle gle­ich neben der Küche. Glück­licher­weise war Kekko­la noch am Leben. Er hat­te tat­säch­lich hohes Fieber. Ich bat einen Nach­barn um Hil­fe. Wir hoben seine Beine vor­sichtig aus dem Wass­er, sie waren schw­er entzün­det, an seinen Zehen begann sich die Haut vom Kör­p­er zu lösen, eine Blaukrabbe hat­te sich in seine linke Wade ver­bis­sen. Kekko­las Füße stanken fürchter­lich, er fluchte wie wir ihn ins Schlafz­im­mer schleppten. Vier Tage hat­te er in beschrieben­er Hal­tung aus­ge­har­rt, fünf Tage wollte er schaf­fen. Als ich die Bade­wanne, der Aus­fluss war ver­stopft, von Hand auszuschöpfen begann, ent­decke ich einen jun­gen Horn­hecht, drei Atlantikaale, Sand­würmer, Glass­cher­ben, Schlick­gar­ne­len, Muschelschalen und fünf weit­ere Blaukrabben, die sich heftig wehrten. — stop
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3 uhr

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echo : 3.57 — Während der Nacht lange sitzen. Nichts tun. Nur atmen. Gegen drei Uhr Abstieg zur Straße. Die Treppe knar­rt bei jedem Schritt vor Türen, hin­ter welchen Men­schen schlafen. Auf der Straße ein leichter Wind. Es ist kühl gewor­den. In den Bäu­men Geräusche, leise, leise, als wür­den die Vögel murmeln im Schlaf. Es ist aber deshalb, weil es nie wirk­lich dunkel wird in der Stadt. Stun­den­lang kann man sich über das Nahen des Mor­gens stre­it­en. Wie ich zurück­komme, Licht weit oben, vier Fen­ster, beleuchtet, alle weit­eren Fen­ster sind dunkel. Der Blick auf ein Haus, in dem ein Nacht­men­sch wohnt. Plöt­zlich bin ich wieder bei mir, trete in Zim­mer, die vor Kurzem noch ohne mich gewe­sen sind. Mein Heft auf dem Tisch. Ich notiere: Es ist sin­nvoll, Süss­wasserkiemen­men­schen von Salzwasserkiemen­men­schen zu unter­schei­den. Ich muss den Satz nicht begrün­den. Noch Dunkel. — stop
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tcp

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tan­go : 16.01 — Während ich schlief, heute, wur­den von einem Pro­gramm, welch­es das Herz meines Com­put­ers wie eine schützende Haut umgibt, 672 Ver­suche zurück­gewiesen, Verbindung aufzunehmen: No 53177 Rich­tung: einge­hend Aktion: verg­weigert Typ: verdächtige Aktiv­ität Potokoll: TCP — stop

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tan­go : 3.02 — Die Zeit, da ich die Sekunde der Nachricht von einem Unglück, von einem Ver­brechen, ein­er Ungerechtigkeit, für ein Momen­tum gehal­ten habe, das Men­schen, auch mich, sofort in eine innere oder tat­säch­liche Bewe­gung set­zt. — stop

