Aus der Wörtersammlung: ich

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mariupol

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india : UTC — Ich erin­ne­re mich, im Radio erzähl­te ein Astro­naut, er habe die ers­ten Stun­den des Über­falls der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on auf die frei­en Men­schen des frei­en Staa­tes Ukrai­ne im Welt­raum flie­gend erlebt. In der Nacht ein stock­dunk­les Gebiet, dort wo Tage zuvor die Städ­te des Lan­des noch wie Erd­ster­ne leuch­te­ten. Die Kämp­fe um Hosto­mel habe er als ein röt­li­ches Flim­mern oder Flir­ren wahr­ge­nom­men. Eines Tages führ­te die Flug­bahn der Raum­sta­ti­on in 400 Kilo­me­tern Höhe von Süd­wes­ten über das Schwar­ze Meer. Eine tief­schwar­ze Rauch­wol­ke reich­te hoch hin­auf bis in die Stra­to­sphä­re, das war, als die Stadt Mariu­pol bela­gert und Tag und Nacht von der See, vom Land her und aus der Luft bom­bar­diert wur­de. — stop
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auf der madison avenue

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echo : 10.02 UTC — Ich dach­te, ich habe die­sen Traum bereits schon ein­mal geträumt, die­sen oder einen ähn­li­chen Traum. Wäh­rend ich noch in mei­nen Auf­zeich­nun­gen nach Trau­m­ereig­nis suche, fällt das Traum­er­leb­nis einem Fall­schirm kurz nach Lan­dung ähn­lich in sich zusam­men. Nichts zu ver­glei­chen, aber zu erzäh­len: Ich habe die maß­stabs­ge­treue ana­to­mi­sche Dar­stel­lung eines Tief­see­ele­fan­ten­rüs­sels auf der Madi­son Ave­nue ent­rollt. Leuch­tend rote Mus­kel­grup­pen, stau­nen­de Pas­san­ten, Poli­zei­fahr­zeu­ge sperr­ten Kreu­zun­gen, Stun­den rau­schen­den Glücks, bis ich Höhe 129th Street das Ende der For­ma­ti­on erreich­te. Unver­züg­lich mit der Sub­way down­town 23rd Street zurück. Abend war gewor­den, Nacht, ich begann im Licht einer Stirn­lam­pe, jeden ein­zel­nen Mus­kel der 120000 Struk­tu­ren hand­schrift­lich und ana­to­misch sinn­voll zu bezeich­nen: mus­cu­lus ama­zo­ni­us ori­ens. Arbei­te­te einen Block nord­wärts, bald fehl­ten wei­te­re Wör­ter. — stop
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im park

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romeo : 21.08 UTC — Zum ers­ten Mal in mei­nem Leben habe ich heu­te eine Nil­gans beob­ach­tet, die in einer Baum­kro­ne saß, hoch oben, und trom­pe­te­te. Einen Mann wei­ter­hin, der sei­ne Schu­he und den Boden foto­gra­fier­te. Auch Amei­sen, die einen Apfel ent­deck­ten. — stop
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südwiese

 

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vom bumerangkäfer

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india : 18.58 UTC — Weni­ge Minu­ten nach Mit­ter­nacht lan­de­te ein Mari­en­kä­fer auf mei­ner lin­ken Wan­ge. Ich kann nicht ent­schei­den, ob das ein Zufall gewe­sen war oder nicht. Indem ich das rech­te Auge schloss, aber mit dem lin­ken Auge so weit wie mög­lich nach unten sah, konn­te ich die halb­ku­gel­för­mi­ge Wöl­bung sei­nes Rückens erken­nen. Und ich spür­te eine leich­te Bewe­gung, der Käfer schien mich zu betas­ten. Natür­lich über­leg­te ich sofort, ob es sich bei die­sem Käfer nicht um ein fern­ge­steu­er­tes Wesen han­deln könn­te, das mich besuch­te, um Pro­ben von mei­ner Kör­per­ober­flä­che auf­zu­neh­men. Nach eini­gen Minu­ten ver­än­der­te der Käfer sei­ne Posi­ti­on, er ging zu Fuß, klet­ter­te an mir her­ab, saß für eini­ge Minu­ten an mei­nem Hals, dort konn­te ich ihn weder sehen noch spü­ren, um kur­ze Zeit spä­ter auf mei­nem Hemd zu erschei­nen, wo er sich sehr wohl­ge­fühlt haben moch­te, weil er dort eine gute Stun­de sei­ner Lebens­zeit ver­brach­te. Viel­leicht hat­te der Käfer geschla­fen, oder sich von Stra­pa­zen erholt, die mir unbe­kannt. In die­sem Moment nun, da ich mei­nen Text notie­re, sitzt der in Wör­tern ver­merk­te Käfer am lin­ken unte­ren Rand des Bild­schir­mes mei­ner Schreib­ma­schi­ne. Er presst sich fest an das Gehäu­se. Wei­te­re Käfer sit­zen an den Wän­den, es sind ein gutes Dut­zend, auch Käfer mit gel­bem Gehäu­se sind dar­un­ter. Ges­tern habe ich beob­ach­tet, dass gel­be Käfer mit vier­und­zwan­zig Punk­ten, wenn ich sie behut­sam in eine mei­ner Hän­de set­ze und in die Dun­kel­heit wer­fe, sofort wie­der zurück­kom­men. Man könn­te sagen, dass es sich bei die­ser Art um Bume­rang­kä­fer han­deln könn­te. Wie die­ser Text an die­ser Stel­le gleich­wohl ein Bume­rang­text sein könn­te, einer, der wie­der­kehrt, einer der sicht­bar wird von Zeit zu Zeit, eine Erin­ne­rung oder so etwas. — stop
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vom gedächtnis

