paul moreau

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ulysses : 2.18 – Vor genau 1162 Tage folgende Beob­ach­tung: Das bewusste Denken scheint ohne Ausnahme ein Denken mit Stimme zu sein. Ich höre meine urei­gene Gedan­ken­stimme, als würde ich über Ohren gebieten, die nach innen gerichtet sind. Sobald ich einen Gedanken mittels der Stimme Paul Newmans oder Jeanne Moreaus in meinem Kopf zur Sprache bringe, habe ich einen bereits vorlie­genden Gedanken erin­nert, über­setzt, erzählt. Erstaun­lich der Eindruck, dass sich mein Mund öffnet, sobald sich meine Hände einer Tastatur nähern. – Weiterhin vertraut. – stop

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montevideo

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MELDUNG. Selt­same Dinge geschehen in dem zentralen Parque Prado zu Monte­video. Segel­falter der Gattung Iphi­clides antarc­tica 8bX haben sich zu Gruppen versam­melt, fliegen Forma­tionen, bilden Kugeln, Quader und weitere geome­tri­sche Körper. Bei Regen, so heute Morgen geschehen, stellt man exakt gezir­kelte Türme in die Luft. Die Stadt wird unter Quaran­täne gestellt. – stop

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luftposttiere

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romeo : 3.22 – Die Vorstel­lung der Luft­post­tiere in dieser Nacht, wie sie einem Brief­um­schlag entkommen. Noch ruhen sie flach auf dem Tisch, helle Erschei­nungen, biegsam wie die Blätter der Buchen. An einer ihrer Kanten ist ein rötli­cher Punkt zu erkennen, ein Auge even­tuell, dort auch ein sehr kleiner Mund, der atmet. Man vermag diesen Mund nur dann zu entde­cken, wenn man über ausge­zeich­nete Augen verfügt, oder über eine Brille. Es lohnt sich genau hinzu­sehen. Sand­far­bene Lippen und eine rosa­far­bene Zunge, nicht größer als ein gepresstes Reis­korn. Sobald man ein Luft­post­falt­tier aus seinem Umschlag holt, wacht es auf, weil es im Umschlag noch zwin­gend schlafen musste, Schlaf und Umschlag sind Geschwister. Aber dann beginnt das Tier in den Raum zu atmen. Indem es atmet, entfaltet sich sein Körper. Es ist immer wieder bemer­kens­wert, welch faszi­nie­rende Gestalten erscheinen, afri­ka­ni­sche Luft­post­falt­tiere sind euro­päi­schen Luft­post­falt­tieren durchaus nicht ähnlich. So oder so wird man staunen und erzählen. – 3 Uhr und etwas später. Leichter Regen. – stop

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ai : RUSSISCHE FÖDERATION

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MENSCH IN GEFAHR : “Jewgeni Witischko muss eine drei­jäh­rige Haft­strafe in einer Straf­ko­lonie antreten. So hat es das Regio­nal­ge­richt von Kras­nodar in einem Rechts­mit­tels­ver­fahren am 12. Februar entschieden. Amnesty Inter­na­tional betrachtet den inhaf­tierten Umwelt­schützer als gewalt­losen poli­ti­schen Gefan­genen, der straf­recht­lich verfolgt wird, weil er Umwelt­schäden in der Region Kras­nodar aufge­deckt hat. / Am 12. Februar hat das Regio­nal­ge­richt von Kras­nodar ein von Jewgeni Witischko einge­legtes Rechts­mittel gegen die gegen ihn verhängte Haft­strafe zurück­ge­wiesen und damit die Entschei­dung eines Gerichts unterer Instanz bestä­tigt. In dem Urteil des Regio­nal­ge­richts heißt es, der Umwelt­schützer habe gegen eine Auflage (Reise­be­schrän­kung) verstoßen, die ihm im Zusam­men­hang mit einer zur Bewäh­rung ausge­setzten drei­jäh­rigen Frei­heits­strafe aufer­legt worden war. Er müsse deshalb die drei Jahre Haft in einer Straf­ko­lonie verbüßen. Das ursprüng­liche Urteil war nach Auffas­sung von Amnesty Inter­na­tional in einem poli­tisch moti­vierten und unfairen Gerichts­ver­fahren gegen ihn ergangen. Der Termin für die Verhand­lung über das Rechts­mittel war zunächst auf den 22. Februar fest­ge­setzt worden, wurde dann aber auf den 12. Februar vorver­legt, so dass es in den Zeit­raum der 15-tägigen Haft von Jewgeni Witischko fiel, die er wegen konstru­ierter Vorwürfe im Zusam­men­hang mit “gering­fü­gigem Rowdytum” in der Stadt Tuapse verbüßen musste. Der Umwelt­schützer konnte deshalb an der Verhand­lung nur per Video­schal­tung teil­nehmen. Als Reak­tion auf das Urteil kündigte Jewgeni Witischko einen Hunger­streik an. / Nachdem er seine 15-tägige Haft­strafe verbüßt hatte, sollte Jewgeni Witischko am 18. Februar frei­ge­lassen werden und sich dann privat auf den Weg zu der Straf­ko­lonie machen, um dort seine drei­jäh­rige Frei­heits­strafe anzu­treten. Die Behörden erklärten dann jedoch, er werde nicht aus der Haft entlassen, sondern begleitet von Gefäng­nis­per­sonal direkt in die Straf­ko­lonie gebracht. Amnesty Inter­na­tional vorlie­genden Infor­ma­tionen zufolge befindet er sich derzeit auf dem Weg dorthin, das genaue Ziel ist aber nicht bekannt.” – Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen, möglichst unver­züg­lich und nicht über den 1. April 2014 hinaus, unter »> ai : urgent action

