Aus der Wörtersammlung: wasser

///

herzwesen

2

lima : 5.18 UTC — Ein klei­ner Kopf, das ist eine Tat­sa­che. Und Augen ja, aber im Grun­de nicht unver­zicht­bar. Kaum Bei­ne, kaum Arme, das Wesen ruht in einer Scha­le, die über einen Abfluss ver­fü­gen soll­te, weil sein Kör­per von Was­ser umspült wird, weil das Wesen Nah­rung zu sich nimmt, gefüt­tert wird, manch­mal mit einem Löf­fel, übli­cher­wei­se mit­tels einer Son­de. Das Wesen ist mensch­li­cher Natur, ein redu­zier­ter mensch­li­cher Kör­per, der über kaum nen­nens­wer­tes Gehirn ver­fügt, es han­delt sich um einen Basis­herz­kör­per, um ein Herz­we­sen. Sobald erwach­sen gewor­den, es wird schnell erwach­sen, kann das fer­tig­ge­stell­te Herz von sei­nem klei­nen Kopf befreit wer­den. Nun kann man das fri­sche Herz aus der Scha­le neh­men und trans­plan­tie­ren, zum Bei­spiel, um ein kran­kes Herz zu erset­zen. Zurück in der Scha­le ver­blei­ben ein klei­ner Kopf und ein klei­ner Bauch. Die Augen des klei­nen Kop­fes sind geschlos­sen. Sobald man sich nähert, möch­te man mei­nen, das Wesen wür­de nur schla­fen. — stop


ping

///

hinter glas

2

tan­go : 17.38 UTC — Wäh­rend eines Besu­ches in einem Aqua­ri­um begeg­ne­te ich vor Jah­ren ein­mal einem Fet­zen­fisch. Die­se Begeg­nung war viel­leicht der ers­ten Begeg­nung eines Kin­des mit einer Weih­nachts­ku­gel ver­gleich­bar. Ich konn­te mei­nen Blick nicht von dem fili­gra­nen Wesen wen­den, das hin­ter etwas Glas vor mir laut­los im Was­ser schweb­te. Ich war ganz sicher nicht der ers­te Mensch gewe­sen, den die­ses fei­ne Wesen im Aqua­ri­um wahr­ge­nom­men haben könn­te, hun­dert­tau­sen­de Augen­paa­re, Nasen, Fin­ger, Men­schen eben da drau­ßen hin­ter den Schei­ben, unge­fähr­lich, manch­mal klei­ne Men­schen, die auf den Armen oder Schul­tern der gro­ßen Men­schen hock­ten. Vor eini­gen Mona­ten nun bemerk­te ich in einem Film­do­ku­ment eine Mee­res­wal­nuss, wun­der­ba­re Bezeich­nung, ihr Leuch­ten, und wie­der konn­te ich mich nicht abwen­den, habe meh­re­re Stun­den über Mee­res­wal­nüs­se geforscht in der digi­ta­len Sphä­re. Die Schei­be des Aqua­ri­ums war indes­sen ein Bild­schirm, Blick nur in eine Rich­tung, kei­ne Begeg­nung, viel­mehr eine Beob­ach­tung. Ich wer­de bald ein­mal den Ver­such unter­neh­men, Mee­res­wal­nüs­se tat­säch­lich leib­haf­tig zu besu­chen, wo sie leben. — stop
ping

