bambus

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marimba : 3.58 – In einem Moment der Stille beob­ach­tete ich vor wenigen Stunden ein Bücher­regal, das in meinem Arbeits­zimmer steht. Ich meinte, ein Geräusch wahr­ge­nommen zu haben, in etwa hörte sich das so an, als würde man ein Ohr an ein Bambus­rohr legen, durch welches Kiesel­steine fallen. Zunächst meldete sich das Geräusch links oben unter der Decke, wo sich Bücher befinden, die ich noch nicht gelesen habe, wartende Bücher, sagen wir, Mahnende. Kurz darauf wanderte das Geräusch in die Mitte des Regals, Chris­toph Rans­mayr klim­perte, John Berger, Janet Frame, Antonio Tabucchi. Ich hatte für einige Minuten den Eindruck, das Geräusch oder seine Ursache könnte sich verviel­fäl­tigt haben. Wenn nun folgendes geschehen wäre, dass sich die Bücher meines Regals in Funk­bü­cher verwan­delten, in Bücher, die nur vorgeben Bücher von Papier zu sein, in Bücher also, die über Seiten verfügen, die eigent­lich Bild­schirme sind, die man umblät­tern kann. Dann wäre denkbar, dass ich jenes typi­sche Geräusch vernommen habe, das in genau dem Moment entsteht, da der Autor eines Buches mittels Funk­wellen eine erneu­erte Fassung seines Werkes in die Zimmer der Welt entsendet. Ich muss darüber nach­denken, was die Möglich­keit oder die Exis­tenz der Funk­bü­cher bedeuten würde für das Schreiben, für das Aufhören können, für Anfang und Ende einer Geschichte. Und wenn nun Jean Pauls Komet in meinem Zimmer rascheln würde, oder Dantons Tod, Georg Büchner? – Noch zu tun: Regen­wörter erfinden. – stop
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