vilem flusser

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16.18 – Einmal habe ich mir vorge­nommen, zwei oder drei Bücher auswendig zu lernen, Wort für Wort. Sagen wir für Tage, da die Sonne nicht aufgehen will und der Strom ausfällt. Oder um einen Menschen, der viel­leicht traurig und müde geworden ist, begeis­tern zu können. Fangen wir also an. Vilem Flusser. Die Geste des Schrei­bens: ES HANDELT SICH DARUM, ein Mate­rial auf eine Ober­fläche zu bringen ( zum Beispiel Kreide auf eine schwarze Tafel ), um Formen zu konstru­ieren ( zum Beispiel Buch­staben ). Also anschei­nend um eine konstruk­tive Geste: Konstruk­tion = Verbin­dung unter­schied­li­cher Struk­turen ( zum Beispiel Kreide und Tafel ), um eine neue Struktur zu formen ( Buch­staben ). Doch das ist ein Irrtum. Schreiben heißt nicht, Mate­rial auf eine Ober­fläche zu bringen, sondern an einer Ober­fläche zu kratzen, und das grie­chi­sche Wort – graphein – beweist das. Der Schein trügt in diesem Fall. Vor einigen tausend Jahren hat man damit begonnen, die Ober­flä­chen meso­po­ta­mi­scher Ziegel mit zuge­spitzten Stäben einzu­ritzen, und das ist der Tradi­tion zufolge der Ursprung der Schrift. Es ging darum, Löcher zu machen, die Ober­fläche zu durch­dringen, und das ist immer noch der Fall. Schreiben heißt immer noch, Inskrip­tionen zu machen. Es handelt sich nicht um eine konstruk­tive, sondern um eine eindrin­gende, eindring­liche Geste. – stop
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