///

nachtfeuer

2

gink­go : 2.33 UTC — Ich wähl­te mei­ne eige­ne Tele­fon­num­mer, ich woll­te mich in die­ser Wei­se erkun­di­gen, ob mei­ne Woh­nung noch exis­tier­te. Ich dach­te, wenn mei­ne Woh­nung viel­leicht unter Was­ser stün­de oder in Brand gera­ten sei, da wäre auch mein Tele­fon selbst schwer betrof­fen, dem­zu­fol­ge müss­te, wenn mein Tele­fon sich mit einem lang­sa­men Frei­zei­chen mel­den wür­de, eine Aus­sa­ge mög­lich sein wie die­se in etwa: Weder Was­ser noch Feu­er! Ich lausch­te ein oder zwei Minu­ten jenem beru­hi­gen­den Ton­zei­chen, plötz­lich aber mel­de­te sich eine Stim­me: Ja bit­te? Das war nun mei­ne eige­ne Stim­me gewe­sen, die sich mel­de­te und behaup­te­te, gera­de erst auf­ge­wacht zu sein. Es ist noch Nacht, sag­te mei­ne Stim­me, und ich sag­te noch, Du hörst Dich an, als wäre ich es selbst, der sich mel­de­te. Kann ich nur bestä­ti­gen, ant­wor­te­te die Stim­me, die mei­ne Stim­me zu sein schien, das machst Du gut! Ist alles in Ord­nung, frag­te ich? Ich habe über­legt, ob viel­leicht ein Brand aus­ge­bro­chen sein könn­te wegen Ver­gess­lich­keit, oder Was­ser bis an die Decke wegen Ver­gess­lich­keit. Eini­ge Minu­ten lang spra­chen wir noch über das Wet­ter, es reg­ne­te da und dort, und dar­über, dass wir viel­leicht nicht ganz wach gewe­sen waren, als wir tele­fo­nier­ten. — stop

ping

///

summentext

2

india : 20.25 UTC — Sprung in der Zeit zurück. Sofort flie­ße ich vor­wärts wei­ter. Jedes Erzäh­len, jedes Lesen scheint ein Vor­rü­cken in einer Zeit zu sein, in der ich selbst gehal­ten bin, wie ein Fisch im Was­ser gehal­ten ist. Immer, auch dann, wenn es um Jah­re zurück­geht im Text, liegt die wahr­zu­neh­men­de Ver­gan­gen­heit bis zu einem letz­ten Punkt je um ein Zei­chen, um ein Wort, um Zei­len oder Sei­ten spä­ter, das heißt in der Zukunft. Exis­tiert in mei­nem Kopf eine Struk­tur, die einem Zufalls­ge­nera­tor ähn­lich ist? — stop
ping

///

notizen aus sarajevo

2

nord­pol : 20.18 UTC — Das Bänd­chen Noti­zen aus Sara­je­vo von Juan Goy­tiso­lo, das im Jahr 1993 in der Edi­ti­on Suhr­kamp erschien, muss ein­mal feucht oder nass gewor­den sein. Es wellt sich noch immer, obwohl es Jah­re gepresst unter wei­te­ren Büchern im Regal dar­auf war­te­te, wie­der gele­sen zu wer­den. Ich erin­ne­re nicht, wo ich das Buch gele­sen hat­te, viel­leicht in einem Park, ver­mut­lich war Regen gefal­len. Seit Tagen liegt es auf mei­nem Küchen­tisch, ich habe es bis­her nur ein­mal kurz geöff­net, bemerk­te fol­gen­den mit Blei­stift mar­kier­ten Absatz: „Gleich nach sei­ner Ankunft in Sara­je­vo muss der Frem­de in die Geset­ze und Regeln eines Ver­hal­tens­ko­dex ein­ge­weiht wer­den, der Grund­vor­aus­set­zung für sein Über­le­ben ist. Er, der an ein frei­es Leben ohne Hemm­nis­se gewöhnt ist, muss in sei­nem neu­en Lebens­raum, der Mau­se­fal­le, die er mit 380000 ande­ren Men­schen teilt, schnell ler­nen. Er muss die hoch­ge­fähr­li­chen Gebie­te und die­je­ni­gen ken­nen, in denen er sich ohne all­zu gro­ße Gefahr bewe­gen kann, er muss wis­sen in wel­chen Stadt­tei­len Mör­ser­gra­na­ten nie­der­ge­hen, wel­ches die belieb­tes­ten Stra­ßen­ecken und Kreu­zun­gen der Hecken­schüt­zen sind, wo er gebückt gehen und wo er schnell los­ren­nen muss. Jede Unacht­sam­keit oder ein Feh­ler bei der Aus­wahl des Weges kön­nen töd­lich für ihn sein. Jedes Hin­aus­ge­hen — und jeder muss ein­mal raus­ge­hen, um Was­ser, Holz oder Nah­rungs­mit­tel zu holen — ist, wie die Men­schen in Sara­je­vo sagen, rus­si­sches Rou­lette.“ — stop / S.32/33
ping

