iriden

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sierra : 22.00 – Eine Frau betrat an der Station Charles Michels den Metro­wagon, setzte sich und begann in einem Buch japa­ni­scher Zeichen zu lesen. Ich beob­ach­tete ihre Augen, wie sie von der oberen Kante des Buches senk­recht nach unten wanderten, wie sie sofort wieder nach oben hüpften und ein wenig zur Seite, um dann erneut nach unten zu gleiten. – Eine verti­kale Welt. – Als sie mich aber musterte, mich oder meinen Blick, eine hori­zon­tale Bewe­gung: Auge um Auge, von dem einen zum anderen und wieder zurück. – Ein selt­samer Moment. – Der Eindruck, dass die Frau meine Augen betrach­tete, als wären sie Schrift­zei­chen, dass sie sich zunächst für die eine, dann für die andere Iris inter­es­sierte. Daraufhin die Einsicht, dass ich, wenn ich ein Auge, sagen wir, das linke Auge eines Menschen für sich betrachte, den Menschen hinter dem Auge weder sehen noch erkennen kann.

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