schlafende mutter

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delta : 22.02 UTC – Wie viele Tage schon sitze ich an Deinem Bett, liebe schla­fende Mutter, Stunde um Stunde. Immer wieder denke ich, wie schwer es doch ist, zu einem Menschen zu spre­chen, der schläft. Ob Du mich hören kannst? Hör zu, ich werde Dir eine Geschichte vorlesen, die ich Dir schon einmal las vor über einem Jahr. Einen Winter und einen Früh­ling und einen Sommer lang warst Du aufge­wacht, um nun wieder zu schlafen. Ich ahne, dass Du meine Stimme hören kannst, ich habe gelernt. Erin­nerst Du Dich an meine Geschichte, die von Deinen Brillen erzählt: Es war noch dun­kel im Haus. Ich hörte ein sir­ren­des Geräusch. Das Geräusch näher­te sich, es kam über die Trep­pe abwärts heran. Zunächst war nichts zu sehen, dann aber eine Deiner drei Bril­len, liebe Mut­ter, die über zar­te Roto­ren ver­fü­gen, wel­che in der Lage sind, Bril­len­kon­struk­tio­nen durch die Luft zu bewe­gen, durch Räu­me oder den Gar­ten. Deine Brille kam näher, durch­quer­te das Wohn­zimmer, kreis­te ein­mal um mei­nen Kopf, lan­de­te schließ­lich sanft auf dem Ess­ti­sch in der Nähe des Stuh­les, auf dem Du, wie ich vergeb­lich hoffte, einmal wieder Platz nehmen würdest. Über drei Bril­len ver­fügtest Du, liebe Mut­ter, und jede die­ser Bril­len konnte flie­gen. Eine Bril­le statio­nierte im Dach­ge­schoss, eine wei­te­re Bril­le im Erd­ge­schoss, die drit­te Deiner Brillen, liebe Mutter, zu ebe­ner Erde. Wie sie blin­kten, Dioden in gel­ber Far­be, Zei­chen, dass sie sich mit­tels unhör­barer Funk­si­gna­le ori­en­tie­rten. Jetzt liegen sie auf dem Tisch­chen reglos neben Deinem Bett, als würden sie schlafen wie Du, liebe Mutter. – stop
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