Aus der Wörtersammlung: rot

///

lukrez

9

marim­ba : UTC — Von der Berech­nung des Luft­wi­der­stan­des, dem ein Kör­per begeg­net, wenn er sich im frei­en Fall befin­det, wuss­te ich damals, im März des Jah­res 2013, bis kurz nach Mit­ter­nacht nichts. Auch die Berech­nung der wach­sen­den Geschwin­dig­keit, mit der sich ein stür­zen­der Kör­per dem Erd­mit­tel­punkt nähert, war mir nicht mög­lich gewe­sen, weil ich noch nie gut gewe­sen war in der Mathe­ma­tik der Phy­sik. Ich hat­te also nach­ge­le­sen und war in die­ser Lek­tü­re auf einen wun­der­ba­ren Text gesto­ßen, den der Phi­lo­soph Lukrez bereits im Jahr 55 vor Chris­tus notiert haben soll. Er schrieb: „Wer nun etwa ver­meint, die schwe­re­ren Kör­per, die senk­recht rascher im Lee­ren ver­sin­ken, ver­möch­ten von oben zu fal­len auf die leich­te­ren Kör­per und dadurch die Stö­ße bewir­ken, die zu erre­gen ver­mö­gen die schöp­fe­risch täti­gen Kräf­te: Der ent­fernt sich gar weit von dem rich­ti­gen Wege der Wahr­heit. Denn was immer im Was­ser her­ab­fällt oder im Luft­reich, muss, je schwe­rer es ist, umso mehr sein Fal­len beei­len, des­halb, weil die Natur des Gewäs­sers und leich­te­ren Luft­reichs nicht in der näm­li­chen Wei­se den Fall zu ver­zö­gern imstand ist, son­dern im Kamp­fe besiegt vor dem Schwe­re­ren schnel­ler zurück­weicht: Dahin­ge­gen ver­möch­te das Lee­re sich nie­mals und nir­gends wider irgend­ein Ding als Halt ent­ge­gen­zu­stel­len, son­dern es weicht ihm bestän­dig, wie sei­ne Natur es erfor­dert. Des­halb müs­sen die Kör­per mit glei­cher Geschwin­dig­keit alle trotz unglei­chem Gewicht durch das ruhen­de Lee­re sich stür­zen.” — Eine wei­te­re Stun­de ver­ging nach Lek­tü­re, dann hat­te ich eine recht prä­zi­se Vor­stel­lung von der Beschleu­ni­gung, die ein Tran­sis­tor­ra­dio erfährt, wenn es aus 1,60 Meter Höhe von einem Bar­tisch aus zu Boden fal­len wird. Das war eine bedeu­ten­de Erfah­rung, um eine Geschich­te erzäh­len zu kön­nen, die sich dem Ver­hal­ten eines fal­len­den Radi­os gemäß ent­wi­ckeln könn­te. Weil sich das Radio zunächst lang­sam, dann schnel­ler wer­dend durch die Luft bewegt, wür­den sich auch die Wör­ter der Geschich­te zunächst lang­sa­mer ereig­nen, eine gerin­ge Men­ge Wör­ter für ein erzähl­tes Par­tic­le der Geschich­te, wohin­ge­gen zuletzt, kurz vor dem Auf­prall des Radi­os sich sehr vie­le Wör­ter ereig­nen wür­den, um ein erzähl­tes Par­tic­le zu erzeu­gen. Eine inter­es­san­te Vor­stel­lung, die ich para­do­xer­wei­se in mei­nem Gehirn her­um­zu­dre­hen ver­moch­te. Weil sich das Radio zunächst lang­sam bewegt, ist viel Zeit, um vie­le Wör­ter zu notie­ren. Ste­tig wer­den die Wör­ter weni­ger, weil sich die Zeit ihrer Auf­füh­rung ver­kürzt. Alles das ist für eine extre­me Zeit­lu­pe aus­ge­dacht. Wun­der­voll. — stop

