babuschka

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echo : 4.12 – Vor einiger Zeit hatte ich einen Text geschrieben, den ich nur deshalb notierte, um ihn mittels eines Verschlüs­se­lungs­pro­gramms in einen Zustand der Unles­bar­keit zu versetzen. Genau­ge­nommen hatte ich den Text mit einer beson­deren Haut, mit einer Zeit­haut umgeben. Um ihn nämlich lesen zu können, müsste man den Text zunächst deko­dieren, das heisst, solange mittels einer Compu­ter­ma­schine seine Öffnung probieren, bis der rich­tige Schlüssel gefunden ist. Gestern, bei großer Hitze, stellte ich mir vor, was geschehen würde, wenn nun nach Tagen, Wochen oder Jahren des Rech­nens das suchende Programm melden würde: Ich bin fündig geworden! Wie ein mensch­li­cher Analyst sich in diesem Moment zufrieden seinem Bild­schirm nähert, um fest­zu­stellen, dass sich hinter den Zeichen eines verschlüs­selten Textes weitere verschlüs­selte Zeichen befinden. stop – Auf den ersten Blick ist folgendem kodierten Text nicht anzu­sehen, hinter wie vielen Zeit­häuten sein lesbarer Ursprung verborgen liegen könnte: ANFANG === B U C W 0 G c o a G j I B W W f k p h Z L v 0 h 4 Y J j 9 4 4 t m c e K C l x B M b L 4 q T d x Y I w B U v V 3 E b p b X y A z Y B e R 5 C a 9 n b s E B p U I 6 z q 3 Z C 6 a Q A R Q 1 a 8 P I N 1 j T L B b V 9 e O F 0 j 5 G s F f y 5 E M D 3 5 a r / C G 0 j V z 4 v n e u M z p T K W Y t 4 D m s J t e / F E C Y C a j 3 Z L Z / h l x G M W I 4 7 v 8 / B I g H c E / Q 2 F 9 G s W Z i z Q K 0 7 k t O W 7 8 k S k A t q u J Z 5 2 F A u n a J 6 C G B u A 7 R o C u P p D n C m 8 F 7 9 F E e m H / T T 3 K x z S 7 r 3 i 0 y 4 g M Z u m G m x i A q 4 l z d A x i o P m 0 O I b x M i T I x P w X j 5 A I i 1 z c e + T W i i x A + 6 A h k p q h o n a D e M / y s A l y W r i p 4 s Z m m / q X y n 2 o P H R q z g U i + T s H B c z + J v K 3 A a d v j Z F L 9 i R M s C f m W y U d 6S 4 4 O f z l 8 x P z H B W z 1 H 2 6 z Z o z F s C U U D Y v k +Y N F 0 f U t A y k a Y 7 E L j / u N X s s q 1 K 1 V z A C i z K Z Y 7 F N J C q y t x s Q c b W r C 3 k 4 i f V 1 l K u g f b N i P t y O 8 1 7 e l u y x d r o i d 5 d X 3 E D g O V s X i T e e 5 Q q i 0 U 6 E o 3 G 5 y r 2 9 a f a w X M a U U r Q V d b i U A V 8 F e y 4 m k e W b 9 e u b 1 i S W F g m K y 4 P 1 0 m 0 e 3 x 5 V q b N W c v i 3 6 j L h / u O I j K 8 L s t Y B s 9 F 4 l l c Q A h B J s Q h U 6 i b R U 5 B 4 f g 3 f j r 2 C I i k c M q R U C 4 4 F E u o Y i R w A r D x H W u 2 2 P w 9 d 8 f A 1 f A r 3 5 D l V 3 B G p / J m h b h 8 w F n 7 p v x g x z 9 i b / S h F t K M v 6 l 6 W L A 5 r 7 U F R S O k l C f 0 L H B a J h n V y w Q 0 e Y k 9 w 9 y / Z M 4 Y m F W O T m x 4 s s A W 5 w X 2 N z L g 3 + 9 + d x L 7 T 8 U + A Y C U L b T M J y l M + H Q y S F 7 S T D I / 8 O 6 4 K F 0 4 d 7 g v I === ENDE / code­wort : babuschka — stop

polaroidno7772

bumerang

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echo : 2.25 – Wenige Minuten nach Mitter­nacht landete ein Mari­en­käfer auf meiner linken Wange. Ich kann nicht entscheiden, ob das ein Zufall gewesen war oder nicht. Indem ich das rechte Auge schloss, aber mit dem linken Auge soweit wie möglich nach unten sah, konnte ich die halb­ku­gel­för­mige Wölbung seines Rückens erkennen. Und ich spürte eine leichte Bewe­gung, der Käfer schien mich zu betasten. Natür­lich über­legte ich sofort, ob es sich bei diesem Käfer nicht um ein fern­ge­steu­ertes Wesen handeln könnte, das mich besuchte, um Proben von meiner Körper­ober­fläche aufzu­nehmen. Nach einigen Minuten verän­derte der Käfer seine Posi­tion, er ging zu Fuß, klet­terte an mir herab, saß für einige Minuten an meinem Hals, dort konnte ich ihn weder sehen noch spüren, um kurze Zeit später auf meinem Hemd zu erscheinen, wo er sich sehr wohl­ge­fühlt haben mochte, weil er dort eine gute Stunde seiner Lebens­zeit verbrachte. Viel­leicht hatte der Käfer geschlafen, oder sich von Stra­pazen erholt, die mir unbe­kannt. In diesem Moment nun, da ich meinen Text notiere, sitzt der in Wörtern vermerkte Käfer am linken unteren Rand des Bild­schirmes meiner Schreib­ma­schine. Er presst sich fest an das Gehäuse. Weitere Käfer sitzen an den Wänden, es sind ein gutes Dutzend, auch Käfer mit gelbem Gehäuse sind darunter. Gestern habe ich beob­achtet, dass gelb­far­bene Käfer mit vier­und­zwanzig Punkten, wenn ich sie behutsam in eine meiner Hände setze und in die Dunkel­heit werfe, sofort wieder zurück­kommen. Man könnte sagen, dass es sich bei dieser Art um Bume­rang­käfer handeln könnte. – stop
ping

gramm

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nordpol : 6.38 — Das Wort Homs in mei­nem Gehirn, sobald ich das Wort Homs denke. Wie viel Gramm? — stop
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kilimandscharo

