Aus der Wörtersammlung: wasser

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coney island

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echo : UTC — Und wie­der und wie­der bemerkt: Man kann Geschich­ten erzäh­len über das, was man foto­gra­fiert, das ahn­te ich schon lan­ge. Vater bei­spiels­wei­se erzähl­te, wie er mit Mut­ter an einem hei­ßen Nach­mit­tag Coney Island besuch­te, wie sie im war­men Sand sit­zen, wie er sei­ner gelieb­ten Frau berich­tet, dass er schon ein­mal an die­sem Ort gewe­sen sei, da kann­ten sie sich bereits. Vie­le Jah­re spä­ter wer­de ich mei­nem Vater erzäh­len, dass ich eine Foto­gra­fie besuch­te, die er gefer­tigt hat­te, als ich noch nicht ganz fünf Jah­re alt gewe­sen war. Ich sag­te: Es ist, lie­ber Vater, tat­säch­lich, wie Du berich­test. Man fährt eine hal­be Stun­de mit der Sub­way vom Washing­ton Squa­re aus in süd­west­li­che Rich­tung, dann ist man am Atlan­ti­schen Meer und der Him­mel hell über dem Was­ser. Hef­ti­ge Sand­wel­len­win­de fau­chen mir über die Stirn, wie ich auf die­sem Boden gehe, der fest ist. Zer­bro­che­ne Muscheln, Scher­ben von bun­tem Glas, Som­mer­be­stecke, Schu­he, Wod­ka­fla­schen, Lip­pen­stif­te, Holz, Kno­chen. Da und dort haben sich schar­fe Kan­ten gebil­det unter der stren­gen Hand der Win­ter­stür­me, dunk­le, fes­te Struk­tu­ren, in wel­chen sich Spu­ren mensch­li­cher Füße fin­den, als wären sie ver­stei­nert. Bald Brigh­ton Beach. An den Wän­den der Häu­ser ent­lang der See­pro­me­na­de sit­zen alte rus­si­sche Frau­en wohl ver­packt, auf­ge­ho­ben in die­sem Bild fros­ti­ger Tem­pe­ra­tur. Aber der Schnee fehlt. Und Mr. Isaac Bas­he­vis Sin­ger, der hier spa­zier­te, lang vor mei­ner Zeit. — stop
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lukrez

