Aus der Wörtersammlung: sehen

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an einem nachmittag

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echo : UTC — Ein­mal, vor 14 oder 16 Jah­ren, saß ich eini­ge Stun­den lang an der Sei­te mei­nes Vaters vor sei­nem Schreib­tisch. Wir sahen Noti­zen durch, die er seit der Stu­di­en­zeit auf Zet­teln nie­der­leg­te. Da waren nun Zet­tel aus jün­ge­rer Zeit gewe­sen und Zet­tel, die er bereits vor 10 oder 20 Jah­ren notier­te, Adres­sen, Tele­fon­num­mern, Ver­zeich­nis­se, auch phi­lo­so­phi­sche Bemer­kun­gen, For­meln, Pass­wör­ter. Wir ver­such­ten gemein­sam zu unter­schei­den, was noch wich­tig war und was viel­leicht zur Sei­te gelegt wer­den konn­te. Mein Vater kämpf­te an die­sem Tag des Sor­tie­rens um jeden ein­zel­nen sei­ner Zet­tel. Wenn ich das Zim­mer ein­mal kurz ver­las­sen hat­te, um Milch oder Tee zu holen, konn­te ich vom Flur her sehen, wie sich sei­ne rech­te Hand bemüh­te, Zet­tel, die wir dem Ver­schwin­den über­eig­net hat­ten, in die Abtei­lung UNVERZICHTBAR zurück­zu­ho­len, ein lus­ti­ges Spiel, dach­te ich damals. Heu­te bin ich mir nicht län­ger sicher, ob es nicht ein ver­zwei­fel­tes Gespräch gewe­sen sein könn­te. Ich erin­ne­re mich, ich setz­te mich bald zurück an den Tisch und wir taten bei­de so, als ob in der kur­zen Zeit mei­ner Abwe­sen­heit nichts gesche­hen wäre. Drau­ßen vor dem Fens­ter reg­ne­te es ohne Unter­bre­chung. Wir spra­chen wenig. Immer­zu beweg­te ich mich zu schnell. Manch­mal schlief mein Vater ein. Das war an einem Som­mer­nach­mit­tag gewe­sen. — stop

Nacht
Schwä­ne

ping

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zeit vergeht

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echo : UTC — Ich erin­ne­re mich: In der chi­ne­si­schen Regi­on Sichu­an, einer hüge­li­gen Gegend, sol­len hun­der­te Men­schen auf Lei­tern in Bir­nen­bäu­me gestie­gen sein, um sie mit­tels Enten­fe­der­bü­scheln zu bestäu­ben. Das alles war not­wen­dig gewor­den, weil weder Bie­nen noch Hum­meln exis­tie­ren, die von Pes­ti­zi­den getö­tet wor­den sei­en. Die­se Infor­ma­tio­nen hat­te ich damals einem Film ent­nom­men, des­sen Ein­zel­bil­der ich mit eige­nen Augen gese­hen hat­te. Ich woll­te ihn mei­ner Mut­ter zei­gen. Sie lag damals bereits seit lan­ger Zeit in einem Bett im Haus der alten Men­schen. Vor­sich­tig näher­te ich mich mit mei­ner fla­chen Bild­schirm­schreib­ma­schi­ne. Weil sie ihre Augen nicht öff­nen woll­ten, erzähl­te ich ihr mei­ne Geschich­te von den mensch­li­chen Bie­nen, die in Birn­bäu­me stei­gen, und konn­te nicht sagen, ob sie in den Ohren mei­ner Mut­ter einen Platz gefun­den haben. – Was ich Mut­ter damals nicht erzähl­te, war die Geschich­te win­zi­ger Droh­nen, wie sie sich Bäu­men nähern. War­um? — stop
ping