2

delta

~ : malcolm
to : louis
subject : KILIMANDSCHARO
date : aug 05 12 8.08 p.m.

Es war gegen Mit­ter­nacht ges­tern als Fran­kie das Haus in der 11. Straße über eine Feu­er­lei­ter ver­ließ. Unver­züg­lich kehrte er an den Hud­son River zurück, hockte einige Stun­den auf einer Mauer am Was­ser, von dem in die­sen Tagen ein stren­ger Geruch aus­geht. Es ist heiß und schwül. Wir haben tote Fische beob­ach­tet, deren Kör­per an den Quai schla­gen. Der Fluss schäumt in sei­nen Press­wir­beln, New Jer­sey scheint nah, als würde die Luft eine unsicht­bare Lupe for­mie­ren. Alles geht einen guten Weg. Vor zwei Wochen hat­ten wir Fran­kie zuletzt betäubt, um Brenn­stoff­zel­len sei­ner Sen­der zu erneu­ern. Weit in das kom­mende Jahr wer­den sie kraft­voll arbei­ten. Tat­säch­lich scheint sich unser Eich­hörn­chen von den Stra­pa­zen der Nar­kose schnell erholt zu haben. In den Minu­ten sei­nes Auf­bruchs hatte er es nicht eilig. Rose sagte, sie habe den Ein­druck, Fran­kie würde darauf ach­ten, dass wir ihm fol­gen. Im Mor­gen­grauen setzte er seine Wan­de­rung süd­wärts fort. Fröh­lich seine Bewe­gun­gen hin und her, und da die Bäume wie­der ernst­zu­neh­mende Höhen errei­chen, auf und ab. Es ist jetzt längst Abend gewor­den, wir ruhen Höhe Moore Street auf einer Bank. Fran­kie betrach­tet Schiffe, die den Fluss pas­sie­ren. Manch­mal rich­tet er sei­nen Blick auf uns, ich glaube, wir sind ihm tat­säch­lich ver­traut gewor­den, Freunde, die ihn jeder­zeit mit einem Knopf­druck töten könn­ten. Ein kaum hör­ba­res Geräusch. Ein Herz, das zer­bricht. Ich habe von die­sem Moment eines unglück­li­chen Endes geträumt, von mei­nem Fin­ger, der Fran­kies Leben löscht von einer Sekunde zur ande­ren, ohne Erklä­rung, ohne War­nung, weil wir den Befehl dazu erhal­ten haben. Es war ein Alp­traum, den wir alle schon träum­ten. Aber wir spre­chen nicht viel davon, nicht vom Ende, aber natür­lich davon, dass Fran­kie bald Bat­tery Park erreicht haben wird. Nie­mand weiß, wie es wei­ter­ge­hen wird. — Ihr Mal­colm / code­wort : kili­man­dscharo

empfangen am
05.08.2013
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polaroidmanhattan2

abschnitt neufundland

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Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gende gegen Küste gewor­fene Arte­fakte : Wrack­teile [ See­fahrt – 156, Luft­fahrt — 832, Auto­mo­bile — 5422 ], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 3, 19. Jahr­hun­dert – 32, 20. Jahr­hun­dert – 65 , 21. Jahr­hun­dert — 2317 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 125, gelöscht : 33 ], Licht­fang­ma­schi­nen [ Lubi­tel 166-Universal / Roll­fim : 8 ], Dia­ries [ Helen Capote 2007 : 1, Mitsu Limi 2006 — 2008: 1 ] Öle [ 3.7 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 28, Knie­ge­lenke – 11, Hüft­ku­geln – 325, Bril­len – 7564 ], Schuhe [ Grö­ßen 28 – 39 : 886, Grö­ßen 38 — 45 : 65 ], Kühl­schränke [ 3 ], Tief­see­tauch­an­züge [ ohne Tau­cher – 7, mit Tau­cher – 43 ], Engels­zun­gen [ 82 ] | stop |

