vom fragen

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echo : 16.04 UTC – Wie es gut gehen kann? Viel­leicht so, dass ich mich zu inter­es­sieren beginne, dass ich eine Frage stelle, ein Gespräch, Zeit finde für ein Gespräch: Sag, wo kommst du her? Seit wann bist du hier? Warum muss­test du fliehen? Kannst du meine Sprache verstehen? Das ist das eine. – Und dann sollte ich, so furchtbar schwierig das werden wird, noch weitere Fragen stellen, persön­lich oder im Internet auf Posi­tion Twitter, wenigs­tens sollte ich einen Versuch unter­nehmen. Ich frage also: Warum verwen­dest Du das Wort ABSCHAUM, wenn Du von Flücht­lingen sprichst, weshalb das Wort VIEHZEUG, wenn Du Personen bezeich­nest, die in Afrika geboren wurden? Was ist geschehen? – stop
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taliban light

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romeo : 7.55 UTC – Im Traum wurde ich von einer Taliban-Gruppe gefangen. Ich verfügte weder über Gepäck, noch Papier, hatte keine Stifte. Ich fragte nach einer Schreib­ma­schine. Wir wanderten durch sandiges Gebiet. Einmal hielten wir an, ich wurde befragt, ich antwor­tete nicht korrekt, wurde mit leichten Hieben auf meine Fußsohlen bestraft. Das sei erst der Anfang, hörte ich, zuletzt würde ich ohne meine Füße weiter­gehen. In einem kleinen Laden in einer Höhle entdeckte ich ein Regal mit Büchern in deut­scher, fran­zö­si­scher, engli­scher und russi­scher Sprache. Man erklärte, wenn ich eines der Bücher kaufen würde, würde man mir das Buch sogleich wieder abnehmen und zurück­stellen ins Regal. Da waren im Traum noch Skor­pione mit blauen Augen, die vorzüg­lich schmeckten. – stop

5 uhr drei

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alpha : 5.03 UTC – Vor fünf Minuten erst notierte eine Frau Namens Wolfsrudel77 öffent­lich, ich solle mich erschießen. – Ist das eine Nach­richt? – stop

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vor dem radio

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hima­laya : 18.55 UTC – Ich stelle mir vor, wie ich in der Küche vor einem Tisch sitze. Auf dem Tisch steht ein Radio. Das Radio ist 10 cm lang und ebenso breit und ebenso hoch, ein Würfel demzu­folge. Der Würfel verfügt über zwei Knöpfe, die ich vertiefen einer­seits und an welchen ich drehen kann ande­rer­seits. Dort, wo ich Schrauben erkenne, die in das hölzerne Gehäuse einge­lassen sind, scheint sich die hintere Seite des kleinen Radios zu befinden. Ich kann das Radio öffnen. Als ich es öffne, entdecke ich weitere sehr kleine Schrauben, eine Platine, Dioden, Wider­stände, Beschrif­tungen in einer Sprache, die ich nicht zu lesen vermag, außerdem einen Zylinder. Ich entdecke also viele Dinge, aber nichts, was mir behilf­lich sein konnte, das Radio zum Schweigen zu bringen, das Radio spielt nämlich in einem Abstand von einer Stunde eine Passage aus der 2. Symphonie Rach­ma­ni­nows, die weder leiser noch lauter einzu­stellen ist, sie ist eben wie sie ist, laut genug, um das Radio vor das Fenster stellen zu müssen. Einmal sitzen zwei Tauben links und rechts des Radios. Als das Radio seine Musik spielt, erschre­cken sie und fliegen davon. Ein anderes Mal kommen sie wieder und bauen auf dem Radio ein Nest. – stop