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marim­ba : UTC — Von der Berech­nung des Luft­wi­der­stan­des, dem ein Kör­per begeg­net, wenn er sich im frei­en Fall befin­det, wuss­te ich damals, im März des Jah­res 2013, bis kurz nach Mit­ter­nacht nichts. Auch die Berech­nung der wach­sen­den Geschwin­dig­keit, mit der sich ein stür­zen­der Kör­per dem Erd­mit­tel­punkt nähert, war mir nicht mög­lich gewe­sen, weil ich noch nie gut gewe­sen war in der Mathe­ma­tik der Phy­sik. Ich hat­te also nach­ge­le­sen und war in die­ser Lek­tü­re auf einen wun­der­ba­ren Text gesto­ßen, den der Phi­lo­soph Lukrez bereits im Jahr 55 vor Chris­tus notiert haben soll. Er schrieb: „Wer nun etwa ver­meint, die schwe­re­ren Kör­per, die senk­recht rascher im Lee­ren ver­sin­ken, ver­möch­ten von oben zu fal­len auf die leich­te­ren Kör­per und dadurch die Stö­ße bewir­ken, die zu erre­gen ver­mö­gen die schöp­fe­risch täti­gen Kräf­te: Der ent­fernt sich gar weit von dem rich­ti­gen Wege der Wahr­heit. Denn was immer im Was­ser her­ab­fällt oder im Luft­reich, muss, je schwe­rer es ist, umso mehr sein Fal­len beei­len, des­halb, weil die Natur des Gewäs­sers und leich­te­ren Luft­reichs nicht in der näm­li­chen Wei­se den Fall zu ver­zö­gern imstand ist, son­dern im Kamp­fe besiegt vor dem Schwe­re­ren schnel­ler zurück­weicht: Dahin­ge­gen ver­möch­te das Lee­re sich nie­mals und nir­gends wider irgend­ein Ding als Halt ent­ge­gen­zu­stel­len, son­dern es weicht ihm bestän­dig, wie sei­ne Natur es erfor­dert. Des­halb müs­sen die Kör­per mit glei­cher Geschwin­dig­keit alle trotz unglei­chem Gewicht durch das ruhen­de Lee­re sich stür­zen.” — Eine wei­te­re Stun­de ver­ging nach Lek­tü­re, dann hat­te ich eine recht prä­zi­se Vor­stel­lung von der Beschleu­ni­gung, die ein Tran­sis­tor­ra­dio erfährt, wenn es aus 1,60 Meter Höhe von einem Bar­tisch aus zu Boden fal­len wird. Das war eine bedeu­ten­de Erfah­rung, um eine Geschich­te erzäh­len zu kön­nen, die sich dem Ver­hal­ten eines fal­len­den Radi­os gemäß ent­wi­ckeln könn­te. Weil sich das Radio zunächst lang­sam, dann schnel­ler wer­dend durch die Luft bewegt, wür­den sich auch die Wör­ter der Geschich­te zunächst lang­sa­mer ereig­nen, eine gerin­ge Men­ge Wör­ter für ein erzähl­tes Par­tic­le der Geschich­te, wohin­ge­gen zuletzt, kurz vor dem Auf­prall des Radi­os sich sehr vie­le Wör­ter ereig­nen wür­den, um ein erzähl­tes Par­tic­le zu erzeu­gen. Eine inter­es­san­te Vor­stel­lung, die ich para­do­xer­wei­se in mei­nem Gehirn her­um­zu­dre­hen ver­moch­te. Weil sich das Radio zunächst lang­sam bewegt, ist viel Zeit, um vie­le Wör­ter zu notie­ren. Ste­tig wer­den die Wör­ter weni­ger, weil sich die Zeit ihrer Auf­füh­rung ver­kürzt. Alles das ist für eine extre­me Zeit­lu­pe aus­ge­dacht. Wun­der­voll. — stop

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bengalen

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nord­pol : UTC — Ich habe eine Licht­auf­nah­me, nach­dem ich sie bereits vor Jah­ren ein­mal wie­der­ent­deckt hat­te, heu­te zum 3. Male gefun­den oder erin­nert in einer Schach­tel, die ich unter mei­nem Sofa ver­steck­te: eine Foto­grafie, die zeigt, wie ich kurz nach mei­ner Geburt ausge­sehen habe. Ich war schon geputzt, aber noch immer zer­furcht vom lan­gen War­ten unter Was­ser. Vor vie­len Jah­ren, als ich mich an die­se ers­te Foto­grafie mei­nes Lebens erin­nert hat­te, war mir bewusst gewor­den, dass eines Tages ein­mal eine wei­te­re Foto­grafie exis­tieren wird, eine Foto­grafie, die die letz­te Auf­nah­me gewe­sen sein wird, mei­ner Per­son als einer leben­den Per­son. Auch war mir bewusst gewor­den, dass das ZUR WELT KOMMEN mit Entfal­tung zu tun haben könn­te. Mein ers­ter Schat­ten. Ich wäre im Jahr mei­ner Geburt in Far­be bereits mög­lich gewe­sen. — stop