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ludmilla

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echo : 6.12 — Ich habe eine Email bekom­men. Lesen Sie selb­st: Verehrter Louis, wie geht es Ihnen? Ich hoffe, Sie sind wohlbe­hal­ten zurück­gekehrt von Ihrer Reise. Lei­der kon­nten wir uns nicht tre­f­fen so wie noch im Jan­u­ar geplant. Es ist schwieriger gewor­den, das Haus zu ver­lassen. Ich füh­le mich nicht länger sich­er auf der Straße. Aber auch unter meinem eige­nen Dach habe ich immer wieder das Gefühl, beobachtet zu wer­den. Ich nehme an, es existieren längst Ideen über mich, vielle­icht wird man sagen: Er kön­nte nun doch ver­rückt gewor­den sein. Aber natür­lich weiß ich, was ich tue und wovor ich mich fürchte. Im April war ich noch lange Stun­den am Strand unter­wegs gewe­sen, besuchte meine Fre­undin Lud­mil­la, die abends vor dem Board­walk mit ihren Freuden im kalten Seewind sitzt. Ihr gehört jet­zt ein Roll­stuhl, den sie von eigen­er Hand bewe­gen kann, weil sie zäh und leicht ist, Sie wür­den staunen. Irgend­wann muss ich das Haus wieder ver­lassen, das ist mir Herzenswun­sch, ich kann Lud­mil­la doch nicht ver­lieren, ohne sie noch ein­mal gese­hen zu haben. Im Dezem­ber wird sie 92 Jahre alt, da kann man an das Ende schon ein­mal denken, nicht wahr! Nun, ich will nicht kla­gen, bin sehr vor­sichtig gewor­den. Wenn ich zum Einkaufen gehe ein­mal in der Woche, dann niemals allein, son­dern immer in der Begleitung eines alten Fre­un­des. Sie wer­den ver­ste­hen, dass ich seinen Namen nicht erwähne. Er ist zuver­läs­sig, hil­ft mir beim Tra­gen der Flaschen. Was ich son­st noch benötige, lass ich mir kom­men. Ich erin­nere mich, jet­zt da ich hier sitze und schreibe, dass ich als Kind ein­mal über­legte, eine Sprache zu erfind­en, die nur ich ver­ste­hen kann. Ich hat­te mir vorgenom­men, alle Wörter, die ich kan­nte, in meine neue Sprache zu über­set­zen. Ich wollte ler­nen, mit­tels dieser Wörter zu denken. Seit weni­gen Tagen nun arbeite ich daran, mir genau diesen ural­ten Wun­sch zu erfüllen. Ist das nicht wun­der­bar! Vielle­icht werde ich mich bald wieder sich­er fühlen. Seemöwen sitzen auf dem Balkon, ihre Augen wirken beizeit­en so, als wären sie Objek­tive, die man füt­tern kann. Genug! Es ist Son­ntag. Mor­gen werde ich Ihnen einen Brief von Papi­er über­mit­teln, in welchem ich eine Liste von Wörtern ver­merk­te, die Sie in Zukun­ft bitte nicht weit­er ver­wen­den, wenn Sie mir eine Email schreiben. Sie wis­sen, wo der Brief zu find­en ist. Bis bald, mein lieber Louis. Ihr Michael — stop

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mauritius

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MELDUNG. Tief­seeele­fan­ten, 588 hupende Rüs­sel­rosen, nahe Mau­ri­tius gesichtet. Man wan­dert in südlich­er Rich­tung. — stop

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ein seltsames buch

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echo : 1.18 — Seit zwei Stun­den beobachte ich ein Buch, das kein gewöhn­lich­es Buch ist, son­dern ein selt­sames Buch. Dass es sich um ein selt­sames Buch han­delt, ist dem Buch zunächst nicht anzuse­hen, weil es sein­er äußeren Gestalt nach, ein üblich­es Buch zu sein scheint. Dieses hier auf meinem Tisch ist von ein­er blauen Farbe. Sobald man das blaue Buch in die Hände nimmt, wird man aber spüren, dass das Buch atmet, weil an sein­er Rück­seite durch feine Lamellen warme Luft auszutreten scheint. Das ist deshalb so, weil sich in dem Buch eine Rech­enein­heit befind­et, ein sehr klein­er Com­put­er, der sich mit dem Text oder mit der Geschichte, die sich in dem Buch befind­et, beschäftigt. Es han­delt sich bei dem Buchkör­p­er bei genauer Betra­ch­tung näm­lich um eine Ver­samm­lung hauchdün­ner Bild­schirme, auf welchen sich Zeichen befind­en, Bild­schirme, die man umblät­tern kann. Was zunächst zu sehen ist, gle­ich auf welch­er Seite das Buch aufgeschla­gen wird, sind eben erwäh­nte Buch­staben oder Zif­fern, die sich rasend schnell bewe­gen, sodass man nicht lesen, vielmehr nur ahnen wird, was sich dort befind­en kön­nte. Es ist dies der Moment, da der Com­put­er des Buch­es jenen Text, den man mit eige­nen Augen gerne sofort lesen würde, zu entschlüs­seln begin­nt. Ein möglicher­weise aufwendi­ges, zeitrauben­des Ver­fahren. Als ich das Buch kaufte, kon­nte mir der Händler der ver­schlüs­sel­ten Büch­er nicht sagen, wie lange Zeit ich warten müsse, bis der Text des Buch­es für mich sicht­bar wer­den würde. Es bere­it­ete ihm Freude, ich bin mir sich­er, auszus­prechen, was ich längst dachte, dass die Entschlüs­selung des Textes eine Stunde, einen Tag oder zwei­hun­dert Jahre dauern kön­nte, das sei immer­hin das Prinzip, weshalb man ein Buch dieser Art erwer­ben wollte, dass man ein Buch besitzt, von dem man nicht sagen könne, ob es jemals les­bar wer­den wird. — Kurz nach Mit­ter­nacht. — stop

