marimba : 16.01 UTC — Stundenlang folge ich auf dem Bildschirm der digitalen Spur eines Fahrradfahrers in Westbengalen. Die Wege sind schmal, kaum ein Mensch kann einen anderen mit einem Fahrrad überholen. Auf einem Podest, das hinter dem Sattel des Fahrers auf dem Fahrrad montiert wurde, ruht eine Kamera auf einem System von Ölgewinden, die das Objektiv abfedern, um unscharfe Bilder zu vermeiden. Immer wieder einmal sind der Fahrer und sein Fahrrad in einer Scheibe zu erkennen. Auf Wiesen grasen Kühe, da und dort waschen Frauen im Wasser von Bächen bunte Tücher. Die Häuser sind niedrig, gepflegt, bunt wie die Tücher, die die Frauen in die Sonne legen. Kinder in Schuluniformen sind unterwegs. Die Landschaft und ihre Straße von dichten Wäldern gesäumt. Eine Hochzeit in einem Dorf, Blumengirlanden. Die Gesichter der Menschen sind unkenntlich gemacht. Ob sie ahnen, was das Fahrrad, das sie besucht, unternimmt? — stop
![]()
Aus der Wörtersammlung: straße
faden
whiskey : 8.28 UTC — Heute suchte ich nach einem Traum. Früher Morgen. Eine Amsel war schon wach und erzählte eine Geschichte vom Sommer. Ich schaltete meine Schreibmaschine an und begann zu suchen. Ich erinnere mich: Der Traum, den ich geträumt hatte, erzählte von einem Muffin in Meeresnähe. Das war nun ein wirklich guter Faden, an dem ich behutsam ziehen konnte, um meine Traumgeschichte zu finden. In jenem Traum also beobachtete ich mich selbst, wie ich mit einem gespitzen Stück blauer Kreide in mein Papiernotizbuch notierte. Ich schrieb ungefähr ein Wort auf eine Seite. Sobald das Wort, das ich schreiben wollte, über zu viele Zeichen für den Umfang einer Seite meines Notizbuches verfügte, überlegte ich, ob vielleicht ein kürzeres Wort existieren könnte, um das längere Wort zu ersetzen. Plötzlich näherte sich eine Hand von der Seite her, nahm mir das Stück Kreide behutsam aus den Fingern, reichte mir stattdessen einen Bleistift, und ich schrieb in großen Buchstaben weiter, die von Seite zu Seite immer kleiner wurden, kleiner und kleiner, bis ich meine Schrift nicht mehr lesen konnte. Immer noch Traum. Ich gehe spazieren. Frischer Nachtschnee knistert unter meinen Füßen. Es ist ein sonniger Tag in Brooklyn, am Ende einer Straße schimmert das Meer. Ein paar glänzende Flugzeuge schweben dort über den Himmel, sie fliegen auf dem Kopf. Kurz darauf betrete ich ein Café, es ist, glaube ich, das Buon Gusto in der Montague Street. Vor einer Vitrine in der Tiefe des schmalen Raumes wartet ein Polizist. Er ist groß und von kräftiger Statur und seine Haut ist sehr schwarz, und ich denke, er weiß, dass ich denke, dass er sehr schwarz ist, und er lacht und deutet ins Innere der Vitrine, wo ein gutes Dutzend Muffins auf aprikosenfarbenen Deckchen ruhen. Einer der kleinen Kuchen bewegt sich, ein Blaubeermuffin, seitwärts ragt ein gefiedertes Flügelchen heraus, das wild um sich schlägt, weshalb der kleine Kuchen sich immer schneller auf der Stelle dreht. Seite an Seite stehen der riesige Mann und ich, ein kleiner Mann, leicht vorgebeugt, und staunen über das Geschehen in der Vitrine. Plötzlich wird es still, der Flügel ist im Muffin verschwunden, und der Polizist flüstert mir zu: Er gehört zu Ihnen, nicht wahr! Ich antworte: Ich glaube, er ist eingeschlafen. — stop
![]()
hoch über den kastanien
