zylinder

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india : 12.01 UTC — Vor eini­gen Wochen besuchte ich B., der noch immer in ein­er sehr kleinen Woh­nung über einem Jaz­zcafé wohnt, weswe­gen sein hölz­ern­er Fuss­bo­den manch­mal bebt, so dass auch seine Gäste beben und der Kaf­fee in den Tassen, und im Som­mer fliegen die kleinen Som­mer­fliegen los, weil das Beben der­maßen schreck­lich für ihre Beinchen ist, dass sie lieber stun­den­lang herum­fliegen als wären sie Vögel ohne Füße. B. wohnt also in dieser kleinen Woh­nung und ist noch immer trau­rig. Ich kenne ihn seit 15 Jahren, niemals habe ich ihn glück­lich wahrgenom­men, nicht eine Sekunde lang, oder in einem Zus­tand, den man als wed­er glück­lich noch unglück­lich beze­ich­nen kön­nte. B. ist unglück­lich, weil er das so will, er hat sich in sein­er Trau­rigkeit ein­gerichtet, wie in einem unsicht­baren Zelt, in dem er lebt, das er mit sich auf jede Reise nimmt, er reist ja nicht viel, aber er ist ein guter Gast­ge­ber, sehr fein­füh­lig, ein geduldiger Zuhör­er, der niemals lacht. Er schreibt im Übri­gen an einem Buch, das rund ist, ich meine, er schreibt an einem Win­ter­buch von der Gestalt eines Zylin­ders. Man kann in dem Buch blät­tern, aber man weiss nicht, wo das Buch anfängt, weil in B.s Buch kein Anfang existiert, man liest, und wenn man lange genug liest, wird man plöt­zlich meinen, sich zu erin­nern, oder man hat eine Markierung in das Buch notiert, was eigentlich nicht ges­tat­tet ist. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. — stop
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