von fliegentieren

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india : 20.02 UTC — Flie­gen exis­tie­ren, die sich im Moment der Dun­kel­heit an eine Wand set­zen, auf ein Buch, auf den Boden, auf das vom Tag­licht erwärm­te Holz mei­nes Schreib­ti­sches. Dort ver­wei­len sie still, bis es wie­der hell wird, sie sind die Schlä­fer unter den Flie­gen, Nacht­schlä­fer. Indes­sen sind wei­te­re Flie­gen zu beob­ach­ten, die kaum sicht­bar sind, solan­ge Licht ist in mei­nen Zim­mern, sie schei­nen sich mit­tels Bewe­gungs­lo­sig­keit zu ver­ste­cken. Ich höre sie nicht, ich sehe sie nicht, ich ver­ges­se, dass sie anwe­send sind oder ihre Anwe­sen­heit mög­lich sein könn­te. Und dann ist also Dun­kel. Unver­züg­lich flie­gen sie los, Spu­ren der Duft­mo­le­kü­le fol­gend lan­den sie auf Wan­gen, Stirn oder einer Schul­ter, die frei­legt, die schläft, die in die­sem Augen­blick der Lan­dung erwacht. Man könn­te sagen, die Nacht­flie­ger unter den Flie­gen, bewir­ken Licht. Kaum ste­he ich schlaf­trun­ken neben dem Bett, haben sie sich bereits wie­der ver­steckt.  Sie wis­sen um den Zorn. Und sie wis­sen, dass bald wie­der Dun­kel wer­den wird. — stop

vögel

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india : 18.55 UTC — Im Traum steh ich im Park vor einer Volie­re, die an einem Bind­fa­den hängt. Die­ser Bind­fa­den muss irgend­wo in gro­ßer Höhe am Him­mel befes­tigt sein. In der Volie­re schwe­ben Vögel. Sie sind nicht sehr viel grö­ßer als ein Dau­men, ihr Gefie­der von präch­ti­gen Far­ben, die sich lang­sam flie­ßend ver­än­dern. Ich sit­ze auf einem Stuhl, habe Brot­zeit mit­ge­bracht, Kür­bis­kern­bröt­chen, Schin­ken, 1 Schnitt­lauchsträuß­chen, Cham­pi­gnon­pas­te­te, Him­beer­brau­se, eine Kan­ne Kaf­fee. Ich beob­ach­te das Vogel­haus, das über kei­ner­lei Tür ver­fügt. Tage­lang, es wur­de immer wie­der dun­kel, saß ich auf mei­nem Stuhl. Wenn es dun­kel gewor­den war, leuch­te­te ich mit einer Taschen­lam­pe zu den Vögeln hin. Sie moch­ten das Licht, ihre Augen glüh­ten wie Dioden in blau, oran­ge, grün und rot. Auch waren sie stumm. Sie schie­nen auf­merk­sam zu sein. Viel­leicht wun­der­ten sie sich über die­sen Mann, der gedul­dig war­te­te, ob sie ein­mal lan­den wür­den. — stop
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bienenfarbe

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india : 0.08 UTC — Ich habe in den Maga­zi­nen der digi­ta­len Sphä­re nach­ge­se­hen, schwarz­far­be­ne Bie­nen exis­tie­ren tat­säch­lich. Holz­bie­nen sind schwarz gefärbt. Je nach Licht­ein­fall wer­den sie blau. Das Blau ist ein schil­lern­des Blau. Es scheint nicht wirk­lich zu sein. Nie habe ich eine schwar­ze oder ein blaue Bie­ne gese­hen, aber vor­ge­stellt. — stop

fensterlicht

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nord­pol : 15.01 UTC — Im Spa­zie­ren kurz vor Aus­gangs­sper­re Blick zu den Fens­tern hin. Licht von Lam­pen, die selbst nicht sicht­bar sind, oder Lam­pen­we­sen selbst, ihre Schir­me, Bal­lo­ne, Bir­nen. Da und dort Bewe­gung, ein Mensch, der am Fens­ter steht oder sich bewegt in der nicht sicht­ba­ren Tie­fe der Zim­mer, das Licht der Fern­seh­bild­schir­me, unru­hig, auch rote und grü­ne und blaue Simu­la­tio­nen. Und Fens­ter, die ohne Licht sind. — stop

