groundzerosekundenzeit

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char­lie : 22.18 — Kurz nach sechs Uhr abends. Church Street. Auf ein­er Treppe sitzt ein Mann in einem dun­klen Anzug, weißem Hemd, blauer Krawat­te. Seit bald ein­er Vier­tel­stunde, Aktenkof­fer zwis­chen den Beinen, Hände gefal­tet, ver­har­rt er in dieser Weise bewe­gungs­los, schaut in den Luftraum über Ground Zero. Press­lufthäm­mer sind zu hören, Tauben pick­en über den Boden. Eine Arm­länge ent­fer­nt von dem Mann, der zu beten scheint, bal­anciert ein sehr viel jün­ger­er Mann auf den Schul­tern eines weit­eren jun­gen Mannes. Er hält mit ein­er Hand einen Fotoap­pa­rat so weit wie möglich in die Höhe, um eine Fotografie jenes Ortes aufnehmen zu kön­nen, der hin­ter einem Bauza­un ver­bor­gen liegt. Das sieht so aus, als ver­suche er rück­wärts in die Zeit vorzu­drin­gen, als wolle er noch etwas vom Ver­schwun­de­nen, vom Schreck­en doku­men­tieren, all das find­en vielle­icht, was dort nicht mehr ist, so gründlich wurde aufgeräumt. Wie er jet­zt von den Schul­tern des Fre­un­des springt, fällt ihm der Fotoap­pa­rat aus der Hand. Der kleine Blechkas­ten schep­pert über den Gehsteig, Tauben fliegen auf. Auch der Blick des betenden Mannes bewegt sich, flack­ert für einen Moment in den Räu­men der Zeit. — stop
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