Aus der Wörtersammlung: essen

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synapse

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echo : UTC — Ich notier­te: Da und dort Augen­men­schen hin­ter Segel­tü­chern, deren Gesicht ins­ge­samt ich längst ver­ges­sen habe, ihre Nasen, ihr Kinn, ihren Mund, aber nicht ihre Namen, nicht ihre Stim­men, die etwas ver­wir­belt, wie hei­ser, in mei­nen Ohren erschei­nen. Ein spä­ter Som­mer im ers­ten Jahr der Coro­na­pan­de­mie. Noch nicht lang her, aber gut ver­packt in Zeit­tü­cher, in Schach­teln von Erin­ne­rung gebet­tet, sorg­fäl­tig gebor­gen wie ver­bor­gen. — stop
ping

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an einem nachmittag

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echo : UTC — Ein­mal, vor 14 oder 16 Jah­ren, saß ich eini­ge Stun­den lang an der Sei­te mei­nes Vaters vor sei­nem Schreib­tisch. Wir sahen Noti­zen durch, die er seit der Stu­di­en­zeit auf Zet­teln nie­der­leg­te. Da waren nun Zet­tel aus jün­ge­rer Zeit gewe­sen und Zet­tel, die er bereits vor 10 oder 20 Jah­ren notier­te, Adres­sen, Tele­fon­num­mern, Ver­zeich­nis­se, auch phi­lo­so­phi­sche Bemer­kun­gen, For­meln, Pass­wör­ter. Wir ver­such­ten gemein­sam zu unter­schei­den, was noch wich­tig war und was viel­leicht zur Sei­te gelegt wer­den konn­te. Mein Vater kämpf­te an die­sem Tag des Sor­tie­rens um jeden ein­zel­nen sei­ner Zet­tel. Wenn ich das Zim­mer ein­mal kurz ver­las­sen hat­te, um Milch oder Tee zu holen, konn­te ich vom Flur her sehen, wie sich sei­ne rech­te Hand bemüh­te, Zet­tel, die wir dem Ver­schwin­den über­eig­net hat­ten, in die Abtei­lung UNVERZICHTBAR zurück­zu­ho­len, ein lus­ti­ges Spiel, dach­te ich damals. Heu­te bin ich mir nicht län­ger sicher, ob es nicht ein ver­zwei­fel­tes Gespräch gewe­sen sein könn­te. Ich erin­ne­re mich, ich setz­te mich bald zurück an den Tisch und wir taten bei­de so, als ob in der kur­zen Zeit mei­ner Abwe­sen­heit nichts gesche­hen wäre. Drau­ßen vor dem Fens­ter reg­ne­te es ohne Unter­bre­chung. Wir spra­chen wenig. Immer­zu beweg­te ich mich zu schnell. Manch­mal schlief mein Vater ein. Das war an einem Som­mer­nach­mit­tag gewe­sen. — stop

Nacht
Schwä­ne

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zeit vergeht

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echo : UTC — Ich erin­ne­re mich: In der chi­ne­si­schen Regi­on Sichu­an, einer hüge­li­gen Gegend, sol­len hun­der­te Men­schen auf Lei­tern in Bir­nen­bäu­me gestie­gen sein, um sie mit­tels Enten­fe­der­bü­scheln zu bestäu­ben. Das alles war not­wen­dig gewor­den, weil weder Bie­nen noch Hum­meln exis­tie­ren, die von Pes­ti­zi­den getö­tet wor­den sei­en. Die­se Infor­ma­tio­nen hat­te ich damals einem Film ent­nom­men, des­sen Ein­zel­bil­der ich mit eige­nen Augen gese­hen hat­te. Ich woll­te ihn mei­ner Mut­ter zei­gen. Sie lag damals bereits seit lan­ger Zeit in einem Bett im Haus der alten Men­schen. Vor­sich­tig näher­te ich mich mit mei­ner fla­chen Bild­schirm­schreib­ma­schi­ne. Weil sie ihre Augen nicht öff­nen woll­ten, erzähl­te ich ihr mei­ne Geschich­te von den mensch­li­chen Bie­nen, die in Birn­bäu­me stei­gen, und konn­te nicht sagen, ob sie in den Ohren mei­ner Mut­ter einen Platz gefun­den haben. – Was ich Mut­ter damals nicht erzähl­te, war die Geschich­te win­zi­ger Droh­nen, wie sie sich Bäu­men nähern. War­um? — stop
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propeller