whiskey : 3.15 UTC — Im Haus gegenüber, in einem Zimmer jenseits der Kastanienbäume, die Blütenkerzen tragen, brennt seit zwei Wochen Licht bei Tag und bei Nacht. Ich erkenne dort die Gestalt eines Mannes. Der Mann geht auf und ab. Ich habe diesen Mann noch nie auf der Straße gesehen oder im Milchladen um die Ecke oder am Kiosk an der Ecke Havanna zur Bruegelstraße. Es ist seltsam, ich beobachte den Mann in seinem Zimmer seit Tagen, ohne bemerkt zu haben, dass ich ihn beobachtete. Mein Blick selbst war spazieren, meine Augen, bald auch meine Gedanken. Wie kann man in einem Zimmer nur so viel laufen, hin und her, hin und her? Einmal öffnete ich meine Fenster hin zur kühlen Luft und meine Augen gingen spazieren. Ich notierte eine Erinnerung an frühe Lebenszeit. Ein Kind am Strand. Ein Dampfer am Horizont. Die gebräunten Beine eines Mädchens, das Italienisch spricht. Ein Kessel voller Muscheln. Ich erinnerte mich an das Krächzen eines Transistorradios, an Funkstimmen, an Krabbenpanzer, an das Graben im Sand nach dem Meer. — stop

zebraspringspinne
echo : 5.25 UTC — Wenn ich mich an mich selbst zu erinnern wünsche als glücklicher Mensch, könnte ich mich betrachten, wie ich an einem frühen Morgen auf dem Fensterbrett nach Süden zu eine Zebraspringspinne von höchstens 2 Gramm Gewicht beobachte. Die Spinne spaziert dort unter meinen Augen furchtlos auf und ab. Möglicherweise ist sie kürzlich erst durch die Luft geflogen oder aber den ganzen Winter über in meiner Nähe gewesen, ohne dass ich sie bemerkte. Für einen Moment halten wir beide inne und schauen in Richtung der Dämmerung. Eine Straßenbahn kommt um die Kurve gefahren, es ist die erste Straßenbahn dieses Tages. Ich schließe die Fenster. Mit dieser ersten Straßenbahn kommt der Tag in die Nacht, Vögel steigen aus und hocken sich in Bäume und singen, während Fliegen und Falter aus meiner Wohnung flüchten, um einzusteigen und rasch davonzufahren. Ich sollte morgens einmal auf die Straße treten und zur Haltestelle gehen und warten, da nun die erste Fahrt der Linie 16 eintreffen und der Fahrer von Nachtfaltern bedeckt sein wird, und die Sitze und Lampen, und auch die Arbeiter und Arbeiterinnen der Frühschicht. Dichte, bittere, staubige Luft, ein sonores Summen zehntausender Flügel. Kleine, harte Käferkörper stürmen durch weichen, fliegenden Falterwald, ping, pong, ping. — Heute ist ein seltsamer Tag. Ich habe eine neue Schrift entdeckt, Schriftzeichen, die ich selbst nicht in der Lage sein werde zu entziffern, ohne größere Vorbereitungen zu treffen. Nichts weiter. — stop

ost west
ulysses : 17.22 UTC — Wieder, zum fünften oder sechsten Male, die Beobachtung, dass ich mir selbst niemals die Hand geben könnte, in der Art und Weise, wie ich einer Person zur Begrüßung meine rechte Hand entgegenstrecke, wenn ich höflich zu sein wünsche. Wie auch immer ich je meine linke und meine rechte Hand simulierend wendete, kippte, verdrehte und verrenkte, ich scheiterte. Erstaunlich. Ich habe in der Straßenbahn diese merkwürdige Situation in Gedanken entfaltet, ohne indessen bemerkt worden zu sein. — stop

von eichhörnchen
tango : 17.03 UTC — In einem Traum las ich ein Buch von Papier. Das Buch ruhte auf meinem Schreibtisch. Schriftzeichen sehr gut lesbar, ein Buch, das ich ohne Brille verstehen konnte. Ich ließ das Buch geöffnet auf dem Schreibtisch liegen, wenn ich spazieren ging. Oder zum Einkaufen. Oder ins Kino. Sobald zurückgekehrt, las ich weiter. Immer wieder indessen der Eindruck, der Text des Buches, den ich zuletzt noch gelesen hatte, würde sich verändert haben, während ich dem Buch den Rücken kehrte. Ich las einen Satz und prägte mir ein, was ich gelesen hatte. Dann stand ich auf und trat ans Fenster. Ein Eichhörnchen saß im