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ai : INDIEN

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MENSCH IN GEFAHR : “Am 2. April wurde Goka­ra­konda Naga Saibaba von den Gefäng­nis­be­hörden zu einem Kran­ken­haus­termin gebracht. Seine Frau erhielt jedoch keine Infor­ma­tionen über den Termin. Zuvor wurde ihr bereits der Zugang zu ihrem Mann und seinem Arzt verwehrt. Am 27. März hatte sie bei der Natio­nalen Menschen­rechts­kom­mis­sion die Unter­su­chung seines Gesund­heits­zu­standes sowie den Transfer in ein Gefängnis in einer anderen Stadt bean­tragt, die über besser ausge­stat­tete Kran­ken­häu­sern verfügt und in der er durch seine Fami­li­en­an­ge­hö­rigen unter­stützt werden kann. / Am 7. März 2017 wurde Goka­ra­konda Naga Saibaba unter anderem der „rechts­wid­rigen Akti­vi­täten“, „Verab­re­dung zu terro­ris­ti­schen Hand­lungen“ und „Mitglied­schaft in einer terro­ris­ti­schen Orga­ni­sa­tion“ schuldig befunden und zu lebens­langer Haft verur­teilt. Das Urteil basierte haupt­säch­lich auf Unter­lagen und Video­auf­nahmen, die das Gericht als Beweis für seine Mitglied­schaft in einer Orga­ni­sa­tion der verbo­tenen Kommu­nis­ti­schen Partei Indiens (Maoisten) ansah. Amnesty Inter­na­tional ist der Ansicht, dass die Anklagen gegen Goka­ra­konda Naga Saibaba konstru­iert sind und dass sein Prozess nicht den inter­na­tio­nalen Stan­dards für faire Gerichts­ver­fahren entsprach. / Seine beiden Beine sind infolge von Kinder­läh­mung gelähmt und er sitzt im Roll­stuhl. Zudem ist bei ihm eine akute Pankrea­titis diagnos­ti­ziert worden. Aufgrund dieser Erkran­kung hat er Schwie­rig­keiten mit seiner linken Schulter und der linken Hand. Er leidet außerdem an einer Herz­er­kran­kung sowie Blut­hoch­druck. Nach seiner Fest­nahme und seiner Inhaf­tie­rung im Zentral­ge­fängnis von Nagpur in Maha­rashtra verschlech­terte sich sein Zustand erheb­lich. Seine Frau berich­tete, er habe starke Schmerzen und habe seit seiner Verur­tei­lung bereits dreimal das Bewusst­sein in seiner Zelle verloren. In einem Brief teilte er vor kurzem mit, er habe Schmerzen im Bauch und in seiner linken Hand und leide unter Kopf­schmerzen. Er schrieb zudem, es sei ihm nicht möglich, grund­le­gende Körper­funk­tionen wie das Urinieren ohne starke Schmerzen durch­zu­führen. Auch das Schreiben des Briefes würde schmerzen und fiele ihm sehr schwer. / Obwohl Goka­ra­konda Naga Saib­abas Familie wieder­holt wich­tige Infor­ma­tionen über seinen Gesund­heits­zu­stand ange­for­dert hat, gaben die Gefäng­nis­be­hörden diese Infor­ma­tionen nicht heraus. Im vergan­genen Jahr wurde ein Antrag gestellt, ihn aufgrund seines Gesund­heits­zu­stands bis zum Rechts­mit­tel­ver­fahren auf Kaution frei­zu­lassen. Die Anhö­rung zu diesem Antrag soll kommende Woche statt­finden.” - Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen bis spätes­tens zum 16.5.2018 unter > ai : urgent action
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montauk

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MELDUNG. Montauk, Point Light­house, 5. Etage, stei­nernes Zimmer : Kirsche No 388 [ Marmor, Makrana : 2.56 Gramm ] voll­endet. – stop

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twitter

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nordpol : 18.55 UTC – In den Echo­kam­mern der Twit­ter­welt üben mensch­liche Lebe­wesen inverse Methoden, beispiels­weise die Methode, bezüg­lich einer Posi­tion grund­sätz­lich das Gegen­teil zu glauben, etwas zu glauben also, auch dann, wenn es nicht sein kann. Am Abend des 7. April beob­ach­tete ich wie ein junger Mann einer jungen Frau notierte: Erhäng Dich. Die junge Frau hatte zu einem frühen Zeit­punkt unter­stellt, ein Anschlag in der Stadt Münster sei von Mitglie­dern des IS verübt worden. An anderer Stelle sprach sie von Menschen, die aus Eritrea nach Israel geflüchtet sind, diese Menschen seien VIEHZEUG. Die junge Frau antwor­tete unver­züg­lich: Dein Satz hat das falsche Satz­zei­chen. Es müsste “Erhäng Dich!” heißen. Der junge Mann wiederum notierte, er denke, dass der Kontext ( sie solle sich erhängen ) auch ohne Satz­zei­chen “rüber” komme. Das hier ( Twitter ) sei ein Kurz­nach­rich­ten­dienst und kein Diktat. – stop

ruhen

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kili­man­dscharo : 18.55 UTC – Kopf­segel, wunder­bares Wort. Oder das Wort Coka. Kopf­segel exis­tierten tatsäch­lich lange Zeit bevor ich das Wort entdeckte, eine Bezeich­nung durch­blu­teter Struk­turen an Köpfen der Stirn­ba­se­liken. – stop