///

sarajevo

pic

char­lie : 17.15 UTC — Ich erin­ne­re mich an einen jun­gen Mann, mit dem ich ein­mal vor sechs Jah­ren eine selt­sa­me Geschich­te erleb­te. Wenn sie mir damals jemand ande­res als ich selbst erzählt haben wür­de, hät­te ich sie viel­leicht nicht geglaubt. Die Geschich­te beginnt damit, dass ich in einem Café sit­ze und auf einen jun­gen Mann war­te, der mir etwas erzäh­len will. Ich bin früh­zei­tig gekom­men, bestel­le einen Cap­puc­ci­no und schal­te mein klei­nes Hand­ki­no an, beob­ach­te eine Doku­men­ta­ti­on der Arbeit Maceo Par­kers in New York, mit­rei­ßen­de Musik, gera­de eben umarmt die Sän­ge­rin Kym Mazel­le den Posau­nis­ten Fred Wes­ley, als der jun­ge Mann, den ich erwar­te­te, plötz­lich neben mir sitzt. Er schaut wie ich auf den klei­nen Bild­schirm. Sofort kom­men wir ins Gespräch. Ich fra­ge ihn, wel­che Musik er gehört habe, als Kind in der bela­ger­ten Stadt Sara­je­vo. Jeden­falls nicht sol­che Musik, ant­wor­tet er, und lacht, no Funk, wir hat­ten kei­nen Strom. Avi ist heu­te Anfang drei­ßig, und dass er noch lebt, ist ein Wun­der. Tat­säch­lich steht ihm jetzt Schweiß auf der Stirn, wie immer, wenn er von der Stadt Sara­je­vo erzählt. Ein­mal frag­te ich ihn, was er emp­fun­den habe, als er von Rado­van Kara­džićs Ver­haf­tung hör­te. Anstatt zu ant­wor­ten, perl­te in Sekun­den­schnel­le Schweiß von Avis Stirn. Heu­te beginnt er schon zu schwit­zen, ehe er über­haupt zu erzäh­len beginnt, weil er weiß, dass er gleich wie­der berich­ten wird von den Stra­ßen sei­ner Hei­mat­stadt, die nicht mehr pas­sier­bar waren, weil Scharf­schüt­zen sie ins Visier genom­men hat­ten. Man schleu­der­te Papie­re, Ziga­ret­ten, Bro­te, Was­ser­fla­schen in Kör­ben von einer Sei­te der Stra­ße zu ande­ren. Die­se Kör­be wur­den nicht beschos­sen, aber sobald ein Mensch auch nur eine Hand aus der Deckung hielt, ja, aber dann. Avi war ein klei­ner Jun­ge. Er war so klein, dass er nicht ver­ste­hen konn­te, was mit ihm und um ihn her­um geschah, auch dass ein Holz­split­ter sein lin­kes Auge so schwer ver­letz­te, dass er jetzt ein Glas­au­ge tra­gen muss, das so gut gestal­tet ist, dass man schon genau hin­se­hen muss, um sein künst­li­ches Wesen zu erken­nen. Er sagt, er könn­te, wenn ich möch­te, das Auge für mich her­aus­neh­men. Aber das will ich nicht. Ich erzäh­le ihm, dass ich damals, als er klein gewe­sen war, jeden Abend Bil­der aus Sara­je­vo im Fern­se­hen beob­ach­tet habe. Was das für Bil­der gewe­sen sei­en, will Avi wis­sen. Ich sage: Das waren Bil­der, die ren­nen­de Men­schen zeig­ten. Avi schwitzt. Und er lacht: Das Fern­se­hen kann nicht gezeigt haben, was geschah, weil es immer schnell und über­all pas­sier­te. Und die­se Geräu­sche. Plötz­lich nimmt der jun­ge Mann mein klei­nes Kino in die Hand zurück, setzt sich die Kopf­hö­rer in sei­ne Ohren ein, hört Maceo Par­ker, Kim Macel­le, Fred Wes­ley, Pee Wee Ellis, nickt im Rhyth­mus der Musik mit dem Kopf. Ein Wis­pern. — stop

