babuschka

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echo : 4.12 — Vor einiger Zeit hat­te ich einen Text geschrieben, den ich nur deshalb notierte, um ihn mit­tels eines Ver­schlüs­selung­spro­gramms in einen Zus­tand der Unles­barkeit zu ver­set­zen. Genaugenom­men hat­te ich den Text mit ein­er beson­deren Haut, mit ein­er Zei­thaut umgeben. Um ihn näm­lich lesen zu kön­nen, müsste man den Text zunächst dekodieren, das heisst, solange mit­tels ein­er Com­put­er­mas­chine seine Öff­nung pro­bieren, bis der richtige Schlüs­sel gefun­den ist. Gestern, bei großer Hitze, stellte ich mir vor, was geschehen würde, wenn nun nach Tagen, Wochen oder Jahren des Rech­nens das suchende Pro­gramm melden würde: Ich bin fündig gewor­den! Wie ein men­schlich­er Ana­lyst sich in diesem Moment zufrieden seinem Bild­schirm nähert, um festzustellen, dass sich hin­ter den Zeichen eines ver­schlüs­sel­ten Textes weit­ere ver­schlüs­selte Zeichen befind­en. stop — Auf den ersten Blick ist fol­gen­dem kodierten Text nicht anzuse­hen, hin­ter wie vie­len Zei­thäuten sein les­bar­er Ursprung ver­bor­gen liegen kön­nte: ANFANG === B U C W 0 G c o a G j I B W W f k p h Z L v 0 h 4 Y J j 9 4 4 t m c e K C l x B M b L 4 q T d x Y I w B U v V 3 E b p b X y A z Y B e R 5 C a 9 n b s E B p U I 6 z q 3 Z C 6 a Q A R Q 1 a 8 P I N 1 j T L B b V 9 e O F 0 j 5 G s F f y 5 E M D 3 5 a r / C G 0 j V z 4 v n e u M z p T K W Y t 4 D m s J t e / F E C Y C a j 3 Z L Z / h l x G M W I 4 7 v 8 / B I g H c E / Q 2 F 9 G s W Z i z Q K 0 7 k t O W 7 8 k S k A t q u J Z 5 2 F A u n a J 6 C G B u A 7 R o C u P p D n C m 8 F 7 9 F E e m H / T T 3 K x z S 7 r 3 i 0 y 4 g M Z u m G m x i A q 4 l z d A x i o P m 0 O I b x M i T I x P w X j 5 A I i 1 z c e + T W i i x A + 6 A h k p q h o n a D e M / y s A l y W r i p 4 s Z m m / q X y n 2 o P H R q z g U i + T s H B c z + J v K 3 A a d v j Z F L 9 i R M s C f m W y U d 6S 4 4 O f z l 8 x P z H B W z 1 H 2 6 z Z o z F s C U U D Y v k +Y N F 0 f U t A y k a Y 7 E L j / u N X s s q 1 K 1 V z A C i z K Z Y 7 F N J C q y t x s Q c b W r C 3 k 4 i f V 1 l K u g f b N i P t y O 8 1 7 e l u y x d r o i d 5 d X 3 E D g O V s X i T e e 5 Q q i 0 U 6 E o 3 G 5 y r 2 9 a f a w X M a U U r Q V d b i U A V 8 F e y 4 m k e W b 9 e u b 1 i S W F g m K y 4 P 1 0 m 0 e 3 x 5 V q b N W c v i 3 6 j L h / u O I j K 8 L s t Y B s 9 F 4 l l c Q A h B J s Q h U 6 i b R U 5 B 4 f g 3 f j r 2 C I i k c M q R U C 4 4 F E u o Y i R w A r D x H W u 2 2 P w 9 d 8 f A 1 f A r 3 5 D l V 3 B G p / J m h b h 8 w F n 7 p v x g x z 9 i b / S h F t K M v 6 l 6 W L A 5 r 7 U F R S O k l C f 0 L H B a J h n V y w Q 0 e Y k 9 w 9 y / Z M 4 Y m F W O T m x 4 s s A W 5 w X 2 N z L g 3 + 9 + d x L 7 T 8 U + A Y C U L b T M J y l M + H Q y S F 7 S T D I / 8 O 6 4 K F 0 4 d 7 g v I === ENDE / code­wort : babusch­ka — stop

polaroidno7772

bumerang

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echo : 2.25 — Wenige Minuten nach Mit­ter­nacht lan­dete ein Marienkäfer auf mein­er linken Wange. Ich kann nicht entschei­den, ob das ein Zufall gewe­sen war oder nicht. Indem ich das rechte Auge schloss, aber mit dem linken Auge soweit wie möglich nach unten sah, kon­nte ich die hal­bkugelför­mige Wöl­bung seines Rück­ens erken­nen. Und ich spürte eine leichte Bewe­gung, der Käfer schien mich zu betas­ten. Natür­lich über­legte ich sofort, ob es sich bei diesem Käfer nicht um ein fer­nges­teuertes Wesen han­deln kön­nte, das mich besuchte, um Proben von mein­er Kör­per­ober­fläche aufzunehmen. Nach eini­gen Minuten verän­derte der Käfer seine Posi­tion, er ging zu Fuß, klet­terte an mir herab, saß für einige Minuten an meinem Hals, dort kon­nte ich ihn wed­er sehen noch spüren, um kurze Zeit später auf meinem Hemd zu erscheinen, wo er sich sehr wohlge­fühlt haben mochte, weil er dort eine gute Stunde sein­er Leben­szeit ver­brachte. Vielle­icht hat­te der Käfer geschlafen, oder sich von Stra­pazen erholt, die mir unbekan­nt. In diesem Moment nun, da ich meinen Text notiere, sitzt der in Wörtern ver­merk­te Käfer am linken unteren Rand des Bild­schirmes mein­er Schreib­mas­chine. Er presst sich fest an das Gehäuse. Weit­ere Käfer sitzen an den Wän­den, es sind ein gutes Dutzend, auch Käfer mit gelbem Gehäuse sind darunter. Gestern habe ich beobachtet, dass gelb­far­bene Käfer mit vierundzwanzig Punk­ten, wenn ich sie behut­sam in eine mein­er Hände set­ze und in die Dunkel­heit werfe, sofort wieder zurück­kom­men. Man kön­nte sagen, dass es sich bei dieser Art um Bumerangkäfer han­deln kön­nte. — stop
ping

kilimandscharo

2

delta

~ : mal­colm
to : louis
sub­ject : KILIMANDSCHARO
date : aug 05 12 8.08 p.m.