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im park

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nordpol : 0.52 UTC – Ich beob­ach­tete in einem Park einen jungen Mann, der auf einer Bank hockte. Auf seinen Knien ruhte ein Buch. Ich bemerkte bald, dass der junge Mann, anstatt zu lesen, das Buch zerlegte. Er ging in dieser Arbeit sehr sorg­fältig vor, legte ein Lineal auf eine Seite des Buches, fuhr kurz darauf mit einem feinen Messer die Kante des Lineals entlang, trennte also mit einer vorsich­tigen Hand­be­we­gung eine Seite von der Bindung des Buches, legte die Seite neben sich auf die Bank und beschwerte sie mit einem Stein­chen, dass er zuvor mit eben der Hand, die gerade noch das Messer führte, ange­hoben hatte. Eine Seite nach der anderen Seite löste er in dieser Weise aus dem Körper des Buches heraus, gleich­mäs­sige Bewe­gungen, als sei ihm die Arbeit der Zerle­gung eines Buches vertraut. Es war ein windiger Tag gewesen. – stop

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8 Uhr 36

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alpha : 20.36 UTC – Wann wurde das Wort Nilgans zum ersten Mal von einem mensch­li­chen Mund formu­liert? Oder das Wort Ohrfeige? Oder das Wort Chlorgas? – stop
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hidschab

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charlie : 22.25 UTC – Einmal erzählte M., sie trage ein Woll­häub­chen unter ihrem Kopf­tuch. Dass M. mit einem Mann, der weder mit ihr verwandt noch ihres Glau­bens ist, über ihr Kopf­tuch sprach, war viel­leicht deshalb möglich geworden, weil wir jahre­lang immer wieder einmal über ameri­ka­ni­sche Filme disku­tierten, M. ist nämlich eine hervor­ra­gende Kennerin des ameri­ka­ni­schen Kinos, aber sie will niemals natür­lich dorthin reisen nach Amerika, eine selt­same Geschichte. Ihre Kopf­tü­cher, die alle­samt farben­froh sind, seien gewöhn­liche Tücher, sagte M., 90 x 90 cm. Ich dürfe sie niemals unge­fragt foto­gra­fieren, das sei ähnlich wie ihr die Hand zu geben, ich darf ihre Hand nicht ergreifen, sie reicht mir die Hand, wenn sie mir die Hand geben will, sie habe nicht eigent­lich ein Problem damit, mir die Hand zu geben, es darf aber niemand beob­achten, der über sie deshalb urteilen würde. Burka, sagte M., das gehe gar nicht, man kann eine Burkaträ­gerin nicht foto­gra­fieren, nur die Burka. Ja, dass M. mit einem Mann, der weder mit ihr verwandt noch ihres Glau­bens ist, über ihr Kopf­tuch noch immer spricht, ist viel­leicht deshalb möglich geworden, weil wir uns seit derart langer Zeit begegnen, dass ich ihr Kopf­tuch über­haupt nicht mehr bemerke von Zeit zu Zeit. – stop

von bestien

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lima : 15.42 UTC – Was für ein wunder­barer Nach­mittag. Sonne scheint ins Arbeits­zimmer, Magno­lien blühn, und die Luft duftet nach Fröschen und Zimt. Hörte Charlie Parkers Summer­time, während ich im Echo­kam­mer­thread auf Posi­tion Twitter pfund­weise Dreh­or­gel­sätze über Gutmen­schen lese, die man gern aufhängen würde, wenn man doch endlich einmal aufräumen dürfte. Das Wort aufräumen ist ein sehr begehrtes Wort in der Kammer. Auch heute wieder geht Europa, geht Deutsch­land unter, und alle, die anderer Ansicht sind, lügen. Würden sie, die Andre88 heißen, Rebell77, Ausbilder Schmidt, Werwolf, Deutsch­rose, würden sie, die in dieser Weise heißen, tun, wovon sie reden, hätten wir viele lust­volle Bestien überall auf den Straßen, in den Parks, den Hinter­höfen. Auch Eich­hörn­chen, unsere lieben mittel­eu­ro­päi­schen Eich­hörn­chen, würden dann, von Menschen­vor­bil­dern geleitet, mit gefletschten Zähnen zuge­reiste Nutrias im Teich des bota­ni­schen Gartens bis zu ihrem bitteren Ende jagen. – stop
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haus ohne türen