9

echo : UTC — Die­ses Wort, Pro­pel­ler­wort, das sich seit eini­gen Stun­den, weiß der Him­mel, woher es gekom­men ist, in mei­nem Kopf bewegt, scheint in der wirk­li­chen Welt noch nicht zu exis­tie­ren. Ich such­te in Wör­ter­bü­chern, ich such­te in der digi­ta­len Sphä­re, ver­geb­lich. Was also könn­te unter einem Pro­pel­ler­wort exakt zu ver­ste­hen sein? Ein Wort viel­leicht, das in der Lage wäre, wei­te­re Wör­ter, die vor oder hin­ter ihm in einem Satz­ver­bund notiert wor­den sind, im Geis­te eines Lesen­den zu beschleu­ni­gen, oder den Lesen­den selbst in sei­ner Art des Lesens hef­tig anzu­re­gen. In die­sem Augen­blick kommt mir kein Wort in den Sinn, das in die­ser Wei­se wirk­sam wer­den könn­te. Statt­des­sen dach­te ich an das Wort Zwerg­see­ro­se, wel­ches ich ges­tern noch notier­te, das Wort Zwerg­see­ro­se könn­te für mich zu einem Pro­pel­ler­wort wer­den, weil es mich leich­ter wer­den lässt, weil ich mich freue, sobald ich das Wort den­ke oder höre, weil ich sofort wei­te­re Zwerg­wör­ter bemer­ke, die mir gefal­len, das Wort Zwerg­li­bel­le bei­spiels­wei­se, oder das Wort Zwerg­amei­sen­pferd, von den Amei­sen­pfer­den habe ich bereits erzählt, auch das Wort Ohr­fei­ge, wenn ich das Wort Ohr­fei­ge hin­sicht­lich der Baum­früch­te betrach­te, scheint sich gleich­wohl zu einem Pro­pel­ler­wort zu ent­wi­ckeln. — Oh, Du schö­ner Som­mer­mor­gen. Ich bemer­ke, ich könn­te bald oder habe mei­ne Sicht­wei­se auf mensch­li­che Wesen modi­fi­ziert. Ich fra­ge: Wen habe ich vor mir? Was sehe ich? Was könn­te die­ser Mensch gele­sen und erlebt haben? Wie wur­de er also trai­niert? — stop