Es war gegen Mit­ter­nacht ges­tern als Fran­kie das Haus in der 11. Straße über eine Feu­er­lei­ter ver­ließ. Unver­züg­lich kehrte er an den Hud­son Riv­er zurück, hock­te einige Stun­den auf ein­er Mauer am Was­ser, von dem in die­sen Tagen ein stren­ger Geruch aus­geht. Es ist heiß und schwül. Wir haben tote Fis­che beob­ach­tet, deren Kör­per an den Quai schla­gen. Der Fluss schäumt in sei­nen Press­wir­beln, New Jer­sey scheint nah, als würde die Luft eine unsicht­bare Lupe for­mie­ren. Alles geht einen guten Weg. Vor zwei Wochen hat­ten wir Fran­kie zulet­zt betäubt, um Brenn­stoff­zel­len sei­ner Sen­der zu erneu­ern. Weit in das kom­mende Jahr wer­den sie kraft­voll arbei­ten. Tat­säch­lich scheint sich unser Eich­hörn­chen von den Stra­pa­zen der Nar­kose schnell erholt zu haben. In den Minu­ten sei­nes Auf­bruchs hat­te er es nicht eilig. Rose sagte, sie habe den Ein­druck, Fran­kie würde darauf ach­ten, dass wir ihm fol­gen. Im Mor­gen­grauen set­zte er seine Wan­de­rung süd­wärts fort. Fröh­lich seine Bewe­gun­gen hin und her, und da die Bäume wie­der ernst­zu­neh­mende Höhen errei­chen, auf und ab. Es ist jet­zt längst Abend gewor­den, wir ruhen Höhe Moore Street auf ein­er Bank. Fran­kie betrach­tet Schiffe, die den Fluss pas­sie­ren. Manch­mal rich­tet er sei­nen Blick auf uns, ich glaube, wir sind ihm tat­säch­lich ver­traut gewor­den, Fre­unde, die ihn jeder­zeit mit einem Knopf­druck töten könn­ten. Ein kaum hör­ba­res Geräusch. Ein Herz, das zer­bricht. Ich habe von die­sem Moment eines unglück­li­chen Endes geträumt, von mei­nem Fin­ger, der Fran­kies Leben löscht von ein­er Sekunde zur ande­ren, ohne Erklä­rung, ohne War­nung, weil wir den Befehl dazu erhal­ten haben. Es war ein Alp­traum, den wir alle schon träum­ten. Aber wir spre­chen nicht viel davon, nicht vom Ende, aber natür­lich davon, dass Fran­kie bald Bat­tery Park erre­icht haben wird. Nie­mand weiß, wie es wei­ter­ge­hen wird. — Ihr Mal­colm / code­wort : kil­i­mand­scharo

emp­fan­gen am
05.08.2013
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polaroidmanhattan2

abschnitt neufundland

picping
Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gende gegen Küste gewor­fene Arte­fakte : Wrack­teile [ See­fahrt – 156, Luft­fahrt — 832, Auto­mo­bile — 5422 ], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 3, 19. Jahr­hun­dert – 32, 20. Jahr­hun­dert – 65 , 21. Jahr­hun­dert — 2317 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 125, gelöscht : 33 ], Licht­fang­ma­schi­nen [ Lubi­tel 166-Uni­ver­sal / Roll­fim : 8 ], Dia­ries [ Helen Capote 2007 : 1, Mit­su Limi 2006 — 2008: 1 ] Öle [ 3.7 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 28, Knie­ge­lenke – 11, Hüft­ku­geln – 325, Bril­len – 7564 ], Schuhe [ Grö­ßen 28 – 39 : 886, Grö­ßen 38 — 45 : 65 ], Kühl­schränke [ 3 ], Tief­see­tauch­an­züge [ ohne Tau­cher – 7, mit Tau­cher – 43 ], Engels­zun­gen [ 82 ] | stop |

ping

von eisbriefboten

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nord­pol : 6.33 — Ein Eis­brief­bote wartete gestern, es war ein Dien­stag, vor mein­er Woh­nungstüre im 22. Stock. Der Mann trug blaue Turn­schuhe der Marke Nike, kurze, helle Hosen und ein weißes Hemd, das viel zu groß gewe­sen war für seinen schmächti­gen Kör­p­er. Er schwitzte, weil er die Treppe nehmen musste, da in meinem Haus kein­er­lei Aufzug existiert, weshalb das Haus nicht sehr beliebt ist bei Gästen und Boten. Meis­tens biete ich den hart arbei­t­en­den Män­nern über die Funksprechan­lage an, ihnen ent­ge­gen zu kom­men. Ich sage: Tre­f­fen wir uns im 11. Stock in 10 Minuten! Gestern aber war ich sehr müde gewe­sen. Ich trank einen Kaf­fee, tele­fonierte mit ein­er Behörde, und wartete dann still in aller Ruhe bis der Mann bei mir oben unter dem Dach angekom­men war. Es sind diese ersten Blicke, die ich nie vergesse. Der erschöpfte Bote öffnete seine Kühltasche und über­re­ichte mir einen weit­eren eis­gekühlten weichen Behäl­ter, in welchem sich nun unmit­tel­bar ein Brief von Eis befand, den ich zunächst in meinen Gefrier­schrank zu weit­eren Eis­briefen und Eis­büch­ern legte. Kurz darauf set­zte ich mich ins Trep­pen­haus und hörte dem jun­gen Mann bei seinem Abstieg zu. Er war sehr schnell unter­wegs gewe­sen, er schien zu fliegen, stürzte im fün­ften oder sech­sten Stock, Minuten lang war kein Laut zu hören, dann das Wim­mern ein­er Ambu­lanz. Da saß ich längst in mein­er Küche und las, was mir ein Fre­und notierte, wie er schrieb, mit großer Freude auf dem vergänglich­sten Mate­r­i­al, das ihm zur Ver­fü­gung ste­he: Lieber Louis, dieser Brief ist geheim. Er wird sich auflösen, sobald oder bevor Du ihn gele­sen haben wirst. Du musst Dich also beeilen oder den Brief immer wieder ein­mal in den Kühlschrank zurück­le­gen oder ihn fotografieren, ehe er geschmolzen sein wird. Sei behut­sam, mein Lieber. Lies bitte nicht an Tagen, da es warm ist in Dein­er Woh­nung unter dem Dach, es kön­nte sein, dass Du in schwüler Luft nicht schnell genug lesen kannst. Ich ver­mute, ich habe die Wörter an dieser Stelle bere­its verge­blich geschrieben. Dein K. — stop
ping