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bengalen

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nord­pol : UTC — Ich habe eine Licht­auf­nah­me, nach­dem ich sie bereits vor Jah­ren ein­mal wie­der­ent­deckt hat­te, heu­te zum 3. Male gefun­den oder erin­nert in einer Schach­tel, die ich unter mei­nem Sofa ver­steck­te: eine Foto­grafie, die zeigt, wie ich kurz nach mei­ner Geburt ausge­sehen habe. Ich war schon geputzt, aber noch immer zer­furcht vom lan­gen War­ten unter Was­ser. Vor vie­len Jah­ren, als ich mich an die­se ers­te Foto­grafie mei­nes Lebens erin­nert hat­te, war mir bewusst gewor­den, dass eines Tages ein­mal eine wei­te­re Foto­grafie exis­tieren wird, eine Foto­grafie, die die letz­te Auf­nah­me gewe­sen sein wird, mei­ner Per­son als einer leben­den Per­son. Auch war mir bewusst gewor­den, dass das ZUR WELT KOMMEN mit Entfal­tung zu tun haben könn­te. Mein ers­ter Schat­ten. Ich wäre im Jahr mei­ner Geburt in Far­be bereits mög­lich gewe­sen. — stop

Men­schen in
Ben­ga­len ohne
Gesicht

ping

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queens

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char­lie : UTC — Es war spä­ter Nach­mit­tag gewe­sen: Queens. Eigent­lich woll­te ich durch die Gegend strei­fen, in der Lou­is Arm­strong gelebt hat­te, und sein Haus besu­chen, das zu einem Muse­um gewor­den ist. Als ich ein­ge­trof­fen war: Sta­ti­on North Coro­na, bereits Däm­me­rung. Die Stra­ßen schwach beleuch­tet. In der Nähe eines Fens­ters, das von der Sub­way in einem Abstand von 1 Meter pas­siert wird, saß ein dun­kel­häu­ti­ges Mäd­chen vor einem Fern­seh­ge­rät. Ich bemerk­te, ich woll­te das Mäd­chen gern fra­gen, ob es mich sehen kön­ne, ob es die Züge noch hör­te, die in fünf­mi­nü­ti­ger Fre­quenz an ihrem Wohn­zim­mer vor­über­kä­men. Das sind schep­pern­de Züge, krei­schen­de, quiet­schen­de, ble­cher­ne Röh­ren. stop. Schlan­gen. stop. Unge­tü­me. stop. Wie vie­le Jah­re, wie vie­le Züge, die das Mäd­chen viel­leicht nicht wahr­ge­nom­men hat­te? – stop
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go

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nord­pol : UTC — Ein klei­nes Hand­buch geis­ti­ger Wesen, die ich für mich selbst bewah­ren will. Einen Text in gut leser­li­cher Form mit­tels mei­ner Schreib­hand auf ein Papier zu set­zen. Ein Buch vom ers­ten bis zum letz­ten Satz selbst­stän­dig ohne vor­aus­schau­en­de Syn­op­se zu lesen. Einen Dom­pfaff mit eige­nen Augen sehen und selbst­si­cher sagen zu kön­nen: Das ist kei­ne Mei­se. Einen elek­tri­schen Brief zu schrei­ben, der­art, dass man mich erken­nen wür­de, an der Wahl der Wör­ter und sei­nem Rhyth­mus. — stop
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ein vogelfenster

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hima­la­ya : UTC — Seit ich den­ken kann, brennt das Licht im Küchen­fens­ter der Woh­nung gegen­über, ein Stock­werk tie­fer. Nie habe ich ein mensch­li­ches Wesen dort gese­hen. Nicht in der Nacht, am Mor­gen, nicht wäh­rend des Tages. Ich lau­er­te. Es wur­de Win­ter. Immer auch im Win­ter stand das Fens­ter weit offen und es brann­te Licht. Es wur­de Som­mer, und auch im Som­mer brann­te das Licht wie im Win­ter von früh bis spät. An die­sem heu­ti­gen nach­mit­tag habe ich einen Vogel beob­ach­tet, einen rie­si­gen Vogel, der aus dem Fens­ter flog.
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vom bumerangkäfer