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kil­i­mand­scharo : 22.15 — Zur neuer­lichen Ken­nt­nis­nahme: An diesem Sam­stag, 20. Juli 2013, wur­den mit­tels mein­er Schreib­mas­chine fol­gende Begriffe in fra­gen­der Absicht an eine Such­mas­chine gesendet > 96.07 Coper­ni­cus . Strom­chiffree . Blaukrabbe . Anwar as-Sadat . Pelikan­fisch . Enig­ma . Naw­al El Saadawi . Mansura Essedin . Jim Jar­musch Only Lovers Left Alive. Men­schen­stre­ich­ler. Tide . Eisvo­gel . Marceo Park­er . Lun­gen­men­sch — stop

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seepocken

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oli­mam­bo : 2.18 — Son­ntag. Große Hitze. — Zum ersten Mal habe ich eine Serie Fotografien betra­chtet, die ich mit ein­er Kam­era aufgenom­men hat­te, während ich die Fifth Avenue in Man­hat­tan süd­wärts spazierte. Ich hat­te nur eine vage Idee, was auf diesen Fotografien ein­mal zu sehen sein kön­nte, weil ich den Fotoap­pa­rat mit der recht­en Hand fes­thielt, die an mein­er Seite baumelte. Ich stellte mir vor, meine Hand würde sich in eine Kam­era ver­wan­delt haben, die in einem regelmäßi­gen Abstand von etwa 5 Sekun­den je eine Auf­nahme machte. Wie erwartet, waren Taschen und Beine, Schuhe, Hosen, Röcke, Papierkörbe, Ampeln, der Asphalt, Rand­steine, Him­mel, Wolken und Tauben zu sehen, Däch­er sehr hoher Häuser gle­ich­wohl, Kli­maan­la­gen, die wie Seep­ock­en an den Fas­saden der Häuser sitzen, Feuer­leit­ern, Dampf­wolken, Gesichter von Men­schen, die mir ent­ge­gengekom­men waren, sie sahen mich an, nicht die Kam­era, son­dern mich selb­st vielle­icht, oder sie sahen vor sich hin, lacht­en, träumten. Manche der Men­schen aßen, einige tru­gen dun­kle Brillen, weil die Sonne sehr tief in die Strasse leuchtete, andere hat­ten Hüte auf dem Kopf, es waren ein paar sehr müde Gesichter darunter, kaum jemand rauchte. Ich habe in dieser Art und Weise des Gehens 1524 Auf­nah­men gemacht. Kein­er der fotografierten Men­schen schien indessen bemerkt zu haben, dass ich ihn abge­bildet hat­te. Aber es ist denkbar, dass der ein oder andere der fotografierten Men­schen mein Tun bemerk­te, nach­dem ich längst vorüberge­gan­gen war, ein Gedanke, ein Gefühl, ein Ver­dacht, langsam, sehr viel langsamer als das Licht, das ich ger­ade noch einge­fan­gen hat­te. — stop

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ein mantel

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papa : 2.45 — Kurz nach Mit­ter­nacht war ich zum Kühlschrank gelaufen, um für einige Minuten meine rechte Hand ins Eis­fach zu leg­en. Als ich wieder zurück­kehrte in mein Arbeit­sz­im­mer kon­nte ich sie angenehm deut­lich zu spüren, kühl, und auch die warme, feuchte Luft auf der Haut meines Kör­pers, ein schw­er­er Man­tel, den ich in dieser Nacht ein- und ausatme, jed­er Zug eine flüchtige Bewe­gung im Hals. Da war noch etwas Selt­sames. An meinem Unter­arm ent­deck­te ich ein Gebi­et, das ich sehen, jedoch nicht erfühlen kon­nte, als wäre meine Eis­fach­hand nicht länger mit mir ver­bun­den. – stop

