tintenfinger

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lima : 0.55 — Mit dem langsamen Ver­schwinden der Briefe flücht­en unsere Post­wertze­ichen in Schachtel­be­häl­ter, in Alben, in Museen, kost­bare, bunte Wesen von Papi­er, die wir noch mit unseren Zun­gen befeuchteten, um sie mit Briefum­schlä­gen für immer zu verbinden. Auch Gesten, die den Briefen zuge­ord­net sind, wer­den sich nach und nach ver­lieren. Die Geste des Zer­reißens beispiel­sweise, oder die Geste des Zerknül­lens. Wann habe ich zulet­zt beobachtet, wie der Empfänger eines Briefes sich dem geöffneten Doku­ment mit der Nase näherte, um von der Luft der geliebten schreiben­den Per­son zu atmen, die mit dem Brief gereist sein kön­nte? Ver­loren die Abdrücke der Tin­ten­fin­ger, die Rän­der ein­er Brief­seite zierten, ver­loren auch das feine Geräusch der Skalpelle, indem sie teilend durch das sei­dene Fut­ter der Kuvertkof­fer ziehen. Ein absur­der Gedanke möglicher­weise, wie ich den E-Mail­brief ein­er Behörde, der mich zornig wer­den lässt, aus­drucke, wie ich ihn in einen Umschlag stecke, wie ich ihn für einige Sekun­den in Hän­den halte, wie ich mich konzen­triere, wie ich den Brief genussvoll in sehr kleine Teile zer­lege. — stop

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