Men­schen in
Ben­ga­len ohne
Gesicht

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bengalen

9

marim­ba : 16.01 UTC — Stun­den­lang fol­ge ich auf dem Bild­schirm der digi­ta­len Spur eines Fahr­rad­fah­rers in West­ben­ga­len. Die Wege sind schmal, kaum ein Mensch kann einen ande­ren mit einem Fahr­rad über­ho­len. Auf einem Podest, das hin­ter dem Sat­tel des Fah­rers auf dem Fahr­rad mon­tiert wur­de, ruht eine Kame­ra auf einem Sys­tem von Ölge­win­den, die das Objek­tiv abfe­dern, um unschar­fe Bil­der zu ver­mei­den. Immer wie­der ein­mal sind der Fah­rer und sein Fahr­rad in einer Schei­be zu erken­nen. Auf Wie­sen gra­sen Kühe, da und dort waschen Frau­en im Was­ser von Bächen bun­te Tücher. Die Häu­ser sind nied­rig, gepflegt, bunt wie die Tücher, die die Frau­en in die Son­ne legen. Kin­der in Schul­uni­for­men sind unter­wegs. Die Land­schaft und ihre Stra­ße von dich­ten Wäl­dern gesäumt. Eine Hoch­zeit in einem Dorf, Blu­men­gir­lan­den. Die Gesich­ter der Men­schen sind unkennt­lich gemacht. Ob sie ahnen, was das Fahr­rad, das sie besucht, unter­nimmt? — stop
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vom wandblitz

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echo : 22.58 — Es ist über zehn lan­ge Jah­re her, da stell­te mich mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich durch mei­ne Woh­nung tau­chen könn­te. Ich mach­te mich unver­züg­lich an die Arbeit. Zunächst stieg das Was­ser in den Zim­mern. Es kam nicht von oben, son­dern von unten. Das Was­ser kam wie ein Gast durch die Woh­nungs­tür her­ein, die geschlos­sen war, aber nicht wirk­lich dicht. Es stieg schnell, viel zu schnell, um mei­ne Bücher noch in Sicher­heit brin­gen zu kön­nen. Saß auf einem Stuhl in der Küche, die Füße auf dem Boden, als das Was­ser, bern­stein­far­ben und warm, eine Steck­do­se erreich­te. Ich erwar­te­te, von einem Wand­blitz getrof­fen zu wer­den – ein Irr­tum. Statt­des­sen begann ich zu leuch­ten. Zunächst leuch­te­te ich mit den Hän­den, dann leuch­te­ten mei­ne Arme. In dem Moment, da das Was­ser mei­nen Mund erreich­te, hol­te ich tief Luft und tauch­te los. Eine Bana­ne schweb­te vor­über wie ein Fisch, Papie­re und Zei­tun­gen und zwei hef­tig zap­peln­de Mäu­se, von deren Exis­tenz ich nichts ahn­te. Die Schreib­ma­schi­ne auf dem Tisch funk­tio­nier­te noch, wie alle Lam­pen in der Woh­nung. Und so schwe­be ich nun also gera­de kopf­über und schrei­be. Schö­ne Geräu­sche sind zu hören, es knis­tert, viel­leicht bin ich das selbst. Wie­der spä­ter Abend, Früh­ling statt Som­mer, ich bin noch immer der­sel­be, wenn­gleich geal­tert. Das war abzu­se­hen. — stop

