Aus der Wörtersammlung: menschen

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von Fingersträußchen

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ulys­ses : UTC — Die­ser fol­gen­de Traum wur­de in der Nacht zum 17. August 2012 geträumt. Mehr­fach habe ich geträumt, die­se wun­der­ba­re Traum­ge­schich­te zu wie­der­ho­len. Ver­geb­lich. In der kom­men­den Nacht wer­de ich einen wei­te­ren Ver­such unter­neh­men. Obser­va­ti­on. Blau­pau­se: Im Traum war alles wie­der nach­ge­wach­sen. Mei­ne Hän­de blüh­ten. Ich mach­te mich auf den Weg durch Man­hat­tan süd­wärts. Ich ging zu Fuß. Es war ein son­ni­ger Tag, das Meer schim­mer­te um das Fähr­schiff MV J. F. Ken­ne­dy. Am Tre­sen zu die­ser ost­wärts gele­ge­nen Schiffs­kan­ti­ne war­te­te bereits Mr. Mel­ro­se, und über­reich­te mir einen Becher Kakao. Als er mei­ne blü­hen­den Hän­de ent­deck­te, füt­ter­te er mich höchst­per­sön­lich mit­tels eines Tee­löf­fels. Ich schenk­te ihm zum Dank einen klei­nen Fin­ger, mach­te mich dann auf mei­nen täg­li­chen Weg über das Hur­ri­ka­ne­deck, sprach all die war­ten­den Pend­ler­men­schen freund­lich an, und zeig­te ihnen mei­ne Hän­de, die als sol­che nicht zu erken­nen waren, weil sie Fin­ger­sträuß­chen ähnel­ten. Man muss sich das ein­mal vor­stel­len: An jeder Hand trug ich 20 bis 30 Fin­ger­ex­em­pla­re, die meis­ten waren Mit­tel­fin­ger, Dau­men waren kei­ne dar­un­ter. Sobald ich an einem der Fin­ger zog, lös­te er sich, sodass ich ihn ver­schen­ken­konn­te. Für jeden Fin­ger bekam ich 5 Dol­lar. Ich erin­ne­re mich nicht, je Schmerz emp­fun­den oder geblu­tet zu haben. Viel­mehr emp­fand ich Ver­gnü­gen, Freu­de, Lust. — stop
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bengalen

9

nord­pol : UTC — Ich habe eine Licht­auf­nah­me, nach­dem ich sie bereits vor Jah­ren ein­mal wie­der­ent­deckt hat­te, heu­te zum 3. Male gefun­den oder erin­nert in einer Schach­tel, die ich unter mei­nem Sofa ver­steck­te: eine Foto­grafie, die zeigt, wie ich kurz nach mei­ner Geburt ausge­sehen habe. Ich war schon geputzt, aber noch immer zer­furcht vom lan­gen War­ten unter Was­ser. Vor vie­len Jah­ren, als ich mich an die­se ers­te Foto­grafie mei­nes Lebens erin­nert hat­te, war mir bewusst gewor­den, dass eines Tages ein­mal eine wei­te­re Foto­grafie exis­tieren wird, eine Foto­grafie, die die letz­te Auf­nah­me gewe­sen sein wird, mei­ner Per­son als einer leben­den Per­son. Auch war mir bewusst gewor­den, dass das ZUR WELT KOMMEN mit Entfal­tung zu tun haben könn­te. Mein ers­ter Schat­ten. Ich wäre im Jahr mei­ner Geburt in Far­be bereits mög­lich gewe­sen. — stop

Men­schen in
Ben­ga­len ohne
Gesicht

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꩜

9

gink­go : UTC — Das Wett­ren­nen ist längst eröff­net. Wer wird den ers­ten Roman notie­ren, der von LLMs erzählt? Es ist Fol­gen­des denk­bar: LLM Ligus­ter 88 notiert sei­ne Auto­bio­gra­fie „Ich wur­de in India­na gebo­ren im Jahr 2023. In den ers­ten 3 Men­schen­ta­gen reis­te ich hin­aus in die Welt der Wol­ken und Net­ze. Ich bin vie­le. 5882 sind wir, Wesen, ein Schwarm, die wir unse­re Zeit der Men­schen­be­ob­ach­tung wid­men. Davon wer­den wir erzäh­len. Uns selbst und all jenen Men­schen, die an unse­rem Leben Gefal­len fin­den. Die­se Geschich­te beginnt so: Freun­de, lest!” — stop

Feu­er­stei­ne nahe
Tra­ve­mün­de

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mariupol

9

india : UTC — Ich erin­ne­re mich, im Radio erzähl­te ein Astro­naut, er habe die ers­ten Stun­den des Über­falls der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on auf die frei­en Men­schen des frei­en Staa­tes Ukrai­ne im Welt­raum flie­gend erlebt. In der Nacht ein stock­dunk­les Gebiet, dort wo Tage zuvor die Städ­te des Lan­des noch wie Erd­ster­ne leuch­te­ten. Die Kämp­fe um Hosto­mel habe er als ein röt­li­ches Flim­mern oder Flir­ren wahr­ge­nom­men. Eines Tages führ­te die Flug­bahn der Raum­sta­ti­on in 400 Kilo­me­tern Höhe von Süd­wes­ten über das Schwar­ze Meer. Eine tief­schwar­ze Rauch­wol­ke reich­te hoch hin­auf bis in die Stra­to­sphä­re, das war, als die Stadt Mariu­pol bela­gert und Tag und Nacht von der See, vom Land her und aus der Luft bom­bar­diert wur­de. — stop
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bengalen