ping

von eisbriefboten

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nordpol : 6.33 — Ein Eisbrief­bote wartete gestern, es war ein Dienstag, vor meiner Wohnungs­türe im 22. Stock. Der Mann trug blaue Turn­schuhe der Marke Nike, kurze, helle Hosen und ein weißes Hemd, das viel zu groß gewesen war für seinen schmäch­tigen Körper. Er schwitzte, weil er die Treppe nehmen musste, da in meinem Haus keinerlei Aufzug exis­tiert, weshalb das Haus nicht sehr beliebt ist bei Gästen und Boten. Meis­tens biete ich den hart arbei­tenden Männern über die Funk­sprech­an­lage an, ihnen entgegen zu kommen. Ich sage: Treffen wir uns im 11. Stock in 10 Minuten! Gestern aber war ich sehr müde gewesen. Ich trank einen Kaffee, tele­fo­nierte mit einer Behörde, und wartete dann still in aller Ruhe bis der Mann bei mir oben unter dem Dach ange­kommen war. Es sind diese ersten Blicke, die ich nie vergesse. Der erschöpfte Bote öffnete seine Kühl­ta­sche und über­reichte mir einen weiteren eisge­kühlten weichen Behälter, in welchem sich nun unmit­telbar ein Brief von Eis befand, den ich zunächst in meinen Gefrier­schrank zu weiteren Eisbriefen und Eisbü­chern legte. Kurz darauf setzte ich mich ins Trep­pen­haus und hörte dem jungen Mann bei seinem Abstieg zu. Er war sehr schnell unter­wegs gewesen, er schien zu fliegen, stürzte im fünften oder sechsten Stock, Minuten lang war kein Laut zu hören, dann das Wimmern einer Ambu­lanz. Da saß ich längst in meiner Küche und las, was mir ein Freund notierte, wie er schrieb, mit großer Freude auf dem vergäng­lichsten Mate­rial, das ihm zur Verfü­gung stehe: Lieber Louis, dieser Brief ist geheim. Er wird sich auflösen, sobald oder bevor Du ihn gelesen haben wirst. Du musst Dich also beeilen oder den Brief immer wieder einmal in den Kühl­schrank zurück­legen oder ihn foto­gra­fieren, ehe er geschmolzen sein wird. Sei behutsam, mein Lieber. Lies bitte nicht an Tagen, da es warm ist in Deiner Wohnung unter dem Dach, es könnte sein, dass Du in schwüler Luft nicht schnell genug lesen kannst. Ich vermute, ich habe die Wörter an dieser Stelle bereits vergeb­lich geschrieben. Dein K. – stop
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marías

2

echo

~ : oe som
to : louis
subject : MARÌAS
date : aug 10 13 10.58 p.m.

Seit Noe eine Brille trägt, liest er zügig und fehler­frei wie noch vor Monaten aus Büchern, die wir zu ihm in die Tiefe senden. Als ich ihn besuchte, war er müde von der Lektüre Javier Marías gerade eben einge­schlafen. Und so konnte ich für längere Zeit heim­lich sein Gesicht betrachten hinter der Scheibe von gepan­zertem Glas. Er ist blass geworden. Kein Wunder, kaum Sonnen­licht an der Grenze zur Fins­ternis. Während ich Noe betrach­tete, wanderte eine Putzer­schnecke über seine Stirn dahin. Sie stieg bald über Noes Nase abwärts, um kurz darauf in aller Seelen­ruhe seine linke Wange zu bewan­dern. Er scheint sich an die Exis­tenz der Tiere auf seinem Körper gewöhnt zu haben, nach wie vor sind es fünf Schne­cken. Er wird von ihren Berüh­rungen niemals wach, selbst dann nicht, wenn sie sich um seine Lippen bemühen. Ich über­legte, wie der Geruch der Luft in Noes Anzug nach langer Zeit der Abge­schie­den­heit beschaffen sein könnte. Ein Schwarm Haifüss­liere näherte sich, neugie­rige Wesen? Viel­leicht wurden sie von Helm­licht Noes ange­zogen, einem sich langsam durch das Zwie­licht drehenden Finger. Er scheint zu flackern. Ich hatte vergessen, wie jung Noe doch ist. Ohne ihn aus der Nähe sehen zu können, nur seine lesende Stimme hörend, war der Taucher in meiner Wahr­neh­mung geal­tert, ohne dass ich das bemerkte. Sein Gesicht ist schmal geworden. Ich vermochte seine Augen­bälle zu erkennen, die sich unter ihren Lidern hin und her bewegten. Plötz­lich sah er mich an. Er lächelte, und er sprach ein paar Wörter, die ich nicht verstehen konnte, obwohl ich nur wenige Zenti­meter entfernt gewesen war. Ich antwor­tete, ich sagte: Noe, hör zu, Dein Vater ist gestorben. Da lachte Noe, vermut­lich dachte er: Der Mann ist so nah und er spricht und doch kann ich nicht hören, was er sagt. Dann machte ich mich an die Arbeit. Ich befes­tigte Noes Brille an seinem Helm. – Dein OE SOM

gesendet am
10.08.2013
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polaroidsecuso

nilfahrt

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romeo : 0.08 – Ägypten ist derzeit in einer Weise pola­ri­siert, dass die Menschen nicht in der Lage sind, fürein­ander Mitleid zu empfinden. / unknown source
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am schalter

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marimba : 0.08 – Ich hatte folgenden Traum. Ich war gestorben. Ich saß mit zahl­rei­chen Menschen in einer Halle, die mich an den Warte­saal eines Bahn­hofes erin­nerte. Tatsäch­lich hörte ich Zugge­räu­sche, das Schnaufen alter Loko­mo­tiven. Alle Menschen in der Halle waren tot wie ich, zugleich aber sehr lebendig, ja fröh­lich. Sie lagerten auf hölzernen Bänken. Libellen in allen mögli­chen Farben hasteten durch den Raum. Warmes Licht strömte durch Jalou­sien zu uns herein. Laut­spre­cher­stimmen verlasen Namen, manche waren vertraut, andere klangen fremd. Ich erin­nere mich an Kinder, sie tollten herum, manche spielten mit Puppen oder Bällen. Sobald ein Name aufge­rufen wurde, erhob sich irgendwo eine Person und ging zu einem der Schalter. Bald wurde auch mein Name verlesen. Eine Frau stand am Schalter vor mir. Die Frau scherzte mit einem Mann, der hinter einer Glas­scheibe saß. Sie sagte, sie sei erschossen worden. In den Kopf, fragte der Mann. Die Frau nickte und der Mann antwor­tete sofort: Das müssen wir melden. Plötz­lich rich­tete er seinen Blick auf mich und fragte: Sie auch? Sie auch in den Kopf? – stop
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cairo