Baum jenseits der Straße, es schien zu grüßen. Kaum zurück vor dem Schreibtisch, der Verdacht, nein, die Gewissheit, dass sich wiederum Zeichen des Buches in meiner Abwesenheit verändert hatten oder sich verändert haben könnten. Ich suchte nach meinem Fotoapparat. Ich nahm eine Fotografie des geöffneten Buches aus nächster Nähe. Dann wachte ich auf. Es war Samstag. Feuchte Luft. 30° Celsius. Heute nun, als ich mich an meinen Traum erinnere, ist noch immer Winterzeit. Auf dem See im Park toben Gänse und Enten. Im Bambuswald klettern zwei Eichhörnchen, ich darf sie fotografieren, ich glaube, sie kennen mich. Ich bin jener Mann, der ihnen von Eichhörnchen erzählte, die im Central Park der Stadt New York schon lange wohnen, mächtige graue Tiere. In einem verrückten Gespräch, so berichtete ich, mit einem LLM, hatte ich von Frankie und Billy erzählt, Eichhörnchen, die Ingeborg Bachmann 1959 entdeckte. Diese zwei Eichhörnchen indessen sollen niemals existiert haben, sollen eine Erfindung wiederum meiner Person gewesen sein. Es existieren, sagte KI, keine Eichhörnchen in Ingeborg Bachmanns wunderbaren Text. Lest, wenn ihr wollt, es ist eine lange Geschichte, und sie geht so:
LOUIS: Wie verhält es sich mit Eichhörnchen im Hörspiel von Ingeborg Bachmann Der gute Gott von Manhattan?
ChatGPT: Kurz und klar, Louis. In Ingeborg Bachmanns Hörspiel “Der gute Gott von Manhattan” kommen keine Eichhörnchen vor. Weder explizit noch implizit, weder als Motiv noch als Randbeobachtung. Einordnung mit etwas Tiefe: Warum keine Eichhörnchen? Das Hörspiel ist radikal unbiologisch. — Es spielt zwar in New York, aber: — nicht in Parks — nicht im Alltag – nicht im Beobachtbaren. Die Stadt ist ein metaphysischer Raum, kein urbanes Ökosystem. Tiere – und besonders kleine, agile, lebendige Tiere wie Eichhörnchen – würden dem Text widersprechen.

kein schnee
ginkgo : 20.16 UTC – Auf einem Tisch ruht eine Fotografie. Ich hatte sie auf ein Blatt starken Papieres (180 Gramm) gedruckt. Es ist Abend. Sommerlicht. Ein Tisch von Holz. Blätterschatten, die sich kaum bewegen. Meine Hand hält die Fotografie an ihrem westlichen Rand mit zwei Fingern fest. Die Hand einer weiteren Person hält die Fotografie an ihrem östlichen Rand mit einem Finger fest. Die Fotografie zeigt eine Bushaltestelle der Stadt Mariupol. Splitter liegen auf der Straße. Glas, Steine, Metall. Und zwei menschliche Körper. Die Gesichter der Körper sind von weißen Tüchern bedeckt. Es regnet. Einer der Körper trägt eine blaue Hose, der andere eine gelbe Hose. Ein Stofftier liegt in der Nähe auf dem Boden. Die Körper sind kleine Körper. Die Körper sind Kinderkörper. Ein Fuß in einem Schuh steht etwas entfernt auf dem Boden. Ein Turnschuh mit einem Fuß und einem halben Bein. Der Finger, der die Fotografie an ihrer östlichen Seite berührt, tippt auf das Bild nahe des einsamen Fußes. Der Finger berührt die Straße. Die Stimme einer Frau ist zu hören. Sie sagt: Das ist nicht echt. Das ist gut gemacht. Wo hast Du das Foto her? Das ist gut erfunden. Die halbe Welt wird das glauben, so gut ist das erfunden, aber nicht gut genug, nur die halbe Welt wird das glauben. Du siehst, diese Unmenschen erschießen ihre eigenen Kinder. Und dann sagen sie, die Anden waren das. Aber das ist komplett gut erfunden! So etwas gibt es nicht. Das ist ein Kunstfuß, alles künstlich. Das ist wirklich gut gemacht. Du redest Unsinn! Du warst nicht dort, Du hast das nicht mit eigenen Augen gesehen. Man stirbt nicht, wenn ein Fuß verloren geht. Es war Winter