vom unsichtbaren

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lima : 23.59 UTC — Ich war noch ein Kind gewe­sen, als ich von meinem Vater in einen unter der Erde liegen­den Saal des Kern­forschungszen­trums CERN geführt wurde. Ich lernte dort die Unsicht­barkeit ken­nen. Es war inmit­ten ein­er Nacht, der Saal grell beleuchtet, Dio­den blink­ten, orangen­far­bene Warn­leucht­en dreht­en sich langsam. Und da war das Rauschen der Luft, die kühl durch den Saal strich, ein beständi­ger Wind, weswe­gen in ein­er Hochsom­mer­nacht doch alle Men­schen, die in dem Saal zu beobacht­en waren, warme Klei­dung tru­gen. Mein Vater und ich standen auf ein­er Brücke, die über einen Kor­ri­dor führte, der voll­ständig leer zu sein schien. Aber das war natür­lich ein Irrtum, dort gle­ich unter uns schoss näm­lich ein Strahl hoch­en­er­getis­ch­er Teilchen durch die Luft, der jeden Men­schen sofort getötet hätte, wenn er dort unten hin­durch spaziert wäre. Mein Vater deutete hinab und ver­suchte mir das Unsicht­bare zu erk­lären. Nicht sicht­bar, weil zu schnell, sagte mein Vater, und zu klein. Ich war so berührt von der möglichen Wirkung des Unsicht­baren, dass ich immer wieder dor­thin zurück­kehren wollte, um das Unsicht­bare zu besuchen. Über­haupt ist das Unsicht­bare, das aber doch der Fall ist, ein wun­der­volles Phänomen. Oder jenes gemein­same Wesen, das nur den Lieben­den sicht­bar wird. — Mit dieser Minute endet Louis’ 20646 Leben­stag. — stop

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