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15.05 – Ist es sinnvoll, davon zu sprechen, dass ich Beckett oder Krapp bei ihrer Arbeit in meinem Gehirn beobachte, wenn ich das Letzte Band lese? Oder beobachten sie mich? — stop

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15.05 – Ist es sinnvoll, davon zu sprechen, dass ich Beckett oder Krapp bei ihrer Arbeit in meinem Gehirn beobachte, wenn ich das Letzte Band lese? Oder beobachten sie mich? — stop

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7.15 — Ich bemerkte unlängst, dass ich beide Arme hebe, also von mir abwende, also Flügel mache, sobald ich durch die Wohnung laufe und darüber nachdenke, wie es wäre, ohne jedes Gewicht zu sein. — Haben Menschen des 19. Jahrhunderts eine Vorstellung von einem Zustand bewegungsloser Schwerelosigkeit erzeugt? — stop

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0.01 — Existiert vielleicht eine Maschine, die zählen kann, wie viele Wörter von einem Menschen während seines Lebens ausgesprochen werden? — Wie viele Wörter habe ich in meinem Leben bereits zur Sprache gebracht, wie viele Wörter habe ich geschrieben und wie viele Wörter habe ich gedacht? — stop

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0.01 — Inwiefern würde sich unsere Menschenwelt verändern, wenn wir von einem Tag zum anderen Tag über armlange Zungen der Geckos verfügten? In welcher Form kämen sie in einer voll besetzten Straßenbahn zum Einsatz? Und wie bei der Liebe? Und wie im Streit? Was würden diese Zungen wohl im Schlaf unternehmen? — stop

16.18 — Einmal, vor langer Zeit, habe ich mir vorgenommen, zwei oder drei Bücher auswendig zu lernen, Wort für Wort. Sagen wir für Tage, da die Sonne nicht aufgehen will und der Strom ausfällt. Oder um einen Menschen, der vielleicht traurig und müde geworden ist, begeistern zu können. Fangen wir also an. Vilem Flusser. Die Geste des Schreibens: ES HANDELT SICH DARUM, ein Material auf eine Oberfläche zu bringen ( zum Beispiel Kreide auf eine schwarze Tafel ), um Formen zu konstruieren ( zum Beispiel Buchstaben ). Also anscheinend um eine konstruktive Geste: Konstruktion = Verbindung unterschiedlicher Strukturen ( zum Beispiel Kreide und Tafel ), um eine neue Struktur zu formen ( Buchstaben ). Doch das ist ein Irrtum. Schreiben heißt nicht, Material auf eine Oberfläche zu bringen, sondern an einer Oberfläche zu kratzen, und das griechische Wort — graphein — beweist das. Der Schein trügt in diesem Fall. Vor einigen tausend Jahren hat man damit begonnen, die Oberflächen mesopotamischer Ziegel mit zugespitzten Stäben einzuritzen, und das ist der Tradition zufolge der Ursprung der Schrift. Es ging darum, Löcher zu machen, die Oberfläche zu durchdringen, und das ist immer noch der Fall. Schreiben heißt immer noch, Inskriptionen zu machen. Es handelt sich nicht um eine konstruktive, sondern um eine eindringende, eindringliche Geste. — stop
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20.05 — In einem Trambahnwagon saßen Menschen im Glühbirnenlicht, Personen, die ihre Gesichter abnehmen und austauschen konnten, so wie es ihnen gerade Freude machte. Eine junge Person überreichte mir ein Stück warmer Haut, mit dem sie mich kurz zuvor noch angelächelt hatte. Da waren jetzt Wangen von leicht rosafarbenem und eine Stirn von dunklem Holz, und da waren Augen, die weiterhin lachten, und ein sehr schöner Mund, und auch dieser Mund war ein hölzerner Mund. — stop

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2.30 — Unter dem Begriff Kartäusernelke notiert Walter Benjamin, dass dem Liebenden der geliebte Mensch immer einsam erscheine. – Ein seltsamer, ein geheimnisvoller Gedanke. – stop

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20.33 — Einmal, vor zwei oder drei Jahren, erzählte mir ein junger Medizinmann einen merkwürdigen Traum. Folgendes, sagte der Mann. Stell dir einen Wartesaal vor, einen Bahnhof. Reisende sitzen dort auf hölzernen Bänken. Sie rauchen und plaudern miteinander. Unweit einer Schaltergalerie kauern unbekleidete Zyklopen von schneeweißer Haut zu einem Kreis auf dem Boden, tauschen Herzen und Gehirne und Beine und Arme von Menschen. Sie rauchen gleichwohl und scherzen in einer Sprache, die nicht zu verstehen ist. Ich erinnere mich, meinen eigenen Kopf gesehen zu haben. So lange reichen sie ihn herum, bis jeder der Zyklopen ihn ein Mal in Händen gehalten und von allen Seiten her betrachtet hat. — An dieser Stelle machte der junge Mann eine Pause. — Wolkenloser Nachthimmel mit Mond. Der Eindruck, es würde regnen. — stop

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10.15 — Die zärtlichste Methode, das ist denkbar, einen Menschen zu berühren : Annäherung durch Vorstellungskraft. — stop