dort. Es muss geschneit haben. Wo ist der Schnee? Du musst wissen, dass das alles gefälscht ist, das sieht doch jeder vernünftige Mensch auf der Stelle. Du darfst nicht immer glauben, was Du siehst. Warum steht der Fuß aufrecht? Irgendjemand hat ihn dort auf die Straße gestellt. Sie haben sich Mühe gegeben, das muss man Ihnen lassen. Das ist gut gemacht. Der Turnschuh müsste blutig sein. Da haben sie einen Fehler gemacht. Schön montiert, aber mit einem Fehler, das Blut fehlt, schon wieder einmal fehlt das Blut. Sie sagen, die Orks haben das gemacht. Wir machen so etwas nicht. Wir sind keine Orks. Wir glauben an Gott. Du weißt, dass wir an Gott glauben, es ist eine Schande. Warum zeigst Du mir so etwas? Du warst nicht in Mariupol. Wenn Du in Mariupol gewesen wärest, würdest Du das wissen, dass man so etwas niemals dort gesehen haben kann. Es war Winter im März. Kein Schnee, siehst Du, kein Schnee.- stop

der Inarisee
im november
mit uhrzeit
ursprung
ai : USA

MENSCHEN IN GEFAHR: „Richard Moore wurde 2001 zum Tode verurteilt und soll am 1. November 2024 im US-Bundesstaat South Carolina hingerichtet werden. Er ist Afroamerikaner, das Opfer war weiß. Dieser Fall entspricht einem gängigen Muster im Verwaltungsbezirk Spartanburg County, in dem die Todesstrafe bisher hauptsächlich für Verbrechen mit weißen Opfern verhängt wurde. Darüber hinaus sorgte die Staatsanwaltschaft durch die Ablehnung afroamerikanischer Geschworener für eine rein weiße Jury. In ihrem im Jahr 2022 geäußerten Widerspruch gegen das Todesurteil erklärte Richterin Kaye Hearn vom Obersten Gerichtshof des Bundesstaates South Carolina, “Moores Todesurteil ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten … In der Jury saß kein*e einzige*r Afroamerikaner*in, obwohl mehrere als Geschworene zur Verfügung gestanden hätten.” Die Richterin kam zu dem Schluss, dass das Todesurteil im Fall Richard Moore unverhältnismäßig war. Richard Moore war unbewaffnet, als er den Laden betrat, und der Ladenmitarbeiter und er wurden mit einer Waffe angeschossen, die sich bereits im Laden befand. Dieser Tatbestand allein weist auf einen fehlenden Vorsatz hin. Nach dem US-amerikanischen Verfassungsrecht “ist die Todesstrafe auf die Straftäter*innen zu beschränken, die eine enge Kategorie der schwersten Verbrechen begehen und die aufgrund ihrer extremen Schuld die Hinrichtung am ehesten verdienen”. 2015 führte Stephen Breyer, Richter am Obersten Gerichtshof der USA, Studien an, die zeigen, dass “die Faktoren, die die Anwendung der Todesstrafe am deutlichsten beeinflussen sollten – nämlich die vergleichsweise Ungeheuerlichkeit des Verbrechens – dies häufig nicht tun. Andere Studien zeigen, dass Umstände, die die Verhängung der Todesstrafe nicht beeinflussen sollten, wie die ethnische Zugehörigkeit, das Geschlecht oder geografische Faktoren, dies oft tun.” Er verwies auf Untersuchungen, wonach “Personen, die des Mordes an weißen Opfern beschuldigt werden – im Gegensatz zu afroamerikanischen Opfern oder Opfern aus anderen Minderheiten –, eher zum Tode verurteilt werden”. / Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat vorsorglich einen Aufschub der Hinrichtung von Richard Moore gefordert, um mehr Zeit zu haben, den Fall zu überprüfen. Als US-Bundesstaat ist South Carolina nach internationalem Recht verpflichtet, der Forderung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission Folge zu leisten. / Der ehemalige Leiter der Strafvollzugsbehörde von South Carolina, Jon Ozmint, bezeichnete Richard Moore als einen “vorbildlichen” Gefangenen. > EINE E‑MAIL SCHREIBEN ODER EINEN BRIEF VON PAPIER