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lufteis

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ulysses : 0.22 — Ob es geheim­di­en­stlichen Analy­se­maschi­nen möglich ist, zwis­chen fik­tiv­en Tex­ten und  nicht­fik­tiv­en Tex­ten zu unter­schei­den? — Weit­er­hin Wärme in den Zim­mern. Kaum Fliegen, vielle­icht weil es draußen schön kühl ist. Gewit­ter­duft, würzig nach Moos und Fröschen. Ich erin­nere mich in diesem Moment vor eini­gen Jahren einen beson­deren Kühlschrank in Emp­fang genom­men zu haben, einen Behäl­ter von enormer Größe. Ich wieder­hole, dass dieser Kühlschrank, in welchem ich plane im Som­mer wie auch im Win­ter kost­bare Eis­büch­er zu studieren, eigentlich ein Zim­mer für sich darstellt, ein gekühltes Zim­mer, das wiederum in einem hölz­er­nen Zim­mer sitzt, das sich selb­st in einem größeren Stadthaus befind­et. Nicht dass ich in der Lage wäre, in meinem Kühlschrankz­im­mer auf und ab zu gehen, aber es ist groß genug, um einen Stuhl in ihm unterzubrin­gen und eine Lampe und ein kleines Regal, in dem ich je zwei oder drei mein­er Eis­büch­er ausstellen werde. Dort, in näch­ster Nähe zu Stuhl und Regal, habe ich einen weit­eren kleineren, äußerst kalten, einen sehr gut isolierten Kühlschrank aufgestellt, einen Kühlschrank im Kühlschrank sozusagen, der von einem Not­stro­mag­gre­gat mit Energie ver­sorgt wer­den kön­nte, damit ich in den Momenten eines Stro­maus­fall­es aus­re­ichend Zeit haben würde, jedes einzelne mein­er Eis­büch­er in Sicher­heit zu brin­gen. Es ist näm­lich eine unerträgliche Vorstel­lung, jene Vorstel­lung warmer Luft, wie sie meine Büch­er berührt, wie sie nach und nach vor meinen Augen zu schmelzen begin­nen, all die zarten Seit­en von Eis, ihre Zeichen, ihre Geschicht­en. Seit ich denken kann, wollt ich Eis­büch­er besitzen, Eis­büch­er lesen, schim­mernde, küh­le, uralte Büch­er, die knis­tern, sobald sie aus ihrem Schneeschu­ber gleit­en. Wie man sie für Sekun­den liebevoll betra­chtet, ihre polare Dichte bewun­dert, wie man sie dreht und wen­det, wie man einen scheuen Blick auf die Tex­turen ihrer Gasze­ichen wirft. Bald sitzt man in ein­er U-Bahn, den leise sum­menden Eis­buchreisekof­fer auf dem Schoß, man sieht sich um, man bemerkt die begeis­terten Blicke der Fahrgäste, wie sie flüstern: Seht, dort ist ein­er, der ein Eis­buch besitzt! Schaut, dieser glück­liche Men­sch, gle­ich wird er lesen in seinem Buch. Was dort wohl hineingeschrieben sein mag? Man sollte sich fürcht­en, man wird seinen Eis­buchreisekof­fer vielle­icht etwas fes­ter umar­men und man wird mit einem wilden, mit einem entschlosse­nen Blick, ein gieriges Auge nach dem anderen gegen den Boden zwin­gen, solange man noch nicht angekom­men ist in den frosti­gen Zim­mern und Hallen der Eis­magazine, wo man sich auf Eis­stühlen vor Eis­tis­che set­zen kann. Hier endlich ist Zeit, unterm Pelz wird nicht gefroren, hier sitzt man mit weit­eren Eis­buchbe­sitzern ver­traut. Man erzählt sich die neuesten ark­tis­chen Tief­seeis­geschicht­en, auch jene ver­lore­nen Geschicht­en, die aus pur­er Unacht­samkeit im Laufe eines Tages, ein­er Woche zu Wass­er gewor­den sind: Haben sie schon gehört? Nein! Haben sie nicht? Und doch ist keine Zeit für alle diese Dinge. Es ist immer die erste Seite, die zu öff­nen man fürchtet, sie kön­nte zer­brechen. Aber dann kommt man schnell voran. Man liest von uner­hörten Gestal­ten, und kön­nte doch niemals sagen, von wem nur diese feine Lufteiss­chrift erfun­den wor­den ist. — stop