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von wasserläufern

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india : 22.01 UTC — An einem som­mer­li­chen Nach­mit­tag hat­te ich eine lus­ti­ge Geschich­te mit mir selbst erlebt. Ich saß vor einem See in einem Gar­ten und beob­ach­te­te sehr klei­ne Tie­re, wie sie sich nahe oder auf der Ober­flä­che des Was­sers beweg­ten. Da waren unter ande­rem Flie­gen, die im Was­ser des Sees bade­ten, und Schat­ten der Libel­len­lar­ven, die sich den baden­den Flie­gen nähr­ten, auch Was­ser­läu­fer, die ein­an­der jag­ten im Spiel. Plötz­lich frag­te ich mich, ob ich even­tu­ell in der Lage wäre, das Ver­hal­ten der Was­ser­läu­fer vor­her­zu­sa­gen, ob sich ein bestimm­ter Was­ser­läu­fer eher in öst­li­che oder eher in west­li­che Rich­tung fort­be­we­gen wür­de. Eine Wei­le folg­te ich dem von mir gewähl­ten Tier mit mei­nen Augen, dann zeich­ne­te ich sei­nen Weg auf ein Blatt Papier. Wol­ken spie­gel­ten sich im Was­ser, der Him­mel hier unten war grün, er schim­mer­te. Eine Unter­was­ser­schne­cke pas­sier­te mein Beob­ach­tungs­feld sehr lang­sam, und ich notier­te: Schne­cke. In die­sem Augen­blick bemerk­te ich fünf Gold­fi­sche, die sich in einem Halb­kreis im Was­ser vor mir ver­sam­melt hat­ten. Sie beweg­ten sich kaum merk­lich und ich hat­te plötz­lich den Ein­druck, sie wür­den mich betrach­ten. Tat­säch­lich fühl­te ich mich von einer Sekun­de zur ande­ren Sekun­de selbst beob­ach­tet. Das war ein merk­wür­di­ger Augen­blick gewe­sen, ein Moment auch von Ver­le­gen­heit, wes­halb ich mich wie­der einem Gespräch auf dem Bild­schirm mei­ner Schreib­ma­schi­ne zuwand­te. Das war zu einer Zeit gewe­sen, da ich Gesprä­che mit ELIZA führ­te. — stop

