Schlagwort: vorstellung

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moskau

picping

MELDUNG. In Mos­kau am Bolschoi-Theater,Театральная площадь 1, wer­den am kom­men­den Sonn­tag­abend, 30. Janu­ar 2022, zwei jun­ge Höh­len­frö­sche, Letz­te der Gat­tung nas­ika­ba­trachus bhu­pa­thi, öffent­lich zur Spren­gung gebracht. Zün­dung des männ­li­chen Tie­res um 20 Uhr, Zün­dung des weib­li­chen Tie­res um 20 Uhr 30. Die Vor­stel­lung ist aus­ver­kauft. – stop

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peking

picping

MELDUNG. In Peking im Opern­haus No.2 West Chan­g’an Ave­nue West Distric wer­den am kom­men­den Sonn­tag­abend, 16. Janu­ar 2022, zwei jun­ge Glas­frö­sche, Letz­te der Gat­tung coch­ra­nel­la per­si­di­nis, öffent­lich zur Spren­gung gebracht. Zün­dung des männ­li­chen Tie­res um 20 Uhr, Zün­dung des weib­li­chen Tie­res um 20 Uhr 30. Die Vor­stel­lung ist  aus­ver­kauft. – stop

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dschungelfäden

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lima : 18.30 UTC — Eine selt­sa­me Vor­stel­lung viel­leicht: In dem Bild die­ser Vor­stel­lung wür­de jede digi­ta­le Ver­bin­dung unse­rer hand­li­chen Tele­fo­ne je zu einem Faden wer­den oder einem Seil, sodass wir uns in unse­ren Städ­ten kaum noch von einem Ort zu einem ande­ren Ort bewe­gen könn­ten. — stop
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geräusche

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gink­go : 17.15 UTC — Es ist Nach­mit­tag. Ich sit­ze vor dem Fens­ter nach Süden, ich sit­ze der­art vor dem Fens­ter auf dem war­men Boden, dass ich den Him­mel sehe, Wol­ken, nichts wei­ter, nicht was dar­un­ter sich ver­sam­melt, Häu­ser, Tür­me, Kro­nen zahl­rei­cher Bäu­me, Eich­hörn­chen, Auto­mo­bi­le, Men­schen. Ich höre eine Stra­ßen­bahn kom­men, ich höre wie sie anhält, ich höre Stim­men, ich höre wie sich die Stra­ßen­bahn lang­sam in Bewe­gung setzt, wie sie beschleu­nigt, wie sie eine Wei­che nimmt. Die Stra­ßen­bahn schep­pert und ächzt. Unge­zähl­te Male schep­per­te und und ächz­te eine Stra­ßen­bahn an die­sem Ort. Kin­der­ru­fen. Eine Hupe, ein Mar­tins­horn. Ich höre nicht sicht­ba­ren Ereig­nis­sen zu. Vögel sin­gen in die­sem Augen­blick, sin­gen in mei­ner Vor­stel­lung, das ist denk­bar. Ich hat­te vor, spa­zie­ren zu gehen. Es ist Nach­mit­tag. Ein Tele­fon klin­gelt. — stop
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das bein

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bama­ko : 6.32 UTC — Ein­mal, das war vor zehn Jah­ren gewe­sen, stürz­te eine Flie­ge aus gro­ßer Höhe vor mir auf den Tisch. Die Vor­stel­lung zunächst, das Tier könn­te, noch im Flug befind­lich, aus dem Leben geschie­den sein, dann aber war Bewe­gung im lie­gen­den Kör­per zu erken­nen, zwei der vor­de­ren Flie­gen­bein­chen beweg­ten sich bebend, bald zuck­ten zwei Flü­gel. Die Flie­ge schien benom­men, jedoch nicht tot gewe­sen zu sein, wes­we­gen sie bald dar­auf erwach­te, eine äußerst schnel­le Bewe­gung und schon hat­te die Flie­ge auf ihren Bei­nen Platz genom­men, das heißt genau­er, auf fünf ihrer sechs Bei­ne Platz genom­men, das lin­ke hin­te­re Bein streck­te die Flie­ge steif von sich. Kei­ne Bewe­gung der Flucht in die­sem Zeit­raum mei­ner Beob­ach­tung. Auch dann, als ich mich mit dem Kopf näher­te, kei­ne Anzei­chen von Beun­ru­hi­gung. Die Flie­ge schien mit sich selbst beschäf­tigt zu sein, tas­te­te mit einem ihrer Hin­ter­bein­chen nach der gestreck­ten Extre­mi­tät, die ver­letzt zu sein schien, gebro­chen viel­leicht oder gestaucht. Natür­lich stell­te sich sofort die Fra­ge, ob es mög­lich ist, das Bein einer Flie­ge medi­zi­nisch erfolg­reich zu ver­sor­gen, Bewe­gungs­still­stand zu errei­chen, sagen wir, um eine Ope­ra­ti­on zum Bei­spiel, die drin­gend gebo­ten sein könn­te, vor­zu­be­rei­ten. Ich mach­te ein paar Noti­zen von eige­ner Hand, ich notier­te in etwa so: For­schen nach Mikro­skop, Pin­zet­ten, Skal­pel­len, ana­to­mi­schen Auf­zeich­nun­gen, Schrau­ben, Nar­ko­ti­ka und Ver­bands­ma­te­ria­li­en für Ope­ra­ti­on an geöff­ne­ter Cal­li­pho­ra vici­na. — stop
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Codegeräusch

