aleppo

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char­lie : 0.32 — Er werde langsam alt, erzählte der Jour­nal­ist L.., alt und müde. Manch­mal füh­le er sich morsch wie ein Knochen, der lange Zeit in feuchter Luft unter freiem Him­mel herum gele­gen habe, da wird man bald staubig, und dann kommt ein Wind und schon ist man so leicht gewor­den, dass man ganz und gar für immer aufhören möchte. Deshalb habe er ein Haus an der Küste gekauft mit einem Reet­dach, das links und rechts des Haus­es nahezu bis auf den Boden reiche. Er brauche einen Ort, an den er sich zurückziehen, einen Ort, an dem er leichter wer­den könne, wan­dern am Meer stun­den­lang und sprechen mit sich selb­st. Wenn er Selb­st­ge­spräche führe, würde er in sich hinein­se­hen, Wörter und Sätze bewirken, dass er für einige Zeit nicht mehr aufhören könne zu sprechen, weil er doch in den ver­gan­genen Jahren eigentlich so schweigsam gewor­den war, weil er doch immer, als er noch disku­tierte und erzählte, vergessen habe, was er sagte, weshalb er tage­lang darüber nach­denken musste, ob er nicht etwas gesagt haben kön­nte, das unmöglich gesagt sein durfte, diese Wörter, diese Sätze, die man so liebend gern zurück­holen wollte, weil sie nicht passend oder ganz ein­fach zu viele Wörter gewe­sen waren. Deshalb nun ein Haus an der Küste, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Haus­es nahezu bis auf den Boden reiche, wo er mit sich selb­st sprechen könne solange er wolle, wo ihm nie­mand zuhören würde, nur das Haus und er selb­st und manch­mal der Sand und ein paar Vögel, wenn er von Alep­po erzäh­le, wo er vor weni­gen Wochen, ein Him­melfahrt­skom­man­do, noch gewe­sen sei. — stop
flieger

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