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ulys­ses : 18.05 UTC — Wenn ich gehe, ohne zu einem Ton­band­ge­rät zu spre­chen, kom­men die Gedan­ken aus der Luft und ver­schwin­den wie­der in die Luft. Wenn ich sit­ze, kom­men die Gedan­ken aus mei­nen Hän­den. Sobald ich ein­mal nicht schrei­be, ruhen mei­ne Hän­de auf den Tas­ten der Schreib­ma­schi­ne und war­ten. Sie war­ten dar­auf, dass eine Stim­me in mei­nem Kopf dik­tiert, was zu schrei­ben ist. Ich könn­te viel­leicht sagen, dass mei­ne Hän­de dar­auf war­ten, mein Gedächt­nis zu ent­las­ten. Was ich mit mei­nen Hän­den in die Tas­ta­tur der Maschi­ne schrei­be, habe ich gedacht, aber ich habe, was ich schrieb, nicht gelernt, nicht gespei­chert, weil ich weiß, dass ich wie­der­kom­men und lesen könn­te, was ich notier­te. — stop 
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platinen

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hima­la­ya : 16.15 UTC — Fol­gen­des habe ich erin­nert ges­tern Abend: Von einer Minu­te zur ande­ren, Vögel näm­lich, die über einen som­mer­li­chen Him­mel ras­ten, ein­an­der locken­de, haken­schla­gen­de Künst­ler, man­che flo­gen wei­te Stre­cken auf dem Rücken dicht über den Boden hin. Das war ein Vogel­him­mel über wild blü­hen­den Wie­sen, und da waren Bie­nen­ge­schos­se und schwe­ben­de Brumm­krei­sel­pil­ze. Unter einem Baum kau­er­ten ein paar Kin­der, die schraub­ten an fau­chen­den Tau­ben­köp­fen her­um. Eine Geschich­te feins­ter Werk­zeu­ge, jawohl, eine Geschich­te auch elek­trisch knis­tern­der Pla­ti­nen, die unter jener vor­ge­stell­ten Wie­se ver­bor­gen lagen.  – Ver­mag ich Tex­te oder zunächst eher Bil­der zu erin­nern? Wie sind bei­de Wel­ten mit­ein­an­der ver­knüpft? — stop

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bengalen

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marim­ba : 16.01 UTC — Stun­den­lang fol­ge ich auf dem Bild­schirm der digi­ta­len Spur eines Fahr­rad­fah­rers in West­ben­ga­len. Die Wege sind schmal, kaum ein Mensch kann einen ande­ren mit einem Fahr­rad über­ho­len. Auf einem Podest, das hin­ter dem Sat­tel des Fah­rers auf dem Fahr­rad mon­tiert wur­de, ruht eine Kame­ra auf einem Sys­tem von Ölge­win­den, die das Objek­tiv abfe­dern, um unschar­fe Bil­der zu ver­mei­den. Immer wie­der ein­mal sind der Fah­rer und sein Fahr­rad in einer Schei­be zu erken­nen. Auf Wie­sen gra­sen Kühe, da und dort waschen Frau­en im Was­ser von Bächen bun­te Tücher. Die Häu­ser sind nied­rig, gepflegt, bunt wie die Tücher, die die Frau­en in die Son­ne legen. Kin­der in Schul­uni­for­men sind unter­wegs. Die Land­schaft und ihre Stra­ße von dich­ten Wäl­dern gesäumt. Eine Hoch­zeit in einem Dorf, Blu­men­gir­lan­den. Die Gesich­ter der Men­schen sind unkennt­lich gemacht. Ob sie ahnen, was das Fahr­rad, das sie besucht, unter­nimmt? — stop
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