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india : 0.15 UTC – Ich träumte von einem Haus ohne Fenster, ohne Türen. Die Zimmer des Hauses waren von strah­lend hellem Licht. Das Licht kam aus dem Boden, den Wänden, von der Decke. Auf dem Boden kauerte ein Mann. Der Mann schien darauf zu warten, dass es endlich wieder Dunkel werden wird. Seine Augen waren entzündet. Er stand auf, suchte nach einem Schalter, um das Licht zu löschen. Vögel lebten in den Zimmern des Hauses, hunderte sehr kleine Vögel. Sie flogen herum, ohne jemals zu landen. Wenn der Mann einen der Vögel fing, war er sofort gebraten, er dampfte in seinen Händen, das Gefieder löste sich wie von selbst vom Leib und fiel zu Boden. – stop

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prozedur

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kili­man­dscharo : 20.02 UTC – 1 Mal im Jahr, stelle ich mir vor, wird Mr. Hemingway (Name erfunden) seine Schreib­ma­schine zerlegen, um jedes ihrer Einzel­teile zunächst zu säubern, zu betrachten und in feine Maschi­nenöle zu tauchen. Eine zeit­auf­wän­dige Prozedur, größte Sorg­falt wird geboten sein, denn die Schreib­ma­schine ist kostbar. Schon der Groß­vater, ein äußerst gebil­deter Mann, soll auf ihr notiert haben, weshalb sie sozu­sagen mittels der Zeichen, die sie auf allerlei Papiere drückte, weit in der Welt herum gekommen war. Wie nun präzise, frage ich, wird Mr. Hemingway seine Schreib­ma­schine in ihre Einzel­teile zerlegen, wie wird er vorgehen? Viel­leicht, indem er zunächst einen Plan entwi­ckeln wird, der einzelne Schritte der Zerle­gung (Demon­tage) derart verzeichnet, dass sie später einmal in rück­wir­kender Art und Weise nach­voll­zogen werden könnten (Montage). Sehr viele Schräub­chen, Tasten, Zahn­räder werden zu berück­sich­tigen sein, 328 Teile insge­samt. Würde nur eines dieser Schräub­chen, Tasten oder Zahn­räder, zu Boden fallen und verschwinden, wäre es um die Schreib­ma­schine geschehen, aus und vorbei. Eine riskante Geschichte. – stop

zu washington

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MELDUNG. Zu Washington im Opern­haus, 2700 F Street, werden am Mitt­woch­abend, 2. Mai 2018, zwei San-Lorenzo-Harlekin-Frösche, letzte ihrer Art, öffent­lich auf zentraler Bühne zur Spren­gung gebracht. Zündung des männ­li­chen Tieres um 22 Uhr Orts­zeit, Zündung des weib­li­chen Tieres um 22 Uhr 30. Die Vorstel­lung ist ausver­kauft. – stop