marías

2

echo

~ : oe som
to : louis
sub­ject : MARÌAS
date : aug 10 13 10.58 p.m.

Seit Noe eine Brille trägt, liest er zügig und fehler­frei wie noch vor Monat­en aus Büch­ern, die wir zu ihm in die Tiefe senden. Als ich ihn besuchte, war er müde von der Lek­türe Javier Marías ger­ade eben eingeschlafen. Und so kon­nte ich für län­gere Zeit heim­lich sein Gesicht betra­cht­en hin­ter der Scheibe von gepanz­ertem Glas. Er ist blass gewor­den. Kein Wun­der, kaum Son­nen­licht an der Gren­ze zur Fin­ster­n­is. Während ich Noe betra­chtete, wan­derte eine Putzer­sch­necke über seine Stirn dahin. Sie stieg bald über Noes Nase abwärts, um kurz darauf in aller See­len­ruhe seine linke Wange zu bewan­dern. Er scheint sich an die Exis­tenz der Tiere auf seinem Kör­p­er gewöh­nt zu haben, nach wie vor sind es fünf Sch­neck­en. Er wird von ihren Berührun­gen niemals wach, selb­st dann nicht, wenn sie sich um seine Lip­pen bemühen. Ich über­legte, wie der Geruch der Luft in Noes Anzug nach langer Zeit der Abgeschieden­heit beschaf­fen sein kön­nte. Ein Schwarm Haifüssliere näherte sich, neugierige Wesen? Vielle­icht wur­den sie von Helm­licht Noes ange­zo­gen, einem sich langsam durch das Zwielicht drehen­den Fin­ger. Er scheint zu flack­ern. Ich hat­te vergessen, wie jung Noe doch ist. Ohne ihn aus der Nähe sehen zu kön­nen, nur seine lesende Stimme hörend, war der Tauch­er in mein­er Wahrnehmung geal­tert, ohne dass ich das bemerk­te. Sein Gesicht ist schmal gewor­den. Ich ver­mochte seine Augen­bälle zu erken­nen, die sich unter ihren Lid­ern hin und her bewegten. Plöt­zlich sah er mich an. Er lächelte, und er sprach ein paar Wörter, die ich nicht ver­ste­hen kon­nte, obwohl ich nur wenige Zen­time­ter ent­fer­nt gewe­sen war. Ich antwortete, ich sagte: Noe, hör zu, Dein Vater ist gestor­ben. Da lachte Noe, ver­mut­lich dachte er: Der Mann ist so nah und er spricht und doch kann ich nicht hören, was er sagt. Dann machte ich mich an die Arbeit. Ich befes­tigte Noes Brille an seinem Helm. — Dein OE SOM

gesendet am
10.08.2013
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oe som to louis »

polaroidsecuso

nilfahrt

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romeo : 0.08 — Ägypten ist derzeit in ein­er Weise polar­isiert, dass die Men­schen nicht in der Lage sind, füreinan­der Mitleid zu empfind­en. / unknown source
ping

am schalter

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marim­ba : 0.08 — Ich hat­te fol­gen­den Traum. Ich war gestor­ben. Ich saß mit zahlre­ichen Men­schen in ein­er Halle, die mich an den Warte­saal eines Bahn­hofes erin­nerte. Tat­säch­lich hörte ich Zug­geräusche, das Schnaufen alter Loko­mo­tiv­en. Alle Men­schen in der Halle waren tot wie ich, zugle­ich aber sehr lebendig, ja fröh­lich. Sie lagerten auf hölz­er­nen Bänken. Libellen in allen möglichen Far­ben hasteten durch den Raum. Warmes Licht strömte durch Jalousien zu uns here­in. Laut­sprech­er­stim­men ver­lasen Namen, manche waren ver­traut, andere klan­gen fremd. Ich erin­nere mich an Kinder, sie toll­ten herum, manche spiel­ten mit Pup­pen oder Bällen. Sobald ein Name aufgerufen wurde, erhob sich irgend­wo eine Per­son und ging zu einem der Schal­ter. Bald wurde auch mein Name ver­lesen. Eine Frau stand am Schal­ter vor mir. Die Frau scherzte mit einem Mann, der hin­ter ein­er Glass­cheibe saß. Sie sagte, sie sei erschossen wor­den. In den Kopf, fragte der Mann. Die Frau nick­te und der Mann antwortete sofort: Das müssen wir melden. Plöt­zlich richtete er seinen Blick auf mich und fragte: Sie auch? Sie auch in den Kopf? — stop
ping

cairo

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nord­pol : 23.56 — Kairo. Mittwoch. Schlaf­los im abge­dunkel­ten Zim­mer. Südlich­es Mit­tagstun­den­licht. Drei Mon­i­tore auf dem Sofa, ein Fernse­hbild­schirm, ein Tele­fon. Beobachte den Tag über aus großer Ent­fer­nung Spuren eines men­schlichen Infer­nos. Kom­men­ta­toren in englis­ch­er und ara­bis­ch­er Sprache. Das Geräusch der Schüsse hell. Loops, die immer wieder die sel­ben grauen­vollen Bilder zeigen. Gigi Ibrahim, ägyp­tis­che Aktivistin, twit­tert vom frühen Mor­gen an in englis­ch­er Sprache, 2 Tweets in ara­bis­ch­er Sprache sind an dieser Stelle nicht wiedergegeben: 

Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug — I guess we have reached the zero hour #rabaa army and police mov­ing in to dis­perse both pro-Morsy sit in ..this won’t be pret­ty #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I can hear from home which is near #rabaa the gun­shots being fired oth­er than that there is no chan­nels cov­er­ing this #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mehwar chan­nel is actu­al­ly air­ing some live footage by Nah­da and Rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mehwar Tv show­ing full bod­ied armored riot police with tear gas shot­guns get­ting ready #Rabaa #Nah­da ONTVlive is air­ing some footage too / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Huge amounts of trucks army, police, and spe­cial forces flood­ing #Nah­da sitin with tear gas live on ONTVLIVE / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug A warn­ing speech is being announced via loud speak­ers with army trucks direct­ing pro­test­ers to not resist pro­vid­ing them a safe exit #nah­da / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Big black smoke com­ing out of the sit in pro­test­ers might have lit some tires to deter the tear gas smoke #nah­da / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug / If I am not mis­tak­en, these loud sharp round shots are sound shots now live in #nah­da via OnTvlive / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug This is the first time I see those loud speak­ers for warn­ing before dis­pers­ing a sit in #Rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 /14 Aug Heli­copter fly­ing over near #rabaa now I can  hear it from home ..I also can hear gun shots #Nas­rCi­ty / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Trucks are going into #rabaa to lev­el all the bar­ri­ers MB have put up huge amounts of tear gas bring fired, smoke every­where via Mehwar / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug This is Abaas el Akad st #Nas­rCi­ty / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Al Nahar is bring­ing close up footage #Nah­da sitin being lev­eled by trucks while gun­shots are being fired in the back­ground / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug MB in #Rabaa are report­ing over 8 killed with live bul­lets this is uncon­firmed but believ­able / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Non stop heli­copters fly­ing over #rabaa area / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I have nev­er seen the army or police dis­pers­ing a sit-in this way, usu­al­ly it is shoot, kill, or/& detain still I am against the dis­perse / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mehwar TV is say­ing that Mobil gas sta­tion (locat­ed at Youssef Abbas and Nasr st) at #Rabaa sit in has explod­ed! / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug  MB pro-Morsy sup­port­ers are protest­ing at Aswan  gov­ern­er­ate build­ing in response to the attacks in #nah­da and #rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Accord­ing to aljz footage, army and riot police have yet to reach the cen­ter of the sitin in #Rabaa still full of peo­ple rush­ing injured / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug #Rabaa stage has shiekhs in gas masks pary­ing sur­re­al look­ing / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug #rabaa field hos­pi­tal show­ing most­ly the floor and cam­era mov­ing around then a few injured/dead via aljazeera / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Health min­istry reports no deaths yet, state TV reports 2 police offi­cers killed, aljzeera now says 77 MB killed #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Footage on aljzeera show­ing snipers but hon­est­ly I cant con­firm where exact­ly in #Rabaa or how gen­uin it is..looks off but could be real too / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Aljazeera is stream­ing live #rabaa audio and recy­cling the same footage ..pret­ty much #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Now aljzeera jumps the killed from 77 to 120 via the field hos­pi­tal #rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@Beltrew: Live ammo being shot from police, crouch­ing behind car” #Rabaa #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: Get­ting arrest­ed” #Rabaa AFP reporter is get­ting atrest­ed 8:48 am #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: With two pho­tog­ra­phers, sol­diers have tak­en their cam­eras and delet­ing all their pho­tos.” AFP reporter at #Rabaa arrest­ed / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug @sarahussein @tomfinn2 @FarahSaafan cor­rect­ed my bad Tom is reuters’ not AFP reporter / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Footage from Nah­da in Giza show­ing sev­er­al arrests by police of pro­test­ers / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug MB pro-Morsy sup­port­ers in #alexan­dria are also proteat­ing in response to the dis­per­sal of Nah­da and Rabaa sit ins #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: They let us go.” Reuters reporter let go after been arrest­ed in #Rabaa but all footage delet­ed / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug  @MariamKirollos @cairowire ? Explain the seems part plz / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Sound of gun­fire con­tin­ues where i live near #rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Aljazeera jumps from 77 to 120 to now 450 killed in #Rabaa via the field hos­pi­tal / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Here goes the heli­copters again above #Rabaa area where I live / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Dis­pers­ing the sitin will only get the Islamists more unit­ed, more orga­nized and more mobi­lized ..now who knows what will hap­pen #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug More vio­lence and more repres­sion is what’s expect­ed by today’s dispersal..if you think MB force will go down this easy, u r mis­tak­en / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14  Aug  What is hap­pen­ing in Mohandssien? / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Appar­ent­ly MB attempt­ing to start a sit in in Mohandssien in Mostafa Mah­moud sq and blocked some roads / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Teat gas reachee in front of stage in #Rabaa ..peo­ple run­jing but most resist­ing and throw­inf back the tear gas via aljazeera / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug In response to army & police attack of pro-Morsy sit-ins few church­es and copts-owned shops have been burned or attacked in upper #Egypt Many jour­nal­ists are cor­doned off, not allowed entry to Rabaa even though they made if clear to secu­ri­ty forces they are reporters. / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug While all media is focused on #Rabaa and #Nah­da sitins , chruch­es are being burnee and attacked in upper #Egypt ..No cov­er­age!!! @Ontveg / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I can here gun fire non­stop near #Rabaa where I live ..I also smell smoke even though I am abt 15 min walk from there #Nas­rCi­ty / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Mean­while in Mohandssien,“civilians” some w/ beards are tear­ing down a police car& van­dal­iz­ing it beat­ing anoth­er civil­ian drip­ping in blood  / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug I am home & I feel trapped inside it & I’m not even look­ing over #Rabaa only near it..helicopters, gun­shots, smoke by sit­ting on the couch / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug 6 octo­ber bridge closed! / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug They are too busy being MB mouth­piece RT “@MalakBoghdady: 6 church­es burnt down in 3 hours!! Broad­cast this if you dare @CNN #Egypt” / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 14 Aug Why the hell is NO one talk­ing about church­es being burned in ANY media???!! A7a / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 23h News about enforc­ing a cur­few short­ly ..this is shit #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h Cur­few starts from 7 pm to 6am ..let’s see how many civil­ians will be tried in mil­i­tary courts this time..down with mil­i­tary rule !!! #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h I lit­er­al­ly feel impris­oned and not the same feel­ing of fuck cur­few like all the first months under SCAF #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h Dic­ta­tor­ships get cement­ed woith emer­gency law and cur­fews ..it starts for just a “month” then it lasts a life time #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h @sarahlphillips email me (twit­ter name at gmail) / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h If the sitins were not attacked, imag­ine what would have hap­pened then com­pare it with what is hap­pen­ing now .. #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 20h Beyond depressed with what is hap­pen­ing ..every­thing is shit #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h There is a small protest in the street behind my house chant­i­ng “ya rab, we are mar­tyrs by the mil­lions” #Nas­rCi­ty side streets from  #Rabaa / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h  State­ment from #Egypt Rev­o­lu­tion­ary Social­ists on the mas­sacre in Cairo, Down with mil­i­tary rule! / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 15h — Heli­copters are still hov­er­ing around #Rabaa area even after it is cleared ..annoy­ing to keep hear­ing it #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h El Baradie resigns #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h Morsy removed by army #Egypt pic.twitter.com/4oie8UzzyF / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h haha El Baradie base who hate Ikhwan view him now as a coward,& the peo­ple who saw him as a tool now respect him for resign­ing #Truesto­ry / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 19h My FB time­line is between cussing Baradie and those who are salut­ing him..i am indif­fer­ent, he should have known bet­ter going into SCAF gov / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Pho­tos: #Rabaa sitin sec­ond mas­sacre http://www.flickr.com/photos / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h You know that feel­ing in your stom­ach that makes you feel like you can’t breathe that’s all i am feel­ing right now / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h  any­thing stream­ing what is hap­pen­ing in #Rabaa now? ..have they cleared it all? / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h  And the cur­few starts.. #NoMil­Tri­als #NoSCAF #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h The divi­sions are get­ting clear­er and the grey area is dimin­ish­ing #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Those who are Ikwanopho­bic, pro-army, sec­u­lar­ists, “pro-rev­o­lu­tion” are the ones denounc­ing Baradie’s deci­sion the hard­est #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h  Those who are pro-rev­o­lu­tion, sec­u­lar­ists, against SCAF’s mas­sacre, yet against MB are more wel­com­ing of Baradie’s choice #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h I hate to gen­er­al­ize, but some­times it is need­ed to explain com­plex sit­u­a­tions know­ing that there are always excep­tions #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Cur­few has been post­poned to start at 9 pm instead of 7 pm, ends at 6 am #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 18h Tam­rood go to fuckin hell! counter-rev­o­lu­tion at best / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 17h / Being a news reporter in Egypt means you are not a reporter rather giv­ing us your pathet­ic opin­ion (on whichev­er side you are) #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 17h CBC reports that MB lead­ers Belt­agy, Erian, and Hegazy have been arrest­ed by #Rabaa , any­one con­firmed that? #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 17h  @RamyYaacoub nation­al­ism aka fas­cism / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h  — #Moi press­er is start­ing #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h — Until now MOI men­tioned NOTHING of burnt church­es #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h — He just men­tioned 7 church­es burnt but not that they failed to pro­tect them #Moi #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h — #Moi denies the alle­ga­tion of the escape and arrest of Belt­agy, Hegazy and Erian being very vague #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h — #MOI press­er was just cut on @ONtveg why? / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h — Why was the #MOI press­er cut on all chan­nels when it is not over yet ? #Egypt / Gigi Ibrahim ‏@Gsquare86 16h — #MOI no sit in will be tol­er­at­ed in any sq in the entire coun­try and will be dealt with firm­ly in coor­di­na­tion with mil­i­tary forces #Egypt /// — stop  :::  gigi ibrahim on twit­ter