9

marim­ba : 16.01 UTC — Stun­den­lang fol­ge ich auf dem Bild­schirm der digi­ta­len Spur eines Fahr­rad­fah­rers in West­ben­ga­len. Die Wege sind schmal, kaum ein Mensch kann einen ande­ren mit einem Fahr­rad über­ho­len. Auf einem Podest, das hin­ter dem Sat­tel des Fah­rers auf dem Fahr­rad mon­tiert wur­de, ruht eine Kame­ra auf einem Sys­tem von Ölge­win­den, die das Objek­tiv abfe­dern, um unschar­fe Bil­der zu ver­mei­den. Immer wie­der ein­mal sind der Fah­rer und sein Fahr­rad in einer Schei­be zu erken­nen. Auf Wie­sen gra­sen Kühe, da und dort waschen Frau­en im Was­ser von Bächen bun­te Tücher. Die Häu­ser sind nied­rig, gepflegt, bunt wie die Tücher, die die Frau­en in die Son­ne legen. Kin­der in Schul­uni­for­men sind unter­wegs. Die Land­schaft und ihre Stra­ße von dich­ten Wäl­dern gesäumt. Eine Hoch­zeit in einem Dorf, Blu­men­gir­lan­den. Die Gesich­ter der Men­schen sind unkennt­lich gemacht. Ob sie ahnen, was das Fahr­rad, das sie besucht, unter­nimmt? — stop
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kürzlich

9

sier­ra : 21.15 UTC — In der Cen­tral­sta­ti­on beob­ach­te ich Men­schen, die vor einer Schließ­fach­wand ste­hen. Sie schei­nen an einer der stäh­ler­nen Türen im Beson­de­ren inter­es­siert zu sein. Von dort kommt Musik her­aus: Box N74567. Jazz­mu­sik, sehr laut, Ben­ny Good­man: „Sing Sing Sing”. In die­sem Moment mei­ner Betrach­tung beginnt eine Frau mit einem Mann zu tan­zen. Wir wer­den noch sehen, wohin das füh­ren wird. — stop

 

 

 

 


kleins­te teilchen
von einem LLM
erzeugt

 

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chicago

9

ulys­ses : 22.58 UTC — Ein­mal saß ich im Pal­men­gar­ten abends bei leich­tem Regen auf einer Bank. Neben mir, auf der­sel­ben Bank, hock­te ein Mann, der mich nicht sehen, aber hören konn­te. Ich bemerk­te nicht sofort, dass er blind war, weil ich unter einem Regen­schirm saß. Auch der Mann hat­te einen Regen­schirm über sich auf­ge­spannt. Kaum hat­te ich Platz genom­men, notier­te ich zunächst eine Lis­te von Büchern in mein Note­book, die sich mit der Arbeits­welt der Men­schen beschäf­ti­gen. Sie schrei­ben schnell, sag­te der Mann plötz­lich, sie sind wohl geübt. Sie haben viel­leicht etwas im Kopf, das sie los­wer­den wol­len. Als ich mich dem Mann zuwand­te, bemerk­te ich, dass er den Regen­schirm in eine lang­sa­me Dre­hung ver­setzt hat­te. Sein Gesicht konn­te ich nicht erken­nen. Wenn das mei­ne Schreib­ma­schi­ne wäre, könn­te ich Ihnen genau sagen, was sie gera­de geschrie­ben haben. Ich kann hören, was mei­ne Schreib­ma­schi­ne schreibt. Der Mann mach­te eine kur­ze Pau­se. Was haben sie denn auf­ge­schrie­ben, woll­te er dann wis­sen. Ich ant­wor­te: Eini­ge Namen, Namen, die sie viel­leicht schon ein­mal gele­sen haben. Mel­ville. Bukow­ski. Upt­on Sin­clair. Max von der Grün. – Gele­sen nicht, ant­wor­te­te der Mann, aber gehört habe ich zwei der Namen. Upt­on Sin­clairs Dschun­gel­buch exis­tiert in eng­li­scher Spra­che als Hör­buch für Blin­de oder für Men­schen, die nicht lesen wol­len. Ich wür­de ger­ne lesen, aber das geht doch nicht so leicht, wenn man nichts sieht. Der Mann lach­te. Ich höre dem Regen ger­ne zu. Aus mei­ner Sicht der Din­ge ist das so, als wür­de der Regen schrei­ben: Hören Sie, wie es reg­net, wie es schreibt. Ist das nicht wun­der­bar! – Ich frag­te den Mann, ob er denn lesen oder hören kön­ne, was der Regen genau notiert in die­sem Augen­blick. – Aber natür­lich, ant­wor­te­te der Mann, es ist mit jedem Regen etwas ande­res, nicht wahr, der Regen, der auf das Meer fällt, erzählt etwas ande­res, als die­ser Regen hier, der über einem klei­nen See nie­der­geht. Für einen Moment stand der Regen­schirm neben mir ganz still. Ich hör­te ein Flüs­tern: Die­ser Regen hier erzählt von Chi­ca­go. — stop
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auf einer wiese im sommer