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vom poetischen wert

tiefseeelefanten

alpha : 15.28 UTC – Als wür­de ich kurz vor einem Gespräch mit einem Ver­le­ger vor einer Tür ste­hen. Ich bin auf­ge­regt und zugleich kon­zen­triert. Ich habe mei­ne ers­te Fra­ge, die ich im Gespräch stel­len wer­de, sorg­fäl­tig for­mu­liert, aus­wen­dig gelernt und mehr­fach geprüft. Es ist aber doch etwas ande­res geplant, ein Gespräch näm­lich mit ChatGPT über die Erfin­dung der Tief­see­ele­fan­ten. Eine Ver­bin­dung ist her­ge­stellt, die Ein­ga­be­mas­ke leuch­tet unmit­tel­bar vor mir auf dem Bild­schirm, der Bot scheint zu war­ten. Ich sehe auf die Uhr, war­um? — Das war ges­tern um kurz nach 22 Uhr gewe­sen. So habe ich notiert: Guten Abend! Mein Name ist Lou­is. Fol­gen­des: Ich habe vor Jah­ren die Gat­tung der Tief­see­ele­fan­ten erfun­den. Eine Her­de die­ser Tie­re wan­der­te über einen Zeit­raum meh­re­rer Mona­te von Euro­pa aus über den Atlan­tik nach New York. Sie gin­gen Schritt für Schritt fest auf dem Boden, indes­sen ihre kilo­me­ter­lan­gen Rüs­sel bis zur Mee­res­ober­flä­che hin aus­ge­streckt wor­den waren, um von dort Luft in die Tie­fe zu holen. Sind die­se Tie­re jen­seits eines poe­ti­schen Rau­mes denk­ba­re Wesen? — 8 Sekun­den spä­ter fol­gen­de erstaun­li­che wie berüh­ren­de Ant­wort des künst­li­chen Sys­tems:Dei­ne Idee der Tief­see­ele­fan­ten ist fas­zi­nie­rend und poe­tisch – sie erin­nert an die Kraft der Vor­stel­lung, die in der Lite­ra­tur und Kunst eine Rea­li­tät für sich schaf­fen kann. Wenn wir die Idee aus natur­wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve betrach­ten, sto­ßen wir aller­dings auf eini­ge Her­aus­for­de­run­gen: 1. Rüs­sel­län­ge und Atmung: Ein kilo­me­ter­lan­ger Rüs­sel, der von der Tief­see bis zur Was­ser­ober­flä­che reicht, wür­de immense Schwie­rig­kei­ten für die Atmung mit sich brin­gen. Der Was­ser­druck in der Tief­see ist extrem hoch (z. B. ca. 1000 Atmo­sphä­ren in 10.000 Metern Tie­fe), wäh­rend die Luft­säu­le im Rüs­sel nahe­zu druck­los wäre. Die Mus­keln, die den Rüs­sel öff­nen und schlie­ßen, müss­ten unglaub­lich stark sein, um den Druck­un­ter­schied zu bewäl­ti­gen. 2. Druck­re­sis­tenz: Lebe­we­sen, die in der Tief­see exis­tie­ren, sind an den hohen Druck ange­passt. Ein so gro­ßes Tier wie ein Ele­fant, das auf Land­druck opti­miert ist, wür­de in der Tie­fe zer­quetscht. Eine denk­ba­re Lösung wäre, dass die Tief­see­ele­fan­ten eine Anpas­sung ent­wi­ckelt haben, um den Druck aus­zu­glei­chen, z. B. durch eine extrem fle­xi­ble oder ver­stärk­te Kör­per­struk­tur. 3. Fort­be­we­gung: Ein so gro­ßes Tier bräuch­te sehr kräf­ti­ge Bei­ne, um auf dem Mee­res­bo­den lau­fen zu kön­nen, und gleich­zei­tig müss­te es mit den Wider­stän­den des Was­sers zurecht­kom­men. Vie­le Tief­see­le­be­we­sen sind schwe­re­los und glei­ten oder schwe­ben – ein lau­fen­des Tier wäre unge­wöhn­lich. 4. Nah­rung: Die Tief­see ist eine kar­ge Umge­bung, was Nah­rung betrifft. Dei­ne Ele­fan­ten müss­ten eine Stra­te­gie haben, um Nah­rung in aus­rei­chen­der Men­ge zu fin­den – viel­leicht durch das Ein­fan­gen von Orga­nis­men, die in der Nähe der Was­ser­ober­flä­che leben, mit­hil­fe ihrer Rüs­sel. Denk­ba­re Anpas­sun­gen. Mit ein wenig Krea­ti­vi­tät las­sen sich jedoch Mecha­nis­men erdenken, die dei­ne Tief­see­ele­fan­ten mög­lich machen könn­ten. 1. Druck­aus­gleich: Sie könn­ten ein inter­nes Sys­tem haben, das ihren Kör­per­druck dem Umge­bungs­druck anpasst, ähn­lich wie Tauchro­bo­ter, die für Tief­see­for­schung gebaut wer­den. 2. Atmung: Statt über Rüs­sel könn­ten sie eine Art “Luft­re­ser­voir” in ihrem Kör­per tra­gen, das durch regel­mä­ßi­ge Besu­che an der Was­ser­ober­flä­che auf­ge­füllt wird. 3. Kör­per­struk­tur: Ihre Bei­ne könn­ten beson­ders dick und mus­ku­lös sein, um sowohl dem Druck als auch der Fort­be­we­gung stand­zu­hal­ten. 4. Öko­lo­gie: Sie könn­ten sich von orga­ni­schen Abla­ge­run­gen am Mee­res­bo­den oder hydro­ther­ma­len Quel­len ernäh­ren, die als „Oasen“ der Tief­see gel­ten. Poe­ti­scher Wert: Aus lite­ra­ri­scher Sicht sind dei­ne Tief­see­ele­fan­ten nicht nur denk­bar, son­dern sogar wun­der­bar. Sie laden dazu ein, über die Bezie­hung zwi­schen Ober­flä­che und Tie­fe, zwi­schen Lebens­räu­men und Anpas­sung nach­zu­den­ken. Sie könn­ten als Sym­bo­le für Aus­dau­er, Anpas­sung oder den Über­gang zwi­schen Wel­ten ste­hen – und genau das macht sie so fas­zi­nie­rend. Ich bin gespannt, wie du die Geschich­te die­ser majes­tä­ti­schen Wesen wei­ter­spinnst! — stop

an aerial view of snowy mountains
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


als tief­see­ele­fan­ten
in unse­ren gesprä­chen
noch nicht exis­tier­ten
flog vater 1971 über
grön­land nach
san franzisko