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database

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sier­ra : 0.08 — Immer wieder dieselbe selt­same Erfahrung. Sobald ich mit­tels ein­er Hilfspro­gramm­ma­schine die Daten­bank mei­ner Par­ti­cles­denk­be­we­gung halb­au­to­ma­tisch von Bal­last befreie, die Emp­fin­dung, tat­säch­lich, ich selb­st, kör­per­lich leich­ter gewor­den zu sein: Con­gra­tu­la­ti­ons, your data­base is com­ple­tely opti­mized! — stop
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memory

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alpha : 5.06 — Vor 936 Tagen wurde die ukrainis­che Dra­matik­erin Anna Yablon­skaya im Alter von 30 Jahren in ein­er Halle des Flughafens Moskau-Domode­dowo von ein­er Bombe getötet. — stop

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PRÄPARIERSAAL : ein arm

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gink­go : 0.18 — Pia erzählt : > Manch­mal, wenn ich abends nach dem Prä­pari­erkurs nach Hause gehe, bemerke ich, dass ich die Ein­drücke, die ich im Prä­pari­er­saal gewon­nen habe, nicht mit der Straße, über die ich spaziere oder mit den Gesprächen der Men­schen, die ich in der U-Bahn höre, in eine Verbindung brin­gen kann. Ich habe das Gefühl, dass der Saal irgend­wie frei schwebt, also ganz für sich ist, isoliert. Ich reise zwis­chen zwei Wel­ten, von da nach dort und wieder zurück, und das geht gut so hin und her. Ich wun­dere mich, dass ich bish­er noch nie vom Prä­pari­er­saal geträumt habe, ich kann mich jeden­falls nicht daran erin­nern, geträumt zu haben. Ich glaube, ich bin in irgen­dein­er Weise geschützt. Ich kann nicht genau sagen, was mich schützt, vielle­icht ist es die Freude an der Arbeit, die Dichte der Auf­gaben, die mir gestellt sind. Ja, es ist viel zu tun. Lei­der kann ich nicht wirk­lich erzählen, was ich erlebe, ich meine zu Hause meinen Eltern oder meinen Fre­un­den. Diese eine Geschichte zum Beispiel, wie ich an einem Don­ner­stag in den Prä­pari­er­saal trete und sehe, dass etwas grund­sät­zlich anders gewor­den ist. Ich war natür­lich nicht unvor­bere­it­et gewe­sen, denn in der Prä­pari­er­an­leitung wurde verze­ich­net, dass die Leichen auf dem Tisch von den Prä­para­toren an einem Mittwochnach­mit­tag zer­legt wer­den. Und so war es gekom­men. Auf den Tis­chen lagen nur noch Arme und Beine und die Hälften je eines Kopfes. Selt­sam, sage ich Ihnen, sehr selt­sam! Aber natür­lich sin­nvoll. Von diesem Moment an ist es möglich, einen Arm in die Hand zu nehmen und von allen Seit­en her zu betra­cht­en, oder ein Bein. Ich musste mich etwas über­winden, das natür­lich, aber dann habe ich einen der bei­den Arme auf dem Tisch ange­hoben, bin mit ihm durch den Saal gelaufen und habe ihn unter fließen­dem Wass­er gewaschen. Als ich auf dem Weg zurück an den Tisch war, kam mir eine Kom­mili­tonin ent­ge­gen, auch sie trug einen Arm vor sich her. Der Arm war sehr groß, richtig schw­er, eine kleine Frau und ein großer Män­ner­arm. Wir lächel­ten uns an, ich glaube, weil wir bei­de in unseren Augen selt­sam aus­ge­se­hen haben kön­nten. Zurück an den Tisch gekom­men, habe ich das Arm­prä­parat unter­sucht, Muskeln, wo sie anset­zen, und Sehnen. Ich erin­nere mich, ich habe etwas unter­nom­men, das ich nur deshalb tun kon­nte, weil der Arm der Kör­per­spenderin ganz für sich gewe­sen war. Ich habe näm­lich an ein­er Sehne des Unter­armes gezupft und beobachtet, wie sich an der Hand in näch­ster Nähe ein Fin­ger bewegte. Ein­mal, vielle­icht zwei oder drei Tage später, beobachtete ich, wie Kom­mili­to­nen an ihren Tis­chen, bevor sie ihr Prä­parat mit Tüch­ern bedeck­ten, Arme und Beine und die Hälften der Gesichter, so auf den Tisch anord­neten, dass sie wieder an einen voll­ständi­gen Kör­p­er erin­nerten. Das hat mich beruhigt. - stop

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ein faden

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vic­tor : 2.37 — Ich habe eine kurze Geschichte ent­deckt, vielmehr einen Gedanken oder eine Beobach­tung, die bedeu­tend zu sein scheint. Der ungarische Dichter István Örkény verze­ich­net sie in seinen Minuten­nov­ellen unter dem Titel Der Sinn des Lebens. Diese Geschichte, ich bin mir nicht sich­er, ob ich sie wiedergeben darf, geht so: Wenn wir viele Kirsch­pa­prikas auf einen Faden auf­fädeln bekom­men wir einen Paprikakranz. Wenn wir sie allerd­ings nicht auf­fädeln, bekom­men wir keinen Kranz. Dabei sind es genau­so viele Paprikas, sie sind genau­so rot, genau­so scharf. Und trotz­dem sind sie kein Kranz. Sollte es nur der Faden sein, der den Auss­chlag gibt? Es ist nicht der Faden. Dieser Faden ist, wie wir wis­sen, ein neben­säch­lich­es, drit­tk­las­siges Ding. Was ist es dann? Wer sich darüber Gedanken macht und darauf achtet, dass seine Gedanken nicht alle Rich­tun­gen abschweifen, son­dern in die richtige Rich­tung voran­schre­it­en, kann großen Wahrheit­en auf die Spur kom­men. — stop
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linie 16

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romeo : 4.15 —  Mit der ersten Fahrt der Straßen­bahn mor­gens kommt der Tag in die Nacht, Vögel steigen aus, hock­en sich in Bäume und sin­gen, während Fliegen und Fal­ter aus mein­er Woh­nung flücht­en, um einzusteigen und schnell auf und davon zu fahren. Ich sollte ein­mal mor­gens auf die Straße treten und zur Hal­testelle gehen. Wenn nun die erste Fahrt der Lin­ie 16 ein­tr­e­f­fen wird, der Fahrer von Nacht­fal­tern bedeckt, Sitze und Lam­p­en und auch die Arbeit­er und Arbei­t­erin­nen der Früh­schicht. Dichte, bit­tere, staubige Luft, ein sonores Sum­men tausender Flügel. Kleine, harte Käfer­kör­p­er, Verir­rte, stür­men durch den weichen, fliegen­den Fal­ter­wald. Abends kommt man dann wieder zurück, steigt aus mit der let­zter Fahrt, hell­graue Geis­ter. Ende August. In Syrien, nahe Damaskus, sollen mehr als 1000 Men­schen durch Gift­gas getötet wor­den sein. — stop