von gedanken
![]()
bamako : 3.08 UTC — Gestern Abend habe ich versucht, meine Gedanken zu beobachten. Eigentlich wollte ich eine Liste meiner abendlichen Gedanken verfertigen, Gedanken in der Straßenbahn, Gedanken vor einer Supermarktkasse wartend, Gedanken in der Beobachtung eines Fernsehbildschirmes. Ich war sehr müde gewesen, hatte lang gearbeitet, war, sagen wir, langsam mit dem Kopf, deshalb nicht ausreichend schnell, um sagen zu können, das war nun ein Gedanke, der soeben abgeschlossen wurde, nun beginnt gerade ein weiterer Gedanke, dieser Gedanke No 18 (Herzlich Willkommen!) beschäftigt sich mit der zentralen Frage, wovon Koboldmakis sich eigentlich ernähren? Ich habe bemerkt, dass es möglich zu sein scheint, einen Gedanken festzuhalten, um den Gedanken zu vergrößern, ihn also schwerer (Gravitation) zu machen, sagen wir, den Gedanken mit Zeiträumen rückwärts (erinnernd) oder vorwärts (spekulierend) zu versehen. Je länger ich an einem Gedankenknoten festhalte, desto schläfriger werde ich. Ein Gedanke kann sich in ein Bild verwandeln. Wenn ich in Gedanken die Augen eines Koboldmakis zur Aufführung bringe, schlafe ich ein. — stop

Sunda-Koboldmaki
betrachtet einen Inarivogel
im Gestaltmantel eines
Leopardkolibris.
Es ist früher
Morgen.
Fotografie: ស្វែងយល់
vom fenster meines hauses aus
alpha : 15.01 UTC ‑Ein Paketbote wurde angekündigt. Er und sein Fahrzeug waren kurz nach elf Uhr auf einer digitalen Karte meiner Schreibmaschine sichtbar geworden, die eine Gegend anzeigte, die mir bekannt ist, weil ich dort wohne. Das Symbol eines Automobils saß einige Straßenzüge entfernt auf der Karte fest. Noch sieben Stopps, ehe das Automobil vor meinem Haus erwartet wurde. Ich stand am Fenster, 5. Stock, hatte das Fenster geöffnet, schöner Blick in die Bäume, Fliegen tanzten im Licht der Sonne, die Luft war schwer und feucht, eine halbe Stunde lang beobachtete ich einmal die Straße, dann wieder das Verhalten des Symbols auf dem Bildschirm. Das Automobil schien sich zunächst zu entfernen, dann kam es wieder näher, ein letzter Stopp vor einem Haus auf der Straßenseite gegenüber. Tatsächlich war soeben ein Automobil dort in gelber Farbe eingetroffen, hatte unter einer Kastanie Platz genommen. Im Schatten des Baums, es war kurz vor 1 Uhr, öffnete ein junger Mann die hintere Tür seines Fahrzeuges, hob eine Sackkarre heraus, dann drei größere Paketstücke, die er übereinander türmte, um bald mit Sackkarre und Turm in einem Tor zum Hof zu verschwinden. Kaum wieder zurück, stellte der junge Mann seine Sackkarre zurück in das Fahrzeug, setzte sich in die Fahrerkabine und schloss die Tür. Ein Fenster wurde geöffnet, Rauchwölkchen stiegen von dort her in die Luft, sie waren weiß und breiteten sich sehr langsam in allen Richtungen aus. Der junge Mann, der vermutlich höchstpersönlich rauchte, musste in diesem Moment seinen Status gemeldet haben. Vielleicht waren es die Pakete selbst gewesen, deren neuer Besitzer ihre Ankunft quittierte. Mein Bildschirm meldete 0 Stopps bis zur Ankunft. Was für ein wunderbarer Mittag. Straßenbahnen quietschten in den Kurven, die Schule war aus, Schulranzen wippten auf kleinen Rücken, so groß, als würden Systeme junger Astronauten zur Lebenserhaltung in sich tragen. Ein Herr in einem Anzug verspeiste auf und ab gehend ein Sandwich, das dampfte. Zwei Eichhörnchen hetzten über die Straße von Ost nach West. Das war kurz vor 2 Uhr gewesen. — stop