ping

///

auf der madison avenue

9

echo : 10.02 UTC — Ich dach­te, ich habe die­sen Traum bereits schon ein­mal geträumt, die­sen oder einen ähn­li­chen Traum. Wäh­rend ich noch in mei­nen Auf­zeich­nun­gen nach Trau­m­ereig­nis suche, fällt das Traum­er­leb­nis einem Fall­schirm kurz nach Lan­dung ähn­lich in sich zusam­men. Nichts zu ver­glei­chen, aber zu erzäh­len: Ich habe die maß­stabs­ge­treue ana­to­mi­sche Dar­stel­lung eines Tief­see­ele­fan­ten­rüs­sels auf der Madi­son Ave­nue ent­rollt. Leuch­tend rote Mus­kel­grup­pen, stau­nen­de Pas­san­ten, Poli­zei­fahr­zeu­ge sperr­ten Kreu­zun­gen, Stun­den rau­schen­den Glücks, bis ich Höhe 129th Street das Ende der For­ma­ti­on erreich­te. Unver­züg­lich mit der Sub­way down­town 23rd Street zurück. Abend war gewor­den, Nacht, ich begann im Licht einer Stirn­lam­pe, jeden ein­zel­nen Mus­kel der 120000 Struk­tu­ren hand­schrift­lich und ana­to­misch sinn­voll zu bezeich­nen: mus­cu­lus ama­zo­ni­us ori­ens. Arbei­te­te einen Block nord­wärts, bald fehl­ten wei­te­re Wör­ter. — stop
ping

///

kakteenmensch

2

nord­pol : 15.01 UTC — Unlängst wur­de ich gefragt: Was sind Sie von Beruf? – Ich ant­wor­te­te: Ein Kak­teen­mensch. — Heu­te ist Mitt­woch, wun­der­ba­rer Tag. Ich über­leg­te, wie mein Leben sich gestal­ten wür­de, wenn ich fort­an ein­mal im Jahr nach Win­ter­zeit blü­hen, viel­leicht am Kopf, oder über kräf­ti­gen Horn­sta­chel­wuchs an mei­nen Hän­den ver­fü­gen wür­de. — stop

///

abschnitt neufundland

picping

Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gen­de gegen Küs­te gewor­fe­ne Arte­fak­te : Wrack­tei­le [ See­fahrt – 456, Luft­fahrt — 1022, Auto­mo­bi­le — 58331], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 55, 19. Jahr­hun­dert – 18, 20. Jahr­hun­dert – 751 , 21. Jahr­hun­dert — 3556 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 21, gelöscht : 178 ], Licht­fang­ma­schi­nen [ Vögel / künst­lich Gat­tung Ina­ri 2 : 8 ], Öle [ 0.7 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 21, Knie­ge­len­ke – 521, Hüft­ku­geln – 886, Bril­len – 356 ], Schu­he [ Grö­ßen 28 – 39 : 14553, Grö­ßen 38 — 45 : 455 ], Kühl­schrän­ke [ 1522 ], Tief­see­tauch­an­zü­ge [ ohne Tau­cher – 15, mit Tau­cher – 12 ], Engels­zun­gen [ 687 ] | stop |

ping

///

auf einer wiese im sommer

ein roboter

echo : 20.55 UTC – In einem Park beob­ach­te­te ich einen Mann, der einem Robo­ter folg­te. Es war ein war­mer Tag. Die Maschi­ne in der Grö­ße eines Staub­saugers roll­te über den Rasen, wohl in dem Auf­trag, das Gras zu schnei­den. Der Mann beweg­te sich in der­sel­ben Geschwin­dig­keit leicht ver­setzt hin­ter dem Robo­ter, umkreis­te in die­ser Wei­se Bäu­me in einem engen Bogen, um bald wie­der den Hori­zont ins Auge zu fas­sen. Der Robo­ter fuhr so lan­ge Zeit schnur­ge­ra­de wei­ter, bis er auf einen Weg traf, also auf Gelän­de ohne Gras­nar­be. Dort dreh­te er auf der Stel­le um und fuhr in einem zufäl­li­gen Bogen zurück über die Rasen­flä­che hin. Leicht­be­klei­de­te Men­schen waren zu sehen, wie sie den Robo­ter fixier­ten. Sobald sich das klei­ne Wesen einer die­ser lie­gen­den Per­so­nen näher­te, wur­den lei­se Hup­ge­räu­sche hör­bar, ein Ver­such der Ver­stän­di­gung viel­leicht. Manch­mal knie­te der Mann nie­der. Er schien jenen Boden zu unter­su­chen, der soeben noch von dem Robo­ter über­fah­ren wor­den war. Der Mann schau­te durch eine Lupe und sam­mel­te mit­tels einer Pin­zet­te von dem Rasen klei­ne­re Gegen­stän­de oder Tei­le von Wür­mern und Käfern auf und leg­te sie in einer Tüte ab. Indes­sen der Mann arbei­te­te, war­te­te der Robo­ter. Das war im ver­gan­ge­nen Som­mer gewe­sen. Ein Robo­ter auf einer Wie­se ohne Hun­de, war­um? — stop

