radio

2

char­lie : 0.08 — Ges­tern Abend hörte ich das Geräusch ein­er hellen, schep­pern­den Glo­cke, ein Klin­geln oder metal­le­nes Hupen. Ich dachte, irgend­je­mand wollte mich weck­en. Also ver­suchte ich, wach zu wer­den. Ich spa­zierte zunächst in die Küche. Das Geräusch wan­derte mit mir, und ich dachte, die Küche ist kein guter Ort, um wach wer­den zu kön­nen. Plötz­lich erin­nerte ich mich, woher ich das Geräusch kan­nte. Es war das Glöck­chen, das am Weih­nachts­abend hin­ter ein­er Tür von mei­nem Vater durch hef­tige Bewe­gung zum Klin­gen gebracht wurde, ein ver­trau­tes, jähr­lich wie­der­keh­ren­des Geräusch. Ein­mal bekam ich ein Radio geschenkt. Das Radio war das erste Radio mei­nes Lebens gewe­sen, ein Tran­sis­to­r­emp­fän­ger, hand­lich und doch sehr schw­er. Ich weiß nicht wes­halb, ich öff­nete das Radio mit Hil­fe eines Schrau­ben­zie­hers, ich zer­legte die kleine Appa­ra­tur in ihre Ein­zel­teile und wun­derte mich. Ein Jahr darauf bekam ich einen Fotoap­pa­rat, den ich am darauf­fol­gen­den Tag wie zuvor das Radio öffnete und auf das genaueste unter­suchte, im Früh­ling zählte ich Vögel, im Som­mer durch­suchte ich das Unter­holz nach Knochen von Hasen und Rehen, um sie in meinem Zim­mer auf dem Schreibtisch so zu kon­fig­uri­eren, dass ich sie mir vorstellen kon­nte. Es ist merk­würdig, wie Geräusche über große Zeiträume hin­weg wiederkehren, als wären sie ger­ade erst in der Wirk­lichkeit abge­spielt wor­den. Es lässt sich nicht über­prüfen, aber sie scheinen sich tat­säch­lich nicht verän­dert zu haben, sind unteil­bare Wesen. — stop
polaroidlouis

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top