Zwerg­kra­ke
New York nahe
Cen­tral Park
Nacht

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faden

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whis­key : 8.28 UTC — Heu­te such­te ich nach einem Traum. Frü­her Mor­gen. Eine Amsel war schon wach und erzähl­te eine Geschich­te vom Som­mer. Ich schal­te­te mei­ne  Schreib­ma­schi­ne an und begann zu suchen. Ich erin­ne­re mich: Der Traum, den ich geträumt hat­te, erzähl­te von einem Muf­fin in Mee­res­nä­he. Das war nun ein wirk­lich guter Faden, an dem ich behut­sam zie­hen konn­te, um mei­ne Traum­ge­schich­te zu fin­den. In jenem Traum also beob­ach­te­te ich mich selbst, wie ich mit einem gespitz­ten Stück blau­er Krei­de in mein Papier­no­tiz­buch notier­te. Ich schrieb unge­fähr ein Wort auf eine Sei­te. Sobald das Wort, das ich schrei­ben woll­te, über zu vie­le Zei­chen für den Umfang einer Sei­te mei­nes Notiz­bu­ches ver­füg­te, über­leg­te ich, ob viel­leicht ein kür­ze­res Wort exis­tie­ren könn­te, um das län­ge­re Wort zu erset­zen. Plötz­lich näher­te sich eine Hand von der Sei­te her, nahm mir das Stück Krei­de behut­sam aus den Fin­gern, reich­te mir statt­des­sen einen Blei­stift, und ich schrieb in gro­ßen Buch­sta­ben wei­ter, die von Sei­te zu Sei­te immer klei­ner wur­den, klei­ner und klei­ner, bis ich mei­ne Schrift nicht mehr lesen konn­te. Immer noch Traum. Ich gehe spa­zie­ren. Fri­scher Nacht­schnee knis­tert unter mei­nen Füßen. Es ist ein son­ni­ger Tag in Brook­lyn, am Ende einer Stra­ße schim­mert das Meer. Ein paar glän­zen­de Flug­zeu­ge schwe­ben dort über den Him­mel, sie flie­gen auf dem Kopf. Kurz dar­auf betre­te ich ein Café, es ist, glau­be ich, das Buon Gus­to in der Mon­ta­gue Street. Vor einer Vitri­ne in der Tie­fe des schma­len Rau­mes war­tet ein Poli­zist. Er ist groß und von kräf­ti­ger Sta­tur und sei­ne Haut ist sehr schwarz, und ich den­ke, er weiß, dass ich den­ke, dass er sehr schwarz ist, und er lacht und deu­tet ins Inne­re der Vitri­ne, wo ein gutes Dut­zend Muf­fins auf apri­ko­sen­far­be­nen Deck­chen ruhen. Einer der klei­nen Kuchen bewegt sich, ein Blau­beer­muf­fin, seit­wärts ragt ein gefie­der­tes Flü­gel­chen her­aus, das wild um sich schlägt, wes­halb der klei­ne Kuchen sich immer schnel­ler auf der Stel­le dreht. Sei­te an Sei­te ste­hen der rie­si­ge Mann und ich, ein klei­ner Mann, leicht vor­ge­beugt, und stau­nen über das Gesche­hen in der Vitri­ne. Plötz­lich wird es still, der Flü­gel ist im Muf­fin ver­schwun­den, und der Poli­zist flüs­tert mir zu: Er gehört zu Ihnen, nicht wahr! Ich ant­wor­te: Ich glau­be, er ist ein­ge­schla­fen. — stop

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vom wandblitz

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echo : 22.58 — Es ist über zehn lan­ge Jah­re her, da stell­te mich mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich durch mei­ne Woh­nung tau­chen könn­te. Ich mach­te mich unver­züg­lich an die Arbeit. Zunächst stieg das Was­ser in den Zim­mern. Es kam nicht von oben, son­dern von unten. Das Was­ser kam wie ein Gast durch die Woh­nungs­tür her­ein, die geschlos­sen war, aber nicht wirk­lich dicht. Es stieg schnell, viel zu schnell, um mei­ne Bücher noch in Sicher­heit brin­gen zu kön­nen. Saß auf einem Stuhl in der Küche, die Füße auf dem Boden, als das Was­ser, bern­stein­far­ben und warm, eine Steck­do­se erreich­te. Ich erwar­te­te, von einem Wand­blitz getrof­fen zu wer­den – ein Irr­tum. Statt­des­sen begann ich zu leuch­ten. Zunächst leuch­te­te ich mit den Hän­den, dann leuch­te­ten mei­ne Arme. In dem Moment, da das Was­ser mei­nen Mund erreich­te, hol­te ich tief Luft und tauch­te los. Eine Bana­ne schweb­te vor­über wie ein Fisch, Papie­re und Zei­tun­gen und zwei hef­tig zap­peln­de Mäu­se, von deren Exis­tenz ich nichts ahn­te. Die Schreib­ma­schi­ne auf dem Tisch funk­tio­nier­te noch, wie alle Lam­pen in der Woh­nung. Und so schwe­be ich nun also gera­de kopf­über und schrei­be. Schö­ne Geräu­sche sind zu hören, es knis­tert, viel­leicht bin ich das selbst. Wie­der spä­ter Abend, Früh­ling statt Som­mer, ich bin noch immer der­sel­be, wenn­gleich geal­tert. Das war abzu­se­hen. — stop