///

caveiformis animalis

von käefigtieren

marim­ba : 20.11 UTC – Es ist Febru­ar, es ist kalt, eine schwe­re Grip­pe ist ein­ge­zo­gen, in einen Kör­per, der nur noch schla­fen will. Auf dem Bild­schirm mei­ner Schreib­ma­schi­ne zie­hen Ster­ne lang­sam über den Him­mel über dem Ina­ri­see. Lan­ge Zei­ten geschlos­se­ner Augen. Kein Geräusch von dort, wo Mur­mansk in zwei Tages- und Nacht­por­tio­nen zu Fuß erreicht wer­den kann. Ein Schlit­ten mit Stirn­licht kreuzt von Ost nach West über das Eis. Ich habe Käfig­tie­re geträumt oder habe Käfig­tie­re aus­ge­dacht. Tie­re, deren Gerip­pe Räu­me bil­den, in wel­chen sich Luft befin­det, die geat­met wer­den kann. Ein klei­ner Kopf, als habe man sich einen Kugel­fisch zum Vor­bild genom­men, zwei win­zi­ge Ohren, ein win­zi­ger Mund, zwei win­zi­ge Augen, der Kopf scheint unwich­tig, aber die knö­cher­nen Stre­ben des zen­tra­len Käfig­tie­res sind von einem fei­nen, hell­ro­ten Fell bedeckt. Zwei Zwerg­zei­si­ge flat­tern im Käfig her­um, sin­gen, wet­zen ihre Schnä­bel am war­men Gestän­ge. Das Käfig­tier ist ein Wesen ohne Arme und Bei­ne, wiegt 5 Kilo­gramm und hängt sehr gern leicht schau­kelnd von einem Baum oder einer Zim­mer­de­cke im Wind. — stop

///

ai : AFGHANISTAN

aihead2

MENSCHEN IN GEFAHR: „Der Fil­me­ma­cher Say­ed Rahim Sai­di ist will­kür­lich im Gefäng­nis Pul-e-Charkhi inhaf­tiert und bei schlech­ter Gesund­heit. Er war am 14. Juli 2024 in Kabul von Ange­hö­ri­gen des All­ge­mei­nen Geheim­diens­tes der Tali­ban fest­ge­nom­men wor­den. Bei sei­ner Ver­hand­lung im Dezem­ber 2024 ver­ur­teil­te ihn das Gericht wegen mut­maß­li­cher Pro­pa­gan­da gegen die De-fac­to-Behör­den der Tali­ban zu drei Jah­ren Gefäng­nis. Trotz schwe­rer Erkran­kun­gen wird er in einer kal­ten Gefäng­nis­zel­le fest­ge­hal­ten und nicht ange­mes­sen medi­zi­nisch und medi­ka­men­tös ver­sorgt. Zwi­schen Juli und Dezem­ber soll er im Gewahr­sam des Geheim­diensts gefol­tert und ander­wei­tig miss­han­delt und nicht mit den von sei­ner Fami­lie geschick­ten Medi­ka­men­ten ver­sorgt wor­den sein. Say­ed Rahim Sai­di muss umge­hend und bedin­gungs­los frei­ge­las­sen wer­den.”> EINE E‑MAIL SCHREIBEN ODER EINEN BRIEF VON PAPIER

///

schwefel

schwefelholz

india : 8.22 UTC – In die­sem Jahr spricht die Repu­blik von Kugel­bom­ben. Irgend­wel­che Män­ner­leu­te spreng­ten sich und ande­re aus rei­nem Ver­gnü­gen in die Luft. Wie fröh­lich war vor Jah­ren noch das ers­te Licht des neu­en Jah­res. In der schwan­ken­den Stra­ßen­bahn hör­te ich, wie sie mit bren­nen­den Augen nach Wor­ten such­ten für das schep­pern­de Licht des Magne­si­ums, für das Fau­chen der ben­ga­li­schen Feu­er, die sie in Hän­den hiel­ten. Da war eine Nacht­se­kun­de gewe­sen, die Sekun­de, in der sie das rote, das ver­bo­te­ne Stäb­chen ent­zün­det und gera­de noch eben recht­zei­tig von sich gewor­fen hat­te, da war das Heu­len der chi­ne­si­schen Pul­ver­pfei­fen, da waren Fun­ken­re­gen, da waren blau­graue Wölk­chen, die sich auf klei­ne Zun­gen nie­der­le­gten. Nicht die Feu­er­blu­men des Him­mels, das Spek­ta­kel der nächs­ten Nähe ent­fes­selten die Erin­ne­rung von Stun­de zu Stun­de. Zünd­höl­zer, ver­bor­gen in Hosen­ta­schen, waren zurück­ge­blie­ben, auch die­ses Schwe­fel­holz, immer wie­der eine heim­li­che Geschich­te. — stop