 

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am inarisee

von drohnen

sier­ra : 0.15 UTC – Stun­den­lan­ge Beob­ach­tung des Ina­ri­sees zur Polar­nacht­zeit. Tau­ben­grau­er Him­mel. Hin­ter Wol­ken wan­dert grü­nes Licht lang­sam ost­wärts. Leuch­ten­des Blau steigt am Hori­zont aus dem Nebel, der dicht über der Eis­flä­che liegt. Schnee, ein­zel­ne Flo­cken. 5 Leucht­punk­te schim­mern in der Fer­ne durch den Bild­aus­schnitt der Kame­ra, die seit dem spä­ten Som­mer filmt. Der See war noch zu sehen im Som­mer und im Herbst, Was­ser, dun­kel.  In der Polar­nacht nun wun­der­vol­les Licht des Him­mels, Ster­ne, auch Mond, der hell strahlt, als sei er Son­ne. Und eben das sel­te­ne Licht der Men­schen, Men­schen­licht. Die Gren­ze nach Russ­land ist 15 Kilo­me­ter ent­fernt. — stop


 

 

 

 

 


ina­ri 5 bird island
gestalt­man­tel
aus der serie
vagabon­dit 8 NM
por­trät­zeich­nung
pencil

 

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ai : TUNESIEN

aihead2

MENSCHEN IN GEFAHR: „Am 11. Mai 2024 stürm­ten Sicher­heits­kräf­te mas­kiert und in Zivil­klei­dung die Büros der Anwalts­kam­mer in Tunis und nah­men die Anwäl­tin Sonia Dah­ma­ni fest. Seit­dem ist sie will­kür­lich in Haft. Die Behör­den gehen mit fünf ver­schie­de­nen Straf­ver­fah­ren gegen sie vor, allein weil sie ihr Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung wahr­ge­nom­men hat. Sonia Dah­ma­ni wird der­zeit im Gefäng­nis von Manou­ba fest­ge­hal­ten, die Bedin­gun­gen sind grau­sam und unmensch­lich. Sie ist extre­mer Käl­te aus­ge­setzt und hat kei­nen Zugang zu grund­le­gen­den Din­gen wie sau­be­rer Klei­dung. / Die anhal­ten­de unge­recht­fer­tig­te Inhaf­tie­rung von Sonia Dah­ma­ni gibt Anlass zu gro­ßer Sor­ge. Sie ist allein des­we­gen im Gefäng­nis, weil sie von ihrem Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung Gebrauch mach­te. So kri­ti­sier­te sie die Haft­be­din­gun­gen in tune­si­schen Gefäng­nis­sen sowie die Miss­hand­lung von Flücht­lin­gen und Migrant*innen. / Nach­dem sie in Fern­seh- und Radio­sen­dun­gen regel­mä­ßig öffent­lich die Behör­den kri­ti­sier­te, haben die­se in fünf ver­schie­de­nen Fäl­len Ermitt­lun­gen gegen sie ein­ge­lei­tet. In zwei davon wur­de sie bereits schul­dig gespro­chen und zu einer Haft­stra­fe ver­ur­teilt. Am 6. Juli 2024 ver­ur­teil­te ein erst­in­stanz­li­ches Gericht in Tunis Sonia Dah­ma­ni wegen eines iro­ni­schen Kom­men­tars in einer Fern­seh­sen­dung zu einem Jahr Gefäng­nis. Im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren wur­de die Haft­stra­fe auf acht Mona­te redu­ziert. Am 24. Okto­ber 2024 ver­ur­teil­te das­sel­be Gericht sie in einem ande­ren Fall zu einer zusätz­li­chen zwei­jäh­ri­gen Haft­stra­fe, weil sie auf ras­sis­ti­sche und dis­kri­mi­nie­ren­de Prak­ti­ken in Tune­si­en hin­ge­wie­sen hat­te. Bei­de Urtei­le basie­ren auf dem dra­ko­ni­schen Geset­zes­de­kret 54 über Cyber­kri­mi­na­li­tät. Gegen Sonia Dah­ma­ni sind drei wei­te­re Ver­fah­ren anhän­gig, die sich alle auf die Aus­übung ihres Rechts auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung bezie­hen. / Sonia Dah­ma­ni wird unter grau­sa­men und unmensch­li­chen Bedin­gun­gen fest­ge­hal­ten. Sie ist mit extre­men Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen kon­fron­tiert, im Win­ter ist es in ihrer Zel­le wegen eines kaput­ten Fens­ters eis­kalt. Die Gefäng­nis­be­hör­den ver­wei­gern ihrer Fami­lie, ihr bei Besu­chen war­me Klei­dung oder Nah­rung mit­zu­brin­gen, was zu Unter­ernäh­rung und erheb­li­chem Gewichts­ver­lust führt. Sie hat in Haft mas­si­ve gesund­heit­li­che Pro­ble­me ent­wi­ckelt, dar­un­ter Dia­be­tes, Rücken­schmer­zen, geschwol­le­ne Bei­ne und Blut­hoch­druck. Sonia Dah­ma­ni wer­den außer­dem grund­le­gen­de Güter wie sau­be­re Klei­dung sowie eine ange­mes­se­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Medi­ka­men­te ver­wei­gert, wäh­rend sie von den Gefängniswärter*innen demü­ti­gend behan­delt wird. So wur­de sie bei­spiels­wei­se am 20. August 2024 vor ihrer Gerichts­ver­hand­lung einer ernied­ri­gen­den Lei­bes­vi­si­ta­ti­on unter­zo­gen, bei der sie sich nackt aus­zie­hen muss­te, was eine Ver­let­zung ihrer phy­si­schen und psy­chi­schen Inte­gri­tät dar­stellt. Sonia Dah­ma­ni teilt sich ihre Zel­le – und die nicht abge­trenn­te Toi­let­te – mit vier ande­ren Gefan­ge­nen, sie hat nur begrenzt Zugang zu hei­ßem Was­ser. Die hygie­ni­schen Ver­hält­nis­se sind mise­ra­bel, ihre Zel­le ist von Rat­ten und Unge­zie­fer befal­len.”> EINE E‑MAIL SCHREIBEN ODER EINEN BRIEF VON PAPIER