///

abend

2

gink­go : 20.18 UTC — Man könn­te sich vor eine Schreib­ma­schi­ne set­zen, mit etwas Scho­ko­la­de zur Sei­te und Was­ser und Kaf­fee für ein oder zwei Tage Zeit, auch eine Ente könn­te gegen­wär­tig sein, die bereits gebra­ten ist, und Brot und Reis. Weil die aus­ge­dach­te Schreib­ma­schi­ne ohne jedes Papier notie­ren kann, muss man sich über Papie­re kei­ne Gedan­ken machen. Man beginnt zu schrei­ben. Man schreibt viel­leicht zunächst nur ein Wort: Regen. Man schreibt das Wort Regen, weil in die­sem Augen­blick, da man zu schrei­ben beginnt, Regen vor den Fens­tern vom Him­mel fällt. Mit Regen könn­te man begin­nen, mit dem Wort Regen. Man schreibt also das Wort Regen, das unver­züg­lich auf dem Bild­schirm erscheint. Es reg­net. Ich höre, dass es reg­net, das Geräusch des Regens, das mir ver­traut ist, ein Geräusch, das ich als Kind bereits hör­te, wie in die­sem Augen­blick. Kann mich nicht erin­nern, wann es anfing zu reg­nen, viel­leicht wäh­rend ich noch über­leg­te, was ich notie­ren soll­te, ein güti­ger Regen, ein Regen, mit dem ich begin­nen konn­te. Wann lern­te ich, was Regen ist? Wann hör­te ich zum ers­ten Mal von dem Wort, das Regen bezeich­net? Was kann ich sagen über das Wort Regen. Wie lan­ge Zeit müss­te ich notie­ren in die­sem mei­nem fort­ge­schrit­te­nen Alter, um all das auf­schrei­ben zu kön­nen, was ich weiß vom Regen? Wie viel Gramm? — Was weiß ich noch? — stop

///

wildnis

pic

india : 8.15 UTC — Ein­mal, und in der ver­gan­ge­nen Nacht wie­der, im Traum eine Not­la­dung nach einem Flug dicht über das Was­ser hin über den Atlan­tik in einer Wild­nis vor New York. Wir wer­den eva­ku­iert, ich ver­ges­se im bren­nen­den Flug­zeug Kof­fer und Papie­re. Bin plötz­lich ein Nie­mand, einer, der in einem Bett liegt, in einem Zim­mer, in wel­chem sich Men­schen vor Bil­dern bewe­gen, die sie betrach­ten und bespre­chen. Auch ich bin ein Bild, wer­de dis­ku­tiert, darf mich nicht bewe­gen, kann Sprech­spra­chen nicht ver­ste­hen. — stop