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ai : USBEKISTAN

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MENSCH IN GEFAHR : “Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov ist seit April ohne Zugang zu sein­er Fam­i­lie in Usbek­istan inhaftiert. Seine Fam­i­lie befürchtet, dass ihm Folter und andere Mis­shand­lun­gen dro­hen. / Der 38-jährige Tad­schike Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov ist am 25. April in Usbek­istan angekom­men, um sein Kind aus erster Ehe zu besuchen. Er hätte am 28. April wieder nach Tad­schik­istan zurück­kehren sollen. Am 29. April erhielt Abdu­mavlon Abdu­rakhmonovs Brud­er in Tad­schik­istan einen Anruf von dessen Ex-Frau, die ihn darüber in Ken­nt­nis set­zte, dass Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov am 27. April vom usbekischen nationalen Sicher­heits­di­enst festgenom­men wor­den war. Seine Ange­höri­gen hat­ten seit­dem keinen Kon­takt mehr zu ihm. Bericht­en zufolge wurde er zwei Tage lang auf ein­er Polizei­wache in Beko­bod in Ost-Usbek­istan, 150 km von der Haupt­stadt Taschkent ent­fer­nt, fest­ge­hal­ten. Am 10. Juni erhielt die Fam­i­lie einen Anruf von einem Mann, der angab, in ein­er vorüberge­hen­den Haftein­rich­tung in Taschkent inhaftiert gewe­sen zu sein, in der auch Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov inhaftiert war. Abdu­mavlon Abdu­rakhmonovs Fam­i­lie weiß nicht, ob er Zugang zu einem Rechts­bei­s­tand hat. / Sein Brud­er kon­tak­tierte das tad­schikische Kon­sulat in Taschkent, um sich über die Gründe für die Inhaftierung von Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov zu erkundi­gen. Das tad­schikische Kon­sulat bat das usbekische Außen­min­is­teri­um um Auskun­ft und erhielt am 30. Mai die Rück­mel­dung, dass Abdu­mavlon Abdu­rakhmonov nicht von der Polizei in Beko­bod festgenom­men wor­den war. Abdu­mavlon Abdu­rakhmonovs Vater schrieb daraufhin im Juni an den tad­schikischen Men­schen­recht­som­buds­mann, um Unter­stützung und Hil­fe bei der Aufk­lärung des Verbleibs seines Sohnes zu erhal­ten. Der tad­schikische Ombuds­mann leit­ete die Anfrage an den usbekischen Ombuds­mann weit­er. Bish­er hat der tad­schikische Ombuds­mann jedoch keine Antwort erhal­ten. / Men­schen, die ohne Kon­takt zur Außen­welt inhaftiert sind, dro­hen unab­hängig von der Länge der Inhaftierung Folter und andere Mis­shand­lun­gen.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schriftliche Aktio­nen, möglichst unverzüglich und nicht über den 2. Okto­ber 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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müllnerhorn

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MELDUNG. Engel, Schule zu St. Nazaire, sind heute Abend von 9 bis 10 bei leichter Nacht­fliegerei über dem Müll­ner­horn [ östliche Flanke ] anzutr­e­f­fen. Ein­tritt frei. — stop

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oszillieren

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marim­ba : 22.08 — Seit Monat­en, wenn ich auf meinem Arbeitsso­fa sitze und zur Decke schaue, beobachte ich den Kör­p­er eines Käfers, der seine Posi­tion nicht zu verän­dern scheint. Genaugenom­men sitzt der Käfer an der Wand, exakt dort, wo die Wand sich fal­tet, also endet. Sein Kopf ist nach unten gerichtet, als ob er mich besichti­gen würde. Zunächst habe ich angenom­men, der Käfer kön­nte schlafen. Aber nach zwei Wochen musste ich in Betra­cht ziehen, dass der Käfer vielle­icht gestor­ben ist, dass er eigentlich her­ab­fall­en sollte, wenn sich nicht ein­er sein­er Füße in ein­er Spalte der Tapete ver­hackt haben würde. Selt­sam ist, dass ich keinen Wun­sch ver­spüre, nachzuse­hen, ob es sich bei dem Käfer über mir um einen Schlafend­en oder einen Toten han­delt. Ich müsste nur einen Stuhl holen und mich dem Käfer vor­sichtig näh­ern, vielle­icht mit einem Pin­sel, der weich ist. Stattdessen schaue ich immer wieder gegen die Decke. Manch­mal meine ich eine Bewe­gung gese­hen zu haben, oder ich glaube, der Käfer sei etwas weit­er nach Nor­den gezo­gen während ich schlief. Ich muss das im Auge behal­ten. — stop
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im zug