polaroidcassini

tabak

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nord­pol : 5.52 — Saß am Strand, schleud­erte Steine ins Wass­er. Für jeden der geschleud­erten Steine klet­terte ein Men­sch aus dem Wass­er, es waren unge­fähr zwanzig Steine, die ich warf, also zwanzig Men­schen. Diese Men­schen waren von sehr leichter Gestalt, Men­schen, deren Haut aus Perga­ment zu beste­hen schien, sie raschel­ten in dem sie sich bewegten. In der Nähe eines Waldes, der den Strand zum Lan­desin­neren begren­zte, kni­eten sie nieder und began­nen sich gegen­seit­ig aus der Haut zu helfen. Sie gin­gen sehr behut­sam vor und sie summten und wur­den immer leis­er, denn unter ihrer trock­e­nen Haut, ein­er ersten Schicht, lag eine weit­ere, auch diese Schicht legten sie ab, und immer so fort, bis sie kaum noch zu sehen waren. Zulet­zt kon­nte ich nur noch eine einzelne tabak­far­bene Gestalt erken­nen, die die Häute der ver­schwun­de­nen Men­schen sorgfältig aufeinan­der schichtete und mit Steinen beschw­erte. Dann set­zte sie sich neben mich. Sie schien zu warten. Ich wachte auf. — stop
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kairo nachts

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india : 17.02 - Gigi Ibrahim , ägyp­tis­che Aktivistin, twit­tert von Mit­ter­nacht bis 10 Uhr mor­gens fol­gende Sequen­zen in englis­ch­er Sprache, 42 Tweets in ara­bis­ch­er Sprache sind an dieser Stelle nicht wiedergegeben: 

Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 17h 

My friend’s uncle was shot and killed in ‪#Alexan­dria along 5 oth­ers +100s injured while mil­lions of peo­ple cheer­ing Sisi to end blood­shed
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 17h 

Fol­low ‪@Fo2ElSoto7 report­ing on his uncle’s death and the injured from inside the hopi­tal in ‪#alexan­dria ..may he RIP :(

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 17h 

Fol­low ‪@Moud_Aly for updates in ‪#Alexan­dria
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 17h 

Com­rade Med­hat El Shin­nawy got detained by police in ‪#Damit­ta for rais­ing anti-SCAF ban­ner along with Susan Ghoniem and oth­ers

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 17h 

The sit­u­a­tion in ‪#alexan­dria is intense, 150 arrest­ed includ­ing women and injured (trans­la­tion of ‪#PT ) armed thugs around the mosque
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 16h 

‪@Beltrew by 6 oct brigde on nasr st …it’s far from cen­ter that why u cant see it
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 16h 

‪@alaa ‪@Fo2ElSoto7 while army and police there but not inter­ven­ing

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 14h 

Reprots on clash­es by ‪#Rabaa pro Morsy sit-in result­ing in 3 dead and many injured (so far), seems like Sisi’s man­date is in effect.

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 14h 

I live in ‪#Nas­rCi­ty close to ‪#Rabaa and I can hear the sound of the ambu­lances there
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 13h 

‪@MowSamy the ques­tion is how did these weapons get there in the first place?
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 13h 

‪@QALAWA ‪@MowSamy exact­ly then who is respon­si­ble and should be pros­e­cut­ed? The lead­ers of ikhwan not killing pro­test­ers
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 13h 

‪@MowSamy to arrest the lead­ers of ikhwan even go into the sitin to cap­ture them, why r these ppl still free?
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 12h 

I am hear­ing gun shots from home ..near rabaa ‪#Nas­rCi­ty

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

I lit­er­al­ly am hear­ing machine guns being fired ‪#Nas­rCi­ty near ‪#Rabaa

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

Still hear­ing gun fire being shot while sit­ting home near / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

It’s a bit iron­ic that the tear gas being fired at Pro-Morsy pro­test­ers was prob­a­bly shipped/delivered under Morsy to be used against us

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

It is also iron­ic to read tweets com­ing from ‪#Rabaa abt how hor­ri­ble the tear gas is,simply cuz it has been a while since MB have smelled it

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

Let me be clear,I did­nt join protests call­ing for Sisi’s man­date &i’m against Morsy & ‪#Rabaa sitin but I only believe in one slo­gan ‪#ACAB