ping

///

regenschirmtiere vol.3

2

ulys­ses : 0.12 UTC — Ein Jour­na­list, der für das Radio arbei­tet, erzähl­te unlängst am Tele­fon, er habe ein­mal an einer Repor­ta­ge gear­bei­tet, die von der Ent­de­ckung der Regen­schirm­tie­re berich­te­te. Unge­fähr in der Mit­te sei­nes Bei­tra­ges habe er einen Feh­ler ent­deckt. Er saß vor dem Radio­ge­rät und hör­te der Stim­me einer Spre­che­rin zu, die sei­nen Text sehr deut­lich las, es war also zu spät, der Jour­na­list konn­te an sei­nem Feh­ler nichts ändern. Das ver­sen­det sich, wur­de er von einer Redak­teu­rin getrös­tet. Und ich dach­te, das ist ein schö­nes Wort für ver­lo­re­ne Wor­te oder Gedan­ken, das ist wie mit Träu­men, die sich von der Erin­ne­rung lösen wie Regen­was­ser, das sich nicht wirk­lich fest­hal­ten, nicht wirk­lich begrei­fen lässt mit Hän­den, die­ses hel­le Was­ser, das die Luft erhell­te in einem Traum, den ich gera­de noch erzäh­len konn­te auf einem Blatt Papier, ehe der Traum sich ver­flüch­tig­te, in dem ich mich wun­der­te, dass ich, bei­de Hän­de frei, durch die Stadt gehen konn­te, obwohl ich doch allein unter einem Regen­schirm spa­zier­te. Als ich an einer Ampel war­ten muss­te, betrach­te­te ich mei­nen Regen­schirm genau­er und staun­te, weil ich nie zuvor eine Erfin­dung die­ser Art zu Gesicht bekom­men hat­te. Ich konn­te dunk­le Haut erken­nen, die zwi­schen bleich schim­mern­den Kno­chen auf­ge­spannt war, Haut, ja, Haut von der Art der Flug­haut eines Abend­seg­lers. Sie war durch­blu­tet und so dünn, dass die Rinn­sa­le des abflie­ßen­den Regens deut­lich zu sehen waren. In jener Minu­te, da ich mei­nen Schirm betrach­te­te, hat­te ich den Ein­druck, er wür­de sich mit einem wei­te­ren Schirm unter­hal­ten, der sich in nächs­ter Nähe befand. Er voll­zog leicht schau­keln­de Bewe­gun­gen in einem Rhyth­mus, der dem Rhyth­mus des Nach­bar­schirms ähnel­te. Dann wach­te ich auf. Es reg­net noch immer. Ich wer­de gleich tele­fo­nie­ren. — stop
ping

///

schildkrötengeschichte

2

india : 15.03 UTC — Vor weni­gen Stun­den war ich im Stadt­wald spa­zie­ren. Ich ging um einen Teich her­um, in dem Schild­krö­ten unter der Was­ser­ober­flä­che gegen­ein­an­der kämpf­ten. Plötz­lich hör­te ich das Geräusch einer hel­len, schep­pern­den Glo­cke, ein Klin­geln oder metal­le­nes Hupen. Ich dach­te, je­mand möch­te Dich wecken. Und ich dach­te, Du kennst die­se Geschich­te, das hast Du schon ein­mal geträumt. Du musst zunächst ver­su­chen, wach zu wer­den, dach­te ich. Also ver­suchte ich, wach zu wer­den. Ich wan­der­te zunächst in die Küche. Das Geräusch wan­derte mit mir, und ich bemerk­te, die Küche ist kein guter Ort, um wach wer­den zu kön­nen. Plötz­lich erin­nerte ich mich, woher ich das Geräusch kann­te. Es war das Glöck­chen, das am Weih­nachts­abend hin­ter einer Tür von mei­nem Vater durch hef­tige Bewe­gung zum Klin­gen gebracht wur­de, ein ver­trau­tes, jähr­lich wie­der­keh­ren­des Geräusch. Ein­mal bekam ich ein Radio geschenkt. Das Radio war das ers­te Radio mei­nes Lebens gewe­sen, ein Tran­sis­to­r­emp­fän­ger, hand­lich und doch schwer. Ich weiß nicht wes­halb, ich öff­nete das Radio mit­hil­fe eines Schrau­ben­zie­hers, ich zer­legte die klei­ne Appa­ra­tur in ihre Ein­zel­teile und wun­derte mich. Ein Jahr dar­auf bekam ich einen Foto­ap­pa­rat, den ich am dar­auf­fol­gen­den Tag wie zuvor das Radio öff­ne­te und auf das genau­es­te unter­such­te, im Früh­ling zähl­te ich Vögel, im Som­mer durch­such­te ich das Unter­holz nach Kno­chen von Hasen und Rehen, um sie in mei­nem Zim­mer auf dem Schreib­tisch so zu kon­fi­gu­rie­ren, dass ich sie mir vor­stel­len konn­te. Es ist merk­wür­dig, wie Geräu­sche über gro­ße Zeit­räu­me hin­weg wie­der­keh­ren, als wären sie gera­de erst in der Wirk­lich­keit abge­spielt wor­den. Es lässt sich nicht über­prü­fen, aber sie schei­nen sich tat­säch­lich nicht ver­än­dert zu haben, sind unteil­ba­re Wesen. — stop
ping



ping

ping