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time

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ulys­ses : 22.18 — Im Traum sit­ze ich an einem Tisch und betrach­te eine wun­der­schön gestal­te­te Fest­plat­te. Die Fest­plat­te ist ver­schlüs­selt. Ich habe das Pass­wort ver­ges­sen. Mein Arbeits­le­ben und alles wei­te­re Leben sind auf die­sem Wesen im Alu­mi­ni­um­kleid gespei­chert. Ein Com­pu­ter, eine außer­or­dent­lich schnell rech­nen­de Maschi­ne, so wird erzählt, wur­de ange­schlos­sen. Zah­len und Zei­chen rasen über den Bild­schirm. Die Maschi­ne teilt mit­tels sanft for­mu­lier­ter Wor­te mit: Noch zwei­und­zwan­zig­tau­send Jah­re, 5 Tage und 7 Stun­den, bis alle Kom­bi­na­tio­nen berech­net sein wer­den. Ich erin­ne­re mich, mein ver­ges­se­nes Pass­wort soll über einen poe­ti­schen Kern ver­fügt haben. Das könn­te hilf­reich sein. — stop

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ost west

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ulys­ses : 17.22 UTC — Wie­der, zum fünf­ten oder sechs­ten Male, die Beob­ach­tung, dass ich mir selbst nie­mals die Hand geben könn­te, in der Art und Wei­se, wie ich einer Per­son zur Begrü­ßung mei­ne rech­te Hand ent­ge­gen­stre­cke, wenn ich höf­lich zu sein wün­sche. Wie auch immer ich je mei­ne lin­ke und mei­ne rech­te Hand simu­lie­rend wen­de­te, kipp­te, ver­dreh­te und ver­renk­te, ich schei­ter­te. Erstaun­lich. Ich habe in der Stra­ßen­bahn die­se merk­wür­di­ge Situa­ti­on in Gedan­ken ent­fal­tet, ohne indes­sen bemerkt wor­den zu sein. — stop

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matrjoschka

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nord­pol : 17.12 UTC — Auf dem süd­li­chen Fens­ter­brett mei­ner Woh­nung steht seit län­ge­rer Zeit eine Matrosch­ka-Pup­pe. Zuvor war sie in einer Tru­he ver­bor­gen gewe­sen im Hau­se mei­ner Eltern, als mei­ne Eltern noch leb­ten. Die­se Pup­pe steht so selbst­ver­ständ­lich an Ort und Stel­le, dass ich sie seit unbe­stimm­ter Zeit nicht wahr­ge­nom­men hat­te. Viel­leicht hät­te ich ihr Feh­len bemerkt, aber nicht ihre Anwe­sen­heit. Vor weni­gen Tagen ist etwas Selt­sa­mes gesche­hen. Ich stand am Fens­ter und ent­deck­te die Pup­pe, als wäre sie eine voll­stän­dig neue Erschei­nung. Als ich mich abwand­te,  erin­ner­te ich mich dar­an, sie als Kind geöff­net zu haben, bis zur kleins­ten Pup­pe hin.  Ich leg­te  damals um die kleins­te der Pup­pen einen gefal­te­ten Zet­tel mit dem Vor­satz, irgend­wann ein­mal nach­zu­se­hen, ob die Pup­pe viel­leicht von irgend­je­man­dem wäh­rend mei­ner Abwe­sen­heit geöff­net wor­den war. Nun nahm ich die Matrosch­ka-Pup­pe also in die Hand und begann,  mich lang­sam zu der kleins­ten der Pup­pen vor­zu­ar­bei­ten. Acht Pup­pen saßen über vie­le Jah­re inein­an­der­ge­stellt in einer Tru­he, spä­ter in einem Umzugs­kar­ton, bis sie hier in mei­nem Süd­zim­mer ange­kom­men waren. Als ich die letz­te der Hohl­raum­pup­pen erreicht hat­te, rutsch­te tat­säch­lich ein Zet­tel auf den Tisch, ein Zet­tel, an des­sen hell­grü­ne Far­be ich mich erin­nert hat­te.- stop