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india : 18.58 UTC — Weni­ge Minu­ten nach Mit­ter­nacht lan­de­te ein Mari­en­kä­fer auf mei­ner lin­ken Wan­ge. Ich kann nicht ent­schei­den, ob das ein Zufall gewe­sen war oder nicht. Indem ich das rech­te Auge schloss, aber mit dem lin­ken Auge so weit wie mög­lich nach unten sah, konn­te ich die halb­ku­gel­för­mi­ge Wöl­bung sei­nes Rückens erken­nen. Und ich spür­te eine leich­te Bewe­gung, der Käfer schien mich zu betas­ten. Natür­lich über­leg­te ich sofort, ob es sich bei die­sem Käfer nicht um ein fern­ge­steu­er­tes Wesen han­deln könn­te, das mich besuch­te, um Pro­ben von mei­ner Kör­per­ober­flä­che auf­zu­neh­men. Nach eini­gen Minu­ten ver­än­der­te der Käfer sei­ne Posi­ti­on, er ging zu Fuß, klet­ter­te an mir her­ab, saß für eini­ge Minu­ten an mei­nem Hals, dort konn­te ich ihn weder sehen noch spü­ren, um kur­ze Zeit spä­ter auf mei­nem Hemd zu erschei­nen, wo er sich sehr wohl­ge­fühlt haben moch­te, weil er dort eine gute Stun­de sei­ner Lebens­zeit ver­brach­te. Viel­leicht hat­te der Käfer geschla­fen, oder sich von Stra­pa­zen erholt, die mir unbe­kannt. In die­sem Moment nun, da ich mei­nen Text notie­re, sitzt der in Wör­tern ver­merk­te Käfer am lin­ken unte­ren Rand des Bild­schir­mes mei­ner Schreib­ma­schi­ne. Er presst sich fest an das Gehäu­se. Wei­te­re Käfer sit­zen an den Wän­den, es sind ein gutes Dut­zend, auch Käfer mit gel­bem Gehäu­se sind dar­un­ter. Ges­tern habe ich beob­ach­tet, dass gel­be Käfer mit vier­und­zwan­zig Punk­ten, wenn ich sie behut­sam in eine mei­ner Hän­de set­ze und in die Dun­kel­heit wer­fe, sofort wie­der zurück­kom­men. Man könn­te sagen, dass es sich bei die­ser Art um Bume­rang­kä­fer han­deln könn­te. Wie die­ser Text an die­ser Stel­le gleich­wohl ein Bume­rang­text sein könn­te, einer, der wie­der­kehrt, einer der sicht­bar wird von Zeit zu Zeit, eine Erin­ne­rung oder so etwas. — stop
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kürzlich

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sier­ra : 21.15 UTC — In der Cen­tral­sta­ti­on beob­ach­te ich Men­schen, die vor einer Schließ­fach­wand ste­hen. Sie schei­nen an einer der stäh­ler­nen Türen im Beson­de­ren inter­es­siert zu sein. Von dort kommt Musik her­aus: Box N74567. Jazz­mu­sik, sehr laut, Ben­ny Good­man: „Sing Sing Sing”. In die­sem Moment mei­ner Betrach­tung beginnt eine Frau mit einem Mann zu tan­zen. Wir wer­den noch sehen, wohin das füh­ren wird. — stop

 

 

 

 


kleins­te teil­chen
von einem LLM
erzeugt

 