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mundsegel

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del­ta : 18.28 UTC — Abends kommt sie mir ent­ge­gen im Trep­pen­haus 2. Stock. Sie geht sehr lang­sam, rech­te Hand am Gelän­der, ihre wei­te­re Hand stützt auf ihrem lin­ken Ober­schen­kel, der­art drückt sie sich Stu­fe für Stu­fe zur Woh­nung hoch. Sie sieht, dass ich oben auf dem Trep­pen­ab­satz war­te, damit ich Platz machen kann damit wir uns nicht zu nahe kom­men. Ver­mut­lich erkennt sie mich bereits an den Schu­hen. Von Unten ruft ein jun­ger Mann, der ihr den Ein­kauf nach oben trägt, er gehe jetzt los. Und wie sie an mir vor­über kommt, sie lächelt hin­term Mund­se­gel, ent­de­cke ich, das das schwe­re dich­te Segel zu einem leich­te­ren Segel gewor­den ist, das knis­tert, indem sie ein oder aus­at­met. Zwei Tage spä­ter höre ich, sie sei geimpft wor­den. Ihre dunk­len Augen, ich erin­ne­re mich, fun­kel­ten im Halb­licht. Sie trug Som­mer­schu­he. Und sie wuss­te in ihrem beschwer­li­chen Auf­stieg ver­mut­lich schon, dass sie am Abend, beglei­tet vom gedul­di­gen jun­gen Mann aus dem ers­ten Stock, mit ihrem Roll­wä­gel­chen in den nahen Park spa­zie­ren wür­de, um einer Bekann­ten Pfand­fla­schen wei­ter­zu­rei­chen. Es sind dies­mal nicht so vie­le, wird sie viel­leicht ent­schul­di­gend sagen. — stop

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vom nachtstrassenmuseum

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alpha : 22.25 UTC — Es ist nicht etwa so, dass Men­schen auf der Stras­se tief unter mei­nem Fens­ter nach Süden hin kurz vor Beginn der Aus­gangs­sper­ren sich beei­len wür­den nach Hau­se zu kom­men. Sie gehen vor­an so wie immer um die­se Zeit, aber allein. Es sind aus­ser­dem weni­ge Men­schen, die sich dort unten bewe­gen. Für einen Moment dach­te ich, viel­leicht haben sie Ein­tritt bezahlt für das Muse­um der Nach­stras­sen zu Zeit der Aus­gangsper­re: 150 Euro. Ich muss das beob­ach­ten, das Muse­um, die Men­schen, und die Nacht­bie­nen, ihre Geräu­sche, ihre Wege, ihre Besu­che hier oben, wo ich am Fens­ter ste­he. — stop

luftschreiben

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char­lie : 6.55 UTC — Beim Nach­barn im Kel­ler ruht auf einem klei­nen run­den Tisch, der von Wachs­fle­cken bedenkt ist, eine mecha­ni­sche Schreib­ma­schi­ne. Immer wie­der ein­mal den­ke ich an die­se Schreib­ma­schi­ne, wenn ich in den Kel­ler abstei­ge, um nach dem Strom­zäh­ler zu sehen. Ges­tern war sie noch immer dort in gelb­li­chen Licht auf dem Tisch zu sehen, bedeckt von etwas feuch­tem Staub und Mör­tel, der von der Decke fällt, sobald die Erde bebt unter der Stadt. Ich dach­te, ich soll­te mir eine mecha­ni­sche Schreib­ma­schi­ne in die Woh­nung holen, das Schrei­ben wie­der­ho­len wie frü­her noch ohne Mög­lich­keit einer Kor­rek­tur, auch mit der Kraft der Hän­de arbei­ten. Da sind Geräu­sche der Kin­der­zeit, sofort kann ich sie aus dem Gedächt­nis holen, wie ich mit jeder Tas­te einen Ton anschla­ge, manch­mal so sanft, so vor­sich­tig, dass ich das Papier, das über einer Wal­ze spannt, mit dem Druck­zei­chen nicht errei­che, dass ich, sagen wir, Zei­chen in die Luft set­ze, weich. — stop

