himalaya : UTC — Seit ich denken kann, brennt das Licht im Küchenfenster der Wohnung gegenüber, ein Stockwerk tiefer. Nie habe ich ein menschliches Wesen dort gesehen. Nicht in der Nacht, am Morgen, nicht während des Tages. Ich lauerte. Es wurde Winter. Immer auch im Winter stand das Fenster weit offen und es brannte Licht. Es wurde Sommer, und auch im Sommer brannte das Licht wie im Winter von früh bis spät. An diesem heutigen nachmittag habe ich einen Vogel beobachtet, einen riesigen Vogel, der aus dem Fenster flog.
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Aus der Wörtersammlung: himalaya
platinen
himalaya : 16.15 UTC — Folgendes habe ich erinnert gestern Abend: Von einer Minute zur anderen, Vögel nämlich, die über einen sommerlichen Himmel rasten, einander lockende, hakenschlagende Künstler, manche flogen weite Strecken auf dem Rücken dicht über den Boden hin. Das war ein Vogelhimmel über wild blühenden Wiesen, und da waren Bienengeschosse und schwebende Brummkreiselpilze. Unter einem Baum kauerten ein paar Kinder, die schraubten an fauchenden Taubenköpfen herum. Eine Geschichte feinster Werkzeuge, jawohl, eine Geschichte auch elektrisch knisternder Platinen, die unter jener vorgestellten Wiese verborgen lagen. – Vermag ich Texte oder zunächst eher Bilder zu erinnern? Wie sind beide Welten miteinander verknüpft? — stop

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himalaya : 15.54 UTC — z y l i n d e r r o s e

seltsam
himalaya : 12.52 UTC – Hühnerherzen, wie klein sie doch sind, 32 Stück zu 2 € 18 in einer Box, 32 Herzwesen, haltbar (gekühlt) bis Samstag. Seltsame Sache, noch immer, seit oder nach 12 Jahren, seltsam. Ich sollte mich im Warenhaus auf einen Gartenstuhl setzen und warten, um endlich herauszufinden, wer Herzwesen zum Verzehr oder zum Herzkammerstudium mit sich nehmen wird. Heute ist Dienstag. — stop
von tieren der luft
india : 15.52 UTC — Noch ein Kind gewesen, beobachtete ich Fliegen und Mücken mit argwöhnischen Augen. Sie waren so wendig, willensstark und ausdauernd in ihrer Jagd nach Zucker oder Blut, dass ich sie fürchtete und bewunderte zur selben Zeit. Sirrende Geräusche. Sturzschraubenflüge. Moskitos, die man niemals lebendig mit einer Hand fangen, aber töten konnte. Das Mikroskop, mit dessen Hilfe ich vor langer Zeit Fliegenleichen untersuchte, habe ich unlängst wiedergefunden. Ein schweres Objekt, schwarz lackiertes Gusseisen, daran befestigt, bewegliche Messingteile, Rädchen insbesondere, ein Spiegel, und ein runder, beweglicher Tisch. Das Gerät war im zurückliegenden Jahrhundert von Ernst Leitz in Wetzlar gefertigt worden. An seinem zentralen Lichthals trägt es die Signatur No. 158461. Robert Koch soll aus dieser Serie der Mikroskope das Mikroskop mit der Ziffer 100000 erhalten haben, Paul Ehrlich das Mikroskop mit der Nummer 150000. Damals, als ich noch klein gewesen war, konnte ich das Mikroskop kaum auf den Tisch heben, an den ich mich zur Untersuchung gefangener Fliegen setzte, sobald früher Abend geworden war. Um eine Fliege sezieren zu können, benötigt man sehr feines Besteck, meine Hände zitterten. Die erste Fliege, der ich mich mit einem Skalpell näherte, wachte auf, sie bewegte ihre Beinchen, ich flüchtete aus dem Zimmer. Die zweite Fliege, die ich untersuchen wollte, war so gründlich tot, dass sie über keinen eigentlichen Körper mehr verfügte, der untersucht werden konnte. Die dritte Fliege öffnete sich, sie war unerwartet feucht gewesen. In einer metallenen Schachtel verwahrte ich meine Opfer. Der Schachtel entkam ein bitterer Geruch. Ich habe nun überlegt, ob ich die Untersuchung der Fliegen oder kleinerer Spinnentiere nicht dringend wieder aufnehmen sollte. Heute meldete das Radio erste Luftkämpfe von Drohnenvögeln in der Ukraine, Drohne gegen Drohne. — stop