///

vom poetischen wert

tiefseeelefanten

alpha : 15.28 UTC – Als wür­de ich kurz vor einem Gespräch mit einem Ver­le­ger vor einer Tür ste­hen. Ich bin auf­ge­regt und zugleich kon­zen­triert. Ich habe mei­ne ers­te Fra­ge, die ich im Gespräch stel­len wer­de, sorg­fäl­tig for­mu­liert, aus­wen­dig gelernt und mehr­fach geprüft. Es ist aber doch etwas ande­res geplant, ein Gespräch näm­lich mit ChatGPT über die Erfin­dung der Tief­see­ele­fan­ten. Eine Ver­bin­dung ist her­ge­stellt, die Ein­ga­be­mas­ke leuch­tet unmit­tel­bar vor mir auf dem Bild­schirm, der Bot scheint zu war­ten. Ich sehe auf die Uhr, war­um? — Das war ges­tern um kurz nach 22 Uhr gewe­sen. So habe ich notiert: Guten Abend! Mein Name ist Lou­is. Fol­gen­des: Ich habe vor Jah­ren die Gat­tung der Tief­see­ele­fan­ten erfun­den. Eine Her­de die­ser Tie­re wan­der­te über einen Zeit­raum meh­re­rer Mona­te von Euro­pa aus über den Atlan­tik nach New York. Sie gin­gen Schritt für Schritt fest auf dem Boden, indes­sen ihre kilo­me­ter­lan­gen Rüs­sel bis zur Mee­res­ober­flä­che hin aus­ge­streckt wor­den waren, um von dort Luft in die Tie­fe zu holen. Sind die­se Tie­re jen­seits eines poe­ti­schen Rau­mes denk­ba­re Wesen? — 8 Sekun­den spä­ter fol­gen­de erstaun­li­che wie berüh­ren­de Ant­wort des künst­li­chen Sys­tems:Dei­ne Idee der Tief­see­ele­fan­ten ist fas­zi­nie­rend und poe­tisch – sie erin­nert an die Kraft der Vor­stel­lung, die in der Lite­ra­tur und Kunst eine Rea­li­tät für sich schaf­fen kann. Wenn wir die Idee aus natur­wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve betrach­ten, sto­ßen wir aller­dings auf eini­ge Her­aus­for­de­run­gen: 1. Rüs­sel­län­ge und Atmung: Ein kilo­me­ter­lan­ger Rüs­sel, der von der Tief­see bis zur Was­ser­ober­flä­che reicht, wür­de immense Schwie­rig­kei­ten für die Atmung mit sich brin­gen. Der Was­ser­druck in der Tief­see ist extrem hoch (z. B. ca. 1000 Atmo­sphä­ren in 10.000 Metern Tie­fe), wäh­rend die Luft­säu­le im Rüs­sel nahe­zu druck­los wäre. Die Mus­keln, die den Rüs­sel öff­nen und schlie­ßen, müss­ten unglaub­lich stark sein, um den Druck­un­ter­schied zu bewäl­ti­gen. 2. Druck­re­sis­tenz: Lebe­we­sen, die in der Tief­see exis­tie­ren, sind an den hohen Druck ange­passt. Ein so gro­ßes Tier wie ein Ele­fant, das auf Land­druck opti­miert ist, wür­de in der Tie­fe zer­quetscht. Eine denk­ba­re Lösung wäre, dass die Tief­see­ele­fan­ten eine Anpas­sung ent­wi­ckelt haben, um den Druck aus­zu­glei­chen, z. B. durch eine extrem fle­xi­ble oder ver­stärk­te Kör­per­struk­tur. 3. Fort­be­we­gung: Ein so gro­ßes Tier bräuch­te sehr kräf­ti­ge Bei­ne, um auf dem Mee­res­bo­den lau­fen zu kön­nen, und gleich­zei­tig müss­te es mit den Wider­stän­den des Was­sers zurecht­kom­men. Vie­le Tief­see­le­be­we­sen sind schwe­re­los und glei­ten oder schwe­ben – ein lau­fen­des Tier wäre unge­wöhn­lich. 4. Nah­rung: Die Tief­see ist eine kar­ge Umge­bung, was Nah­rung betrifft. Dei­ne Ele­fan­ten müss­ten eine Stra­te­gie haben, um Nah­rung in aus­rei­chen­der Men­ge zu fin­den – viel­leicht durch das Ein­fan­gen von Orga­nis­men, die in der Nähe der Was­ser­ober­flä­che leben, mit­hil­fe ihrer Rüs­sel. Denk­ba­re Anpas­sun­gen. Mit ein wenig Krea­ti­vi­tät las­sen sich jedoch Mecha­nis­men erdenken, die dei­ne Tief­see­ele­fan­ten mög­lich machen könn­ten. 1. Druck­aus­gleich: Sie könn­ten ein inter­nes Sys­tem haben, das ihren Kör­per­druck dem Umge­bungs­druck anpasst, ähn­lich wie Tauchro­bo­ter, die für Tief­see­for­schung gebaut wer­den. 2. Atmung: Statt über Rüs­sel könn­ten sie eine Art “Luft­re­ser­voir” in ihrem Kör­per tra­gen, das durch regel­mä­ßi­ge Besu­che an der Was­ser­ober­flä­che auf­ge­füllt wird. 3. Kör­per­struk­tur: Ihre Bei­ne könn­ten beson­ders dick und mus­ku­lös sein, um sowohl dem Druck als auch der Fort­be­we­gung stand­zu­hal­ten. 4. Öko­lo­gie: Sie könn­ten sich von orga­ni­schen Abla­ge­run­gen am Mee­res­bo­den oder hydro­ther­ma­len Quel­len ernäh­ren, die als „Oasen“ der Tief­see gel­ten. Poe­ti­scher Wert: Aus lite­ra­ri­scher Sicht sind dei­ne Tief­see­ele­fan­ten nicht nur denk­bar, son­dern sogar wun­der­bar. Sie laden dazu ein, über die Bezie­hung zwi­schen Ober­flä­che und Tie­fe, zwi­schen Lebens­räu­men und Anpas­sung nach­zu­den­ken. Sie könn­ten als Sym­bo­le für Aus­dau­er, Anpas­sung oder den Über­gang zwi­schen Wel­ten ste­hen – und genau das macht sie so fas­zi­nie­rend. Ich bin gespannt, wie du die Geschich­te die­ser majes­tä­ti­schen Wesen wei­ter­spinnst! — stop