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von eichhörnchen

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tan­go : 17.03 UTC — In einem Traum las ich ein Buch von Papier. Das Buch ruh­te auf mei­nem Schreib­tisch. Schrift­zei­chen sehr gut les­bar, ein Buch, das ich ohne Bril­le ver­ste­hen konn­te. Ich ließ das Buch geöff­net auf dem Schreib­tisch lie­gen, wenn ich spa­zie­ren ging. Oder zum Ein­kau­fen. Oder ins Kino. Sobald zurück­ge­kehrt, las ich wei­ter. Immer wie­der indes­sen der Ein­druck, der Text des Buches, den ich zuletzt noch gele­sen hat­te, wür­de sich ver­än­dert haben, wäh­rend ich dem Buch den Rücken kehr­te. Ich las einen Satz und präg­te mir ein, was ich gele­sen hat­te. Dann stand ich auf und trat ans Fens­ter. Ein Eich­hörn­chen saß im Baum jen­seits der Stra­ße, es schien zu grü­ßen. Kaum zurück vor dem Schreib­tisch, der Ver­dacht, nein, die Gewiss­heit, dass sich wie­der­um Zei­chen des Buches in mei­ner Abwe­sen­heit ver­än­dert hat­ten oder sich ver­än­dert haben könn­ten. Ich such­te nach mei­nem Foto­ap­pa­rat. Ich nahm eine Foto­gra­fie des geöff­ne­ten Buches aus nächs­ter Nähe.  Dann wach­te ich auf. Es war Sams­tag. Feuch­te Luft. 30° Cel­si­us. Heu­te nun, als ich mich an mei­nen Traum erin­ne­re, ist noch immer Win­ter­zeit. Auf dem See im Park toben Gän­se und Enten. Im Bam­bus­wald klet­tern zwei Eich­hörn­chen, ich darf sie foto­gra­fie­ren, ich glau­be, sie ken­nen mich. Ich bin jener Mann, der ihnen von Eich­hörn­chen erzähl­te, die im Cen­tral Park der Stadt New York schon lan­ge woh­nen, mäch­ti­ge graue Tie­re. In einem ver­rück­ten Gespräch, so berich­te­te ich, mit einem LLM, hat­te ich von Fran­kie und Bil­ly erzählt, Eich­hörn­chen, die Inge­borg Bach­mann 1959 ent­deck­te. Die­se zwei Eich­hörn­chen indes­sen sol­len nie­mals exis­tiert haben, sol­len eine Erfin­dung wie­der­um mei­ner Per­son gewe­sen sein. Es exis­tie­ren, sag­te KI, kei­ne Eich­hörn­chen in Inge­borg Bach­manns wun­der­ba­ren Text. Lest, wenn ihr wollt, es ist eine lan­ge Geschich­te, und sie geht so:

 

LOUIS: Wie ver­hält es sich mit Eich­hörn­chen im Hör­spiel von Inge­borg Bach­mann Der gute Gott von Man­hat­tan?

ChatGPT: Kurz und klar, Lou­is. In Inge­borg Bach­manns Hör­spiel “Der gute Gott von Man­hat­tan” kom­men kei­ne Eich­hörn­chen vor. Weder expli­zit noch impli­zit, weder als Motiv noch als Rand­be­ob­ach­tung. Ein­ord­nung mit etwas Tie­fe: War­um kei­ne Eich­hörn­chen? Das Hör­spiel ist radi­kal unbio­lo­gisch. — Es spielt zwar in New York, aber: — nicht in Parks — nicht im All­tag – nicht im Beob­acht­ba­ren. Die Stadt ist ein meta­phy­si­scher Raum, kein urba­nes Öko­sys­tem. Tie­re – und beson­ders klei­ne, agi­le, leben­di­ge Tie­re wie Eich­hörn­chen – wür­den dem Text widersprechen.

> … von Eich­hörn­chen.



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