PRÄPARIERSAAL : ein helles herz

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bamako : 2.58 – Beobachtete im Prä­pari­er­saal kurz vor acht Uhr mor­gens eine Assis­tentin, indem sie sich mit­tels eines Skalpells und ein­er Pinzette in die Tiefe eines Lun­gen­flügels vorar­beit­ete. Feine, zupfende Hand­be­we­gun­gen ein­er Uhrma­cherin. Ein met­al­len­er Ton, sobald die Assis­tentin etwas Gewebe am Rand ein­er Schale von ihren Werkzeu­gen streifte. Wort­los stand die junge Frau am Tisch, schein­bar ohne sich an mein­er Gegen­wart zu stören. Nach eini­gen Minuten dann schob sie das Lun­gen­prä­parat zur Seite und wen­dete sich einem Herzen zu, das in unmit­tel­bar­er Nähe eines weit­eren Lun­gen­flügels auf einem Blech schaukelte, als sei es noch von eigen­er Kraft in Bewe­gung. Das war ein kräftiges Herz gewe­sen, ich erin­nere mich noch gut, über das Gewicht in meinen Hän­den ges­taunt zu haben. Ich hat­te das Prä­parat vom Tisch gehoben und hielt es in der Schale mein­er Hände fest, um die Arbeit der Assis­tentin zu erle­ichtern. Das Herz ist schw­er, sagte ich. Ein mächtiger Muskel, antwortete die Frau, ja, ein mächtiges Herz, fest und dunkel, das Herz eines Läufers. Oder ein Kün­stler­herz vielle­icht. Schweigen jet­zt. Sie trom­melte mit ihren Werkzeu­gen auf den hölz­er­nen Rand des Tis­ches. Meines wird wohl etwas klein­er sein, set­zte ich vor­sichtig hinzu, ein helles Herz, das Herz eines Vogels, sagen wir. Du kannst also fliegen, bemerk­te die junge Frau und lachte, das ist eine gute Geschichte! — Wie sie für den Bruchteil ein­er Sekunde ihr Gehirn mit einem Lid bedeck­te.  Fin. – stop

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