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

Repet­i­tive gun shots ‪#Nas­rCi­ty ..near ‪#Rabaa

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11h 

‪@0301kalam check my time­line u idiot ‪#block! / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 10h 

I love hear­ing chruch bells in the morn­ing ..for a change ‪#Nas­rCi­ty

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 10h 

Still hear­ing gun shots being fired repet­i­tive­ly ‪#Nas­rCi­ty …near ‪#Rabaa
 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 9h 

‪#Rabaa field hos­pi­tal via ‪@soltanlife / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 9h 

GRAPHIC peo­ple killed at ‪#Rabaa via ‪@3askarKateloon / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 9h 

GRAPHIC I’m against Morsy, against Sisi/SCAF man­date and against police killing pro­test­ers (pic) / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 9h 

The sound of gun fire on and off since 3am until now ..near ‪#Rabaa ‪#Nas­rCi­ty

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 9h 

GRAPHIC makeshift hos­pi­tal 4hrs ago via ‪@moh_sawaf / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 9h 

:( RT ‪@kfahim: Nine­teen bod­ies in the ‪#Rabaa field hos­pi­tal just now. / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 8h 

I haven’t slept all night and I cant sleep ..this is real­ly too much hap­pen­ing to take in at once ‪#men­tal­break­down

 Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 8h 

I am hear­ing some­one yelling “ya allah” on the street by my house near ‪#Rabaa ‪#Nas­rCi­ty

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 8h 

I have a prob­lem w/ peo­ple who are ok & actu­al­ly hap­py w/mascares even if I oppose those being killed & would like to see them pros­e­cut­ed

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 8h 

MB will not leave any eas­i­er now and any­one who was ever in clash­es b4 nev­er for­gets the moment ur friend was killed regard­less of the cause

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 8h 

I will nev­er for­give all the 60 years of past regimes, polit­i­cal cor­rup­tion & dic­ta­tor­ship is the root of all night­mares we are liv­ing today

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 7h 

‪@Agenda_kid ‪@SoniaElSakka ‪@TheKaouther ‪@hfakhry dont open ur mouth before actu­al­ly know­ing what u r talk­ing about ‪#idiot

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 7h 

:(( I still cant sleep ..I will try

 / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 8h 

Seems like in all Arab Spring states, ques­tion of polit­i­cal Islam is dom­i­nat­ing the streets and the polit­i­cal scene ‪#Tunisia ‪#Egypt ‪#Libya / Gigi Ibrahim ‏‪@Gsquare86‬ 11m 

I woke up hop­ing that the mas­sacre at Rabaa was just a night­mare to find out that I am day­dream­ing ..last night was a tragedy RIP

 — stop :::  gigi ibrahim on twit­ter
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lunar caustic

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sier­ra : 22.02 — Wie ich an diesem schö­nen war­men Son­ntagabend aus dem Fen­ster sehe, ent­deck­te ich eine Eidechse, die sich bis zu mir hin­auf unter das Dach vorgear­beit­et hat­te. Sie saß nur eine Arm­länge ent­fer­nt, gelbe Augen, blau­grün schillernde Haut und beobachtete mich natür­lich. Ich kon­nte nicht entschei­den, ob sie mich nun mit den Augen oder mit ihrer nervösen Zunge präzis­er zu erfassen ver­mochte. Ich schien ihr nicht verdächtig gewe­sen zu sein, das schlanke Tier flüchtete nicht. Im Gegen­teil, die Eidechse kam noch näher her­an, kauerte bald auf dem Fen­ster­brett, das warm von der Sonne war, und schaute wie ich gegen den Him­mel. Es war ein schön­er Him­mel voll bauschiger Wolken, die sich kaum bewegten. Nach ein­er Vier­tel­stunde zog ich mich vor­sichtig vom Fen­ster zurück, hoffte, die Eidechse würde in mein Zim­mer kom­men, würde einige Wochen Leben­szeit bei mir ver­brin­gen, über die Wände mein­er Woh­nung huschen, Fliegen und Fal­ter jagen, die meine Räume in großer Zahl bewohnen. Es ist jet­zt 22 Uhr. Bis­lang ist am Fen­ster noch nichts geschehen. Ich wüsste gerne, ob es zu diesem Zeit­punkt sin­nvoll wäre, das kleine Tier mit etwas Fleisch oder Musik anzu­lock­en, Straw­in­sky, zum Beispiel, oder Coltrane. Ja, dieser Abend ist ein sehr angenehmer Abend. Endlich ist es mir gelun­gen, für Mr. Oe Som eine Liste von Büch­ern zu erstellen, die unbe­d­ingt in die Sphäre wasser­fester Lek­türen tran­skri­biert wer­den soll­ten. Ich habe fol­gende Auswahl über­mit­telt: Alice Munro Col­lect­ed Sto­ries . Louis Beg­ley Nov­els . Max Frisch Mon­tauk . Don DeLil­lo The Body Artist . James Salter Col­lect­ed Sror­ies . Jef­frey Eugeni­dis Mid­d­ke­sex . Bruce Chatwin The Song­lines . Con­rad Aiken Strange Moon­light . Samuel Beck­ett Krapps Last Tape . Ita­lo Calvi­no Der Baron auf den Bäu­men . Elias Canet­ti Die Stim­men von Mar­rakesch . Jürg Fed­er­spiel Die Bal­lade von der Typhoid Mary . Albert Sanchez Pinol Im Rausch der Stille . John Stein­beck Trav­els with Charley . José Sara­m­a­go Kleine Erin­nerun­gen . H.G.Wells The Island of Dr. More­au . Paul Auster Red Note­book . Charles Sim­mons Salt Water . Jack Ker­ouac Book of Dreams . Mal­colm Lowry Lunar Caus­tic . Patri­cia High­smith Sto­ries . Natal­ie Sar­raute Kind­heit . Her­ta Müller Herzti­er . Lutz Seil­er Die Zeit­waage — stop

