kurz vor mitternacht

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sier­ra : 23.55 — In U-Bah­nen reisend immer wieder der Ein­druck, Men­schen wür­den mit­tels ihrer raschel­nden Zeitun­gen zueinan­der sprechen. Eine Weile ist Ruhe, aber dann blät­tert irgend­je­mand eine Seite um, und schon knis­tert der Wag­on von Rei­he zu Rei­he weit­er. Man möchte in diesen Momenten meinen, die Papiere selb­st wären am Leben und wür­den die Lesenden bewe­gen. Ein­mal habe ich mir Zeitungspa­piere von stof­far­tiger Sub­stanz vorgestellt, Papiere von Sei­de zum Beispiel, so dass kein­er­lei Geräusch von ihnen aus­ge­hen würde sobald man sie berührte. Eine eigen­tüm­liche Stille, Geräuschlosigkeit, Leere, ein Sog, eine Wahrnehmung gegen jede Erfahrung. — Kurz vor Mit­ter­nacht. Ich habe diese kleine Geschichte ger­ade eben Sch­necke Esmer­al­da vorge­le­sen, um sie zu weck­en. Sie war in der Abend­däm­merung über meinen Küchen­tisch gekrochen, hat­te sich auf eine Banane geset­zt und war dann ver­mut­lich eingeschlafen, während ich eine Debat­te des griechis­chen Par­la­ments via Livestream beobachtete. Dort auf dem Bild­schirm aufgeregte Men­schen, die in ein­er wohlk­lin­gen­den Sprache for­mulierten, die ich nicht ver­ste­he, aber sofort erkenne, sobald ich sie vernehme. Ein­mal meinte ich, den Namen Willy Brandts gehört zu haben. — stop. Wolken­los­er Him­mel. stop. Nichts weit­er. — stop

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drohne2

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