Vater im Jahr 1965
vor der kalifornischen Küste
fotografiert mittels seines
eigenen Fotoapparates
robots
himalaya : 0.15 UTC — Eine Geschichte sollte hier erscheinen, eine Geschichte, die nicht erzählt werden darf, weil sie zur Spur eines Menschen führen könnte, der gesucht wird in einem fernen Land. Wie viele dieser Geschichten werden vermutlich existieren, Geschichten, die nicht erzählt werden dürfen, weil sie an einem Ort erscheinen, der von digitalen Robotern durchkämmt wird auf der Suche nach verdächtigen Wörtern oder Mustern mit Netzen von Code. Unheimliche Wesen, die niemals schlafen. — stop
von feuervögeln
himalaya : 20.18 UTC — Und wenn doch Mobiltelefone mittels Nachrichten von fern her entzündet werden könnten? — Ich sitze neben einem Mann in irgendeinem Zug. Es ist Abend. Der Mann blickt auf den Bildschirm seines Mobiltelefons. Sein Daumen fördert Bilder von unten nach oben hin in rasender Geschwindigkeit. Ich betrachte seinen Kopf. Und plötzlich denke ich: Was denkt dieser Kopf? Kann dieser Kopf so schnell denken, wie sich die Bilder unter der Bewegung seines Daumens bewegen? Vielleicht kennt dieser Mann all jene Bilder, dieser fördert bereits. Vielleicht will er vertiefen, was er denkt. Immer wieder der Eindruck, ein kleiner Vogel, der pfeift von Zeit zu Zeit, liege rücklings in seiner Hand. Sofort wird aus der Bewegung eines Daumens, zärtliche Bewegung. — stop
on the road
himalaya : 7.12 UTC —Vor wenigen Jahren entdeckte ich Jack Kerouacs Roman On the Road in der ungekürzten Fassung als E‑Book. Ich beobachtete, dass eine Rechenmaschine irgendwo, vermutlich von Nordamerika aus, verzeichnete, welche Zeilen dieses Romans von Lesern oder Leserinnen während ihrer Lektüre markiert worden waren. Eine ausgedehnte, präzise Leserbeobachtung scheint kaum merklich Stunde um Stunde vollzogen zu werden. Ich stellte mir vor, Lichtmaschinen, die von Menschen in der Hand gehalten werden, dokumentieren, wie lange Zeit sich lesende Menschen mit einem bestimmten Text beschäftigen, wie sie den Text studieren, ob sie die Lektüre der ein oder anderen Seite wiederholen, an welchen Textorten ihre Augen innehalten oder ihre Hände über den Bildschirm streichend vorwärts blättern, wie viele Leser sich zunächst mit dem Ende einer Geschichte beschäftigen, ehe sie die erste Seite des Textes öffnen, um nun tatsächlich mit der Lektüre zu beginnen, so wie sich der Autor oder Autorin die Lektüre ihres Textes einmal vorgestellt haben könnten. Dass funkende Bücher Körpertemperaturen messen, Feuchtigkeit, Salze der Hände, welche sie berühren, ist nicht unwahrscheinlich. Man will wissen, weil man es wissen kann, an welcher Stelle des Textes Leser verloren gehen oder von welcher Stelle des Textes an Leser restlos eingefangen sind, ja, das ist denkbar. Guten Morgen. Es ist März, leichter Regen. — Die Welt der Wörter scheint sich der Lage unserer Welt anzugleichen: Vor einigen Tagen bemerkte ich das Wort Aerosolbombe. Sollte ich tatsächlich der Registratur meines Wörterspeichers gestatten, Wörter des Krieges zu erlernen, sodass meine Schreibmaschine in der Zukunft des Notierens weder Warn- noch Fehlerhinweise an mich senden würde. — stop

Iannis Xenakis
Die Schönheit
sichtbarer
Musik
sekunde
himalaya : 22.37 UTC — Eine gute menschliche Sekunde könnte folgend gestaltet sein. Ich sage in dieser Sekunde: Komm, das ist ja interessant. Erzähl mir Deine Geschichte! — So könnte es gehen. Auch dann, wenn ich mit Menschen spreche, die mir fremd sind, vielleicht unheimlich, Menschen, die ich fürchte oder zu fürchten habe: Komm, das ist ja interessant. Erzähl mir Deine Geschichte. — stop

time
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himalaya : 14.22 UTC — Werde ich einmal auf dem Mars spazieren? — stop