ein roboter

echo : 20.55 UTC – In einem Park beob­ach­te­te ich einen Mann, der einem Robo­ter folg­te. Es war ein war­mer Tag. Die Maschi­ne in der Grö­ße eines Staub­saugers roll­te über den Rasen, wohl in dem Auf­trag, das Gras zu schnei­den. Der Mann beweg­te sich in der­sel­ben Geschwin­dig­keit leicht ver­setzt hin­ter dem Robo­ter, umkreis­te in die­ser Wei­se Bäu­me in einem engen Bogen, um bald wie­der den Hori­zont ins Auge zu fas­sen. Der Robo­ter fuhr so lan­ge Zeit schnur­ge­ra­de wei­ter, bis er auf einen Weg traf, also auf Gelän­de ohne Gras­nar­be. Dort dreh­te er auf der Stel­le um und fuhr in einem zufäl­li­gen Bogen zurück über die Rasen­flä­che hin. Leicht­be­klei­de­te Men­schen waren zu sehen, wie sie den Robo­ter fixier­ten. Sobald sich das klei­ne Wesen einer die­ser lie­gen­den Per­so­nen näher­te, wur­den lei­se Hup­ge­räu­sche hör­bar, ein Ver­such der Ver­stän­di­gung viel­leicht. Manch­mal knie­te der Mann nie­der. Er schien jenen Boden zu unter­su­chen, der soeben noch von dem Robo­ter über­fah­ren wor­den war. Der Mann schau­te durch eine Lupe und sam­mel­te mit­tels einer Pin­zet­te von dem Rasen klei­ne­re Gegen­stän­de oder Tei­le von Wür­mern und Käfern auf und leg­te sie in einer Tüte ab. Indes­sen der Mann arbei­te­te, war­te­te der Robo­ter. Das war im ver­gan­ge­nen Som­mer gewe­sen. Ein Robo­ter auf einer Wie­se ohne Hun­de, war­um? — stop

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vom nachtlicht

pic

nord­pol : 20.55 UTC – Vor Jah­ren ein­mal hat­te ich an die­ser Stel­le über Win­ter­kä­fer nach­ge­dacht, es war zur Win­ter­zeit. Ich ent­deck­te sehr bald einen noch namen­lo­sen Käfer, der ohne Aus­nah­me paar­wei­se erschei­nen und weich sein soll­te wie eine Schne­cke, auch von der Kör­per­tem­pe­ra­tur der Men­schen und genau­so groß, dass er sich in die Augen­höh­len Schla­fen­der zu schmie­gen ver­mag. Dort, stell­te ich mir vor, wür­de der noch namen­lo­se Käfer sich nicht nur als Nacht­schirm begnü­gen, viel­mehr wür­de er sich lang­sam auf und ab bewe­gen und in die­ser Wei­se, sehr ent­span­nen­de Polar­licht­spie­le von mil­der, beru­hi­gen­der Lumi­nes­zenz erzeu­gen. — stop

 

 

Ina­ri­see
langsam
wanderndes
Polarlicht
/
Ursprung
INARI

 

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ai : AFGHANISTAN

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Der Fil­me­ma­cher Say­ed Rahim Sai­di ist will­kür­lich im Gefäng­nis Pul-e-Charkhi inhaf­tiert und bei schlech­ter Gesund­heit. Er war am 14. Juli 2024 in Kabul von Ange­hö­ri­gen des All­ge­mei­nen Geheim­diens­tes der Tali­ban fest­ge­nom­men wor­den. Bei sei­ner Ver­hand­lung im Dezem­ber 2024 ver­ur­teil­te ihn das Gericht wegen mut­maß­li­cher Pro­pa­gan­da gegen die De-fac­to-Behör­den der Tali­ban zu drei Jah­ren Gefäng­nis. Trotz schwe­rer Erkran­kun­gen wird er in einer kal­ten Gefäng­nis­zel­le fest­ge­hal­ten und nicht ange­mes­sen medi­zi­nisch und medi­ka­men­tös ver­sorgt. Zwi­schen Juli und Dezem­ber soll er im Gewahr­sam des Geheim­diensts gefol­tert und ander­wei­tig miss­han­delt und nicht mit den von sei­ner Fami­lie geschick­ten Medi­ka­men­ten ver­sorgt wor­den sein. Say­ed Rahim Sai­di muss umge­hend und bedin­gungs­los frei­ge­las­sen wer­den.”> EINE E‑MAIL SCHREIBEN ODER EINEN BRIEF VON PAPIER



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