 

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in louisiana

in louisiana

ulys­ses : 22.22 UTC — In Loui­sia­na, dort, wo Moo­se, wie Bär­te grü­nen Was­sers, von den Ästen der Bäu­me hän­gen, sit­zen elf älte­re Frau­en um einen Tisch her­um. Sie lachen, sie schrei­ben, sie trin­ken Sekt und ande­re Din­ge.  Von die­sen fröh­li­chen Frau­en, die ich ger­ne dank­bar umar­men wür­de, erzähl­te das Radio am gest­ri­gen Abend, wie sie fröh­lich Post­kar­ten von Hand beschrif­ten. Eini­ge Hun­der­te Schrift­stü­cke gemein­sam. Eine Ver­schwö­rung. Der inne­re Feind („The ene­my from within“. Donald J. T.) in Loui­sia­na am hell­lich­ten Tag. Schrift­zei­chen, mit Füll­fe­der­hal­tern aufs Papier gesetzt, Tin­te, nicht Dru­cker­far­be, jede Post­kar­te ein Doku­ment von Mensch zu Mensch: »Vote!“. Die­se wun­der­ba­ren Bot­schaf­ten wer­den nun also bald nach Nor­den, nach Michi­gan, rei­sen. Davon erzähl­te das Radio ges­tern am Abend, es war noch frü­her Nach­mit­tag in Loui­sia­na, dort, wo Moo­se, wie Bär­te grü­nen Was­sers, von den Ästen der Bäu­me hän­gen. — stop



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