von den verkäufern der nachtbücher

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ulysses : 17.25 — Heute Nach­mit­tag wollte ich ein Nacht­buch kaufen. Ich spazierte deshalb über die Cen­tral­sta­tion gegen 16 Uhr im Zitro­nen­licht mit mein­er Filmkam­era. Ich ging sehr langsam, schaute über schat­tige Bahn­steige, schaute genau dor­thin, wo die Verkäufer der Nacht­büch­er manch­mal sicht­bar wer­den. Man kann die Verkäufer der Nacht­büch­er immer nur dann erken­nen, wenn man an eine eigene Geschichte denkt, an eine Geschichte, die man einem anderen Men­schen erzählen kön­nte, zum Beispiel, um diesen Men­schen glück­lich zu machen oder um ihm die Zeit­not zu vertreiben, wenn er nicht sofort glück­lich wer­den kann. Also dachte ich an Bil­ly, den Ken­taur, wie er sich freute, weil er auf einem Raubzug im Gebirge ein Tele­fon­verze­ich­nis der Stadt Chica­go fand nahe eines rauchen­den Jagdfis­cher­lagers. Ich musste dann nicht lange weit­er gehen. Auf Bahn­steig 15 war ger­ade ein Zug aus Ams­ter­dam eingetrof­fen, dort saß auf ein­er Bank ein Nacht­buch­händler und lachte, als ich mich neben ihn set­zte. Bil­ly, sagte er, Du denkst wieder an Bil­ly. Das ist gut, mein Lieber, das wird eine feine Geschichte wer­den. Haben wir einen Wun­sch? Und schon war er wieder ver­schwun­den und ich spazierte weit­er und jet­zt ist früher Abend und ich sitze auf meinem Sofa, ein Buch für die Nacht liegt neben mir, und warte, dass es dunkel wird, um die Geschichte eines fer­nen Men­schen zu lesen, die mir die Zeit­not vertreiben wird. Ich weiß jet­zt, dass die Händler der Nacht­büch­er wed­er für eine Fotografie noch für einen Film zur Aufze­ich­nung geeignet sind. Sie haben ihr ganz beson­deres Licht.

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