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westbengalen luftpostbrief

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nordpol : 0.55 – Vor über einem Jahr im Sommer habe ich von einem Freund einen Brief erhalten, der per Luft­post zu mir gekommen war. Dieser Brief wurde an dieser Stelle bereits gesendet. Leider konnte ich meinem Freund damals nicht antworten, weil er keine posta­li­sche Adresse hinter­lassen hatte. Nun glück­li­cher­weise ein Lebens­zei­chen aus Tibet. Er schreibt, er habe seinen Brief unter meinen parti­cles entdeckt, er freue sich. Diese Nach­richt nun erreichte mich per E-Mail. Ich dachte, sie könnte natür­lich von überall her gekommen sein. Eigen­tüm­lich ist, dass mein Freund, wenn er an diesem Abend über einen Anschluss an das Internet verfügen sollte, meine Antwort, die ich in der kommenden Stunde notieren werde, unver­züg­lich erhalten wird, während sein Brief aus Darjee­ling damals zwei Wochen unter­wegs gewesen war. Der Brief war von sei­ner äuße­ren Gestalt her ein Stan­dard­luft­post­brief, fühlte sich aller­dings weich an, als würde ein dün­nes Tuch in ihm ent­hal­ten sein. Er war zudem etwas schwe­rer als üblich. Als ich ihn öff­nete fand ich ein hand­schrift­li­ches Schrei­ben vor, eine Foto­gra­fie und einen wei­te­ren Brief von klei­ne­rem For­mat, mit einer Art Ven­til in sei­ner Mitte. Mein Freund notierte am 25. Juni 2012 mit einem Blei­stift: Lie­ber Louis, seit zwei Wochen befinde ich mich in West­ben­ga­len nahe Sonada in einem klei­nen Haus, das voll­stän­dig von Holz gemacht ist. Ich gehe haupt­säch­lich spa­zie­ren und wenn ich ein­mal nicht spa­zie­ren gehe, fahre ich mit dem Zug zwi­schen Jal­pai­guri und Dar­jee­ling hin und her. Eine wun­der­bare Zeit. Ich kenne inzwi­schen alle Zug­füh­rer per­sön­lich und so darf ich bei Dampf­be­span­nung vorne auf der Loko­mo­tive rei­sen. Du siehst mich anbei auf der Foto­gra­fie vor dem Kes­sel ste­hen, ja, ich bin unter den drei klei­nen Män­nern mit den Ruß­ge­sich­tern der in der Mitte. Ich habe Dir, lie­ber Louis, etwas indi­sche Eisen­bahn­luft ein­ge­fan­gen. Sie ruht in den Umschlag gefüllt, der ver­mut­lich vor Dir auf dem Tisch liegt. Es wäre viel­leicht am bes­ten, wenn Du einen Stroh­halm ver­wen­den wür­dest, den Du mit dem Ven­til ver­bin­dest, um dann einen tie­fen Atem­zug durch ein Nasen­loch zu neh­men. Aller­beste Grüße Dein L. — stop

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echo : 3.18 – Ich gehe ein paar Schritte nach links, dann gehe ich ein paar Schritte nach rechts. Sobald ich gehe, denke ich in einer anderen Art und Weise, als würde ich noch sitzen. Ich habe schon viel nach­ge­dacht während ich ging. Und ich habe schon viel vergessen während ich ging. Wenn ich gehe, kommen die Gedanken aus der Luft und verschwinden wieder in die Luft. Wenn ich sitze, kommen die Gedanken aus meinen Händen. Sobald ich einmal nicht schreibe, ruhen meine Hände auf den Tasten der Schreib­ma­schine und warten. Sie warten darauf, dass eine Stimme in meinem Kopf diktiert, was zu schreiben ist. Ich könnte viel­leicht sagen, dass meine Hände darauf warten, mein Gedächtnis zu entlasten. Was ich mit meinen Händen in die Tastatur der Maschine schreibe, habe ich gedacht, aber ich habe, was ich schrieb nicht gelernt, nicht gespei­chert, weil ich weiß, dass ich wieder­kommen und lesen könnte, was ich notierte. Selt­same Dinge. Ich denke manchmal selt­same Dinge zum zweiten oder dritten Mal. Gerade eben habe ich wahr­ge­nommen, dass es nicht möglich ist, zwei Zeichen zur selben Zeit auf meiner Schreib­ma­schine zu schreiben, immer ist ein Zeichen um Bruch­teile von Sekunden schneller als das andere Zeichen. Wenn ich selt­same Dinge gedacht habe, freue ich mich. Wenn ich mich freue, kann ich nicht bleiben, wo ich bin. Die Freude ist ein Gefühl, das mich in Bewe­gung versetzt. Ich springe auf, wenn ich saß, oder ich springe in die Luft, wenn ich bereits auf meinen Beinen stand. Dann gehe ich ein paar Schritte nach links, dann gehe ich ein paar Schritte nach rechts. Sobald ich gehe, denke ich in einer anderen Art und Weise, als würde ich noch sitzen. – Kurz nach vier Uhr auf dem Maidan-Platz, Kiew. – stop

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