polaroidmother

ai : MEXICO

aihead2

MENSCHEN IN GEFAHR : “Der Men­schen­rechtler Herón Six­to López ist im mexikanis­chen Bun­desstaat Oax­a­ca ver­schleppt und getötet wor­den. Amnesty Inter­na­tion­al befürchtet, dass auch seine Fam­i­lie und Kol­legIn­nen in Gefahr sind. Am 20. Juli wurde die Leiche des Men­schen­rechtsvertei­di­gers Herón Six­to López nahe der Gemeinde San Sebastián Teco­maxt­lahua­ca im Bun­desstaat Oax­a­ca im Süden Mexikos gefun­den. Sie wies min­destens sechs Schuss­wun­den auf. Herón Six­to López war am 15. Juli als ver­misst gemeldet wor­den; an diesem Tag war er zulet­zt in seinem Büro des Ori­en­tierungs- und Beratungszen­trums für indi­gene Völk­er (Cen­tro de Ori­entación y Asesoría a Pueb­los Indí­ge­nas — COAPI) gese­hen wor­den. Sein Ver­schwinden wurde bei der Staat­san­waltschaft von Oax­a­ca in Juxt­lahua­ca offiziell angezeigt. / Herón Six­to López set­zte sich in lokalen Gemein­den für die Rechte indi­gen­er Grup­pen ein. So ver­trat er beispiel­sweise das indi­gene Volk der Mix­teken in Land­stre­it­igkeit­en. In den let­zten Monat­en seines Lebens hat­te er zahlre­iche anonyme Anrufe erhal­ten. Ein­er der Anrufer sagte ihm offen­bar, dass man ihn “ver­schwinden” lassen würde. Seit seinem Tod haben seine Fam­i­lien­ange­höri­gen Vor­fälle angezeigt, die den Schluss nahele­gen, dass sie sich eben­falls in Gefahr befind­en. Am 21. Juli wurde die Fam­i­lie nach der Beerdi­gung von Herón Six­to López von einem Auto ver­fol­gt. / Die Umstände, die zum Tod von Herón Six­to López führten, müssen noch in vollem Umfang gek­lärt wer­den. Dabei ist es allerd­ings wichtig, dass ein etwaiger Zusam­men­hang mit sein­er Men­schen­recht­sar­beit umfassend unter­sucht wird.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schriftliche Aktio­nen, möglichst unverzüglich und nicht über den 5. Sep­tem­ber 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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zanzibar

picping

MELDUNG. Zanz­ibar, 8 Mten­deni St. nahe Malawi Road, 2. Etage, stein­ernes Zim­mer : Kirsche No 2762 [ Mar­mor, Car­rara : 2.88 Gramm ] vol­len­det. — stop

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