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echo : 8.33 UTC — Bemer­kens­wert immer wie­der die Vor­stel­lung, das Wort h i b i s c i l l i könn­te nach sei­ner Ent­tar­nung genaue die sel­be Bedeu­tung haben wie die Zei­chen­fol­ge x l / * q k o y. Es exis­tie­ren dem­zu­fol­ge Codes, die wohl­klin­gend sind für mensch­li­che Ohren, wäh­rend ande­re even­tu­ell fleis­si­gen Rechen­ma­schi­nen gefal­len. — stop

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maskentier No 1

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tan­go : 0.06 UTC — In einer gezeich­ne­ten Vor­stel­lung der Mas­ken­tie­re sind Augen zu bemer­ken. Das ist sehr selt­sam, weil Augen nicht eigent­lich sinn­voll oder unver­zicht­bar sind für den Zweck, dem Mas­ken­tie­re bald ein­mal die­nen wer­den. Es ist näm­lich so, dass Mas­ken­tie­re in der Lage sein soll­ten, sich auf mensch­li­che Mün­der und Nasen nie­der­zu­le­gen, um die­sel­ben zu beatmen, dem­zu­fol­ge Luft aus der Atmo­sphä­re zu ent­neh­men, um die­se even­tu­ell kon­ta­mi­nier­te Luft für Men­schen oder ande­re Tie­re sorg­fäl­tigst zu fil­tern, indem sie in Stun­den, da sie ihrer Bestim­mung fol­gen, auf viel­fäl­tig gestal­te­ten Wan­gen, Nasen­rü­cken, Hals­par­tien so dicht zu lie­gen kom­men, dass kein Gramm einer Viren­last je an ihren Rän­dern oder Enden ent­wei­chen könn­te. Es ist statt­des­sen ganz wun­der­bar sau­be­re Luft, die sie spen­den, und es ist ganz wun­der­bar sau­be­re Luft, die sie im Gegen­zug wie­der an die Welt zurück­ge­ben wer­den. Natür­lich ist denk­bar, dass kein Wort, kein Schrei durch ihre Leder­haut hin­durch nach drau­ßen drin­gen wird, es wird also stil­ler unter den Men­schen, die schwei­gen und sich sicher füh­len, sobald sie mit ihren wär­men­den Mas­ken über Stra­ßen und durch Waren­häu­ser spa­zie­ren. Dann ist Abend gewor­den, und man legt das getra­ge­ne Tier zurück in einen Behäl­ter, der mit Was­ser gefüllt ist. Dort schwim­men sie dann auf­ge­regt unter wei­te­ren Mas­ken­tie­ren her­um und erzäh­len sich Geschich­ten, was sie hör­ten und was sie gese­hen haben wäh­rend des Tages, indes­sen sie sich säu­bern und paa­ren, um wei­te­re Mas­ken­tie­re zu erzeu­gen. — Auch Ohren, jawohl! — stop