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nordpol : 23.56 – Kairo. Mitt­woch. Schlaflos im abge­dun­kelten Zimmer. Südli­ches Mittag­stun­den­licht. Drei Moni­tore auf dem Sofa, ein Fern­seh­bild­schirm, ein Telefon. Beob­achte den Tag über aus großer Entfer­nung Spuren eines mensch­li­chen Infernos. Kommen­ta­toren in engli­scher und arabi­scher Sprache. Das Geräusch der Schüsse hell. Loops, die immer wieder die selben grau­en­vollen Bilder zeigen. Gigi Ibrahim, ägyp­ti­sche Akti­vistin, twit­tert vom frühen Morgen an in engli­scher Sprache, 2 Tweets in arabi­scher Sprache sind an dieser Stelle nicht wieder­ge­geben: 

Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug – I guess we have reached the zero hour #rabaa army and police moving in to disperse both pro-Morsy sit in ..this won’t be pretty #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I can hear from home which is near #rabaa the gunshots being fired other than that there is no chan­nels covering this #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mehwar channel is actually airing some live footage by Nahda and Rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mehwar Tv showing full bodied armored riot police with tear gas shot­guns getting ready #Rabaa #Nahda ONTVlive is airing some footage too / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Huge amounts of trucks army, police, and special forces floo­ding #Nahda sitin with tear gas live on ONTVLIVE / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug A warning speech is being announced via loud speakers with army trucks direc­ting protes­ters to not resist provi­ding them a safe exit #nahda / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Big black smoke coming out of the sit in protes­ters might have lit some tires to deter the tear gas smoke #nahda / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug / If I am not mistaken, these loud sharp round shots are sound shots now live in #nahda via OnTvlive / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug This is the first time I see those loud speakers for warning before disper­sing a sit in #Rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 /14 Aug Heli­copter flying over near #rabaa now I can  hear it from home ..I also can hear gun shots #NasrCity / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Trucks are going into #rabaa to level all the barriers MB have put up huge amounts of tear gas bring fired, smoke ever­y­where via Mehwar / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug This is Abaas el Akad st #NasrCity / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Al Nahar is brin­ging close up footage #Nahda sitin being leveled by trucks while gunshots are being fired in the back­ground / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug MB in #Rabaa are repor­ting over 8 killed with live bullets this is uncon­firmed but believ­able / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Non stop heli­cop­ters flying over #rabaa area / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I have never seen the army or police disper­sing a sit-in this way, usually it is shoot, kill, or/& detain still I am against the disperse / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mehwar TV is saying that Mobil gas station (located at Youssef Abbas and Nasr st) at #Rabaa sit in has exploded! / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug  MB pro-Morsy suppor­ters are protes­ting at Aswan  gover­ne­rate buil­ding in response to the attacks in #nahda and #rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug According to aljz footage, army and riot police have yet to reach the center of the sitin in #Rabaa still full of people rushing injured / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug #Rabaa stage has shiekhs in gas masks parying surreal looking / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug #rabaa field hospital showing mostly the floor and camera moving around then a few injured/dead via alja­zeera / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Health ministry reports no deaths yet, state TV reports 2 police offi­cers killed, aljzeera now says 77 MB killed #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Footage on aljzeera showing snipers but honestly I cant confirm where exactly in #Rabaa or how genuin it is..looks off but could be real too / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­zeera is strea­ming live #rabaa audio and recy­cling the same footage ..pretty much #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Now aljzeera jumps the killed from 77 to 120 via the field hospital #rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@Beltrew: Live ammo being shot from police, crou­ching behind car” #Rabaa #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: Getting arrested” #Rabaa AFP reporter is getting atrested 8:48 am #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: With two photo­graphers, soldiers have taken their cameras and dele­ting all their photos.” AFP reporter at #Rabaa arrested / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug @sarahussein @tomfinn2 @FarahSaafan corrected my bad Tom is reuters’ not AFP reporter / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Footage from Nahda in Giza showing several arrests by police of protes­ters / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug MB pro-Morsy suppor­ters in #alex­an­dria are also protea­ting in response to the dispersal of Nahda and Rabaa sit ins #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: They let us go.” Reuters reporter let go after been arrested in #Rabaa but all footage deleted / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug  @MariamKirollos @cairowire ? Explain the seems part plz / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Sound of gunfire conti­nues where i live near #rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­zeera jumps from 77 to 120 to now 450 killed in #Rabaa via the field hospital / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Here goes the heli­cop­ters again above #Rabaa area where I live / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Disper­sing the sitin will only get the Isla­mists more united, more orga­nized and more mobi­lized ..now who knows what will happen #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug More violence and more repres­sion is what’s expected by today’s dispersal..if you think MB force will go down this easy, u r mistaken / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14  Aug  What is happe­ning in Mohands­sien? / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Appar­ently MB attemp­ting to start a sit in in