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marim­ba : 2.32 — Am Abend spät betrat ein junger Mann einen Zug der Schnell­bahn­lin­ie, welche die Stadt mit dem Flughafen verbindet. Er schleppte ein Fahrrad hin­ter sich her, das so schw­er bepackt gewe­sen war, dass er sich, genau genom­men, nicht auf das Fahrrad set­zen kon­nte, es war kein Platz für seinen schmalen Kör­p­er. Auf der Spitze des Gepäck­berges von Taschen und Tüten, ruhte ein Kör­bchen, dort schlief eine Katze. Es war still, der Zug an diesem Abend beina­he leer, ein Zug, der über Gepäck­abteile oder Nis­chen für Fahrräder, Kinder­wa­gen und sehr große Kof­fer ver­fügte. An kein­er dieser geeigneten Stellen war der junge Mann mit seinem Fahrrad und sein­er Katze jedoch eingestiegen, vielmehr in ein Abteil, in welchem sich auss­chließlich Sitz­plätze befan­den. Nun geschah fol­gen­des: Eine Stimme in deutsch­er Sprache ersuchte den jun­gen Mann an der näch­sten Hal­testelle, auszusteigen und sich in ein Abteil zu begeben, das für ihn und sein Fahrrad vorge­se­hen war. Da der junge Mann nicht reagierte, wieder­holte die Stimme ihr Anliegen in eben der deutschen Sprache. Auch diese zweite Auf­forderung blieb ohne Erfolg, weshalb kurz darauf eine Ansprache zunächst in englis­ch­er, dann in franzö­sis­ch­er, schließlich in spanis­ch­er, zulet­zt in por­tugiesis­ch­er Sprache zu vernehmen war. Es han­delte sich je um Tonkon­ser­ven, die ver­mut­lich alle genau densel­ben Text enthiel­ten, dieselbe Botschaft oder Bitte, den Hin­weis darauf, dass Fahrräder nur in den dafür vorge­se­henen Abteilen befördert wer­den dür­fen. Die Stim­men waren fre­undlich in ihrem Klang, angenehme Stim­men, sie wick­el­ten sich ab in einem Zeitraum von drei oder vier Minuten. Es war verge­blich, der junge Mann bewegte sich nicht. Nach ein­er kurzen Phase der Stille, erhob sich die Stimme des Fahrers erneut. Er for­mulierte nun in chi­ne­sis­ch­er Sprache, ich nehme an, dieselbe Botschaft wie zuvor, ein bemerkenswert­er Vor­gang, ein Beispiel von Behar­rlichkeit. Als der Zug kurz darauf in einem kleinen Bahn­hof stoppte, erschien ein zier­lich­er Mann im Abteil. Er trug eine blaue Uni­formhose und ein weißes Hemd, es han­delte sich um einen Mann chi­ne­sis­ch­er Herkun­ft. Er schien sehr aufge­bracht zu sein. Er näherte sich dem jun­gen Mann, gestikulierte heftig, deutete mal auf den Besitzer des Fahrrades, dann auf das Fahrrad selb­st, hob die Hände zum Him­mel, um bald wieder zu ver­schwinden. Dann set­zte der Zug sich wieder in Bewe­gung. Vor den Zugfen­stern schim­merte Schnee in den Bäu­men. Ein Gespräch unter Reisenden war zu hören. Die Katze in ihrem Kör­bchen hat­te für einen Moment die Augen geöffnet. — stop
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stille

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tan­go : 22.15 — Am 21. Dezem­ber des ver­gan­genen Jahres notiert Wolf­gang Her­rn­dorf auf Posi­tion Arbeit und Struk­tur : Ago­ta Kristofs Trilo­gie zum drit­ten Mal nacheinan­der in Folge gele­sen, das Per­son­al verir­rt sich schon in meine Träume. Ein­er der einei­igen Zwill­inge, Klaus, Schrift­steller wie im Buch, ste­ht von Gaffern und Polizis­ten umringt auf dem Nürn­berg­er Haupt­markt und hält ein Manuskript mit dem Titel Die glück­liche Stadt hoch, dessen sofor­tige Pub­lika­tion er ver­langt. Es han­dle von Unge­heuerem, Skan­dalösem, Ver­bor­gen­em. Doch nie­mand, scheint ihm, nimmt ihn ernst; man behan­dele ihn wie einen Wahnsin­ni­gen. Ein Polizist sagt: Warum brin­gen Sie es nicht zur Zeitung, um es dort veröf­fentlichen zu lassen? / Klaus betritt ein Gebäude, dessen Flure und Räume an einen vor Jahrzehn­ten still­gelegten Bürokom­plex der Deutschen Post erin­nern, und gibt sein Manuskript zusam­men mit einem kleinen Zettel an der zuständi­gen Stelle ab. Beim Ver­lassen der Redak­tion bemerkt er, daß alle ihm mitlei­dig nach­schauen. Er kehrt um. Ein junger Mann erk­lärt: Sie kom­men jedes Jahr ein­mal mit Ihren Doku­menten hier­her und geben sie zusam­men mit einem Zettel ab, auf dem ste­ht: “Bitte nehmen Sie mein Manuskript ent­ge­gen, tun Sie so, als ob Sie es druck­en, und lassen Sie mich niemals wis­sen, was auf diesem Zettel ste­ht.” / Das große Heft. / Der Beweis. / Die dritte Lüge. / Die Geschichte des Zwanzig­sten Jahrhun­derts in ein­er Nußschale, die die Dimen­sio­nen eines Riesen­tankers hat, unge­heuer, wahnsin­nig, max­i­mal kaputt.Stille. - stop

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essaouira

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MELDUNG. Tief­seeele­fan­ten, 166 hupende Rüs­sel­rosen, vor Essaouira gesichtet. Man wan­dert in kreisender Bewe­gung. — stop

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unter wasser

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delta : 22.58 — Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich durch meine Woh­nung tauchen kön­nte. Machte mich unverzüglich an die Arbeit. Zunächst stieg das Wass­er in den Zim­mern. Es kam nicht von oben, son­dern von unten, das Wass­er kam wie ein Gast durch die Woh­nungstür here­in, die geschlossen war, aber nicht wirk­lich dicht. Es stieg sehr schnell, viel zu schnell, um meine Büch­er noch in Sicher­heit brin­gen zu kön­nen. Saß auf einem Stuhl in der Küche, die Füße auf dem Boden, als das Wass­er, bern­ste­in­far­ben und warm, eine Steck­dose erre­ichte. Ich erwartete, von einem Wand­blitz getrof­fen zu wer­den, ein Irrtum. Stattdessen begann ich zu leucht­en, zunächst leuchtete ich mit den Hän­den, dann leuchteten meine Arme. In dem Moment, da das Wass­er meinen Mund erre­ichte, holte ich tief Luft und tauchte los. Eine Banane schwebte vorüber wie ein Fisch, Papiere und Zeitun­gen und zwei heftig zap­pel­nde Mäuse, von deren Exis­tenz ich nichts ahnte. Die Schreib­mas­chine auf dem Tisch funk­tion­ierte noch, wie alle Lam­p­en in der Woh­nung. Und so schwebe ich nun also ger­ade kopfüber und schreibe. Sehr schöne Geräusche sind zu hören, es knis­tert, vielle­icht bin ich das selb­st. Später Abend. — stop

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