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brooklyn : february house

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nordpol : 23.56 UTC – Wenige Wochen vor einer Reise nach New York brach ich mir den rechten Arm. Das ist jetzt bereits einige Jahre her, der kompli­zierte Bruch ist gut verheilt, ich kann ohne Beschwerden wieder mit der Hand notieren. Damals aber waren meine Bewe­gungen unge­lenk, ich schrieb wie ein Kind mit sehr großen Buch­staben. Einige dieser Zeichen entdeckte ich am späten Abend in Carson McCul­lers selt­samer Erzäh­lung Die Ballade vom trau­rigen Café. Auf der Seite 52 des Buches hatte ich zwei Wörter vermerkt: February House. Ich erin­nerte mich, dass ich damals den Entschluss fasste, einer Spur der Dich­terin in New York zu folgen. Ich schrieb um Wochen verzö­gert und noch immer unter Schmerzen: Weil ich nur sehr schwer­fällig mit der Hand in mein Notiz­buch schreiben kann, notiere ich während des Lesens, indem ich in Gedanken wieder­hole, was zu tun ist in den kommenden Stunden. Nach­for­schen in der Digi­talen Sphäre. Wo genau, in welcher Straße, in welchem Haus wohnte Carson McCul­lers in Brooklyn? Ist denkbar, dass die junge Dich­terin tatsäch­lich drei Wochen benö­tigte, um das Subway-System der Stadt New York verlassen zu können? Oder suchte sie in eben diesem Raum der Zeit nach ihrer Wohnung, die sie nicht wieder finden konnte, weil sie mittellos und ohne genauere Orts­kenntnis in einem U-Bahn­wagon zurück­ge­lassen worden war. Wie viele Dollar kostete eine Flasche Whiskey im Jahr 1934? Wie viel ein Taxi? – Wenn ich in Gedanken notiere, wieder­hole ich drei­fach, was ich mir zu merken wünsche. Verlo­renes, das könnte sein, bemerke ich nicht. Oder nur einen Schatten ohne Wörter. – stop

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0.22 utc

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delta : 0.22 UTC – Eine mecha­ni­sche Schreib­ma­schine, die die chine­si­sche Sprache zu buch­sta­bieren vermag, soll über etwa 3000 Zeichen verfügen und 16 Kilo­gramm schwer sein. Eine wunder­volle Vorstel­lung. Wie lange Zeit würde ich für Zeichen­suche benö­tigen, um auf ihr das Wort Belug­apo­saune zu formu­lieren? – stop
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verwandlung

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echo : 0.52 UTC – Vor wenigen Tagen führte ein Gedan­ken­aus­tausch mit einer Person, die mir in der digi­talen Sphäre begeg­nete, zu einer selt­samen Situa­tion. Später Abend. Ich stand in der Küche und schaute aus dem Fenster und über­legte, ob es sein kann, dass ein Mensch, der meinen tatsäch­li­chen Namen nicht kennt, weil ich mit ihm unter einem Deck­namen disku­tierte, in der Lage sein könnte, heraus­zu­finden, wer ich tatsäch­lich bin, in welcher Stadt ich wohne, in welcher Straße noch dazu. Er hatte mich nämlich als ein Tier bezeichnet, nachdem ich ihn fragte, ob er denn jemals mit einem Menschen, der in Afrika geboren worden war, persön­lich gespro­chen habe. Er schrieb: Du Zecke, so können nur Schma­rotzer fragen. Ich antwor­tete, ich müsse doch annehmen, dass er sehr viele afri­ka­ni­sche Menschen kenne, weil er doch andau­ernd über sie schreiben würde, dass man oder gar er persön­lich inzwi­schen daran gewöhnt sei, dass Afri­kaner Babys Köpfe abschneiden. Und schon wollte er mich besu­chen, nicht sofort, in ein paar Tagen, viel­leicht in der kommenden Woche, er würde mir dann das Licht ausknipsen. Deshalb stand ich in der Küche und über­legte. Es war kurz nach Mitter­nacht. – stop

nicht atmen

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nordpol : 18.15 UTC – Heute ist ein glück­li­cher Tag. Der Wind rast ums Haus, nur noch wenige Stunden Zeit, April­wind zu sein. Und diese Blei­stifte, die heute ange­kommen sind, so spitz und hart, wie ich sie mir kaum vorzu­stellen traute. Um 17 Uhr und drei Minuten erreicht mich die Nach­richt der Biblio­thek, Robert Walsers Mikro­gramme Aus dem Blei­stift­ge­biet seien einge­troffen, ich könnte sie abholen bis 18 Uhr, also dann am Mitt­woch. Wie bin ich auf Robert Walser gestoßen nach langer Zeit? Nun, weil ich vor wenigen Tagen einen Mann in der Schnell­bahn beob­ach­tete, der mit einer Lupe einen Zettel studierte, auf dem Schrift­zei­chen zu erkennen waren, so klein, dass ich nicht vorzu­stellen wagte, ein mensch­li­ches Wesen könnte sie von Hand auf das Papier aufge­tragen haben. Der Mann schien sehr müde gewesen zu sein, und ich dachte: Ein Mensch, der in dieser Weise schreibt, schreibt leise, warum? – stop
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