Mohands­sien in Mostafa Mahmoud sq and blocked some roads / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Teat gas reachee in front of stage in #Rabaa ..people runjing but most resis­ting and thro­winf back the tear gas via alja­zeera / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug In response to army & police attack of pro-Morsy sit-ins few churches and copts-owned shops have been burned or atta­cked in upper #Egypt Many jour­na­lists are cordoned off, not allowed entry to Rabaa even though they made if clear to secu­rity forces they are repor­ters. / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug While all media is focused on #Rabaa and #Nahda sitins , chru­ches are being burnee and atta­cked in upper #Egypt ..No coverage!!! @Ontveg / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I can here gun fire nonstop near #Rabaa where I live ..I also smell smoke even though I am abt 15 min walk from there #NasrCity / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mean­while in Mohandssien,“civilians” some w/ beards are tearing down a police car& vanda­li­zing it beating another civi­lian drip­ping in blood  / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I am home & I feel trapped inside it & I’m not even looking over #Rabaa only near it..helicopters, gunshots, smoke by sitting on the couch / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug 6 october bridge closed! / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug They are too busy being MB mouth­piece RT “@MalakBoghdady: 6 churches burnt down in 3 hours!! Broad­cast this if you dare @CNN #Egypt” / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Why the hell is NO one talking about churches being burned in ANY media???!! A7a / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 23h News about enfor­cing a curfew shortly ..this is shit #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h Curfew starts from 7 pm to 6am ..let’s see how many civi­lians will be tried in mili­tary courts this time..down with mili­tary rule !!! #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h I liter­ally feel impri­soned and not the same feeling of fuck curfew like all the first months under SCAF #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h Dicta­tor­ships get cemented woith emer­gency law and curfews ..it starts for just a “month” then it lasts a life time #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h @sarahlphillips email me (twitter name at gmail) / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h If the sitins were not atta­cked, imagine what would have happened then compare it with what is happe­ning now .. #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h Beyond depressed with what is happe­ning ..ever­ything is shit #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h There is a small protest in the street behind my house chan­ting “ya rab, we are martyrs by the millions” #NasrCity side streets from  #Rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h  State­ment from #Egypt Revo­lu­tio­nary Socia­lists on the massacre in Cairo, Down with mili­tary rule! / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 15h – Heli­cop­ters are still hovering around #Rabaa area even after it is cleared ..annoying to keep hearing it #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h El Baradie resigns #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h Morsy removed by army #Egypt pic.twitter.com/4oie8UzzyF / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h haha El Baradie base who hate Ikhwan view him now as a coward,& the people who saw him as a tool now respect him for resi­gning #Truestory / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h My FB time­line is between cussing Baradie and those who are salu­ting him..i am indif­fe­rent, he should have known better going into SCAF gov / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Photos: #Rabaa sitin second massacre http://www.flickr.com/photos / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h You know that feeling in your stomach that makes you feel like you can’t breathe that’s all i am feeling right now / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h  anything strea­ming what is happe­ning in #Rabaa now? ..have they cleared it all? / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h  And the curfew starts.. #NoMil­Trials #NoSCAF #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h The divi­sions are getting clearer and the grey area is dimi­nis­hing #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Those who are Ikwa­no­phobic, pro-army, secu­la­rists, “pro-revo­lu­tion” are the ones denoun­cing Baradie’s decision the hardest #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h  Those who are pro-revo­lu­tion, secu­la­rists, against SCAF’s massacre, yet against MB are more welco­ming of Baradie’s choice #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h I hate to gene­ra­lize, but some­times it is needed to explain complex situa­tions knowing that there are always excep­tions #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Curfew has been post­poned to start at 9 pm instead of 7 pm, ends at 6 am #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Tamrood go to fuckin hell! counter-revo­lu­tion at best / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 17h / Being a news reporter in Egypt means you are not a reporter rather giving us your pathetic opinion (on whichever side you are) #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 17h CBC reports that MB leaders Beltagy, Erian, and Hegazy have been arrested by #Rabaa , anyone confirmed that? #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 17h  @RamyYaacoub natio­na­lism aka fascism / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h  – #Moi presser is star­ting #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h – Until now MOI mentioned NOTHING of burnt churches #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h – He just mentioned 7 churches burnt but not that they failed to protect them #Moi #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h – #Moi denies the alle­ga­tion of the escape and arrest of Beltagy, Hegazy and Erian being very vague #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h – #MOI presser was just cut on @ONtveg why? / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h – Why was the #MOI presser cut on all chan­nels when it is not over yet ? #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h – #MOI no sit in will be tole­rated in any sq in the entire country and will be dealt with firmly in coor­di­na­tion with mili­tary forces #Egypt /// – stop  :::  gigi ibrahim on twitter