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chicago

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ulys­ses : 22.58 UTC — Ein­mal saß ich im Pal­men­gar­ten abends bei leich­tem Regen auf einer Bank. Neben mir, auf der­sel­ben Bank, hock­te ein Mann, der mich nicht sehen, aber hören konn­te. Ich bemerk­te nicht sofort, dass er blind war, weil ich unter einem Regen­schirm saß. Auch der Mann hat­te einen Regen­schirm über sich auf­ge­spannt. Kaum hat­te ich Platz genom­men, notier­te ich zunächst eine Lis­te von Büchern in mein Note­book, die sich mit der Arbeits­welt der Men­schen beschäf­ti­gen. Sie schrei­ben schnell, sag­te der Mann plötz­lich, sie sind wohl geübt. Sie haben viel­leicht etwas im Kopf, das sie los­wer­den wol­len. Als ich mich dem Mann zuwand­te, bemerk­te ich, dass er den Regen­schirm in eine lang­sa­me Dre­hung ver­setzt hat­te. Sein Gesicht konn­te ich nicht erken­nen. Wenn das mei­ne Schreib­ma­schi­ne wäre, könn­te ich Ihnen genau sagen, was sie gera­de geschrie­ben haben. Ich kann hören, was mei­ne Schreib­ma­schi­ne schreibt. Der Mann mach­te eine kur­ze Pau­se. Was haben sie denn auf­ge­schrie­ben, woll­te er dann wis­sen. Ich ant­wor­te: Eini­ge Namen, Namen, die sie viel­leicht schon ein­mal gele­sen haben. Mel­ville. Bukow­ski. Upt­on Sin­clair. Max von der Grün. – Gele­sen nicht, ant­wor­te­te der Mann, aber gehört habe ich zwei der Namen. Upt­on Sin­clairs Dschun­gel­buch exis­tiert in eng­li­scher Spra­che als Hör­buch für Blin­de oder für Men­schen, die nicht lesen wol­len. Ich wür­de ger­ne lesen, aber das geht doch nicht so leicht, wenn man nichts sieht. Der Mann lach­te. Ich höre dem Regen ger­ne zu. Aus mei­ner Sicht der Din­ge ist das so, als wür­de der Regen schrei­ben: Hören Sie, wie es reg­net, wie es schreibt. Ist das nicht wun­der­bar! – Ich frag­te den Mann, ob er denn lesen oder hören kön­ne, was der Regen genau notiert in die­sem Augen­blick. – Aber natür­lich, ant­wor­te­te der Mann, es ist mit jedem Regen etwas ande­res, nicht wahr, der Regen, der auf das Meer fällt, erzählt etwas ande­res, als die­ser Regen hier, der über einem klei­nen See nie­der­geht. Für einen Moment stand der Regen­schirm neben mir ganz still. Ich hör­te ein Flüs­tern: Die­ser Regen hier erzählt von Chi­ca­go. — stop
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hoch über den kastanien

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whis­key : 3.15 UTC — Im Haus gegen­über, in einem Zim­mer jen­seits der Kas­ta­ni­en­bäu­me, die Blü­ten­ker­zen tra­gen, brennt seit zwei Wochen Licht bei Tag und bei Nacht. Ich erken­ne dort die Gestalt eines Man­nes. Der Mann geht auf und ab. Ich habe die­sen Mann noch nie auf der Stra­ße gese­hen oder im Milch­la­den um die Ecke oder am Kiosk an der Ecke Havan­na zur Brue­gel­stra­ße. Es ist selt­sam, ich beob­ach­te den Mann in sei­nem Zim­mer seit Tagen, ohne bemerkt zu haben, dass ich ihn beob­ach­te­te. Mein Blick selbst war spa­zie­ren, mei­ne Augen, bald auch mei­ne Gedan­ken. Wie kann man in einem Zim­mer nur so viel lau­fen, hin und her, hin und her? Ein­mal öff­ne­te ich mei­ne Fens­ter hin zur küh­len Luft und mei­ne Augen gin­gen spa­zie­ren. Ich notier­te eine Erin­ne­rung an frü­he Lebens­zeit. Ein Kind am Strand. Ein Damp­fer am Hori­zont. Die gebräun­ten Bei­ne eines Mäd­chens, das Ita­lie­nisch spricht. Ein Kes­sel vol­ler Muscheln. Ich erin­ner­te mich an das Kräch­zen eines Tran­sis­tor­ra­di­os, an Funk­stim­men, an Krab­ben­pan­zer, an das Gra­ben im Sand nach dem Meer. — stop

 



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