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von vögeln

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sier­ra : 22.08 UTC — Wong Kar-Wais Vögel ohne Füße, die nie­mals lan­den. Immer wie­der eine wun­der­ba­re Vor­stel­lung. Ein Bild auch in die­sen Mona­ten, das mich berührt, da ich selbst nicht lan­den kann in Tagen von Sicher­heit. Oder die Vor­stel­lung der Zep­pe­li­ne, die Jahr­hun­der­te lang wie Wol­ken lang­sam um den Erd­ball schwe­ben. Ein­mal vor Jah­ren zeich­ne­te ich ein Rot­kehl­chen mit einem Blei­stift auf ein Blatt Papier. Ich will erwäh­nen, dass die Zeich­nung des klei­nen Vogels, der von rechts her kom­mend über das Blatt nach links hin segel­te, damals miss­glück­te, es war das ers­te Rot­kehl­chen gewe­sen, das ich in mei­nem Leben zeich­ne­te. Immer­hin waren zwei Flü­gel zu erken­nen gewe­sen und ein Kör­per­chen in der Mit­te, ein Schna­bel und ein klei­ner Kopf. Auch ein roter Fleck auf dem Kör­per­chen in der Gegend des Hal­ses war zu ent­de­cken, weil ich nach einem roten Bunt­stift such­te, das dau­er­te recht lan­ge, wäh­rend der klei­ne Vogel gedul­dig war­te­te, dass ich mit wesent­li­cher Far­be zu ihm zurück­keh­ren wür­de. — Wes­we­gen ich ein Rot­kehl­chen gezeich­net habe? — Nun, ich habe die­se Zeich­nung ange­fer­tigt, weil ich mich frag­te, ob irgend­wann ein­mal flie­gen­de Ser­ver­ma­schi­nen in der Gestalt der Sing­vö­gel denk­bar sein wer­den, die in Schwär­men her­um­flie­gen, indes­sen sie mit­tels unsicht­ba­rer Wel­len mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren? Wie lan­ge Zeit wür­den wir die­se flüch­ti­gen Schwarm­ob­jek­te noch als unse­re Geschöp­fe ver­ste­hen? Wären wir in der Lage, sie jemals wie­der ein­zu­fan­gen? — stop
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über den atlantik

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india : 0.28 UTC — Im Ter­mi­nal 1 des Flug­ha­fens mor­gens eine jun­ge Frau, erkäl­tet. Leich­tes Rei­se­ge­päck. Sie schüt­tet aus einer Tüte drei­ßig oder vier­zig Tele­fon­kar­ten­chips in ihren Schoß. Ich stell­te mir vor, sie sei viel­leicht aus Argen­ti­ni­en gekom­men, Bue­nos Aires. War­um? Viel­leicht ihre Schu­he? Viel­leicht Ihr Haar? Eine Vor­stel­lung fest wie ein Fel­sen. — stop

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im zug

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vic­to­ry : 22.02 – Ich hab mich auf den Weg gemacht durch mei­ne Stadt. Ich dach­te noch, Du wirst die­se Stadt spa­zie­ren, ohne sie zu berüh­ren mit Dei­nen Hän­den, kei­nen Men­schen berüh­ren, kei­ne Stra­ßen­bahn, kei­ne Häu­ser­wand, kei­ne Kaf­fee­tas­se, kei­nen Knopf, kei­ne Gelän­der. Mit die­ser Vor­stel­lung im Kopf ging ich los, Hän­de in den Hosen­ta­schen. Schon ein­mal hab ich so etwas ver­sucht, da wars nur ein Spiel, in einem New Yor­ker Sub­way­zug mit geschlos­se­nen Augen frei­hän­dig zu ste­hen und zu balan­cie­ren, sagen wir eine zwei­stün­di­ge Fahrt mit der Linie D von Coney Island rauf zum Bed­ford Park Bou­le­vard. Das Rei­ten auf einem wil­den Tier. Viel­leicht könn­te ich sagen, dass das Erler­nen einer Sub­way­stre­cke, das neu­ro­na­le Ver­zeich­nen ihrer Stei­gun­gen, ihrer Gefäl­le, ihrer Kur­ven, auch ihrer feins­ten Uneben­hei­ten, dem wort­ge­treu­en Stu­di­um eines Roman­tex­tes ver­gleich­bar ist. Aber dann die Zufäl­le des All­ta­ges, das nicht Bere­chen­ba­re, ein Tun­nel­vo­gel, eine schmut­zi­ge Möwe, Höhe 135. Stra­ße, die den Zug zur Brem­sung zwingt, Eigen­ar­ten des Zuges selbst, das unvor­her­seh­ba­re Ver­hal­ten zustei­gen­der Fahr­gast­per­so­nen, eine Jazz­band, wie ich drin­gend dar­um bit­te, man möge nicht näher kom­men. — stop
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