ping

database

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sierra : 0.08 — Immer wieder dieselbe selt­same Erfah­rung. Sobald ich mittels einer Hilfspro­gramm­ma­schine die Daten­bank mei­ner Par­ti­cles­denk­be­we­gung halb­au­to­ma­tisch von Bal­last befreie, die Emp­fin­dung, tat­säch­lich, ich selbst, kör­per­lich leich­ter gewor­den zu sein: Con­gra­tu­la­ti­ons, your data­base is com­ple­tely opti­mized! — stop
polaroidarrival

memory

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alpha : 5.06 – Vor 936 Tagen wurde die ukrai­ni­sche Drama­ti­kerin Anna Yablons­kaya im Alter von 30 Jahren in einer Halle des Flug­ha­fens Moskau-Domo­de­dowo von einer Bombe getötet. – stop

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PRÄPARIERSAAL : ein arm

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ginkgo : 0.18 – Pia erzählt : > Manchmal, wenn ich abends nach dem Präpa­rier­kurs nach Hause gehe, bemerke ich, dass ich die Eindrücke, die ich im Präpa­rier­saal gewonnen habe, nicht mit der Straße, über die ich spaziere oder mit den Gesprä­chen der Menschen, die ich in der U-Bahn höre, in eine Verbin­dung bringen kann. Ich habe das Gefühl, dass der Saal irgendwie frei schwebt, also ganz für sich ist, isoliert. Ich reise zwischen zwei Welten, von da nach dort und wieder zurück, und das geht gut so hin und her. Ich wundere mich, dass ich bisher noch nie vom Präpa­rier­saal geträumt habe, ich kann mich jeden­falls nicht daran erin­nern, geträumt zu haben. Ich glaube, ich bin in irgend­einer Weise geschützt. Ich kann nicht genau sagen, was mich schützt, viel­leicht ist es die Freude an der Arbeit, die Dichte der Aufgaben, die mir gestellt sind. Ja, es ist viel zu tun. Leider kann ich nicht wirk­lich erzählen, was ich erlebe, ich meine zu Hause meinen Eltern oder meinen Freunden. Diese eine Geschichte zum Beispiel, wie ich an einem Donnerstag in den Präpa­rier­saal trete und sehe, dass etwas grund­sätz­lich anders geworden ist. Ich war natür­lich nicht unvor­be­reitet gewesen, denn in der Präpa­rier­an­lei­tung wurde verzeichnet, dass die Leichen auf dem Tisch von den Präpa­ra­toren an einem Mitt­woch­nach­mittag zerlegt werden. Und so war es gekommen. Auf den Tischen lagen nur noch Arme und Beine und die Hälften je eines Kopfes. Seltsam, sage ich Ihnen, sehr seltsam! Aber natür­lich sinn­voll. Von diesem Moment an ist es möglich, einen Arm in die Hand zu nehmen und von allen Seiten her zu betrachten, oder ein Bein. Ich musste mich etwas über­winden, das natür­lich, aber dann habe ich einen der beiden Arme auf dem Tisch ange­hoben, bin mit ihm durch den Saal gelaufen und habe ihn unter flie­ßendem Wasser gewa­schen. Als ich auf dem Weg zurück an den Tisch war, kam mir eine Kommi­li­tonin entgegen, auch sie trug einen Arm vor sich her. Der Arm war sehr groß, richtig schwer, eine kleine Frau und ein großer Männerarm. Wir lächelten uns an, ich glaube, weil wir beide in unseren Augen seltsam ausge­sehen haben könnten. Zurück an den Tisch gekommen, habe ich das Armprä­parat unter­sucht, Muskeln, wo sie ansetzen, und Sehnen. Ich erin­nere mich, ich habe etwas unter­nommen, das ich nur deshalb tun konnte, weil der Arm der Körper­spen­derin ganz für sich gewesen war. Ich habe nämlich an einer Sehne des Unter­armes gezupft und beob­achtet, wie sich an der Hand in nächster Nähe ein Finger bewegte. Einmal, viel­leicht zwei oder drei Tage später, beob­ach­tete ich, wie Kommi­li­tonen an ihren Tischen, bevor sie ihr Präparat mit Tüchern bedeckten, Arme und Beine und die Hälften der Gesichter, so auf den Tisch anord­neten, dass sie wieder an einen voll­stän­digen Körper erin­nerten. Das hat mich beru­higt. - stop

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ein faden

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victor : 2.37 – Ich habe eine kurze Geschichte entdeckt, viel­mehr einen Gedanken oder eine Beob­ach­tung, die bedeu­tend zu sein scheint. Der unga­ri­sche Dichter István Örkény verzeichnet sie in seinen Minu­ten­no­vellen unter dem Titel Der Sinn des Lebens. Diese Geschichte, ich bin mir nicht sicher, ob ich sie wieder­geben darf, geht so: Wenn wir viele Kirsch­pa­prikas auf einen Faden auffä­deln bekommen wir einen Papri­ka­kranz. Wenn wir sie aller­dings nicht auffä­deln, bekommen wir keinen Kranz. Dabei sind es genauso viele Paprikas, sie sind genauso rot, genauso scharf. Und trotzdem sind sie kein Kranz. Sollte es nur der Faden sein, der den Ausschlag gibt? Es ist nicht der Faden. Dieser Faden ist, wie wir wissen, ein neben­säch­li­ches, dritt­klas­siges Ding. Was ist es dann? Wer sich darüber Gedanken macht und darauf achtet, dass seine Gedanken nicht alle Rich­tungen abschweifen, sondern in die rich­tige Rich­tung voran­schreiten, kann großen Wahr­heiten auf die Spur kommen. – stop
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linie 16

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romeo : 4.15 –  Mit der ersten Fahrt der Stra­ßen­bahn morgens kommt der Tag in die Nacht, Vögel steigen aus, hocken sich in Bäume und singen, während Fliegen und Falter aus meiner Wohnung flüchten, um einzu­steigen und schnell auf und davon zu fahren. Ich sollte einmal morgens auf die Straße treten und zur Halte­stelle gehen. Wenn nun die erste Fahrt der Linie 16 eintreffen wird, der Fahrer von Nacht­fal­tern bedeckt, Sitze und Lampen und auch die Arbeiter und Arbei­te­rinnen der Früh­schicht. Dichte, bittere, stau­bige Luft, ein sonores Summen tausender Flügel. Kleine, harte Käfer­körper, Verirrte, stürmen durch den weichen, flie­genden Falter­wald. Abends kommt man dann wieder zurück, steigt aus mit der letzter Fahrt, hell­graue Geister. Ende August. In Syrien, nahe Damaskus, sollen mehr als 1000 Menschen durch Giftgas getötet worden sein. – stop