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loop

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romeo : 0.58 UTC — Noch eh ich das Fern­seh­ge­rät in Gang set­ze, weiss ich was gespielt wird. Viel­leicht wird’s mich im Herbst wie­der fröh­li­cher stim­men? Seit heu­te ver­fü­ge ich über einen fei­nen Pin­sel, mit dem ich Kaf­fee­pu­der aus den Maga­zi­nen mei­ner Kaf­fee­müh­le fächern wer­de. Als ich Kind war, lern­te ich, dass ich mit einem Pin­sel die­ser Art nicht in Farb­töp­fe fah­ren darf. Wie es wohl kommt, dass Geschich­ten plötz­lich wie aus dem Nichts ent­ste­hen? Die Geschich­te von den Apfel­bäu­men zum Bei­spiel. Im Radio mor­gens noch war von Haar­pin­seln und Bie­nen die Rede gewe­sen. — stop
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kabinenlicht

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romeo : 6.08 UTC — Wenn ich schla­fe, wache ich immer wie­der ein­mal auf, wäh­rend mei­ne Hän­de wei­ter­schla­fen. Das ist selt­sam, mei­ne Hän­de wachen zur­zeit ein wenig spä­ter auf als ich selbst. Ich tre­te ans Fens­ter. Manch­mal ist frü­her Mor­gen. Es ist noch dun­kel. Stra­ßen­bah­nen que­ren den Platz weit da unten. In ihrem Kabi­nen­licht sit­zen Men­schen mit Mas­ken vor Mund und Nase. Es sind die­sel­ben Per­so­nen, wie mir scheint, die ich ges­tern am Abend bereits durch mein Opern­glas beob­ach­tet habe. Sie wer­den ver­mut­lich für das Umher­fah­ren bezahlt. Zwei Tau­ben sit­zen tief unter mir auf einer Stra­ßen­la­ter­ne, sie schla­fen wie mei­ne Hän­de, die nun lang­sam wach wer­den, weil ich mit ihnen schrei­be. Guten Mor­gen! — stop

ai : CHINA

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MENSCH IN GEFAHR : “Die Bür­ger­jour­na­lis­tin Zhang Zhan (张展) ist von der Poli­zei in Shang­hai inhaf­tiert wor­den und wird zur­zeit im Gefäng­nis des neu­es Bezirks Pudong fest­ge­hal­ten. Sie ist will­kür­lich inhaf­tiert, weil sie ihr Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung aus­ge­übt hat. Die­se Recht ist in Arti­kel 19 der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te (AEMR) ver­an­kert. / Zhang Zhan reis­te im Febru­ar 2020 nach Wuhan, um über den Aus­bruch von Covid-19 zu berich­ten. She berich­te­te über die Inhaf­tie­rung unab­hän­gi­ger Reporter_innen und die Schi­ka­ne der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen der Betrof­fe­nen. Am 15. Sep­tem­ber wur­de sie ange­klagt, “Streit ange­fan­gen und Ärger pro­vo­ziert” zu haben (寻衅滋事罪). Dar­auf ste­hen bis zu fünf Jah­re Haft. Ihr droht die­se Haft­stra­fe nur auf­grund ihrer Bericht­erstat­tung über einen Sach­ver­halt von öffent­li­chem Inter­es­se. / Zhang Zhan trat in den Hun­ger­streik, um gegen ihre Inhaf­tie­rung zu pro­tes­tie­ren und ihre Unschuld zu beto­nen. Obwohl sie die Absicht hat­te, den Hun­ger­streik fort­zu­set­zen, sol­len Gefäng­nis-beam­t_in­nen ihr gegen ihren Wil­len Nah­rung ver­ab­reicht haben. Sie muss dar­über­hin­aus Fuß­fes­seln tra­gen und ihre Hän­de sind seit über drei Mona­ten Tag und Nacht gefes­selt. Die­se Maß­nah­men ver­sto­ßen gegen das abso­lu­te Ver­bot der Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe und stel­len eine Ver­let­zung der Ver­pflich­tun­gen Chi­nas unter inter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­nor­men dar. Die Aus­wir­kun­gen die­ser Maß­nah­men auf den Gesund­heits­zu­stand von Zhang Zhan geben Anlass zu gro­ßer Sor­ge. Ihr Zustand hat sich seit Sep­tem­ber sehr ver­schlech­tert. - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen unter > ai : urgent action

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