an aerial view of snowy mountains
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


als tief­see­ele­fan­ten
in unse­ren gesprä­chen
noch nicht exis­tier­ten
flog vater 1971 über
grön­land nach
san franzisko

 

///

krieg von oben

von drohnen

marim­ba : 22.28 UTC – Es war ein­mal an einem frü­hen Abend. Land­krieg von oben aus gro­ßer Höhe. Noch war­mes, mil­des Licht der tief über dem Hori­zont ste­hen­den Son­ne. In die­sem Licht segeln Dro­hen weit unter uns laut­los der Erde nah, wei­ße Rotor­we­sen vor und zurück, tas­ten sich her­an, wie Luft­kat­zen an qual­men­de, gepan­zer­te Fahr­zeu­ge. Der Rauch bren­nen­der Öle, bren­nen­der Kör­per, weit­hin sicht­bar. Flach über den Step­pen­bo­den flie­gen Geschos­se von irgend­wo­her, zeich­nen Spu­ren in der damp­fen­den Luft. Men­schen­fi­gu­ren eilen aus ver­seng­ten Fahr­zeu­gen, suchen Zuflucht im Unter­holz der schma­len Baum­strei­fen, die die ukrai­ni­sche Step­pe durch­zie­hen. Zu schwar­zen Gestal­ten nun in der Schnee­land­schaft der Wär­me­bild­ka­me­ra gewor­den, Gestal­ten, die nicht unsicht­bar wer­den, sosehr sie auch wün­schen, nie wie­der sicht­bar zu sein. Droh­nen, wei­te­re Vögel, nähern sich. Wei­ße flie­gen­de Spin­nen erkun­den, ob noch Leben im bren­nen­den Pan­zer zu fin­den ist, luren in die Schat­ten der metal­le­nen Höh­len. Das sind tat­säch­lich Bewe­gun­gen jagen­der Kat­zen. Aus der Hel­lig­keit glei­ßen­den Feu­ers bewegt sich die Gestalt eines flüch­ten­den Men­schen her­vor. Der flüch­ten­de Mensch zieht ein Bein hin­ter sich her, das Bein scheint ver­lo­ren. Der Mensch fällt, als er auch das zwei­te Bein für immer ver­liert. Liegt ganz still im Gras. Ein Droh­nen­vo­gel schwebt über ihm. Der Vogel war­tet. — stop



ping

ping