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ai : USBEKISTAN

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MENSCH IN GEFAHR : “Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov ist seit April ohne Zugang zu seiner Familie in Usbe­ki­stan inhaf­tiert. Seine Familie befürchtet, dass ihm Folter und andere Miss­hand­lungen drohen. / Der 38-jährige Tadschike Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov ist am 25. April in Usbe­ki­stan ange­kommen, um sein Kind aus erster Ehe zu besu­chen. Er hätte am 28. April wieder nach Tadschi­ki­stan zurück­kehren sollen. Am 29. April erhielt Abdu­mavlon Abdu­rakhmo­novs Bruder in Tadschi­ki­stan einen Anruf von dessen Ex-Frau, die ihn darüber in Kenntnis setzte, dass Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov am 27. April vom usbe­ki­schen natio­nalen Sicher­heits­dienst fest­ge­nommen worden war. Seine Ange­hö­rigen hatten seitdem keinen Kontakt mehr zu ihm. Berichten zufolge wurde er zwei Tage lang auf einer Poli­zei­wache in Bekobod in Ost-Usbe­ki­stan, 150 km von der Haupt­stadt Tasch­kent entfernt, fest­ge­halten. Am 10. Juni erhielt die Familie einen Anruf von einem Mann, der angab, in einer vorüber­ge­henden Haft­ein­rich­tung in Tasch­kent inhaf­tiert gewesen zu sein, in der auch Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov inhaf­tiert war. Abdu­mavlon Abdu­rakhmo­novs Familie weiß nicht, ob er Zugang zu einem Rechts­bei­stand hat. / Sein Bruder kontak­tierte das tadschi­ki­sche Konsulat in Tasch­kent, um sich über die Gründe für die Inhaf­tie­rung von Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov zu erkun­digen. Das tadschi­ki­sche Konsulat bat das usbe­ki­sche Außen­mi­nis­te­rium um Auskunft und erhielt am 30. Mai die Rück­mel­dung, dass Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov nicht von der Polizei in Bekobod fest­ge­nommen worden war. Abdu­mavlon Abdu­rakhmo­novs Vater schrieb daraufhin im Juni an den tadschi­ki­schen Menschen­rechtsom­buds­mann, um Unter­stüt­zung und Hilfe bei der Aufklä­rung des Verbleibs seines Sohnes zu erhalten. Der tadschi­ki­sche Ombuds­mann leitete die Anfrage an den usbe­ki­schen Ombuds­mann weiter. Bisher hat der tadschi­ki­sche Ombuds­mann jedoch keine Antwort erhalten. / Menschen, die ohne Kontakt zur Außen­welt inhaf­tiert sind, drohen unab­hängig von der Länge der Inhaf­tie­rung Folter und andere Miss­hand­lungen.” – Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen, möglichst unver­züg­lich und nicht über den 2. Oktober 2013 hinaus, unter »> ai : urgent action

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müllnerhorn

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MELDUNG. Engel, Schule zu St. Nazaire, sind heute Abend von 9 bis 10 bei leichter Nacht­flie­gerei über dem Müll­ner­horn [ östliche Flanke ] anzu­treffen. Eintritt frei. – stop

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oszillieren

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marimba : 22.08 – Seit Monaten, wenn ich auf meinem Arbeits­sofa sitze und zur Decke schaue, beob­achte ich den Körper eines Käfers, der seine Posi­tion nicht zu verän­dern scheint. Genau­ge­nommen sitzt der Käfer an der Wand, exakt dort, wo die Wand sich faltet, also endet. Sein Kopf ist nach unten gerichtet, als ob er mich besich­tigen würde. Zunächst habe ich ange­nommen, der Käfer könnte schlafen. Aber nach zwei Wochen musste ich in Betracht ziehen, dass der Käfer viel­leicht gestorben ist, dass er eigent­lich herab­fallen sollte, wenn sich nicht einer seiner Füße in einer Spalte der Tapete verhackt haben würde. Seltsam ist, dass ich keinen Wunsch verspüre, nach­zu­sehen, ob es sich bei dem Käfer über mir um einen Schla­fenden oder einen Toten handelt. Ich müsste nur einen Stuhl holen und mich dem Käfer vorsichtig nähern, viel­leicht mit einem Pinsel, der weich ist. Statt­dessen schaue ich immer wieder gegen die Decke. Manchmal meine ich eine Bewe­gung gesehen zu haben, oder ich glaube, der Käfer sei etwas weiter nach Norden gezogen während ich schlief. Ich muss das im Auge behalten. – stop
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im zug

