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romeo : 3.12 UTC — Nabo­kov schrieb vor lan­ger Zeit, er habe mir eine unge­wöhn­li­che Uhr geschickt, ich sol­le ihm notie­ren, sobald sie ange­kom­men sei. Weni­ge Wochen spä­ter erneu­te Fra­ge: Lie­ber Lou­is, ist die Uhr, die ich vor zwei Mona­ten sen­de­te, ange­kom­men? Eine ers­te Uhr Nabo­kovs lag kurz dar­auf im Brief­kas­ten, zoll­amt­li­cher Ver­merk: Zur Prü­fung geöff­net. Nun, in die­sem selt­sa­men Mai, habe ich eine wei­te­re Uhr von Nabo­kov erhal­ten. Zoll­amt­li­cher Ver­merk, der­sel­be. Ich will an die­ser Stel­le bemer­ken, von der Öff­nung des Päck­chens war wie­der­um nicht die min­des­te Spur zu erken­nen, kein Schnitt, kein Riss, kei­ne Fal­te. Im Päck­chen dies­mal eine Schach­tel von rotem Kar­ton, in der Schach­tel Sei­den­pa­pie­re, von Nabo­kovs eige­ner Hand ver­mut­lich zer­knüllt. In wei­te­re Sei­den­pa­pie­re ein­ge­schla­gen, besag­te Uhr, wun­der­ba­res Stück, recht­ecki­ges Gehäu­se, ble­chern, ver­mut­lich Trom­pe­te, wel­ches schwer in der Hand liegt. Kurio­ser­wei­se fehlt auch die­ser Uhr das Zif­fer­blatt, wei­ter­hin kei­ner­lei Zei­ger, weder Dioden noch Leucht­zei­chen. Ich ver­such­te das Gehäu­se der Uhr zu öff­nen, erneut ver­geb­lich. Wenn ich auf das Gehäu­se der Uhr Druck aus­übe, öff­net sich am Uhr­bo­den ein schma­ler Schacht, dem, wie zum Beweis der Exis­tenz der Zeit, ein Strei­fen feins­ten Papiers ent­kommt, auf wel­chem ein Uhr­zeit­punkt auf­ge­tra­gen wor­den ist: Acht­zehnzwölf. — Es ist Nacht gewor­den. Ich lie­ge im Halb­schlaf auf dem Sofa. Mei­ne Schreib­ma­schi­ne atmet lei­se, ein bestän­di­ges Fau­chen. Seit eini­gen Tagen arbei­tet sie auch wäh­rend ich schla­fe, rech­net vor sich hin für ein beson­de­res Pro­jekt: Rosetta@home — stop
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