zu washington

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MELDUNG. Zu Washington im Opern­haus, 2700 F Street, werden am Mitt­woch­abend, 2. Mai 2018, zwei San-Lorenzo-Harlekin-Frösche, letzte ihrer Art, öffent­lich auf zentraler Bühne zur Spren­gung gebracht. Zündung des männ­li­chen Tieres um 22 Uhr Orts­zeit, Zündung des weib­li­chen Tieres um 22 Uhr 30. Die Vorstel­lung ist ausver­kauft. – stop

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prozedur

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kili­man­dscharo : 20.02 UTC – Einmal im Jahr, stelle ich mir vor, wird Mr. Hemingway (Name erfunden) seine Schreib­ma­schine zerlegen, um jedes ihrer Einzel­teile zunächst zu säubern, zu betrachten und in feine Maschi­nenöle zu tauchen. Eine zeit­auf­wän­dige Prozedur, größte Sorg­falt wird geboten sein, denn die Schreib­ma­schine ist kostbar. Schon der Groß­vater, ein äußerst gebil­deter Mann, soll auf ihr notiert haben, weshalb sie sozu­sagen mittels der Zeichen, die sie auf allerlei Papiere drückte, weit in der Welt herum gekommen war. Wie nun präzise, frage ich, wird Mr. Hemingway seine Schreib­ma­schine in ihre Einzel­teile zerlegen, wie wird er vorgehen? Viel­leicht, indem er zunächst einen Plan entwi­ckeln wird, der einzelne Schritte der Zerle­gung (Demon­tage) derart verzeichnet, dass sie später einmal in rück­wir­kender Art und Weise nach­voll­zogen werden könnten (Montage). Sehr viele Schräub­chen, Tasten, Zahn­räder werden zu berück­sich­tigen sein, 328 Teile insge­samt. Würde nur eines dieser Schräub­chen, Tasten oder Zahn­räder, zu Boden fallen und verschwinden, wäre es um die Schreib­ma­schine geschehen, aus und vorbei. Eine riskante Geschichte. – stop

haus ohne türen

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india : 0.15 UTC – Ich träumte von einem Haus ohne Fenster, ohne Türen. Die Zimmer des Hauses waren von strah­lend hellem Licht. Das Licht kam aus dem Boden, den Wänden, von der Decke. Auf dem Boden kauerte ein Mann. Der Mann schien darauf zu warten, dass es endlich wieder Dunkel werden wird. Seine Augen waren entzündet. Er stand auf, suchte nach einem Schalter, um das Licht zu löschen. Vögel lebten in den Zimmern des Hauses, hunderte sehr kleine Vögel. Sie flogen herum, ohne jemals zu landen. Wenn der Mann einen der Vögel fing, war er sofort gebraten, er dampfte in seinen Händen, das Gefieder löste sich wie von selbst vom Leib und fiel zu Boden. – stop

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von bestien

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lima : 15.42 UTC – Was für ein wunder­barer Nach­mittag. Sonne scheint ins Arbeits­zimmer, Magno­lien blühn, und die Luft duftet nach Fröschen und Zimt. Hörte Charlie Parkers Summer­time, während ich im Echo­kam­mer­thread auf Posi­tion Twitter pfund­weise Dreh­or­gel­sätze über Gutmen­schen lese, die man gern aufhängen würde, wenn man doch endlich einmal aufräumen dürfte. Das Wort aufräumen ist ein sehr begehrtes Wort in der Kammer. Auch heute wieder geht Europa, geht Deutsch­land unter, und alle, die anderer Ansicht sind, lügen. Würden sie, die Andre88 heißen, Rebell77, Ausbilder Schmidt, Werwolf, Deutschrose, würden sie, die in dieser Weise heißen, tun, wovon sie reden, hätten wir viele lust­volle Bestien überall auf den Straßen, in den Parks, den Hinter­höfen. Auch Eich­hörn­chen, unsere lieben mittel­eu­ro­päi­schen Eich­hörn­chen, würden dann, von Menschen­vor­bil­dern geleitet, mit gefletschten Zähnen zuge­reiste Nutrias im Teich des bota­ni­schen Gartens bis zu ihrem bitteren Ende jagen. – stop
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hidschab

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charlie : 22.25 – Einmal erzählte M., sie trage ein Woll­häub­chen unter ihrem Kopf­tuch. Dass M. mit einem Mann, der weder mit ihr verwandt noch ihres Glau­bens ist, über ihr Kopf­tuch sprach, war viel­leicht deshalb möglich geworden, weil wir jahre­lang immer wieder einmal über ameri­ka­ni­sche Filme disku­tierten, M. ist nämlich eine hervor­ra­gende Kennerin des ameri­ka­ni­schen Kinos, aber sie will niemals natür­lich dorthin reisen nach Amerika, eine selt­same Geschichte. Ihre Kopf­tü­cher, die alle­samt farben­froh sind, seien gewöhn­liche Tücher, sagte M., 90 x 90 cm. Ich dürfe sie niemals unge­fragt foto­gra­fieren, das sei ähnlich wie ihr die Hand zu geben, ich darf ihre Hand nicht ergreifen, sie reicht mir die Hand, wenn sie mir die Hand geben will, sie habe nicht eigent­lich ein Problem damit, mir die Hand zu geben, es darf aber niemand beob­achten, der über sie deshalb urteilen würde. Burka, sagte M., das gehe gar nicht, man kann eine Burkaträ­gerin nicht foto­gra­fieren, nur die Burka. Ja, dass M. mit einem Mann, der weder mit ihr verwandt noch ihres Glau­bens ist, über ihr Kopf­tuch noch immer spricht, ist viel­leicht deshalb möglich geworden, weil wir uns seit derart langer Zeit begegnen, dass ich ihr Kopf­tuch über­haupt nicht mehr bemerke von Zeit zu Zeit. – stop

8 Uhr 36

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alpha : 20.36 – Wann wurde das Wort Nilgans zum ersten Mal von einem mensch­li­chen Mund formu­liert? Oder das Wort Ohrfeige? Oder das Wort Chlorgas? – stop
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im park

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nordpol : 0.52 UTC – Ich beob­ach­tete in einem Park einen jungen Mann, der auf einer Bank hockte. Auf seinen Knien ruhte ein Buch. Ich bemerkte bald, dass der junge Mann, anstatt zu lesen, das Buch zerlegte. Er ging in dieser Arbeit sehr sorg­fältig vor, legte ein Lineal auf eine Seite des Buches, fuhr kurz darauf mit einem feinen Messer die Kante des Lineals entlang, trennte also mit einer vorsich­tigen Hand­be­we­gung eine Seite von der Bindung des Buches, legte die Seite neben sich auf die Bank und beschwerte sie mit einem Stein­chen, dass er zuvor mit eben der Hand, die gerade noch das Messer führte, ange­hoben hatte. Eine Seite nach der anderen Seite löste er in dieser Weise aus dem Körper des Buches heraus, gleich­mäs­sige Bewe­gungen, als sei ihm die Arbeit der Zerle­gung eines Buches vertraut. Es war ein windiger Tag gewesen. – stop

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ruhen

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kili­man­dscharo : 18.55 UTC – Kopf­segel, wunder­bares Wort. Oder das Wort Coka. Kopf­segel exis­tierten tatsäch­lich lange Zeit bevor ich das Wort entdeckte, eine Bezeich­nung durch­blu­teter Struk­turen an Köpfen der Stirn­ba­se­liken. – stop

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