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marimba : 2.32 – Am Abend spät betrat ein junger Mann einen Zug der Schnell­bahn­linie, welche die Stadt mit dem Flug­hafen verbindet. Er schleppte ein Fahrrad hinter sich her, das so schwer bepackt gewesen war, dass er sich, genau genommen, nicht auf das Fahrrad setzen konnte, es war kein Platz für seinen schmalen Körper. Auf der Spitze des Gepäck­berges von Taschen und Tüten, ruhte ein Körb­chen, dort schlief eine Katze. Es war still, der Zug an diesem Abend beinahe leer, ein Zug, der über Gepäck­ab­teile oder Nischen für Fahr­räder, Kinder­wagen und sehr große Koffer verfügte. An keiner dieser geeig­neten Stellen war der junge Mann mit seinem Fahrrad und seiner Katze jedoch einge­stiegen, viel­mehr in ein Abteil, in welchem sich ausschließ­lich Sitz­plätze befanden. Nun geschah folgendes: Eine Stimme in deut­scher Sprache ersuchte den jungen Mann an der nächsten Halte­stelle, auszu­steigen und sich in ein Abteil zu begeben, das für ihn und sein Fahrrad vorge­sehen war. Da der junge Mann nicht reagierte, wieder­holte die Stimme ihr Anliegen in eben der deut­schen Sprache. Auch diese zweite Auffor­de­rung blieb ohne Erfolg, weshalb kurz darauf eine Ansprache zunächst in engli­scher, dann in fran­zö­si­scher, schließ­lich in spani­scher, zuletzt in portu­gie­si­scher Sprache zu vernehmen war. Es handelte sich je um Tonkon­serven, die vermut­lich alle genau denselben Text enthielten, dieselbe Botschaft oder Bitte, den Hinweis darauf, dass Fahr­räder nur in den dafür vorge­se­henen Abteilen beför­dert werden dürfen. Die Stimmen waren freund­lich in ihrem Klang, ange­nehme Stimmen, sie wickelten sich ab in einem Zeit­raum von drei oder vier Minuten. Es war vergeb­lich, der junge Mann bewegte sich nicht. Nach einer kurzen Phase der Stille, erhob sich die Stimme des Fahrers erneut. Er formu­lierte nun in chine­si­scher Sprache, ich nehme an, dieselbe Botschaft wie zuvor, ein bemer­kens­werter Vorgang, ein Beispiel von Beharr­lich­keit. Als der Zug kurz darauf in einem kleinen Bahnhof stoppte, erschien ein zier­li­cher Mann im Abteil. Er trug eine blaue Uniform­hose und ein weißes Hemd, es handelte sich um einen Mann chine­si­scher Herkunft. Er schien sehr aufge­bracht zu sein. Er näherte sich dem jungen Mann, gesti­ku­lierte heftig, deutete mal auf den Besitzer des Fahr­rades, dann auf das Fahrrad selbst, hob die Hände zum Himmel, um bald wieder zu verschwinden. Dann setzte der Zug sich wieder in Bewe­gung. Vor den Zugfens­tern schim­merte Schnee in den Bäumen. Ein Gespräch unter Reisenden war zu hören. Die Katze in ihrem Körb­chen hatte für einen Moment die Augen geöffnet. – stop
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stille

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tango : 22.15 – Am 21. Dezember des vergan­genen Jahres notiert Wolf­gang Herrn­dorf auf Posi­tion Arbeit und Struktur : Agota Kris­tofs Trilogie zum dritten Mal nach­ein­ander in Folge gelesen, das Personal verirrt sich schon in meine Träume. Einer der einei­igen Zwil­linge, Klaus, Schrift­steller wie im Buch, steht von Gaffern und Poli­zisten umringt auf dem Nürn­berger Haupt­markt und hält ein Manu­skript mit dem Titel Die glück­liche Stadt hoch, dessen sofor­tige Publi­ka­tion er verlangt. Es handle von Unge­heuerem, Skan­da­lösem, Verbor­genem. Doch niemand, scheint ihm, nimmt ihn ernst; man behan­dele ihn wie einen Wahn­sin­nigen. Ein Poli­zist sagt: Warum bringen Sie es nicht zur Zeitung, um es dort veröf­fent­li­chen zu lassen? / Klaus betritt ein Gebäude, dessen Flure und Räume an einen vor Jahr­zehnten still­ge­legten Büro­kom­plex der Deut­schen Post erin­nern, und gibt sein Manu­skript zusammen mit einem kleinen Zettel an der zustän­digen Stelle ab. Beim Verlassen der Redak­tion bemerkt er, daß alle ihm mitleidig nach­schauen. Er kehrt um. Ein junger Mann erklärt: Sie kommen jedes Jahr einmal mit Ihren Doku­menten hierher und geben sie zusammen mit einem Zettel ab, auf dem steht: “Bitte nehmen Sie mein Manu­skript entgegen, tun Sie so, als ob Sie es drucken, und lassen Sie mich niemals wissen, was auf diesem Zettel steht.” / Das große Heft. / Der Beweis. / Die dritte Lüge. / Die Geschichte des Zwan­zigsten Jahr­hun­derts in einer Nußschale, die die Dimen­sionen eines Riesen­tan­kers hat, unge­heuer, wahn­sinnig, maximal kaputt.Stille. - stop

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essaouira

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MELDUNG. Tief­see­ele­fanten, 166 hupende Rüssel­rosen, vor Essaouira gesichtet. Man wandert in krei­sender Bewe­gung. – stop

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unter wasser

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delta : 22.58 – Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich durch meine Wohnung tauchen könnte. Machte mich unver­züg­lich an die Arbeit. Zunächst stieg das Wasser in den Zimmern. Es kam nicht von oben, sondern von unten, das Wasser kam wie ein Gast durch die Wohnungstür herein, die geschlossen war, aber nicht wirk­lich dicht. Es stieg sehr schnell, viel zu schnell, um meine Bücher noch in Sicher­heit bringen zu können. Saß auf einem Stuhl in der Küche, die Füße auf dem Boden, als das Wasser, bern­stein­farben und warm, eine Steck­dose erreichte. Ich erwar­tete, von einem Wand­blitz getroffen zu werden, ein Irrtum. Statt­dessen begann ich zu leuchten, zunächst leuch­tete ich mit den Händen, dann leuch­teten meine Arme. In dem Moment, da das Wasser meinen Mund erreichte, holte ich tief Luft und tauchte los. Eine Banane schwebte vorüber wie ein Fisch, Papiere und Zeitungen und zwei heftig zappelnde Mäuse, von deren Exis­tenz ich nichts ahnte. Die Schreib­ma­schine auf dem Tisch funk­tio­nierte noch, wie alle Lampen in der Wohnung. Und so schwebe ich nun also gerade kopf­über und schreibe. Sehr schöne Geräu­sche sind zu hören, es knis­tert, viel­leicht bin ich das selbst. Später Abend. – stop

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